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Das Beginentum

Eine alternative Lebensform für Frauen vom Hochmittelalter bis zur Frühen Neuzeit

Title: Das Beginentum

Seminar Paper , 2000 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marion Luger (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Beginen waren vom Mittelalter bis zur Gegenwart Gegenstand zahlreicher Kontroversen – ihre „Unfaßbarkeit“ (im wörtlichen und übertragenen Sinn) kommt allein schon in den unzähligen Bezeichnungen zum Ausdruck, mit denen diese Frauen bedacht wurden. Zugleich bestärken mich die zahlreichen unterschiedlichen zeitgenössischen Termini in meiner Vermutung, daß die heutige Forschung all die Frauen mit dem Ausdruck „Begine“ bedacht hat, deren Lebensweise jene gleichen Komponenten und unterschiedlichen Ausprägungen aufweist, die im Folgenden noch erläutert werden sollen. Als gemeinsamer Konsens läßt sich immerhin der temporale und lokale Rahmen des Auftretens von Beginen festhalten: Ihr Erscheinen erstreckt sich auf einen Zeitraum vom Beginn des 13. Jahrhunderts bis zur Reformation und umfaßt als geographische Schwerpunktregionen die (durch den Reichtum an Städten) kulturell und sozio-ökonomisch wohl fortschrittlichsten Zonen Mittel- und Westeuropas.
Den RezipientInnen muß der Hinweis auf diese knapp umrissene historische und räumliche Verortung genügen, denn die Intention der vorliegenden Arbeit besteht darin, die beginische Lebensform in ihrer Eigenschaft als „geschichtlich eingeübte soziale Verhaltensweise“ einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen. Im Konkreten beschäftigt sich die Untersuchung nach einem tendenziellen Forschungsüberblick (Kapitel II) zunächst mit der Frage, welche charakteristischen Merkmale die beginische Lebensweise auszeichnen und inwiefern sie als Alternative zu den „herkömmlichen“ Möglichkeiten für Frauen des Mittelalters gesehen werden kann (Kapitel III). Kapitel IV versucht herauszufinden, welche Faktoren dieser innovativen Lebensführung für die ZeitgenossInnen Relevanz besaßen und wie die Reaktionen der laikalen und klerikalen Umwelt ausfielen. Danach sollen Kontext und Prämissen der Beginenbewegung aufgezeigt werden, da sie sich für eine adäquate Bewertung des Grades und der Relevanz der Alternativität als unerläßlich erweisen (Kapitel V). In Kapitel VI wird der Frage nachgegangen, welche Konsequenzen die sich wandelnden Beziehungen zwischen Beginen und Klerus bzw. profaner Umgebung für die beginische Lebensformen hatten und in welcher Art und Weise sie die weitere Entwicklung beeinflußten. Abschließend beleuchtet Kapitel VII. die Umstände des Niedergangs der ursprünglichen beginischen Lebensformen an der Wende zur Neuzeit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. EINLEITUNG

II. FORSCHUNGSLAGE

III. ALTERNATIVER CHARAKTER

IV. INNOVATION UND REAKTION

V. ENTSTEHUNGSBEDINGUNGEN

VI. ANPASSUNG UND AUTONOM IE

VII. ZUSAM M ENFASSUNG

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Beginentum vom Hochmittelalter bis zur frühen Neuzeit als eine historisch gewachsene, alternative Lebensform für Frauen. Dabei wird analysiert, inwieweit diese Lebensweise einen bewussten Gegenentwurf zu den gesellschaftlich vorgegebenen Möglichkeiten darstellte und wie die Beginen mit kirchlichen sowie sozialen Anforderungen und Reaktionen interagierten.

  • Historische Einordnung der Beginenbewegung als Teil der mittelalterlichen Armutsbewegung.
  • Analyse der Beweggründe und der sozio-ökonomischen Faktoren, die den Aufstieg der Beginen begünstigten.
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen religiöser Innovation und den Reaktionen der klerikalen und laikalen Umwelt.
  • Betrachtung der Institutionalisierungsprozesse und der Anpassungsstrategien gegenüber kirchlichen Autoritäten.
  • Diskussion über das Ende der ursprünglichen Beginenlebensweise an der Schwelle zur Neuzeit.

Auszug aus dem Buch

III. ALTERNATIVER CHARAKTER

Wißt Ihr, was ich unter dem Beginentum verstehe? Ein weites Gewissen, ein frommes Gemüt, ein Herz, frei von Unkraut - denn die Seele erleidet dabei großen Schaden – beim Beten an Gott denken, zwei Tränen aus Reue und drei aus großem Mitleid sind genügend Reichtum für den, der über das Meer fährt. Aber diese Art Frömmigkeit kann niemand verachten; häufig führt sie Gott den Haushalt.

