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Die FDJ - Von der Überparteilichkeit zur „Kampfreserve der Partei“

Title: Die FDJ - Von der Überparteilichkeit zur  „Kampfreserve der Partei“

Examination Thesis , 2008 , 68 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Stephan Lembke (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Summary Excerpt Details

Die Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und der Freien Deutschen Jugend (FDJ) nach Kriegsende 1945 ist alles andere als ein unbekanntes Forschungsgebiet. Besonders die Vorgeschichte und Gründungsphase von 1945 bis in die Mitte der 50er Jahre wurde von den Historikern betrachtet, dargestellt, kontrovers diskutiert und auf Grund des Betrachtungsstandpunktes sehr unterschiedlich bewertet. Während die einen die Zeit als „antifaschistisch-demokratische Umwälzung“1 bezeichneten, setzten die anderen diese Beschreibung der Entwicklungsphase lieber in Anführungszeichen. Auch die Bewertung der Bedeutung dieser Phase für den weiteren Werdegang der DDR und der FDJ, ja selbst die Ergebnisse des bis 1989 entstandenen Staates, hätten nicht unterschiedlicher ausfallen können. Die großen Unterschiede in der Darstellung und Bewertung erklären sich aus den Vorgaben und Zielen für die Historiker in Ost und West. Besonders der politische Auftrag der DDR-Geschichtsschreibung, den deutschen und auch internationalen Kommunismus historiographisch darzustellen, um die SED-Herrschaft zu legitimieren, beeinflusste die Ergebnisse der Historiker stark. Sahen die DDR-Historiker die DDR und ihre Organisationen als Krönung eines Kampfes der Besten des deutschen Volkes an2, so war die DDR und ihre Strukturen für die West-Historiker nichts anderes als eine Diktatur nach dem Vorbild der stalinistischen UdSSR.3 Auch die West-Historiker waren nicht frei von Vorurteilen und subjektiven Empfindungen. Die vorherrschende Abneigung des Westens gegen den Kommunismus, die unterschiedlichen ideologischen Prägungen und die ständige verbale Auseinandersetzung zwischen Ost und West beeinflussten auch die Geschichtsschreibung der West-Historiker über die DDR und ihre Organisationen. Weiterhin kommt erschwerend hinzu, dass der Zugang zu DDR-Archiven den Geschichtsschreibern aus dem Westen fast immer verwehrt blieb und sie sich somit auf die wenigen zur Verfügung stehenden Materialien stützen mussten. Auch dieser Umstand machte eine objektive Geschichtsschreibung schwer realisierbar und den Weg für Mutmaßungen der Historiker frei.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die politische Neuordnung in der Sowjetischen Besatzungszone nach Kriegsende 1945

3. Die FDJ in der DDR

3.1. Der Weg zur Freien Deutschen Jugend

3.2. Die Gründung der FDJ

3.3. Die Entwicklung der FDJ bis Mitte der 50er Jahre

3.3.1. Das I. Parlament der FDJ vom 8. bis 10. Juni 1946 als Wegweiser: Wilhelm Pieck und Erich Honecker zur Jugendarbeit 1946

3.3.2. Der schleichende Weg zur parteitreuen Massenorganisation

3.3.3. Sechs Jahre FDJ: Das IV. Parlament der FDJ als Abschluss der Transformation: Wilhelm Pieck und Erich Honecker zur Jugendarbeit 1952

4. Zusammenfassung: Die Jugend als „Kampfreserve der Partei“ !?

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert den Transformationsprozess der Freien Deutschen Jugend (FDJ) in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR von der Gründung 1946 bis zur Mitte der 1950er Jahre, mit der zentralen Forschungsfrage, ob die FDJ eine von Beginn an parteiabhängige Organisation war oder eine Entwicklung von einer überparteilichen Jugendorganisation zur staatlich gelenkten Massenorganisation und Kampfreserve der SED durchlief.

  • Die Vorgeschichte und Gründungsphase der FDJ unter Einflussnahme von SMAD, KPD und SED.
  • Die Rolle der FDJ als „Transmissionsriemen“ und Kaderreserve im SED-System.
  • Der Einfluss der sowjetischen Militäradministration (SMAD) auf den Aufbau der Jugendorganisation.
  • Die Bedeutung von Parlamentsversammlungen für die ideologische Gleichschaltung der Jugend.
  • Die Militarisierung der FDJ und ihre Anbindung an paramilitärische Strukturen wie die Kasernierte Volkspolizei.

