In dieser Arbeit soll sich alles um Jacob Grimms wohl berühmtestes sprachwissenschaftliches Werk drehen – die „Deutsche Grammatik“ von 1819, mit der er zu einem der angesehensten Germanisten Deutschlands wurde. Besonders der zweite und dritte Teil der „Deutschen Grammatik“ , die den Titel „Von der Wortbildung“ tragen, sollen im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Schwerpunktmäßig soll Grimms Wortbildungslehre genauer untersucht und mit Theorien der gegenwärtigen Morphologie verglichen werden, wobei auch auf das Verständnis des Genus eingegangen werden soll. Ein zentrales Anliegen dieser Arbeit ist die Frage nach der aktuellen Relevanz von Jacob Grimms sprachwissenschaftlichen Auffassungen, die rund zweihundert Jahre älter sind als die linguistischen Theorien der heutigen Zeit. Die Frage ist, inwieweit solch alte Theorien heute überhaupt noch tragbar sind, da sich innerhalb der vergangenen zwei Jahrhunderte nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Gesellschaft und die ganze Welt stark verändert haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Über Jacob Grimms „Deutsche Grammatik“
2.1 Grundgedanke und Entstehungsgeschichte
2.2 Das Organismuskonzept
2.3 Teile und Aufbau
2.4 Wirkung
2.4.1 Die Lautverschiebungen
2.4.2 Ablaut
3. Zu Jacob Grimms Lehre von der Wortbildung
3.1 Die innere Wortbildung durch Laut und Ablaut
3.2 Die äußere Wortbildung durch Mehrung der Wurzel
3.2.1 Ableitung – Derivaton
3.2.2 Zusammensetzung – Kompositon
3.2.2.1 Eigentliche vs. uneigentliche Zusammensetzung
3.2.2.2 Zusammensetzung aus verschiedenen Wortarten
3.3 Genus
4. Die Lehre von der Wortbildung in der gegenwärtigen Morphologie
4.1 Diachronie vs. Synchronie: Definition der Wortbildungslehre früher und heute
4.2 Die neuen Aufgabenfelder der Wortbildungslehre
4.2.1 Lehnwortbildung
4.2.2 Pragmatik
4.2.3 Nominationsforschung
4.2.4 Lexikographie
4.3 Neue Erkenntnisse
4.4 Derivation
4.4.1 Explizite Derivation
4.4.1.1 Präfigierung
4.4.1.2 Suffigierung
4.4.1.3 Kombinatorische Derivation
4.4.2 Implizite Derivation
4.5 Komposition
4.5.1 Aspekte zur Klassifikation von Komposita
4.5.2 Arten von Komposita
4.5.2.1 Determinativkomposita
4.5.2.2 Kopulativkomposita
4.5.2.3 Possessivkomposita
4.6 Kurzwortbildung
5. Zusammenfassung: Grimms Ansichten heute
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Wortbildungslehre von Jacob Grimm in seinem Werk „Deutsche Grammatik“ (1819) und vergleicht sie kritisch mit den Theorien der gegenwärtigen Morphologie, um die Frage nach ihrer aktuellen wissenschaftlichen Relevanz zu klären.
- Historische und theoretische Analyse der "Deutschen Grammatik"
- Vergleichende Untersuchung von Grimms Wortbildungsmethodik und moderner Morphologie
- Kritische Beleuchtung des Konzepts der "Genustheorie" bei Grimm
- Diskussion über Diachronie und Synchronie in der Wortbildungsforschung
- Evaluierung der Leistungsfähigkeit moderner vs. klassischer sprachwissenschaftlicher Ansätze
Auszug aus dem Buch
3.1 Die innere Wortbildung durch Laut und Ablaut
Im Gegensatz zu Becker unterscheidet Grimm in „innere Wortbildung“ (durch Laut und Ablaut) und in „äußere Wortbildung“ (durch äußere Mehrung der Wurzel). Die „äußere Wortbildung“ wird dabei in „Ableitung“ (Derivation) und „Zusammensetzung“ (Komposition) unterteilt. Er weist dabei darauf hin, dass bei der inneren Wortbildung die Einfachheit der Wurzel nicht aufgehoben wird, wohingegen bei der äußeren Wortbildung durch Zusammensetzung und Ableitung ein Zuwachs stattfindet, wodurch das Wort nun kein einfaches mehr ist. Grimms Meinung nach sind Verben die Grundlagen aller anderen Wörter, vor allem die straken Verben mit ihrem Ablaut wie beispielsweise in singen – sang – gesungen, welche übrigens die drei „Urvokale“ a – i – u beinhalten. Doch Grimm beklagt, dass die abstrakte Sprache immer weniger Ablaute enthält, dafür aber mehr zusammengesetzte und abgeleitete Wörter, die zwar verständlich, aber eigentlich völlig misslungen und lästig sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitung in Jacob Grimms Wirken und die zentrale Fragestellung der aktuellen Relevanz seiner linguistischen Ansätze.
