Die Machtübernahme Adolf Hitlers am 30.01.1933 leitete die Deformierung der bürgerlichen Welt in Deutschland ein. In allen Bereichen des Lebens fanden Veränderungen statt, die sich zunächst eher positiv, aber später überwiegend negativ auf das Bürgertum auswirkten. Die Ambivalenz des Bürgertums führte zu einer schrittweisen Beseitigung bürgerlicher Ideale und Rechte. Durch die Bereitschaft klassische Ideale aufzugeben, erhoffte sich das Bürgertum, im neuen NS-System eine feste Stellung zu erlangen. Dem war aber nicht so, denn die antibürgerliche Haltung Hitlers kam schnell in Gesetzen und Erlassen zum Ausdruck.
Die nationalsozialistische Ideologie wirkte sich mit ihrer Lehre von der Rasse, des Volkes und der Nation auch auf die Erziehung und Bildung aus. Man versuchte die alten bürgerlichen Strukturen der Weimarer Republik zu durchbrechen. Der Individualismus wich der Bekenntnis und der Hingabe an die Ideologie im NS – Staat. Man verlangte von Millionen von Deutschen bedingungslos an den Nationalsozialismus mit seiner veränderten Weltanschauung zu glauben. Eine große Opferbereitschaft sollte sich im Zuge dessen unter dem Volk manifestieren. Damit galt auch ein selbstständiges und kritisches Denken als absolut verpönt. Historische Ereignisse, die sich nicht in den Kontext der NS-Ideologie integrieren ließen, wurden ausgeblendet.
Der Gehorsam und die absolute Treue zum Führer wurden zum höchsten pädagogischen Wert deklariert. In diesem Sinne gehörte zur bewussten Erziehungsintension des Regimes, der jungen Generation den Glauben an den Führer einzupflanzen. Der Nationalsozialismus sprach sich für eine Notwendigkeit politischer Bildung und Erziehung aus und nutze alle pädagogischen Möglichkeiten geschickt dazu, die heranwachsende Jugend zu manipulieren. Durch diese Beeinflussung sollte ein ganzes Volk stark gemacht werden, um den Kampf gegen den Feind siegreich zu beenden. Die weltanschaulich gesteuerte politische Pädagogik diente nicht dazu das Eigenbewusstsein sowie ein reflektiertes Wissen zu stärken, sondern sie unterstützte einzig und allein der Vertiefung der Führermythologie.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Bürgertum im Dritten Reich
2.1. Das Wirtschaftsbürgertum
2.2. Das Bildungsbürgertum
2.3. Das Kleinbürgertum
3 Die Bildungs- und Schulpolitik im Dritten Reich
3.1. Der juristisch-administrative Rahmen der Bildungspolitik und deren ausführenden Behörden und Verbände
3.2. Die nationalsozialistische Erziehungswissenschaft
3.3. Die Gliederung der Schulformen
3.4. Die Ausleseschulen als alternatives Bildungssystem
3.4.1 Die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten
3.4.2 Die Adolf-Hitler-Schulen
3.4.3 Die Reichsschule der NSDAP Feldafing
3.5. Die veränderte Lehrerbildung
4 Die Praxis der nationalsozialistischen Bildungspolitik am Beispiel der Unterrichtsfächer Deutsch und Geschichte
4.1. Das Unterrichtsfach Deutsch
4.2. Das Unterrichtsfach Geschichte
5 Die Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Abschlussarbeit analysiert die antibürgerlichen Ressentiments innerhalb der nationalsozialistischen Erziehungs- und Bildungspolitik. Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, welche Elemente der Bildungssteuerung gezielt gegen bürgerliche Ideale gerichtet waren und wie sich diese ideologische Einflussnahme in der schulischen Praxis manifestierte.
- Strukturelle Analyse des Bürgertums im Nationalsozialismus
- Transformation der Bildungs- und Schulpolitik nach 1933
- Konzept und Funktion der nationalsozialistischen Ausleseschulen
- Politisierung der Unterrichtsfächer Deutsch und Geschichte
- Wandel der Lehrerbildung und ideologische Gleichschaltung
Auszug aus dem Buch
Die nationalsozialistische Erziehungswissenschaft
Der aktuelle Forschungsstand zur Erziehungswissenschaft im Nationalsozialismus zeigt, dass es keine eigenständige Erziehungswissenschaft gab. Die existierenden Strömungen in der Wissenschaft wurden sowohl toleriert und gefördert, als auch unterdrückt und verboten.
