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Exekutive Dysfunktionen und kindliche Sprechapraxie

Strukturelle, neurologische Zusammenhänge oder symptomatische Ähnlichkeiten

Titel: Exekutive Dysfunktionen und kindliche Sprechapraxie

Hausarbeit , 2008 , 29 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Sinikka Föllner (Autor:in)

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Planen, Problemlösen, Handlungen programmieren und initiieren, Steuerung von Motivation und Emotionen: kognitive Prozesse die im Alltag unbewusst zur erfolgreichen Lebensbewältigung beitragen. Sie werden als exekutive Funktionen zusammengefasst.
Störungen exekutiver Funktionen, so genannte exekutive Dysfunktionen äußern sich in Störung der Sequenzierung von Handlungen, motorischer Steuerung und Programmierung, das heißt in einer Störung der Handlungsplanung und –kontrolle. Zudem können kognitive Beeinträchtigungen, Verhaltensauffälligkeiten und Persönlichkeitsveränderungen diese Symptome begleiten. Ursächlich für das Auftreten von exekutiven Dysfunktionen sind Schädigungen des Gehirns im Bereich des präfrontalen Cortexes aber auch eine Reihe psychischer Erkrankungen, wie ADS/ADHS.
Auch die Sprechapraxie im Kindes- und Erwachsenenalter wird als Planungs- und Programmierungsstörung in der sequenziellen Anordnung sprachlicher Bewegungsmuster verstanden.
In der Sprechapraxie bei Erwachsenen sind bereits klare ursächliche Faktoren bestimmt und erforscht, wobei vor allem Läsionen des Gehirns, auch im frontalen und fronto-temporalen Bereich zu erwähnen sind.
Bei der kindlichen Sprechapraxie steckt die Ursachenfindung noch in den Kinderschuhen. Es gibt diverse Vermutungen für die Pathogenese kindlicher Sprechapraxien. Neben genetischen und metabolischen Faktoren, werden auch neurologische Ursachen oder strukturelle Veränderungen im Gehirn und/ oder zentralen Nervensystem vermutet. Während die beiden erst genannten bereits schon gut erforscht und in einigen Studien der Zusammenhang zu kindlichen Sprechapraxien bestätig wurde, sind neurologische Ursachen bisher noch nicht untersucht.
In der folgenden Arbeit werden die exekutiven Funktionen, deren Funktionsweise anhand verschiedener Modelle und mögliche Beeinträchtigungen beschrieben. Anschließend wird auf die Sprechapraxie im Erwachsenen- und Kindesalter kurz eingegangen.
Zum Schluss wird diskutiert, in wiefern Sprechapraxie und exekutive Funktionen funktional und strukturell zusammenhängen können und in welcher Form sich neurologische, strukturelle Veränderungen bei kindlicher Sprechapraxie begründen ließen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. 2. Exekutive Funktionen – Versuch einer Definition

3. 3. Modelle exekutiver Funktionen

3.1. Arbeitsgedächtnismodell nach Baddeley und Hitch

3.2. Das SAS – CS Modell von Norman & Shallice

4. Lokalisation Exekutiver Funktionen

5. Lokalisation von Sprache

6. Sprechapraxie

6.1. Begriffsklärung „Apraxie“

6.2. Versuch einer Definition für „Sprechapraxie“

6.3. Lokalisation und Ätiologie

6.4. Sprachapraxie vs. kindliche Entwicklungsdyspraxie

7. Kindliche Sprechapraxie

7.1. Begriffsklärung und Definition

7.2. Mögliche Pathogenese

7.3. Entwicklung der Praxie beim Kind

7.4. Sprachverarbeitungsmodell von Stackhouse und Wells (1997)

8. Vergleich und Zusammenhang Exekutiver Funktionen und kindlicher Sprechapraxie

9. Fazit

10. Literaturnachweis

10.1. Bücher/ Buchkapitel

10.2. Journals/ Artikel

10.3. Online

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen exekutiver Funktionen und deren neurologische Lokalisation, um Zusammenhänge mit dem Störungsbild der Sprechapraxie, insbesondere der kindlichen Sprechapraxie, zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern strukturelle neurologische Gemeinsamkeiten oder lediglich symptomatische Ähnlichkeiten zwischen diesen Funktionsbereichen bestehen.

