Die Arbeit aus dem Bereich Gesundheitsmanagement beschreibt und analysiert das Geschäftsmodell der "retail clinics" in den USA. Außerdem stellt sie Möglichkeiten der Übertragung in das deutsche Gesundheitssystem vor. Neben der Analyse nach Sachfunktionen gibt es noch einen weiteren konzeptionellen Bezugsrahmen: den Geschäftsmodellansatz. Geschäftsmodelle geben Antwort auf die Frage, was die Existenz eines Betriebs rechtfertigt. Eine einheitliche Definition des Geschäftsmodellansatzes gibt es bis heute nicht, da es viele verschiedene Ansätze gibt.
Der Geschäftsmodellansatz besteht aus fünf Teilmodellen. Kern des Geschäftsmodellansatzes ist das Leistungsmodell, welches den Nutzen für den Kunden durch die angebotene Leistung darstellt. Dabei wird auch die Frage nach der Existenzberechtigung des Unternehmens beantwortet. Das Marktmodell beschäftigt sich mit allen Kunden, die durch die Leistung angesprochen werden: Wettbewerber, Kundenbeziehungen, Kundensegmente, Distribution.
Weiter befasst sich das Produktionsmodell mit den erforderlichen sowie vorhandenen Technologien, mit der die Leistung erbracht wird. Das Kostenmodell beschreibt das monetäre Abbild der hergestellten Güter und Dienstleistungen und zu guter Letzt analysiert das Erlösmodell die Finanzierung des Geschäftsmodells. Der Geschäftsmodellansatz stellt mithilfe des Leistungsmodells die Schnittstelle Unternehmen-Unternehmensumfeld dar und gleichzeitig bildet er mit der Unternehmens-Ebene und der Markt-Ebene die internen und externen Ansatzpunkte des systemischen Management-Ansatzes ab.
Inhaltsverzeichnis
1 KONZEPTIONELLE BEZUGSRAHMEN
1.1 Geschäftsmodellansatz
1.2 Analyse nach Sachfunktionen
2 GRUNDLEGENDE ASPEKTE VON „RETAIL CLINICS“
2.1 Definition „retail clinic“
2.2 Aktuelle Entwicklung und Marktsituation der „retail clinics“
3 LEISTUNGSMANAGEMENT VON „RETAIL CLINICS“
3.1 Strukturqualität
3.2 Umfang der Leistungserbringung
4 KUNDENMANAGEMENT VON „RETAIL CLINICS“
4.1 Zielgruppe
4.2 Hinweisschild: Kunde oder Patient?
4.3 Wettbewerbsvorteilsstrategien
5 FINANZMANAGEMENT VON „RETAIL CLINICS“
5.1 Erlössystematik
5.2 Kostenstruktur
6 ÜBERTRAGUNG DES KONZEPTES „RETAIL CLINIC“ IN DAS DEUTSCHE GESUNDHEITSSYSTEM
6.1 Chancen und Schwierigkeiten bei der Übertragung
6.2 Interessierte Akteure an einer Übertragung des Konzeptes
6.3 Vergleichbare Konzepte in Deutschland
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Geschäftsmodell der US-amerikanischen „retail clinics“ und analysiert kritisch die Möglichkeiten sowie die Herausforderungen einer potenziellen Übertragung dieses Konzepts in das deutsche Gesundheitssystem.
- Grundlagen des Geschäftsmodellansatzes im Gesundheitswesen
- Marktanalyse und Erfolgskriterien von „retail clinics“ in den USA
- Vergleich der Managementbereiche (Leistung, Kunden, Finanzen)
- Chancen und Barrieren bei einer Implementierung in Deutschland
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition „retail clinic“
„Retail clinics“ sind kleine (ca. 18-45 Quadratmeter Fläche) ambulanzähnliche Einrichtungen in den USA, welche in Einkaufszentren, Warenhäusern, Apotheken und Großdrogerien zu finden sind. Sie bieten einen schnellen, unkomplizierten und kostengünstigen Zugriff auf nicht lebensbedrohliche Notfälle wie akute Infektionen, Durchfall, Husten, Halsschmerzen, Insektenstiche und leichten Sonnenbrand an (RAND Corporation, 2016). Weitere Merkmale sind die optimale Erreichbarkeit im Alltag, großzügige Öffnungszeiten, fixe und transparente Preise, geringe Wartezeiten sowie die Möglichkeit, medizinische Leistungen ohne Termin direkt in Anspruch nehmen zu können. Betreut wird man von einer „registered nurse“, sprich einer Krankenschwester, oder einem „physician assistant“, einem Arzthelfer (RAND Corporation, 2016).
