Bereits seit der Entstehung von Schulen wird die Leistung der Schüler gemessen. Somit haben Leistungsmessungen eine lange Tradition, die zwar von den Reformpädagogen und Psychometrikern oft kritisiert und in Frage gestellt wurden, doch trotzdem eine manchmal angenehme, manchmal unangenehme Selbstverständlichkeit für Lehrende und Lernende darstellten. Die deutsche Bildungssituation hat sich allerdings vor einigen Jahren gewandelt, denn vergleichende Leistungsmessungen werden in der Öffentlichkeit stark diskutiert. Politische Parteien, Lehrerorganisationen und Elternverbände diskutieren kontrovers über die Bedeutung der Schulleistungsmessungen für die Qualität der Schule (WEINERT, F. E.: S.5).
Seit den 1990er Jahren hat die allgemeine Öffentlichkeit und die Bildungspolitik ein enormes Interesse an Bildung und Erziehung gewonnen (v. ACKEREN, I. (a): S.7). Die schockierenden Ergebnisse der veröffentlichten Leistungsvergleichsstudien im Bildungsbereich (z.B. TIMSS I, II, III, PISA, MARKUS) lösten eine bildungspolitische Diskussion über die Qualität von Schule aus (PRIEBE, B.: S.7). Der Vergleich von Lernergebnissen zwischen Deutschland und anderen Teilnahmeländern war ein Grund für große Enttäuschung der Menschen gewesen. Dennoch sind die strukturellen Erkenntnisse signifikant für notwendige Reformen (KLIEME, E.; AVENARIUS, H.; BLUM, W. et al.: S.11). Die Fragen der Nation nach möglichen Behebungsmaßnahmen und Lösungen für die festgestellten Defizite an Schulen waren monumental. Die Aufgaben der Bildungspolitik, die daraus resultieren, sind das Überprüfen und Entwickeln der schulischen Qualität (v. ACKEREN, I. (a): S.7).
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
1.1. Aufbau der Arbeit
1.2. Grundlegende Fragestellungen und Ziele der Untersuchung
2. Standardisierte Leistungsmessungen
2.1. Internationale und nationale Leistungsmessungen
2.2. Vergleichs-, Orientierungsarbeiten sowie Diagnosearbeiten
2.3. Ziele der Leistungsmessungen
2.4. Funktionen von Leistungsmessungen
2.5. Standardisierte Leistungstests als externe Evaluationsinstrumente
2.6. Leistungsmessungen im Fokus der Unterrichtsqualität
2.7. Leistungsmessungen mit Ergebnisrückmeldungen
2.7.1. Funktionen von Ergebnisrückmeldungen
2.7.2. Empirische Studien zur Nutzung von Ergebnisrückmeldungen
2.8. Formativ-diagnostische Leistungsmessungen
2.9. Kritikpunkte und Nutzungsaspekte von standardisierten Leistungsmessungen
2.10. Fazit
3. Stichprobe der Studie
3.1. Leistungsniveau der beteiligten Klassen
3.2. Interview und Datenauswertung
4. Allgemeine Informationen zur Durchführung und Auswertung von Vergleichsarbeiten sowie der darauf folgenden Ergebnisrückmeldung
5. Ergebnisse der Studie
5.1. Durchführung und Auswertung der Vergleichsarbeiten
5.2. Praktikabilität der Testanweisung
5.3. Zeit zur Bewältigung der Aufgabenstellungen
5.4. Verständlichkeit von Ergebnisrückmeldungen
5.5. Schüler-, Klassen-, oder Landesvergleich?
5.6. Ergebnisrückmeldungen im Spannungsverhältnis zwischen „interessant“ und „sinnlos“
5.7. Intensität der Datennutzung
6. Zusammenfassung und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedingungen empirischer Schulentwicklung mit einem Fokus auf die Praktikabilität zentraler Vergleichsarbeiten sowie die Verständlichkeit der damit verbundenen Ergebnisrückmeldungen aus Sicht von Lehrkräften.