2. Über Jacob Grimms „Deutsche Grammatik“: Darstellung der Entstehung des Werkes, des Organismuskonzepts sowie der bahnbrechenden Entdeckungen wie Lautverschiebung und Ablaut.
3. Zu Jacob Grimms Lehre von der Wortbildung: Systematische Untersuchung von Grimms Unterscheidung in innere und äußere Wortbildung sowie seiner Analyse von Ableitung und Komposition.
4. Die Lehre von der Wortbildung in der gegenwärtigen Morphologie: Gegenüberstellung von Grimms historischer Perspektive mit modernen morphologischen Ansätzen, einschließlich expliziter/impliziter Derivation und moderner Klassifikationsverfahren.
5. Zusammenfassung: Grimms Ansichten heute: Kritische Bilanz zur heutigen Geltung von Grimms Theorien und sein Stellenwert als Wegbereiter der modernen Sprachwissenschaft.
Schlüsselwörter
Jacob Grimm, Deutsche Grammatik, Morphologie, Wortbildung, Lautverschiebung, Ablaut, Komposition, Derivation, Diachronie, Synchronie, Sprachgeist, Organismuskonzept, Sprachwissenschaft, Generative Grammatik, Genus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Wortbildungslehre von Jacob Grimm in seiner "Deutschen Grammatik" und stellt sie der heutigen modernen Morphologie gegenüber.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Schwerpunkte sind das Organismuskonzept der Sprache, die historischen Gesetze von Lautverschiebung und Ablaut sowie die methodischen Unterschiede zwischen historischer (diachroner) und moderner (synchroner) Sprachbetrachtung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, inwieweit Grimms rund 200 Jahre alte sprachwissenschaftliche Auffassungen heute noch wissenschaftlich tragbar und relevant sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden methodischen Ansatz, der Grimms historische Quellen mit zeitgenössischen sprachwissenschaftlichen Modellen und Forschungsergebnissen korreliert.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit Grimms Wortbildungstheorie (innere vs. äußere Wortbildung, Komposition, Derivation) und eine ausführliche wissenschaftliche Einordnung in die aktuelle morphologische Diskussion.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sprachgeschichte, morphologische Struktur, diachrone Linguistik, Kompositionalität und das Erbe der Brüder Grimm charakterisieren.
Wie bewertet der Autor Grimms Genus-Theorie?
Die Arbeit zeigt auf, dass Grimms "Genustheorie" eng mit psychologischen Ansätzen und dem Konzept des Sprachgeistes verknüpft ist, wobei der Autor auch die Schwächen und die oftmals spekulative Natur dieser Herleitung in der modernen Forschung beleuchtet.
Warum ist das Organismuskonzept für Grimm so zentral?
Das Organismuskonzept spiegelt Grimms Überzeugung wider, dass Sprache ein lebendiges, wachsendes Gebilde ist, das sich nach internen Gesetzen entwickelt und nicht willkürlich durch Eingriffe von außen geformt werden sollte.
Welche Bedeutung kommt der Kurzwortbildung heute zu?
Die Arbeit identifiziert die Kurzwortbildung als modernes Phänomen der Sprachökonomie, das zu Grimms Zeit praktisch noch nicht existent war und heute einen Gegenpol zur Bildung immer längerer Komposita darstellt.
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- Stefanie Warnke (Author), 2008, Jacob Grimms Wortbildungslehre aus der Sicht der gegenwärtigen Morphologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121699