Auszug aus dem Buch

3.1. Der Weg zur Freien Deutschen Jugend

Nach Kriegsende 1945 widmete sich die politische Führung der SBZ mit großer Aufmerksamkeit den Fragen der Jugendpolitik und Jugenderziehung. Mit dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Systems boten sich für die Besatzungsmächte in der Arbeit mit der deutschen Jugend einmalige Möglichkeiten. Friedrich bemerkte bereits 1951: „Wer dies Gebot der Stunde erkannte, mußte die Jugend für sich gewinnen. [...] Einzig die Sowjets verstanden es, die Gelegenheit für ihre Ziele zu nutzen.“ Die große Aufgabe bestand zum einen darin, die Jugend zum Antifaschismus umzuerziehen und zum anderen in ihrer Gewinnung für die Ziele der kommunistischen Partei, um so die Ordnung, die durch die Kommunisten vorgegeben war, dauerhaft zu festigen. Die Beeinflussung der Jugend erschien daher viel leichter als die Umerziehung der älteren Generation und wie auch zuvor Hitler vertraten die Kommunisten die von Prauß zitierte These: „Wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft.“ Zwar stand die Umerziehung der Jugend bei allen neu gegründeten Parteien unter anderem an oberster Stelle, jedoch war es die KPD, die als erste Partei das Heft des Handelns in die Hand nahm und eine öffentliche Stellungnahme zur Jugend in Deutschland und ihrer Zukunft abgab.

In einem Leitartikel mit dem Titel: Neues Leben – Neue Jugend aus der Deutschen Volkszeitung vom 7. Juli 1945 nahm Erich Honecker erstmals stellvertretend für die Parteiführung der KPD öffentlich Stellung zum Thema Jugend in Deutschland. Dort stand:

[...] Die Jugend ist durch die verbrecherische Schule Hitlers gegangen. Ihr Tatendrang, ihr Glaube, ihre Hingabe und Begeisterungsfähigkeit sind zu Schandtaten mißbraucht worden, die das Schild unserer Nation befleckten. Durch unsere ehrliche Arbeit zu Beseitigung jeglichen reaktionären chauvinistischen Unrats in den Hirnen und Herzen unserer Jugend wollen wir den deutschen Namen wieder reinwaschen. [...] Es gibt Hunderte von Beispielen in Stadt und Land, in den Jugendliche die Initiative ergreifen, sei es bei Aufräumungsarbeiten, bei der Sicherstellung der Lebensmitteltransporte, bei der Wiederherstellung von Schulen, bei der Schaffung von schönen Jugendheimen, von denen allein in Berlin über hundert durch eigene Arbeit der Jugend geschaffen wurden. In diesen Heimen wird gearbeitet, gebastelt, Musik und Volkstanz gepflegt und die Jugend mit demokratisch-antifaschistischem Gedankengut durch Bücher, Zeitungen, Vorlesungen, Rezitationen und Vorträgen vertraut gemacht. [...] Eine einige und freie deutsche Jugendbewegung, das ist Wunsch und Ziel aller, denen die Zukunft unseres Volkes am Herzen liegt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Ausgangslage der DDR-Historiographie und definiert die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Transformation der FDJ zur parteitreuen Massenorganisation.

2. Die politische Neuordnung in der Sowjetischen Besatzungszone nach Kriegsende 1945: Das Kapitel beschreibt den Zusammenbruch nach 1945, die Etablierung der SMAD und die Anfänge einer kontrollierten politischen Neuordnung durch die KPD unter sowjetischer Anleitung.

3. Die FDJ in der DDR: Dieser Hauptteil analysiert die Entstehung und Entwicklung der FDJ, von der Gründung durch die KPD über die organisatorische Festigung bis hin zur totalen Unterordnung unter die Ziele der SED und die Militarisierung der Organisation.

3.1. Der Weg zur Freien Deutschen Jugend: Dieser Abschnitt behandelt die Versuche der KPD, unter dem Deckmantel der Überparteilichkeit und der Einheitsjugendbewegung die Kontrolle über die deutsche Jugend zu gewinnen.

3.2. Die Gründung der FDJ: Der Text beleuchtet die konkreten Vorbereitungen und den offiziellen Gründungsprozess der FDJ unter sowjetischer Legitimierung und parteipolitischem Druck.

