Das psychologisch schwer zu definierende Konstrukt Altruismus sowie das damit zusammenhängende
prosoziale Verhalten steht im Mittelpunkt des jungen Wissenschaftszweiges
Altruismus-Forschung, der so divergierende Verhaltensweisen wie helping behavior, sharing
behavior, rescue behavior oder charitable behavior untersucht. Besonders problematisch ist,
daß spontanes, also nicht induziertes, altruistisches Verhalten empirisch nur unzureichend
festgehalten werden kann. Dennoch gibt es eine Reihe durchaus brauchbarer Meßinventare
für die Erfassung des Sozialverhaltens von Vorschulkindern. Ausgehend von einer, eine weitere
Operationalisierung erlaubenden, Rahmendefinition für Altruismus, werden verschiedene
Verhaltensweisen von Vorschulkindern anhand empirischer Beispiele vorgestellt. Aspekte der
Perspektivenübernahme, des Modellverhaltens und der Wechselwirkung mit aggressivem
Verhalten werden ebenso behandelt, wie der Einfluß von Leistung, Bedürftigkeit und Empathie.
Den Abschluß bildet eine Exkurs zum Thema helping behavior.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. ALTRUISMUS UND PROSOZIALES VERHALTEN
1.1. 3 Entwicklungsschritte zum altruistischen Handeln
1.2. Perspektivenübernahme als Voraussetzung
1.3. Prosozialität und Modellernen
2. SKALEN ZUR BEOBACHTUNG DES SOZIALVERHALTENS BEI KINDERN
2.1. Der Beobachtungsbogen für Kinder im Vorschulalter / BBK
2.2. Das Altruismus-Beobachtungs-System / ABS
2.3. Die Skala zur Erfassung des Sozialverhaltens von Vorschulkindern / KSV
3. SHARING BEHAVIOR - DISTRIBUTIVE GERECHTIGKEIT
3.1. Gerecht urteilen und gerecht aufteilen
4. CHARITABLE BEHAVIOR - BEDÜRFTIGKEIT
4.1. Die Bedeutung der Empathie
5. EXKURS: HELPING BEHAVIOR - ERSTE HILFE-NOTFÄLLE
6. LITERATUR
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das psychologische Konstrukt des Altruismus sowie damit verbundenes prosoziales Verhalten bei Kindern im Vorschulalter. Ziel ist es, die Schwierigkeiten bei der empirischen Erfassung spontaner altruistischer Handlungen aufzuzeigen, bestehende Messinstrumente vorzustellen und zu analysieren, wie sich verschiedene soziale Faktoren auf die Entwicklung dieser Kompetenzen auswirken.
- Grundlagen des Altruismus und prosozialen Verhaltens
- Methoden zur Beobachtung sozialen Verhaltens im Vorschulalter
- Einfluss von Gerechtigkeitsvorstellungen auf das Aufteilungsverhalten
- Die Rolle der Empathie bei altruistischem Handeln
- Praktische Aspekte der Notfallkompetenz bei Kindern
Auszug aus dem Buch
1. Altruismus und Prosoziales Verhalten
Altruismus, also Uneigennützigkeit oder Nächstenliebe, ist - ebenso wie der Gegenbegriff Egoismus - ein psychologisch schwer zu definierendes Konstrukt: "Einem Bettler eine Münze zu geben, ist auf den ersten Blick eine altruistische Handlung. Doch läßt sich unschwer einwenden, daß sie auch durchaus egoistisch sein kann, etwa indem sich der Geber Lohn im Jenseits erhofft oder sein Selbstgefühl durch seine Mildtätigkeit steigert - auch, ja gerade dann, wenn die altruistisch-egoistische Handlung ein echtes Opfer darstellt" [Schmidbauer, 1991, S.16]. - Im übrigen ist Altruismus - allerdings in einem weiter gefaßten Sinne - keine spezifisch menschliche Fähigkeit: "In essence, all animals are altruistic; no animal lives a completely selfish life. All organisms work on the principle that 'it is all relatives'. Altruism is very deeply ingrained into the system" [Ornstein, 1992, S.271].