  • Grundlagen und Modelle exekutiver Funktionen
  • Neurologische Lokalisation von Exekutivfunktionen und Sprache
  • Phänomenologie und Ätiologie der Sprechapraxie bei Erwachsenen
  • Symptomatik und Pathogenese der kindlichen Sprechapraxie
  • Vergleich von Handlungsplanung und sprachmotorischer Programmierung

Auszug aus dem Buch

3.1. Arbeitsgedächtnismodell nach Baddeley und Hitch

Als Arbeitsgedächtnis bezeichnet Allan Baddeley (1986) das komplexe kurzzeitige Speicher- und Verarbeitungssystem der menschlichen Wahrnehmung. Es ist zuständig für vorübergehende Speicherung und Veränderungen von Informationen. Außerdem wirkt es unterstützend beim Problemlösen und beim Erwerb neuen Wissens. Es wird zum Beispiel benötigt um einen Satz inhaltlich zu verstehen, das heißt auch am Ende des Satzes noch zu wissen, wie der Anfang aussah. Es hat eine limitierte Kapazität und wurde früher mit dem Kurzzeitgedächtnis gleichgesetzt, welches als einheitliches System galt, mit dem man nicht mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen konnte.

Erst in den achtziger Jahren haben Baddeley und Hitch in zahlreichen Untersuchungen festgestellt, dass es möglich ist, mehrere Aufgaben unterschiedlichen Typs gleichzeitig auszuführen, z. B. Rechnen komplexer Aufgaben und das Merken von Wortreihen. Hingegen können aber Aufgaben des gleichen Typs (z. B. visuelle Aufgaben) nur sehr schlecht oder gar nicht parallel ausgeführt werden. Baddeley geht daher davon aus, dass das Arbeitsgedächtnis kein einheitliches System ist, sondern das Modell in mehrere Komponenten unterteilt werden kann (vgl.: Wikipedia., Baddeleys Arbeitsgedächtnismodell., 2008.).

Es besteht aus einer zentralen Exekutive ("central executive"), welche als Kontrollinstanz fungiert und speziellen Subsystemen, welche als phonologische Schleife ("Phonolgical Loop"), räumlich-visueller Notizblock (Visuospatial Sketchpad) und episodischer Puffer (Episodic Buffer) klassifiziert sind. Diese sind für die Bearbeitung phonologischer (sprachbezogener) bzw. visueller Informationen, sowie für das Zusammenführen von Informationen zu ganzheitlichen Episoden zuständig. 1974 wurde das Modell als ein Dreikomponentenmodell entworfen, später fügte Baddeley die Komponente des episodischen Puffers hinzu.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert exekutive Funktionen, benennt deren Störungen und führt in das Thema der Sprechapraxie als Planungsstörung bei Erwachsenen und Kindern ein.

2. 2. Exekutive Funktionen – Versuch einer Definition: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der exekutiven Funktionen und betont die Notwendigkeit, statt einer bloßen Auflistung von Funktionsbereichen eher spezifische Teilprozesse zu erforschen.

3. 3. Modelle exekutiver Funktionen: Es werden zentrale kognitionspsychologische Modelle wie das Arbeitsgedächtnismodell von Baddeley und das SAS-CS-Modell von Norman & Shallice zur Erklärung exekutiver Störungen vorgestellt.

4. Lokalisation Exekutiver Funktionen: Das Kapitel verortet exekutive Funktionen primär im präfrontalen Kortex und diskutiert die Variable klinische Ausprägung bei Schädigungen, bekannt als dysexekutives Syndrom.

5. Lokalisation von Sprache: Es wird die neuronale Basis der Sprachfähigkeit beschrieben, wobei der Schwerpunkt auf perisylvischen Regionen und dem Broca-Areal liegt.

6. Sprechapraxie: Hier wird die Sprechapraxie als Störung der sprechmotorischen Planung und Programmierung definiert, deren Ursachen primär in linkshemisphärischen Läsionen liegen.