So unverfänglich diese Worte einer anonymen Stimme aus dem Beginenmilieu anmuten, so innovativ erweist sich auch die Lebensführung, die hinter dieser Konzeption zum Vorschein kommt. Denn wie die thematisierten Aspekte Frömmigkeit, Buße und Nächstenliebe bereits andeuten, bestand die grundlegende Alternative der Bewegung in dem Wunsch von Frauen, Christus abseits der vorgegebenen, stagnierenden Formen und bestehenden Institutionen der weiblichen Religiosität nachzufolgen. Im Konkreten handelte es sich dabei zunächst um vermögende Frauen, die bewußt ein am Evangelium orientiertes Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam wählten und damit freiwillig auf Privilegien aller Art verzichteten. Diese übergeordnete religiöse Zielsetzung bildete allerdings die einzige verbindende Gemeinsamkeit, denn das Beginentum war gekennzeichnet durch ein ganzes Spektrum verschieden akzentuierter Lebensweisen und eine ungeheure Vielfalt an konkreten Ausprägungen – bedingt durch Faktoren, die für sich genommen bereits Alternativität bedeuten und im Folgenden näher ausgeführt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

I. EINLEITUNG: Einführung in das Thema der Beginen als alternative Lebensform sowie Skizzierung des methodischen Ansatzes und der historischen Verortung der Arbeit.

II. FORSCHUNGSLAGE: Kritische Auseinandersetzung mit bisherigen Thesen zur Entstehung der Beginenbewegung, insbesondere der Versorgungs-, Religiositäts- und Emanzipationsthese.

III. ALTERNATIVER CHARAKTER: Darstellung der vielfältigen Lebensweisen von Beginen, ihrer Motivation zur Christusnachfolge und ihrer ökonomischen Unabhängigkeit.

IV. INNOVATION UND REAKTION: Untersuchung der kirchenrechtlichen "Zwitterstellung" der Beginen und der daraus resultierenden Konflikte mit klerikalen und laikalen Instanzen.

V. ENTSTEHUNGSBEDINGUNGEN: Analyse der sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen und des religiösen Kontextes, die das Aufkommen der Beginen im Hochmittelalter ermöglichten.

VI. ANPASSUNG UND AUTONOM IE: Erörterung der Institutionalisierung der Bewegung, der Einflüsse der Bettelorden und der Entwicklung bis zur Wende zur Neuzeit.

VII. ZUSAM M ENFASSUNG: Zusammenfassende Reflexion über das Beginentum als Ausdruck weiblicher Laienfrömmigkeit und dessen Einordnung in die mittelalterliche Geschichte.

Schlüsselwörter

Beginen, Beginentum, Hochmittelalter, Weibliche Laienfrömmigkeit, Christusnachfolge, Armutsbewegung, Klerus, Institutionalisierung, Beginenkonvente, Sozialgeschichte, Frauenforschung, Häresie, Sozio-ökonomische Faktoren, Religiosität, Mittelalter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Beginentum als einer historisch spezifischen, alternativen Lebensform für Frauen, die sich zwischen dem Hochmittelalter und der frühen Neuzeit in Mittel- und Westeuropa entwickelte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die religiöse Motivation der Frauen, ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit, ihre soziale Einordnung sowie das Spannungsfeld zwischen individueller Lebensgestaltung und kirchlicher Kontrolle.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Beginen durch ein Leben in bewusster Armut und Frömmigkeit eine Alternative zu traditionellen Lebensentwürfen (Ehe oder Kloster) schufen und wie sie sich in einem sich wandelnden gesellschaftlichen und klerikalen Umfeld behaupteten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine kritische Auswertung zeitgenössischer Quellen und den Diskurs mit der modernen historischen Forschung, um die Thesen zur Entstehung und zum Niedergang der Beginen zu hinterfragen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Entstehungsbedingungen, der institutionellen Formen, der Reaktionen der Umwelt, der Anpassungsstrategien gegenüber kirchlichen Autoritäten sowie der sozio-ökonomischen Voraussetzungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Beginen, weibliche Laienfrömmigkeit, Armutsbewegung, religiöse Lebensführung, sozio-ökonomische Unabhängigkeit und institutioneller Wandel.

Wie reagierte die Kirche auf die Beginen?

Die Reaktion war zwiespältig: Einerseits gab es Unterstützung und Schutzbriefe, andererseits führten die kirchenrechtliche Ungebundenheit und der Vorwurf der Häresie zu Verfolgungen und zum Druck, sich bestehenden Orden anzuschließen.

Warum ging das Beginentum zur Zeit der Neuzeit zurück?

Der Niedergang war eng mit der Verschlechterung der Rahmenbedingungen für Frauen verbunden, darunter Pauperisierung, zunehmende Reglementierung durch Zünfte sowie der gesellschaftliche Druck, sich in regulierte, streng klausurierte Konvente einzuordnen.

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Details

Title
Das Beginentum
Subtitle
Eine alternative Lebensform für Frauen vom Hochmittelalter bis zur Frühen Neuzeit
College
University of Vienna  (Institut für Geschichte)
Course
Seminar
Grade
1,0
Author
Marion Luger (Author)
Publication Year
2000
Pages
26
Catalog Number
V121944
ISBN (eBook)
9783640267217
ISBN (Book)
9783640267415
Language
German
Tags
Beginentum Seminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marion Luger (Author), 2000, Das Beginentum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121944
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