Arthur Schnitzler beschreibt in seinem Theaterstück „Professor Bernhardi“ in authentischer Weise die politischen und religiösen Verhältnisse der Wiener Gesellschaft um 1900. Zudem ist er mit seinem Denkansatz der damaligen Zeit, insbesondere in Bezug auf die Anspielungen des immer stärker hervortretenden Antisemitismus, deutlich voraus. „Professor Bernhardi“ ist eines der wenigen Werke Schnitzlers, das die Judenproblematik behandelt, wenngleich Schnitzler stets fälschlicherweise aufgrund dieses Gesichtspunktes von den damaligen Kritikern bewertet wurde. Dies formuliert er in einem Tagebucheintrag vom 29.1.1919 folgendermaßen: „Mißverstanden wurden natürlich alle Künstler von Rang; - Der Grad, - Die Betonung - und die Lauheit der ´Verstehenden´ ist eben doch zum allergrößten Theil nur aus meinem Judenthum zu erklären.“
Aus diesem Grund ist die Beschäftigung mit dem vorliegenden Thema von besonderem Interesse, um einerseits zu zeigen, wie schwerwiegend die Vorwürfe gegenüber die Juden um 1900 in Wirklichkeit waren und wie korrupt die Wiener Politiker handelten. Andererseits ist das Thema des Werkes auch heute noch aktuell, da in einigen Ländern religiöse Minderheiten immer noch verfolgt werden. Zudem zeigt die standhafte Persönlichkeit Bernhardis, dass auch Minderheiten etwas erreichen können und sich nicht unterkriegen lassen sollen.
Der erste Teil meiner Hausarbeit soll einen kurzen Überblick über den Autor Arthur Schnitzler geben, um die Parallelen der Charaktere des Theaterstückes mit dem Leben Schnitzlers, insbesondere mit Blick auf das Wirken seines Vaters Johann Schnitzler, zu verdeutlichen.
Eine daran anschließende Inhaltsangabe des Werkes dient dazu die wichtigsten Aspekte und Handlungen der Personen kurz für den Leser zusammenzufassen.
Kapitel vier beschäftigt sich mit der Judenproblematik in Wien um 1900, da diese eine zentrale Rolle in dem vorliegenden Stück einnimmt und viele Anspielungen der Figuren erst mithilfe dieser geschichtlichen Hintergrundinformation verstanden werden können.
Der Hauptteil, Kapitel fünf und sechs, dient der Beschreibung der Judenproblematik im Theaterstück „Professor Bernhardi“. Die Reaktionen der Öffentlichkeit auf dieses Werk zeigen, dass „Schnitzler jeweils genau die Wurzel des von ihm behandelten Problems erfasst, wie sehr er seiner Zeit voraus ist.“
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Der Autor Arthur Schnitzler
3. Inhaltsangabe zu dem Werk „Professor Bernhardi“
4. Die Judenproblematik in Wien um 1900
5. Die wichtigsten Aspekte des Theaterstückes in Bezug auf die „Judenfrage“
5.1 Die Aufteilung der Ärztegruppen
5.2 Die Charakterkonzeption des Pfarrers und des Ministers
5.3 Charakterisierung Professor Bernhardi
5.4 Sprachliche Auffälligkeiten
5.5 Die scheinbar Unpolitischen
6. Die Judenproblematik im Werk
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der Judenproblematik in Arthur Schnitzlers Theaterstück „Professor Bernhardi“ vor dem Hintergrund der politischen und sozialen Verhältnisse im Wien um 1900. Ziel ist es, Schnitzlers Kritik an Antisemitismus und gesellschaftlicher Korruption zu analysieren und aufzuzeigen, wie der Protagonist durch sein Handeln exemplarisch für humanistische Werte eintritt.
- Biografische Einordnung von Arthur Schnitzler und dessen Verhältnis zum Judentum.
- Analyse des gesellschaftlichen Umfelds und der antisemitischen Strömungen in Wien um 1900.
- Untersuchung der Charakterkonzeption und deren symbolische Bedeutung im Werk.
- Analyse der sprachlichen Mittel zur Entlarvung von Heuchelei und Machtmissbrauch.
