Sophisten wird vorgeworfen, eigennützig, größenwahnsinnig und gewinnsüchtig zu sein. Dies sind standardisierte Beschreibungen von Sophisten, die gefunden werden, sobald man sich in die Thematik der Sophisten einliest. Es stellt sich die Frage, inwiefern Platon Einfluss auf diese Definition ausgeübt hat. In unserer westlichen Kulturgeschichte wird klar zwischen Sophisten und Philosophen unterschieden. Sie werden in der größten Sicherheit voneinander unterschieden. Spielt hierbei der Einfluss von Platon eine bedeutende Rolle? Sokrates, Platon und Aristoteles zählen zweifelsfrei zu den großen Philosophen, während Sophisten oft nur als professionelle Rhetoriklehrer erwähnt werden. Diese Arbeit wird prüfen, ob und in welchem Ausmaß Platon auf die Definition von Sophisten Einfluss ausgeübt hat.
Im ersten Abschnitt erfolgt eine Definition der Sophisten. Hierzu gehört die Geschichte und die Entwicklung der Berufsgruppe. Anschließend folgt die Definition des Sophisten aus platonischer Sicht. Dabei bilden die Dialoge Protagoras und Sophistes die Grundlage der Definition. Im zweiten Abschnitt wird untersucht, welche Wirkung die Sophisten auf Platon hatten. Warum gibt er Sophisten so viel Raum in seinen Werken? Anschließend beschränke ich mich auf zwei Definitionsbereiche, die Platon für Sophisten einschlägt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition des Sophisten
2.1 Geschichte und Entwicklung der Sophisten
2.2 platonische Definition der Sophisten
3 Einfluss und Wirkung auf Platon
3.1 Wissen als Täuschung
3.2 Honorare
3.3 Abgrenzung
4 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Einfluss des Philosophen Platon auf die historische und begriffliche Wahrnehmung der Sophisten. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern Platons subjektive Darstellung in seinen Dialogen die heute vorherrschende negative Konnotation des Begriffs "Sophist" geformt hat.
- Historische Genese und Entwicklung der sophistischen Berufsgruppe
- Analyse der platonischen Definition von Sophisten anhand der Dialoge Protagoras und Sophistes
- Kritik an der Wissensvermittlung und dem Wahrheitsanspruch der Sophisten durch Platon
- Untersuchung der Rolle finanzieller Honorare als zentrales Abgrenzungsmerkmal zum Philosophen
Auszug aus dem Buch
3.1 Wissen als Täuschung
Ein großer Kritikpunkt, den Platon aufführt ist, dass Sophisten behaupten würden, dass sie in mehreren verschiedenen Bereichen der Wissenschaft Wissen verfügen würden. „Ob es wohl möglich ist, daß irgendein Mensch alles weiß.“,28(Sophistes 233a) Platon bzw. der Fremde stellt ironisch die Frage, ob es möglich sei, dass ein Mensch alles wissen könne. Der Sophist wolle seinen Schülern so viele Kenntnisse aus verschiedenen Bereichen der Wissenschaft vermitteln, dass dies Zweifel hege. Dies wäre nicht möglich.
Außerdem stellt er fest, dass Sophisten den Anspruch erheben, dass sie in allen Bereichen ihren Schülern überlegen seien, „In allen Dingen also scheinen sie ihren Schülern weise zu sein.“ (Sophistes 233c) Dies widerlegt er, denn es sei nicht möglich in allen Bereichen jeden Schüler zu übertreffen, „Ohne es doch zu sein; denn das hatte sich als unmöglich gezeigt.“ (233c). Platon kritisiert, dass Sophisten den Schein wahren wollen, dass sie Allwissend seien. Sie würden ihre Schüler täuschen, in dem sie behaupten würden über alles auf der Welt Wissen zu besitzen. Dies sei schlichtweg nicht möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung legt das Problem der einseitig negativen Wahrnehmung von Sophisten dar und definiert das Ziel der Arbeit, Platons Einfluss auf dieses Bild zu prüfen.
2 Definition des Sophisten: Das Kapitel beleuchtet die historische Entstehung der Wanderlehrer sowie Platons Versuch, den Begriff des Sophisten über seine Dialoge zu bestimmen.
3 Einfluss und Wirkung auf Platon: Hier werden die spezifischen Kritikpunkte Platons, insbesondere bezüglich des Wissensanspruchs, der Honorarfrage und der philosophischen Abgrenzung, detailliert analysiert.
4 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Platons subjektive Darstellung die Wahrnehmung der Sophisten als profitsüchtig und unwissend nachhaltig und negativ geprägt hat.
Schlüsselwörter
Platon, Sophisten, Philosophie, Protagoras, Sophistes, Rhetorik, Wissensvermittlung, Honorare, Wahrheit, Erkenntnis, Wanderlehrer, antike Geschichte, Wahrnehmung, Täuschung, Berufsgruppe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen und philosophischen Auseinandersetzung zwischen Platon und den Sophisten und analysiert, wie Platon das Bild der Sophisten in der westlichen Geschichte beeinflusst hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Entwicklung der sophistischen Berufsgruppe, die philosophische Definition durch Platon sowie die Rolle von Rhetorik, Wissen und Geld in diesem historischen Diskurs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, in welchem Ausmaß Platons teils subjektive Darstellungen in seinen Dialogen für das heute verbreitete negative Image der Sophisten verantwortlich sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literatur- und Quellenanalyse, insbesondere durch die Auswertung der platonischen Dialoge Protagoras und Sophistes sowie einschlägiger Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmung, die Analyse von Platon als Quelle, die Kritik am Wissensanspruch sowie die Auseinandersetzung mit der Bezahlung von Lehrleistungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe wie Platon, Sophisten, Rhetorik, Honorar, Wahrheit und Erkenntnis beschreiben den Fokus und die wissenschaftliche Stoßrichtung dieser Untersuchung.
Warum spielt das Thema der "Honorare" eine solch große Rolle bei Platon?
Platon nutzt die Tatsache, dass Sophisten Geld für ihren Unterricht verlangten, um sie von den Philosophen abzugrenzen, die er als "wahrhaft Reich" und unabhängig von materiellen Interessen definiert.
Wie unterscheidet Platon den Sophisten vom Philosophen?
Während der Philosoph laut Platon leidenschaftlich nach der Wahrheit sucht, stellt der Sophist laut Platon lediglich einen "Nachahmenden" dar, der vorgibt, Wissen zu besitzen, um seine Schüler zu täuschen.
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- Ebru Özcan (Autor), 2021, Die Sophisten. Inwiefern beeinflusste Platon die Definition und das Wirken der Sophisten?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1217830