Übersetzt in die deutsche Sprache heißt „retail clinic“ Einzelhandelsklinik. Der „retail“-Aspekt wird dadurch charakterisiert, dass solche Organisationen in Geschäfte des täglichen Bedarfs eingegliedert werden und so den Kunden neben den alltäglichen Besorgungen auch unkomplizierte und schnelle Hilfe bei leichten gesundheitlichen Beschwerden leisten können. Ein weiterer „retail“-Aspekt ist die Tatsache, dass die Kundschaft schon vor der Behandlung weiß, welchen Preis sie für die jeweiligen medizinischen Leistungen zu bezahlen hat. Man erhält eine bestimmte Leistung für einen vorher bestimmten Festpreis. So wie es in Einzelhandelsgeschäften üblich ist (Gerste, 2007).
Zusammenfassung der Kapitel
1 KONZEPTIONELLE BEZUGSRAHMEN: Einführung in den Geschäftsmodellansatz und die Analyse nach Sachfunktionen als theoretische Basis für die Betrachtung der „retail clinics“.
2 GRUNDLEGENDE ASPEKTE VON „RETAIL CLINICS“: Definition und historische Entwicklung der Einzelhandelskliniken in den USA sowie Analyse ihrer aktuellen Marktsituation.
3 LEISTUNGSMANAGEMENT VON „RETAIL CLINICS“: Vergleich der Strukturqualität und des Leistungsumfangs zwischen US-Einzelhandelskliniken und deutschen Arztpraxen.
4 KUNDENMANAGEMENT VON „RETAIL CLINICS“: Analyse der Zielgruppen, der Service-Positionierung als „Kunde statt Patient“ sowie der strategischen Wettbewerbsvorteile.
5 FINANZMANAGEMENT VON „RETAIL CLINICS“: Untersuchung der Erlössystematik und der Kostenstruktur, die den wirtschaftlichen Betrieb von retail clinics in den USA ermöglichen.
6 ÜBERTRAGUNG DES KONZEPTES „RETAIL CLINIC“ IN DAS DEUTSCHE GESUNDHEITSSYSTEM: Kritische Bewertung der Chancen und Hürden einer Implementierung sowie Analyse potenzieller Akteure und bereits existierender, vergleichbarer Ansätze in Deutschland.
Schlüsselwörter
Retail Clinics, Geschäftsmodell, Gesundheitsmanagement, Ambulante Versorgung, Patientenbetreuung, Leistungserbringung, Kostenstruktur, Kundenmanagement, Strukturqualität, Gesundheitssystem, USA, Deutschland, Versorgungssektor, Medizinökonomie, Wettbewerbsvorteile.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das US-amerikanische Konzept der „retail clinics“ (Einzelhandelskliniken) und bewertet, inwieweit dieses Modell auf das deutsche Gesundheitswesen übertragen werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Es werden das Leistungsmanagement, das Kundenmanagement und das Finanzmanagement in den Fokus gerückt, um die ökonomischen und strukturellen Hintergründe der retail clinics zu durchleuchten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifikation von Potenzialen und Hürden bei der Übertragung des Konzepts, wobei die strukturellen Unterschiede zwischen den Gesundheitssystemen der USA und Deutschlands berücksichtigt werden.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde verwendet?
Es wurde eine theoretische Analyse auf Basis des Geschäftsmodellansatzes sowie der Analyse nach Sachfunktionen durchgeführt, ergänzt durch einen Vergleich der jeweiligen Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der retail clinics in den USA, deren wirtschaftliche Kennzahlen und eine anschließende Gegenüberstellung mit dem deutschen ambulanten Sektor.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch die Begriffe Retail Clinics, Geschäftsmodell, Gesundheitsmanagement und die Analyse der ambulanten Versorgungsstruktur.
Warum wird der Begriff „Kunde“ in retail clinics bevorzugt?
Der Autor argumentiert, dass „Kunde“ treffender ist, da die Einrichtungen wie Einzelhandelsgeschäfte in den Alltag integriert sind und die Nutzer bei präventiven Leistungen mehr Eigenverantwortung und eine freie Wahl treffen.
Welche größte Hürde für eine Übertragung nach Deutschland wird identifiziert?
Die größte Hürde ist das aktuelle deutsche Gesetz (z. B. Krankenpflegegesetz), das die ambulante Versorgung primär an zugelassene Vertragsärzte bindet und wenig Spielraum für die weitreichende Eigenständigkeit von nicht-ärztlichem Personal bietet.
Können deutsche Arztpraxen vom retail-Konzept lernen?
Ja, der Autor sieht Potenzial in der Optimierung von standardisierten Abläufen und der Verbesserung der Patientenorientierung, auch wenn eine Eins-zu-eins-Übertragung aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen schwierig bleibt.
- Citation du texte
- Jonas Fürst (Auteur), 2022, Gesundheitsmanagement. Das US-amerikanische Geschäftsmodell der retail clinics, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1215801