In der Altruismus-Forschung - einem Wissenschaftszweig, der sich seit Beginn der 70er Jahre entwickelt hat - werden eine Vielzahl divergierender Verhaltensweisen untersucht, deren Gemeinsamkeit im positiven [= prosozialen] Effekt für den oder die Adressaten solcher altruistischen Verhaltensweisen liegt. Das Verhalten selbst kann vielschichtig sein, so unterscheiden wir etwa helping behavior, sharing behavior, rescue behavior, generosity, charitable behavior oder volunteering.
Zusammenfassung der Kapitel
1. ALTRUISMUS UND PROSOZIALES VERHALTEN: Einführung in die Begriffsdefinition von Altruismus sowie die theoretische Herleitung der notwendigen Bedingungen für altruistische Interaktionen.
2. SKALEN ZUR BEOBACHTUNG DES SOZIALVERHALTENS BEI KINDERN: Überblick über drei spezifische Messinstrumente (BBK, ABS, KSV) zur systematischen Erfassung des Sozialverhaltens bei Vorschulkindern.
3. SHARING BEHAVIOR - DISTRIBUTIVE GERECHTIGKEIT: Analyse, wie Kinder Konzepte von Gerechtigkeit bei der Aufteilung von Ressourcen anwenden und welche Faktoren (wie Leistung) dabei eine Rolle spielen.
4. CHARITABLE BEHAVIOR - BEDÜRFTIGKEIT: Untersuchung des Einflusses von Bedürftigkeitsinformationen der Empfänger sowie der motivationalen Bedeutung der Empathie für prosoziales Verhalten.
5. EXKURS: HELPING BEHAVIOR - ERSTE HILFE-NOTFÄLLE: Darstellung eines Modellversuchs zur Vermittlung von Notfallkompetenz bei Kindern zur Förderung sozialen Verhaltens.
6. LITERATUR: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und weiterführenden Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Altruismus, Prosoziales Verhalten, Vorschulkinder, Perspektivenübernahme, Modellernen, Sozialverhalten, Beobachtungsbogen, Gerechtigkeitskonzepte, Empathie, Hilfeverhalten, Notfallkompetenz, Sozialisation, Aggression, Persönlichkeitsentwicklung, Kleinkinder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen Forschung zum Altruismus und prosozialen Verhalten bei Kindern, insbesondere unter Berücksichtigung von Messverfahren und entwicklungspsychologischen Einflussfaktoren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Altruismus, der Beobachtung sozialen Verhaltens im Vorschulalter, der Entwicklung von Gerechtigkeitsvorstellungen sowie der Bedeutung von Empathie und Modelllernen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den aktuellen Forschungsstand zu prosozialem Verhalten bei Kindern darzustellen, gebräuchliche Analyseinstrumente vorzustellen und die Bedingungen zu beleuchten, unter denen Kinder altruistisch agieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturübersicht sowie der Auswertung empirischer Studien, wie z.B. Beobachtungssystemen im Kindergarten oder experimentellen Anordnungen zu Gerechtigkeitsurteilen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Beobachtungsskalen (ABS, BBK, KSV), experimentelle Untersuchungen zum Sharing Behavior und Charitable Behavior sowie einen Exkurs zur praktischen Erste-Hilfe-Erziehung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Altruismus, prosoziales Verhalten, Perspektivenübernahme, Sozialisation, Empathie und Notfallkompetenz.
Warum spielt die Perspektivenübernahme eine zentrale Rolle?
Sie gilt als kognitive Voraussetzung für soziales Handeln, da das Kind erst durch das Abrücken von der eigenen egozentrischen Sichtweise die Bedürfnisse anderer wahrnehmen und darauf reagieren kann.
Welchen Einfluss haben Geschlechterrollen auf das Verhalten?
Die Arbeit zeigt, dass bereits im Vorschulalter geschlechtsspezifische Sozialisationsmuster wirksam werden, bei denen Mädchen eher zu passiveren und Jungen zu aktiveren altruistischen Rollen tendieren.
Was besagt die Erregungshypothese in Bezug auf Modelllernen?
Sie erklärt, dass bei der Beobachtung von prosozialem Verhalten bei Kindern auch aggressive Reaktionen stimuliert werden können, da diese in der individuellen Reaktionshierarchie vorhanden sind und durch allgemeine Erregung miterregt werden.
- Arbeit zitieren
- Mag. Arno Krause (Autor:in), Daniela Dorfer (Autor:in), 1996, Altruismus und prosoziales Verhalten bei Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121686