3.3. Die Entwicklung der FDJ bis Mitte der 50er Jahre: Dieses Unterkapitel beschreibt den schleichenden Transformationsprozess der Jugendorganisation in die geplante Kaderreserve der Partei.

3.3.1. Das I. Parlament der FDJ vom 8. bis 10. Juni 1946 als Wegweiser: Wilhelm Pieck und Erich Honecker zur Jugendarbeit 1946: Hier wird die Bedeutung der ersten großen Versammlung zur ideologischen Weichenstellung und öffentlichen Legitimierung der FDJ dargelegt.

3.3.2. Der schleichende Weg zur parteitreuen Massenorganisation: Dieses Kapitel beschreibt die schrittweise Entdemokratisierung der FDJ und die zunehmende Bindung an SED-Strukturen und -Ziele bis in die 1950er Jahre.

3.3.3. Sechs Jahre FDJ: Das IV. Parlament der FDJ als Abschluss der Transformation: Wilhelm Pieck und Erich Honecker zur Jugendarbeit 1952: Der Text analysiert die Militarisierung und die formelle Etablierung der FDJ als Kampfreserve der Partei.

4. Zusammenfassung: Die Jugend als „Kampfreserve der Partei“ !?: Das Fazit resümiert die Erkenntnis, dass die FDJ nie eine pluralistische oder wahrlich überparteiliche Organisation war, sondern von Beginn an eine von der KPD/SED kontrollierte Massenorganisation zur Sicherung der kommunistischen Herrschaft.

Schlüsselwörter

FDJ, DDR, SBZ, KPD, SED, SMAD, Jugendpolitik, Transformation, Massenorganisation, Kampfreserve, Kaderreserve, Überparteilichkeit, Militarisierung, Antifaschismus, Sozialismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den historischen Werdegang der Freien Deutschen Jugend (FDJ) in der SBZ und DDR zwischen 1945 und Mitte der 1950er Jahre.

Welches ist das zentrale Thema der Untersuchung?

Das zentrale Thema ist der Transformationsprozess der FDJ von einer nach außen hin überparteilich propagierten Jugendorganisation zu einer staatlich gelenkten Massenorganisation und Kaderreserve der SED.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit geht der Frage nach, ob der Weg der FDJ in die linientreue Massenorganisation von vornherein vorgezeichnet war oder ob ein tatsächlicher Wandel der politischen Ausrichtung stattfand.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine historisch-chronologische Analyse von Quellenmaterial, Büchern und wissenschaftlichen Aufsätzen, um die Entwicklung der FDJ im Kontext der SED-Politik zu beleuchten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Gründungsphase, die Rolle der SMAD, die Funktion der Parlamente als ideologische Steuerungsinstrumente sowie die zunehmende Militarisierung und Anbindung an die SED.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie FDJ, SED, Transformation, Massenorganisation, Kaderreserve und Militarisierung charakterisiert.

Welche Rolle spielte die SMAD bei der Gründung der FDJ?

Die sowjetische Militäradministration legitimierte die Gründung der FDJ und fungierte als steuernde Kraft, um eine einheitliche Jugendorganisation im Sinne der kommunistischen Ziele durchzusetzen.

Wie wird das Verhältnis von FDJ und SED nach 1949 bewertet?

Nach 1949 verlor die FDJ ihre Maske der Überparteilichkeit endgültig und bekannte sich offen zur führenden Rolle der SED als deren ausführendes Organ und Kaderreserve.

Was bedeutet die „Militarisierung“ der FDJ ab 1952?

Ab 1952 wurde die FDJ offiziell zum militärischen Arm der Partei, unter anderem durch die Patenschaft über die Kasernierte Volkspolizei und die Gründung der Gesellschaft für Sport und Technik.

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Details

Title
Die FDJ - Von der Überparteilichkeit zur „Kampfreserve der Partei“
College
University of Rostock  (Philosophische Fakultät)
Grade
1,5
Author
Stephan Lembke (Author)
Publication Year
2008
Pages
68
Catalog Number
V121987
ISBN (eBook)
9783640267873
ISBN (Book)
9783640267972
Language
German
Tags
FDJ SED Kampfreserve DDR
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stephan Lembke (Author), 2008, Die FDJ - Von der Überparteilichkeit zur „Kampfreserve der Partei“ , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121987
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