Auszug aus dem Buch
5.1 Die Aufteilung der Ärztegruppen
Die Krankenhausatmosphäre ist in dem Theaterstück „Professor Bernhardi“ unerlässlich, da sie das wirkliche Leben der Wiener Ärzte und der Gesellschaft widerspiegelt. Um 1900 sind viele Konflikte aufgrund der vorherrschenden „jüdischen Frage“ nicht zu vermeiden. Im Krankenhaus des Stückes, dem Elisabethinum, herrscht ein rassisches Gleichgewicht zwischen den Ärzten. Es gibt neben Bernhardi noch vier gebürtige Juden: Löwenstein, Wenger, Oskar Bernhardi und Schreimann. Der Halbjude Adler und die sechs Nichtjuden Ebenwald, Cyprian, Pflugfelder, sein Sohn Kurt, Filitz und Tugendvetter vervollständigen die Ärzteschaft. Unter den Juden wie auch unter den Nichtjuden gibt es Freunde bzw. Feinde Bernhardis. Bei der Einberufung des Ärztekollegiums stimmen demnach zwei Nichtjuden, Pflugfelder und Cyprian, der Jude Löwenstein und der Halbjude Adler für Professor Bernhardi, während die Nichtjuden Ebenwald, Filitz, Tugendvetter und der gebürtige Jude Schreimann gegen ihn sind. Dr. Schreimann ist ein Konvertit, der vor einigen Jahren zum Katholizismus wechselte. Somit existiert eine Trennung zwischen Liberalen und Deutsch-Nationalen, die sich durch die zwei Gruppen der religiösen Rassen zieht. Diese Konstellation der Ärztegruppe ist charakteristisch für die Zeit um die Jahrhundertwende.
Kurt Pflugfelder ist ursprünglich ein deutsch-nationaler Student gewesen und ein Befürworter des Antisemitismus. Doch nachdem er die grausamen Handlungen dieser Gruppe mitbekommen hatte, bildet er sich, unabhängig von der in der Gesellschaft herrschenden, eine eigene Meinung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Die Einleitung erläutert die Relevanz des Stückes als authentisches Zeitzeugnis und Schnitzlers Vorwegnahme gesellschaftspolitischer Konflikte.
2. Der Autor Arthur Schnitzler: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Leben des Autors, seinen medizinischen Hintergrund und die persönliche Betroffenheit durch Antisemitismus.
3. Inhaltsangabe zu dem Werk „Professor Bernhardi“: Hier wird der Handlungsverlauf des Stückes zusammengefasst, insbesondere der Konflikt um die ärztliche Pflicht und das folgende juristische Nachspiel.
4. Die Judenproblematik in Wien um 1900: Es werden die historischen Hintergründe beleuchtet, einschließlich der rechtlichen Gleichstellung und der gleichzeitigen Zunahme antisemitischer Anfeindungen.
5. Die wichtigsten Aspekte des Theaterstückes in Bezug auf die „Judenfrage“: Untersuchung der internen Machtstrukturen, Charakterisierungen und der sprachlichen Strategien im Stück.
6. Die Judenproblematik im Werk: Analyse, wie der Antisemitismus die Handlung direkt beeinflusst und welche Bedeutung Bernhardis Handeln als symbolischer Akt hat.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Arbeit, die Schnitzlers kritische Auseinandersetzung mit der Korruption seiner Zeit unterstreicht.
Schlüsselwörter
Arthur Schnitzler, Professor Bernhardi, Antisemitismus, Judenfrage, Wien um 1900, Theaterstück, Ärzteschaft, Humanität, Korruption, Politik, Diskriminierung, Emanzipation, Moralität, Gesellschaftskritik, Religionsstörung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Arthur Schnitzlers Theaterstück „Professor Bernhardi“ im Kontext des aufkommenden Antisemitismus im Wien der Jahrhundertwende.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der medizinische Alltag als Mikrokosmos der Gesellschaft, die politischen Ränkespiele um Konfessionsfragen und die moralische Integrität des Individuums.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Schnitzler durch den Fall Bernhardi die gesellschaftliche Korruption und die Gefahren einer zunehmend intoleranten politischen Stimmung verdeutlicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext unter Einbeziehung von Sekundärliteratur und historischem Kontext untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Charakteranalyse sowie die Untersuchung sprachlicher Auffälligkeiten, um die politischen Machtstrukturen im Stück offenzulegen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Antisemitismus, Humanität, politische Korruption und das Spannungsfeld zwischen Ethik und Zeitgeist.
Inwiefern spielt der Beruf des Autors für das Verständnis des Stückes eine Rolle?
Schnitzlers eigene medizinische Laufbahn und seine Erfahrungen im Krankenhaus fließen maßgeblich in die authentische Darstellung der Ärztekollegien ein.
Welche symbolische Funktion nimmt der Protagonist Professor Bernhardi ein?
Bernhardi fungiert als moralischer Gegenpol, der trotz persönlicher Benachteiligung durch sein standhaftes, unpolitisches Handeln seine Menschlichkeit bewahrt.
Wie bewertet die Arbeit das „offene Ende“ des Stückes?
Das Ende verdeutlicht, dass trotz der persönlichen Niederlage Bernhardis ein Hoffnungsschimmer durch die individuelle moralische Entscheidung erhalten bleibt.
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- Sabine Reichardt (Autor), 2007, Die Judenproblematik in Arthur Schnitzlers Werk ‚Professor Bernhardi’, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121780