Nach einer kurzen Darbietung zur Geschichte der Burgunder, soll diese Hausarbeit das Hauptaugenmerk vor allen Dingen auf die Sprache der Burgunder richten, welche, nur äußerst fragmentarisch überliefert wurde. Es liegen uns heute praktisch nur noch einige kleine „Sprachkrümmelchen“ vor, welche aber zur Erforschung der burgundischen Sprache dennoch eine ergiebige Quelle sein können. Doch auch die archäologischen Hinterlassenschaften der Burgunder, also die kleineren Sprachdenkmäler, sollen nicht außer Acht gelassen werden. Hier sind besonders die so genannten Danielschnallen mit ihren Inschriften von äußerster Bedeutung für die Erforschung der Sprache, aber auch der Glaubenswelt des Burgundervolkes.
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Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Zur Geschichte der Burgunder
3. Archäologische Hinterlassenschaften der Burgunder
3.1. Die Danielschnallen
4. Sprachliche Hinterlassenschaften der Burgunder
4.1. Die Lex Burgundionum und ihre sprachlichen Besonderheiten
4.2. Orts- und Flurnamen
4.3. Personennamen
5. Zusammenfassung
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit widmet sich der Erforschung der äußerst fragmentarisch überlieferten burgundischen Sprache. Ziel ist es, trotz des Mangels an schriftlichen Zeugnissen und archäologischen Funden, ein wissenschaftliches Profil der sprachlichen Hinterlassenschaften dieses germanischen Stammes zu erstellen und dabei deren Integration in romanische Sprachräume sowie die Einflüsse auf Rechtswesen und Namengebung zu analysieren.
- Historischer Hintergrund des Burgundervolkes
- Analyse archäologischer Funde (Danielschnallen)
- Sprachliche Untersuchung der Lex Burgundionum
- Einflüsse auf Orts-, Flur- und Personennamen
- Reflektion der Assimilation und Romanisierung
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Danielschnallen
Im späten fünften Jahrhundert tauchten zum ersten Mal gewisse Arten von Gürtelgarnituren und Schnallen auf, welche in Kleriker- und Frauengräbern gefunden wurden und den Burgundern zuzuschreiben sind. Diese so genannten Danielschnallen sind rechteckige Aufsatzbleche aus Kupfer und Silber mit einem Motiv in der Mitte, welches von einer Inschrift umrandet ist. Diese Verknüpfung von Schrift und Bild ist als typisch germanisch-burgundisch zu betrachten. Das eingeritzte Motiv zeigt in den meisten Fällen den Propheten Daniel, der sich in mitten von Ungeheuern, meist Löwen, befindet.
Über das Daniel-Motiv schreibt Stephan Opitz, dass dies eine Thematik aus der Zeit der Volkswanderung sei, christliche Heilsbedeutung habe und ursprünglich aus Ägypten komme. Daniel ist ein Prophet aus dem Alten Testament, welcher auf den Gürtelschnallen mit den Ungeheuern (Löwen) dargestellt wird. Laut Opitz kann Daniel auf drei verschiedene Arten bildlich dargestellt sein. (1) In der Mitte der Darstellung ist Daniel zu sehen, der links und rechts von Ungeheuern umgeben ist. Die am Rande entlanglaufende Inschrift nennt Daniel in mehreren Fällen Christus. (2) Die zweite Variante stellt Daniel als Vase mit Gesicht dar, von der sich rechts und links Tiere mit erhobenen Pfoten befinden. Hier findet sich das römische Motiv von Tieren, die Lebenswasser trinken, wieder. (3) Bei der letzten Art der Daniel-Darstellung wird Daniel, beziehungsweise Christus, in einem Kreis dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Der Autor erläutert die Entstehung der Arbeit aus einem Seminarreferat und beschreibt die Zielsetzung, die knappen sprachlichen Quellen der Burgunder zu untersuchen.