7. Kindliche Sprechapraxie: Das Kapitel widmet sich der Definition, den möglichen genetischen, metabolischen und neurologischen Ursachen sowie der physiologischen Entwicklung der Praxie im Kindesalter.

8. Vergleich und Zusammenhang Exekutiver Funktionen und kindlicher Sprechapraxie: Hier werden die Gemeinsamkeiten zwischen den Funktionsstörungen beider Bereiche diskutiert, insbesondere im Hinblick auf Planungsprozesse und Arbeitsgedächtnis.

9. Fazit: Das Fazit unterstreicht den hohen Bedarf an weiterer Forschung zur kindlichen Sprechapraxie, um eine effektivere sprachtherapeutische Intervention zu ermöglichen.

Schlüsselwörter

Exekutive Funktionen, Sprechapraxie, Kindliche Sprechapraxie, Arbeitsgedächtnis, Zentrale Exekutive, Präfrontaler Kortex, Sprachplanung, Motorische Programmierung, Dysexekutives Syndrom, Pathogenese, Neurologische Lokalisation, Phonologische Schleife, Entwicklungsdyspraxie, Sprachtherapie, Neuropsychologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Schnittstelle zwischen neuropsychologischen exekutiven Funktionen und dem klinischen Störungsbild der Sprechapraxie im Kindes- und Erwachsenenalter.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die theoretischen Modelle der Handlungssteuerung, die neurologische Lokalisation frontaler Hirnstrukturen und die Analyse von Sprechplanungsprozessen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist die kritische Auseinandersetzung damit, ob bei der kindlichen Sprechapraxie strukturelle neurologische Zusammenhänge mit exekutiven Dysfunktionen bestehen oder ob sich die Ähnlichkeiten nur auf einer symptomatischen Ebene zeigen.

Welche wissenschaftlichen Modelle werden verwendet?

Die Arbeit stützt sich primär auf das Arbeitsgedächtnismodell von Baddeley und Hitch, das SAS-CS-Modell von Norman & Shallice sowie das Sprachverarbeitungsmodell von Stackhouse und Wells.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung exekutiver Funktionen, die Beschreibung der Sprechapraxie und eine detaillierte Analyse der kindlichen Entwicklungsdyspraxie inklusive möglicher Pathogenesefaktoren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Exekutive Funktionen, Sprechapraxie, Handlungsplanung, Arbeitsgedächtnis und neurologische Pathogenese geprägt.

Welche Rolle spielt das FOXP2-Gen bei der kindlichen Sprechapraxie?

Das FOXP2-Gen wird als ein möglicher genetischer Faktor diskutiert, dessen Störung mit strukturellen Veränderungen im Gehirn, insbesondere im Nucleus caudatus und Frontalhirn, korreliert.

Warum ist die Abgrenzung von der "Dysarthrie" im Text wichtig?

Die Abgrenzung ist wichtig, da die Sprechapraxie als Störung der Planung und Programmierung definiert wird, während bei der Dysarthrie die motorische Ausführung selbst gestört ist.

Was ist das zentrale Ergebnis bezüglich der kindlichen Sprechapraxie?

Das Ergebnis ist, dass die kindliche Sprechapraxie ein bisher weitgehend unerforschtes Feld bleibt, bei dem eine multifaktorielle Pathogenese wahrscheinlich ist, jedoch noch kein gesicherter Zusammenhang zwischen neurologischen Ursachen und den Symptomen besteht.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Exekutive Dysfunktionen und kindliche Sprechapraxie
Untertitel
Strukturelle, neurologische Zusammenhänge oder symptomatische Ähnlichkeiten
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Veranstaltung
Neuropsychologie: Exekutive Funktionen
Note
1,3
Autor
Sinikka Föllner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
29
Katalognummer
V121829
ISBN (eBook)
9783640265619
ISBN (Buch)
9783640386826
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exekutive Dysfunktionen kindliche Sprechapraxie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sinikka Föllner (Autor:in), 2008, Exekutive Dysfunktionen und kindliche Sprechapraxie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121829
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  29  Seiten
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