"Der Staatsbegriff bei Bakunin" – das klingt zunächst einmal sehr
widersprüchlich, geht es doch um den Staatsbegriff eines Anarchisten – und die gelten allgemein schlicht als Staatsfeinde. Für viele bedeutet Anarchismus Gesetzlosigkeit, Chaos und Gewalt, für andere wiederum die totale Freiheit:
Freiheit zu tun und zu lassen, was man will, frei von Vorschriften und Gesetzen aber auch frei von Geld und Besitz zu sein. Der Anarchismus als politische Theorie oder auch Utopie hat aber weit mehr zu bieten. Neben Bakunin, der zu den Vätern des Anarchismus zu zählen ist, haben viele libertäre Denker zur Ausformulierung einer Gesellschaftskonstruktion beigetragen, die zwar auf Freiheit und Staats- bzw. Autoritätsablehnung aufbaut, aber sich in ihrer Struktur durchaus mit dem Marxismus messen kann. Zur Darstellung der Unterschiede soll im Folgenden die Bedeutung der Begriffe "Anarchismus" und "Staat" kurz definiert und erläutert werden, bevor dann am Beispiel Bakunins gezeigt werden wird, daß Bakunins Staatsbegriff sowohl hinsichtlich des klassischen Staates, als auch hinsichtlich der anarchistischen Gemeinschaft ein klares Bild abliefert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung: Anarchismus Staat
2.1 Anarchismus
2.2 Staat
2.3 Kurzvergleich Anarchismus Staat
3. Hauptteil: Der Staatsbegriff bei Bakunin
3.1. Prinzipien und Organisation einer internationalen revolutionär-sozialistischen Geheimgesellschaft (1866)
3.2. Das Knutogermanische Kaiserreich und die soziale Revolution (1870)
3.3. Gott und der Staat (1871)
3.4. Staatlichkeit und Anarchie (1873)
3.5. Zusammenfassung: Der Staatsbegriff bei Bakunin
4. Ursprünge und Herleitungen des Bakuninschen Staatsbegriffes
4.1. Theoretische Wegbereiter :Fichte – Hegel – Feuerbach – Stirner – Weitling
4.2. Bakunins geistiger Ziehvater:Pierre-Joseph Proudhon
4.3. Bakunins geistiger Widersacher: Karl Marx
5. Schlußwort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Staatsbegriff des Anarchisten Michail Bakunin, analysiert dessen theoretische Herleitung sowie seine Abgrenzung zu anderen politischen Strömungen wie dem Marxismus und erörtert, inwiefern Anarchismus als eine Form von Gesellschaftsordnung verstanden werden kann.
- Definition und Differenzierung der Begriffe "Anarchismus" und "Staat"
- Analyse der wichtigsten Schriften Bakunins zum Staatsbegriff
- Untersuchung der geistigen Wurzeln Bakunins (Fichte, Hegel, Feuerbach, Stirner, Proudhon)
- Kontrastierung der anarchistischen Theorie mit dem Marxismus
- Kritische Reflexion der Rolle von Religion und Autorität im Staatsverständnis
Auszug aus dem Buch
3.1 Prinzipien und Organisation einer internationalen revolutionär-sozialistischen Geheimgesellschaft (1866)
Wie Bakunin sich seine anarchistische Gesellschaft vorstellte, hat er 1866 in "Prinzipien und Organisation einer internationalen revolutionär-sozialistischen Geheimgesellschaft" ausführlichst beschrieben. Bakunins Vorstellung einer freien Gesellschaft war radikal im ursprünglichsten Sinne des Wortes: Freiheit,Vernunft, Gerechtigkeit und Arbeit sollten die Grundlagen dieser freien Gesellschaft bilden. Natürlich sind dies sehr idealistische Vorstellungen, die kaum umsetzbar erscheinen, aber das war Bakunin durchaus bewußt: "Ein solches Werk kann nicht von kurzer Dauer sein" merkte er an.