2. Zur Geschichte der Burgunder: Dieses Kapitel skizziert die Herkunft der Burgunder aus Skandinavien, ihre Migration und den geschichtlichen Kontext ihrer Herrscher bis zum Untergang des Reiches.
3. Archäologische Hinterlassenschaften der Burgunder: Es wird die Schwierigkeit der archäologischen Zuweisung von Funden thematisiert und das Volk als anpassungsfähig und integrationswillig charakterisiert.
3.1. Die Danielschnallen: Detaillierte Betrachtung der künstlerischen Darstellung Daniels auf Gürtelschnallen als frühes Zeugnis christlicher Symbolik und Runenverwendung.
4. Sprachliche Hinterlassenschaften der Burgunder: Einleitung in die Problematik der fragmentarischen Überlieferung der burgundischen Sprache und deren Romanisierung.
4.1. Die Lex Burgundionum und ihre sprachlichen Besonderheiten: Untersuchung der Gesetzestexte und Analyse der enthaltenen germanischen Lehnwörter im lateinischen Rechtstext.
4.2. Orts- und Flurnamen: Analyse der burgundischen Namenssuffixe und deren Fortwirken in der heutigen französischen Toponymie.
4.3. Personennamen: Betrachtung von Wortstämmen in Personennamen, die Rückschlüsse auf Eigenschaftszuschreibungen und Stammesmythen erlauben.
5. Zusammenfassung: Eine kritische Würdigung der Forschungsquellen und eine Reflexion über die historische Assimilation der Burgunder im römischen Reich.
Schlüsselwörter
Burgunder, germanische Sprache, Lex Burgundionum, Danielschnallen, Sprachdenkmäler, Namengebung, Romanisierung, Volkswanderung, Runeninschrift, Historische Linguistik, Siedlungsgeschichte, Germanische Philologie, Frühmittelalter, Rechtstradition, Assimilation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die spärlichen sprachlichen Zeugnisse der Burgunder, um trotz deren starker Integration und Romanisierung ein besseres Verständnis ihrer ursprünglichen Sprache und Kultur zu gewinnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den archäologischen Zeugnissen, insbesondere den Danielschnallen, sowie der philologischen Analyse von Gesetzestexten und der Namenforschung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Hauptziel ist die Zusammenstellung und Deutung der überlieferten Sprachkrümmelchen, um zu prüfen, inwieweit diese für die wissenschaftliche Forschung zur burgundischen Sprache aussagekräftig sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine philologische und historische Quellenanalyse auf Basis der vorhandenen Fachliteratur durchgeführt, ergänzt durch die Auswertung archäologischer Befunde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung archäologischer Artefakte, die sprachliche Analyse der Lex Burgundionum sowie eine tiefgehende Untersuchung von Orts- und Personennamen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Burgunder, Sprachüberreste, Romanisierung, Lex Burgundionum, Namengebung und germanische Stammesgeschichte.
Was bedeuten die sogenannten Danielschnallen für die Forschung?
Sie sind von großer Bedeutung, da sie die Verknüpfung von frühchristlicher Symbolik mit runenschriftlichen Elementen zeigen und somit seltene direkte Sprachzeugnisse darstellen.
Warum ist die Analyse der Lex Burgundionum so wertvoll?
Obwohl der Rechtstext in Latein verfasst ist, enthalten die wenigen eingestreuten germanischen Begriffe wertvolle Hinweise auf den Wortschatz und die Rechtskultur des Volkes.
Wie interpretierte die Autorin die Assimilation der Burgunder?
Sie hinterfragt kritisch den in der Fachliteratur teils abwertenden Ton über die "Anpassungsfähigkeit" der Burgunder und sieht diese eher als notwendige Überlebensstrategie eines kleinen Volkes gegenüber einer dominierenden Macht.
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- Stefanie Warnke (Author), 2006, Sprachliche Überreste der Burgunder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121695