Die Bedeutung multinationaler Unternehmungen als Motor der Globalisierung ist ungebrochen. Die Steigerung internationaler Wettbewerbsvorteile bleibt eine zentrale Herausforderung des Internationalen Managements. In der Absicherung des Auslandsgeschäfts spielen ausländische Tochtergesellschaften eine zunehmend kritische Rolle: Sie erwirtschaften immer größere Anteile des Ergebnisses und tragen damit wesentlich zur langfristigen Sicherung des Unternehmenserfolges bei.
Mit der wachsenden wirtschaftliche Bedeutung der ausländischen Töchter ist ein grundlegender Wandel ihres Stellenwertes im Unternehmen verbunden: Aus bloßen Befehlsempfängern einer mächtigen Unternehmenszentrale werden tendenziell selbstständig operierende Einheiten, die spezifische strategische und operative Aufgaben im Unternehmensnetzwerk übernehmen.
Vielfältige Distanzen wie z. B. geographische, sprachliche, kulturelle, politisch-rechtliche trennen dabei Stammhaus und Auslandstöchter und erschweren eine effiziente Koordination. Die Überbrückung dieser Distanzen in heterogenen Umwelten stellt ein erhebliches Managementproblem dar, das über Erfolg oder Misser-folg des Auslandsengagements entscheiden kann.
In vorliegender Arbeit soll die Bedeutung und Effizienz ausgewählter Koordinationsinstrumente zur Überbrückung der vielfältigen Distanzen untersucht werden. Dabei wird die klassische Einteilung in strukturelle, technokratische und personelle Koordinationsinstrumente zugrunde gelegt. Im Mittelpunkt steht die Vorstellung dieser Instrumente und der Bedingungen ihres Einsatzes.
Inhaltsverzeichnis
1 Abgrenzung der Themenstellung
1.1 Ausgangssituation und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Begriffliche Vorklärungen
2.1 Internationales Unternehmen und Tochtergesellschaft
2.2 Koordination
3 Einflussfaktoren der internationalen Koordination
3.1 Strategien als Bedarfsverursacher
3.2 Tochtergesellschaften als Koordinationspartner
3.2 Distanzen als Koordinationserschwernisse
4 Koordinationsinstrumente
4.1 Systematik der Koordinationsinstrumente
4.2 Wirkung der Unternehmenskultur
4.3 Empfehlungen für den Einsatz der Koordinationsinstrumente
5 Fallbeispiel
5.1 Die Dukorpus AG als ein internationales Unternehmen
5.1.1 Internationalisierungsprofil
5.1.2 Produkt- und Branchenmerkmale
5.1.3 Internationaler Strategietyp
5.2 Überbrückung von Distanzen
5.2.1 Strategische und kognitive Distanzen
5.2.2 Physische Distanzen
5.2.3 Institutionelle Distanzen
5.2.4 Kulturelle Distanzen
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie internationale Unternehmen Koordinationsbedarfe in einem globalen Netzwerk effektiv bewältigen können, wobei die Überbrückung diverser Distanzen zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften im Zentrum steht. Ziel ist es, geeignete Koordinationsinstrumente sowie deren spezifische Einsatzbedingungen theoretisch herzuleiten und anhand eines Praxisbeispiels zu veranschaulichen.
- Grundlagen der Koordination in internationalen Unternehmungen
- Einfluss von Strategie, Tochtergesellschaftstyp und Distanzen auf den Koordinationsbedarf
- Systematisierung und Einsatzmöglichkeiten von Koordinationsinstrumenten
- Bedeutung der Unternehmenskultur als übergeordnetes Koordinationsmedium
- Fallstudie zur Koordination eines international tätigen Energieunternehmens
Auszug aus dem Buch
5.2.5 Kulturelle Distanzen
Dukorpus operiert in einer Vielzahl kulturell heterogener Umwelten – heterogen sowohl im Verhältnis der Tochtergesellschaften untereinander als auch im Verhältnis der Tochtergesellschaften zum (deutschen) Stammhaus - und begegnet dabei nahezu jeder bekannten kulturellen Singularität innerhalb der klassischen Triade von Europa, USA und Japan wie mittlerweile auch außerhalb in den sogenannten emerging markets der Entwicklungs- und Schwellenländer. Im Gegensatz zu jungen ‚Start-up-Firmen‘ und ausländischen Erstgründungen verfügt Dukorpus über einen großen Schatz an internationaler Erfahrung, der wenig Raum lässt für einen ‚kulturellen Schock‘, den Unternehmen bei der erstmaligen Überschreitung der Grenzen ihres Stammlandes erleiden mögen (33) - ‚kulturelle Schocks‘ im Sinne von gravierenden und anfänglich schwer nachvollziehbaren Unterschieden der Landeskulturen von Stammhaus und Tochtergesellschaften.