Der Rassebegriff spielte in dem System der Pädagogik eine tragende Rolle. Die Verbindung von Pädagogik und Rasse bedeutete eine Abwendung von den normativen Gehalten des pädagogischen Denkens vor 1933. Dieser Grundbegriff vermochte es die Selektion und Auslese im Reich zu begründen und die Volksgemeinschaft zu stabilisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert den Übergang von der Weimarer Republik zum NS-Staat und definiert die Analyse der antibürgerlichen Ressentiments im Bildungswesen als zentrales Forschungsvorhaben.
2 Das Bürgertum im Dritten Reich: Dieses Kapitel untersucht die sozioökonomische Situation des Wirtschafts-, Bildungs- und Kleinbürgertums sowie deren ambivalente Haltung gegenüber dem neuen Regime.
3 Die Bildungs- und Schulpolitik im Dritten Reich: Hier wird der administrativ-juristische Umbau des Schulwesens, die Rolle der nationalsozialistischen Erziehungswissenschaft und die Etablierung spezieller Ausleseschulen beleuchtet.
4 Die Praxis der nationalsozialistischen Bildungspolitik am Beispiel der Unterrichtsfächer Deutsch und Geschichte: Dieses Kapitel verdeutlicht anhand der Fächer Deutsch und Geschichte, wie die nationalsozialistische Ideologie konkret in Lehrpläne und Unterrichtsinhalte integriert wurde.
5 Die Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Destruktion bürgerlicher Bildungskonzeptionen zusammen und reflektiert die langfristige Wirkung der Gleichschaltung im Bildungssystem.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Erziehungspolitik, Bildungspolitik, Bürgertum, Rassenlehre, Ausleseschulen, Napola, Adolf-Hitler-Schulen, NS-Ideologie, Gleichschaltung, Geschichtsunterricht, Deutschunterricht, Lehrerbildung, Drittes Reich, Volksgemeinschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der nationalsozialistischen Machtübernahme auf das deutsche Bildungssystem, wobei der Fokus insbesondere auf der gezielten Bekämpfung bürgerlicher Ideale liegt.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Zentral sind die soziologische Betrachtung des Bürgertums, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Schulpolitik, die Funktion der Eliteerziehung in Ausleseschulen sowie die Politisierung fachspezifischer Unterrichtsinhalte.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?
Es wird untersucht, welche konkreten Elemente der nationalsozialistischen Bildungspolitik explizit gegen bürgerliche Ideale gerichtet waren und wie sich dieser Wandel in der pädagogischen Praxis widerspiegelte.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von zeitgenössischen Quellen, Gesetzen, Erlassen und Parteiprogrammen der NSDAP.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Bürgertumsstrukturen, den institutionellen Umbau des Schulwesens durch das NS-Regime, die Darstellung der Ausleseschulen sowie die inhaltliche Reformierung der Fächer Deutsch und Geschichte.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am stärksten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Erziehungswissenschaft, Rassenideologie, Ausleseprinzip, Gleichschaltung, NS-Führerkult und Bildungsmonopol.
Warum spielt der Rassebegriff in der Arbeit eine so zentrale Rolle?
Der Rassebegriff war das fundamentale Kriterium für die im NS-System angestrebte Selektion und die Stabilisierung der sogenannten Volksgemeinschaft, was die traditionelle humanistische Pädagogik vollständig verdrängte.
Inwiefern veränderte sich die Rolle des Lehrers nach 1933?
Der Lehrer verlor seine pädagogische Autonomie und wurde zum Instrument des Staates, das zur ideologischen Umerziehung der Jugend verpflichtet war und den Anspruch auf das nordische Vorbild verkörpern sollte.
- Citation du texte
- Patrick Ziehm (Auteur), 2008, Erziehung und Bildung im „Dritten Reich“ - Antibürgerlicher Ressentiments in der nationalsozialistischen Erziehungs- und Bildungspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121845