Entgegen der Prognose Max Webers von der „Entzauberung der Welt“ und dem langsamen Verschwinden von Glauben und Religion in den modernen Gesellschaften ist in den letzten Jahren immer häufiger von einer "Rückkehr der Religionen" die Rede. Diese Arbeit untersucht mögliche Ursachen dieser "Rückkehr" für Deutschland.
Dabei werden neun soziale Funktionen, die Religion haben kann, herausgearbeitet. Anschließend wird anhand der Literatur der Religionssoziologie untersucht, inwieweit Religion in diesen Bereichen bereits durch politische und soziale Entwicklungen abgelöst oder gar "überflüssig" gemacht wurde und in welchen Bereichen Religion auch in Zukunft unersetzbar bleiben dürfte. Die Methode der Arbeit ist eine Sekundärliteraturanalyse.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Begriffsklärung
- Erklärungsfunktion
- Neutrale Erklärungsfunktion
- Interpretationsfunktion
- Orientierungsfunktion
- Legitimationsfunktion
- Formale Orientierungsfunktion: Werte und Normen
- Symbolhaltige Orientierungsfunktion: Rituale
- Integrationsfunktion
- Gesellschaftliche Integration
- Lokale Gemeinschaftsbildung
- Kontingenzbewältigung
- Interpersonale Kontingenzbewältigung
- Individuelle Kontingenzbewältigung
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht mögliche Gründe für eine vermeintliche „Rückkehr der Religionen“ in der Spätmoderne, indem sie die Leerstellen moderner Gesellschaften analysiert, die Religion scheinbar besser ausfüllen kann als profane Praktiken. Der Fokus liegt weniger auf der empirischen Betrachtung religiöser Phänomene, sondern auf der Analyse der Funktionen von Religion und deren Ersetzbarkeit durch säkulare Institutionen.
- Funktionale Definition von Religion
- Analyse der Erklärungsfunktion von Religion in der Moderne
- Untersuchung der Integrationsfunktion religiöser Institutionen
- Bewertung der Rolle von Religion bei der Kontingenzbewältigung
- Die Möglichkeit einer Übersetzung religiöser Inhalte in eine säkulare Sprache
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung präsentiert die These einer „Rückkehr der Religionen“ und skizziert den Forschungsansatz. Die Begriffsklärung legt die Grundlage für die funktionale Betrachtung von Religion. Die folgenden Kapitel untersuchen nacheinander die Erklärungs-, Legitimations- und Integrationsfunktion von Religion und deren Ersetzbarkeit in der modernen Gesellschaft. Die Kapitel zur Kontingenzbewältigung analysieren, inwieweit Religion individuelle und interpersonale Herausforderungen bewältigt.
Schlüsselwörter
Säkularisierung, Religion, Spätmoderne, Funktionsanalyse, Kontingenzbewältigung, Gesellschaftliche Integration, Moderne, Entzauberung der Welt, Resakralisierung.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „Entzauberung der Welt“ nach Max Weber?
Es beschreibt den Prozess der Säkularisierung, in dem religiöse Weltbilder durch wissenschaftliche Erklärungen und rationale Strukturen ersetzt werden.
Gibt es wirklich eine „Rückkehr der Religionen“?
Die Arbeit untersucht, ob Religionen in der Spätmoderne wieder an Bedeutung gewinnen, da sie Funktionen erfüllen, die säkulare Institutionen nicht abdecken können.
Was ist Kontingenzbewältigung durch Religion?
Religion hilft Menschen, mit Unvorhersehbarem, Leid und dem Tod umzugehen, indem sie Sinn stiftet, wo die Vernunft an Grenzen stößt.
Welche sozialen Funktionen hat Religion heute noch?
Wichtige Funktionen sind die moralische Orientierung, die Gemeinschaftsbildung (Integration) und die Bereitstellung von Ritualen für Lebensübergänge.
Kann Religion durch Politik ersetzt werden?
Die Analyse zeigt, dass Politik zwar organisatorische Aufgaben übernimmt, aber oft keine tiefgreifende existenzielle Sinngebung leisten kann.
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- Jonathan Widder (Author), 2008, Die Rückkehr der Religionen. Eine Untersuchung des deutschen Säkularisierungsprozesses, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121873