Immer wieder jedoch ist Dukorpus durch fortgesetzte Mergers and Akquisitions konfrontiert mit den Unterschieden von Unternehmenskulturen. Gerade im Prozess der Kulturanpassung übernommener ausländischer Firmen zeigt sich m. E. der Kern der Unternehmenskultur jenseits aller offiziellen Proklamationen: inwiefern verfolgt das Mutterunternehmen eine pluralistische oder universelle Kultur (s. S. 14) und wieweit geht das Ausmaß der Kulturbewahrung der übernommenen Gesellschaften (vgl. Ivers 2006: 29)?
Dukorpus nimmt die Verschiedenheit unterschiedlicher Kulturentwürfe ernst. Eine ethnozentrische Einstellung, die die Übermacht der Stammhauskultur postulierte (vgl. Perlmutter 1969: 11), liegt Dukorpus ebenso fern wie die „Laissez-faire“-Einstellung im Sinne eines ungebändigten Polyzentrismus, der den kulturellen „Eigensinn“ regionaler Eigenheiten (vgl. Ringlstetter, Morner 1998) tolerierte. Das Beispiel der kulturellen Diversität illustriert diese grundlegende Einstellung: Nach Dukorpus erweitert Diversität das Potenzial für Ideen und Innovationen und verbessert damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Vielfältig zusammengesetzte Teams, die Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven angehen, erreichen eine höhere Produktivität und bessere Lösungen. Diversität ist geschäftlich geboten und muss ein selbstverständlicher Bestandteil der weltweiten Unternehmenskultur werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Abgrenzung der Themenstellung: Einführung in die wachsende Bedeutung internationaler Unternehmen und Definition der Problemstellung sowie des methodischen Vorgehens der Arbeit.
2 Begriffliche Vorklärungen: Definition der zentralen Konzepte internationaler Unternehmen, Tochtergesellschaften und Koordination als zielgerichtete Abstimmung interdependenter Systeme.
3 Einflussfaktoren der internationalen Koordination: Analyse der Treiber des Koordinationsbedarfs durch Unternehmensstrategien, die Rolle der Auslandstöchter sowie verschiedene Arten von Distanzen.
4 Koordinationsinstrumente: Systematische Vorstellung von strukturellen, technokratischen und personenorientierten Instrumenten sowie der besonderen Rolle der Unternehmenskultur.
5 Fallbeispiel: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf das fiktive Unternehmen Dukorpus AG unter Berücksichtigung spezifischer Distanzüberwindungsmaßnahmen.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Koordinationsherausforderungen und Würdigung der Unternehmenskultur als zentralem Element in komplexen globalen Umfeldern.
Schlüsselwörter
Internationale Koordination, Tochtergesellschaften, Unternehmensstrategie, Koordinationsinstrumente, Distanzen, Unternehmenskultur, Transnationales Unternehmen, Globalisierung, Interdependenzen, Organisationsstruktur, Diversität, Zentralisierung, Führung, Wissensmanagement, Fallstudie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Koordination von ausländischen Tochtergesellschaften innerhalb eines internationalen Unternehmensnetzwerks und untersucht, wie dabei auftretende Distanzen erfolgreich überbrückt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Identifikation von Koordinationsbedarfen, die Einordnung von Rollen der Auslandstöchter, die Analyse verschiedener Distanzarten (physisch, strategisch, kulturell) sowie die Anwendung von Koordinationsinstrumenten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Unternehmen mittels eines passenden Instrumentenmixes – unter Einbeziehung einer starken Unternehmenskultur – ihre ausländischen Standorte effektiv koordinieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit folgt einem theoretisch-analytischen Ansatz, bei dem zunächst Einflussfaktoren und Instrumente aus der Literatur hergeleitet und anschließend anhand eines praxisorientierten Fallbeispiels veranschaulicht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Analyse der Einflussfaktoren, eine systematische Klassifizierung der Koordinationsinstrumente sowie die detaillierte Darstellung dieser Mechanismen am Beispiel der fiktiven Dukorpus AG.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Internationale Koordination, Tochtergesellschaften, Distanzüberwindung, Strategietypen, Unternehmenskultur und Organisationsinstrumente.
Wie definiert die Arbeit den Begriff "Koordination"?
Koordination wird als "zielgerichtete Abstimmung interdependenter Systeme" verstanden, die notwendig ist, wenn die Aktivitäten einer Unternehmenseinheit die Handlungen einer anderen beeinflussen.
Warum spielt die Unternehmenskultur bei der Koordination eine so wichtige Rolle?
Die Unternehmenskultur wirkt als Medium der Identitätsstiftung und Orientierung, das besonders in neuartigen, dynamischen oder hochkomplexen Situationen Handlungsstabilität gewährleistet, wenn formelle Instrumente an ihre Grenzen stoßen.
Welche Herausforderungen bei der Koordination werden im Fallbeispiel illustriert?
Das Fallbeispiel Dukorpus AG illustriert insbesondere die Herausforderungen durch physische (Zeitzonen), institutionelle (lokale Rahmenbedingungen) und kulturelle Distanzen und stellt entsprechende Lösungsansätze vor.
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- Helfried Zimmermann (Author), 2009, Überbrückung von Distanzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121564