„Boykotthetze gegen demokratische Einrichtungen und Organisationen, Mordhetze gegen demokratische Politiker, Bekundung von Glaubens-, Rassen-, Völkerhaß, militaristische Propaganda sowie Kriegshetze und alle sonstigen Handlungen, die sich gegen die Gleichberechtigung richten, sind Verbrechen im Sinne des Strafgesetzbuches. […]“
So heißt es im Artikel 6, Absatz 2 der Verfassung der DDR vom 7. Oktober 1949, gegen die Walter Janka und andere zuwider gehandelt haben sollen. Dass dies nicht zutreffend ist, sondern dem SED-Regime unter Ulbricht einzig und allein daran gelegen war, jede Tendenz zu laut werdenden Reformforderungen nach dem XX. Parteitag der KPdSU sofort auszuschalten, möchte ich im vorliegenden Essay darlegen. Vor diesem Hintergrund möchte ich dann versuchen die Bedeutung der Lesung vom 28. Oktober 1989 im Deutschen Theater zu Berlin zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis
I. Wer war Walter Janka?
II. „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“
III. Die Lesung und ihre Auswirkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die politische Biografie von Walter Janka und untersucht insbesondere die Bedeutung seiner 1989 im Deutschen Theater stattfindenden Lesung als Katalysator für die öffentliche Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit im Kontext der Herbstrevolution.
- Biografische Stationen von Walter Janka (KPD, Spanienkrieg, Exil).
- Analyse des SED-Schauprozesses gegen Janka im Jahr 1957.
- Das ambivalente Verhältnis zwischen Walter Janka und Johannes R. Becher.
- Die politische Signalwirkung der Lesung "Schwierigkeiten mit der Wahrheit" im Jahr 1989.
Auszug aus dem Buch
II. „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“
In dem Kapitel „der Minister“ legt Janka sein ambivalentes Verhältnis zu der Person Johannes R. Becher, der von 1954 bis 1958 Kulturminister der DDR war, dar.
Seiner Meinung nach wäre Bechers Stimme als vielseitig gelobter Dichter groß genug gewesen, um sie gegen das Unrecht, das viele Intellektuelle nach dem XX. Parteitag der KPdSU zuteil wurde, zu erheben. Er hingegen hat den Terror Stalins und die stalinistischen Methoden der SED-Regierung zu keiner Zeit öffentlich verurteilt und sich auch zu keiner Zeit für die Intellektuellen öffentlich stark gemacht. Gegenüber den Mitarbeitern des Aufbau-Verlages hingegen, zeigte er Bereitschaft über Fehler in der Vergangenheit zu diskutieren. Er ermunterte und bestärkte sie über die vielen Fragen, die sich nach dem XX. Parteitag und den Unruhen in Polen und Ungarn stellten, offen miteinander zu reden. So war er maßgeblich daran beteiligt, dass sich der Aufbau-Verlag zu einem Forum positiver Aussprachen zwischen intellektuellen Mitarbeitern und Autoren entwickelte.
Schwerpunkte der Diskussionen waren die sozialistische Umgestaltung der DDR, das Aufbrechen stalinistischer Strukturen, die Formen sozialistischer Demokratie und der unter dem Begriff der „proletarischen Diktatur“ praktizierte Machtmissbrauch. Janka selbst, durch Becher ermutigt, setzte nun auch auf „Tauwetter“ und beteiligte sich fördernd an den kritischen Debatten.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Wer war Walter Janka?: Dieses Kapitel beleuchtet den Lebensweg Jankas, von seinem frühen politischen Engagement in der KPD und dem Kampf im Spanischen Bürgerkrieg bis hin zu seiner Inhaftierung im Zuge stalinistischer Säuberungen in der DDR.
II. „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“: Hier wird Jankas autobiografisches Werk analysiert, wobei besonders sein kompliziertes Verhältnis zu Kulturminister Johannes R. Becher und die konstruierte Anklage gegen ihn im Schauprozess 1957 im Fokus stehen.
III. Die Lesung und ihre Auswirkungen: Das letzte Kapitel untersucht, wie die öffentliche Lesung im Deutschen Theater 1989 die gesellschaftliche Aufarbeitung der DDR-Geschichte befeuerte und zur Dynamik der Herbstrevolution beitrug.
Schlüsselwörter
Walter Janka, DDR, SED, Schauprozess, Johannes R. Becher, Aufbau-Verlag, Stalinismus, Herbstrevolution, Deutsches Theater, Widerstand, Biografie, Aufarbeitung, Zeitgeschichte, Kommunismus, Exil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Lebensgeschichte des Kommunisten Walter Janka und dessen Rolle als kritische Stimme gegenüber dem SED-Regime, die schließlich in die historische Lesung von 1989 mündete.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die politische Verfolgung von Intellektuellen in der DDR, das Mechanismen des SED-Staatssicherheitsapparates sowie die Wirkung literarischer Zeugnisse auf den gesellschaftlichen Wandlungsprozess 1989.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Bedeutung der Lesung von 1989 im Deutschen Theater als Wendepunkt für den öffentlichen Diskurs über die DDR-Vergangenheit zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen und biografischen Analyse unter Verwendung primärer Quellen, insbesondere Jankas Werk "Schwierigkeiten mit der Wahrheit" sowie zeitgenössischer Dokumente.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografie Jankas, die Analyse seines Buches im Hinblick auf den Schauprozess von 1957 und die Untersuchung der Auswirkungen seiner Lesung auf die Bevölkerung im Herbst 1989.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Schauprozess, stalinistische Methoden, Aufarbeitung der Vergangenheit, SED-Repression und die Zäsur durch die Herbstrevolution.
Warum war das Verhältnis zu Johannes R. Becher so problematisch?
Es war ambivalent, da Janka einerseits von Becher als Verleger gefördert wurde, andererseits Becher als Minister die stalinistischen Methoden der SED öffentlich nie verurteilte, obwohl er hätte Einfluss nehmen können.
Welche Rolle spielte die Rettung von Georg Lukács in dem Prozess gegen Janka?
Die Unterstützung der Flucht von Georg Lukács wurde von der Staatssicherheit als Beweis für Jankas konterrevolutionäre Aktivitäten und seine "Feindschaft gegen die SU" umgedeutet und instrumentalisiert.
- Quote paper
- Nele Pohl (Author), 2006, Die Lesung Walter Jankas im Deutschen Theater 1989, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121620