Folgende Punkte bildeten Bakunins "Revolutionären Katechismus":
Der Atheismus
Dies bedeutete für Bakunin gleichzeitig die totale "Abschaffung des Dienstes und des Kults der Gottheit". Mit der Verneinung eines überirdischen Gottes sollte die Vernunft zum einzigen "Prüfungsmittel der Wahrheit, das menschliche Gewissen als Grundlage der Gerechtigkeit, die individuelle und kollektive Freiheit als einzige Schöpferin der Ordnung in der Menschheit" anerkannt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt das Ziel dar, Bakunins Staatsbegriff als Mosaik aus verschiedensten Theorien und Weltanschauungen darzustellen und gegen den Marxismus abzugrenzen.
2. Begriffsklärung: Anarchismus Staat: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Anarchismus und Staat grundlegend und stellt beide als konkurrierende Organisationsformen des Politischen gegenüber.
3. Hauptteil: Der Staatsbegriff bei Bakunin: Dieser Kernbereich analysiert die wesentlichen Werke Bakunins (wie "Gott und der Staat" und "Staatlichkeit und Anarchie"), um seinen Staatsbegriff sowie seine Vorstellung einer anarchistischen Gemeinschaft zu systematisieren.
4. Ursprünge und Herleitungen des Bakuninschen Staatsbegriffes: Hier werden die philosophischen Einflüsse von Fichte über Hegel bis hin zu Feuerbach und Proudhon beleuchtet, die maßgeblich zur Theoriebildung Bakunins beitrugen.
5. Schlußwort: Das Schlußwort resümiert die theoretische Leistung Bakunins als einen der ersten Anarchisten, der eine Theorie aus dem Leben und dem Austausch mit Menschen ableitete.
Schlüsselwörter
Anarchismus, Bakunin, Staat, Freiheit, Anti-Autorität, soziale Revolution, Atheismus, Materialismus, Proletariat, Proudhon, Marx, Föderalismus, Selbstverwaltung, Herrschaftskritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Auseinandersetzung Michail Bakunins mit dem Staatsbegriff und versucht, seine anarchistische Utopie systematisch zu erfassen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Anarchismus und Staat, die Bedeutung des Atheismus als Befreiung vom Autoritätsglauben sowie die Analyse der revolutionären Strategien Bakunins.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den "Bakuninschen Staatsbegriff" zu definieren und aufzuzeigen, wie Bakunin Freiheit und Ordnung innerhalb einer föderalen Gesellschaftsstruktur denkt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine textkritische Analyse der Hauptwerke Bakunins sowie eine vergleichende Einordnung seiner Theorien in den philosophischen Kontext des 19. Jahrhunderts.
Was sind die wichtigsten Inhalte des Hauptteils?
Im Hauptteil werden zentrale Schriften Bakunins detailliert analysiert, um die praktischen Prinzipien seiner revolutionär-sozialistischen Organisation und sein Verhältnis zum Staat darzustellen.
Was kennzeichnet die Bakuninsche Theorie besonders?
Die Arbeit charakterisiert die Theorie als einen strengen Materialismus, der auf der Verneinung jeder Form von staatlicher Autorität basiert und die Freiheit des Einzelnen in den Mittelpunkt stellt.
Warum kritisiert Bakunin das allgemeine Wahlrecht so scharf?
Bakunin sieht im Wahlrecht innerhalb einer ungleichen Klassengesellschaft lediglich ein Täuschungsmanöver, das dazu dient, die Herrschaft einer intellektuellen oder besitzenden Minderheit zu legitimieren.
Welche Rolle spielt Karl Marx im Kontext dieser Untersuchung?
Marx wird als wichtigster geistiger Widersacher Bakunins analysiert; die Auseinandersetzung mit ihm dient dazu, die Unterschiede zwischen dem zentralistischen Staatsmodell der Marxisten und dem föderalen Ansatz der Anarchisten zu verdeutlichen.
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- Tim Diedrich (Author), 2000, Der Staatsbegriff bei Bakunin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12171