- Theoretische Rahmenbedingungen standardisierter Leistungsmessungen
- Einsatz von Vergleichsarbeiten als Instrument der externen Evaluation
- Lehrerwahrnehmung bezüglich Testdurchführung und Auswertung
- Verständlichkeit und Nutzen von Ergebnisrückmeldungen für den Unterricht
Auszug aus dem Buch
2.1. Internationale und nationale Leistungsmessungen
Die Plattform für den Paradigmenwechsel von der Input- zur Output-Steuerung des Bildungssystems bildeten die internationalen Schulleistungsstudien, an denen sich Deutschland nach mehr als 20 Jahren beteiligte (HOSENFELD, I.; GROß OPHOFF, J.; BITTINS, P.: S.6).
Zu Beginn wurde die dritte internationale Studie (TIMSS: Third International Mathematics and Science Study) zu den Mathematik- und Naturwissenschaften durchgeführt. Die dabei mangelhafte Leistung der deutschen Schüler führte in der Bevölkerung zu einem so genannten „TIMSS-Schock“. Folglich wurde in der Kultusministerkonferenz (KMK) entschieden, dass Deutschland verbindlich an der PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) der OECD (Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) teilnehmen wird. Dabei wurden ausschließlich Schüler der Sekundarstufe zunächst im Leseverständnis, dann in Mathematik und anschließend in den Naturwissenschaften getestet. Die erneut geringwertigen Ergebnisse der Schüler in Deutschland führten zu der Annahme, dass dies das Verschulden der weiterführenden Schulen sei (HOSENFELD, I.; GROß OPHOFF, J.; BITTINS, P.: S.6/7). Aus diesem Grund wurde an den Grundschulen die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU), deren Forschungsbasis das Textverstehen und die Lesekompetenz darstellte, durchgeführt. Dabei erreichten die deutschen Schüler im internationalen Vergleich ein Ergebnis im oberen Mittelfeld. Des Weiteren wurde festgestellt, dass die erreichten Leistungen stark abhängig vom familiären Hintergrund (Sozialschicht, Migration) sind. Neben diesen internationalen Studien, die ihre Präsenz und ihren Bekanntheitsgrad in den Medien erreichten, gab es eine Vielzahl von nationalen Schulleistungsstudien wie z.B. die Hamburger Lernausgangslagen-Untersuchung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dieses Kapitel führt in die historische Entwicklung der Leistungsmessung ein und erläutert den Aufbau sowie die Zielsetzung der wissenschaftlichen Arbeit.
2. Standardisierte Leistungsmessungen: Es werden die theoretischen Grundlagen, Funktionen und Zielsetzungen zentraler Schulleistungsmessungen sowie die Rolle externer Evaluation dargestellt.
3. Stichprobe der Studie: Dieser Abschnitt beschreibt das methodische Vorgehen, die Auswahl der beteiligten Schulen im Landkreis Ostwürttemberg und die Auswertungsmethode der Lehrerinterviews.
4. Allgemeine Informationen zur Durchführung und Auswertung von Vergleichsarbeiten sowie der darauf folgenden Ergebnisrückmeldung: Das Kapitel erläutert die organisatorischen Rahmenbedingungen und die Materialbereitstellung für die Durchführung von Vergleichsarbeiten.
5. Ergebnisse der Studie: Die zentralen Befunde der Lehrerbefragungen zu Durchführung, Praktikabilität und Verständlichkeit der Rückmeldungen werden präsentiert und analysiert.
6. Zusammenfassung und Diskussion: Die Ergebnisse der explorativen Studie werden abschließend reflektiert und in den bildungspolitischen Kontext eingeordnet.
Schlüsselwörter
Leistungsmessung, Vergleichsarbeiten, Schulentwicklung, Unterrichtsqualität, Bildungsstandards, Ergebnisrückmeldungen, Lehrerbefragung, Externe Evaluation, Diagnose, Output-Steuerung, Schulleistung, Bildungsmonitoring, Qualitätssicherung, Lehrerperspektive, Leistungstests
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der empirischen Schulentwicklung in Baden-Württemberg und untersucht, wie Lehrkräfte den Umgang mit zentralen Vergleichsarbeiten und den daraus resultierenden Ergebnisrückmeldungen wahrnehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung von Leistungsmessungen, die praktische Durchführbarkeit an Schulen und die Rezeption der Testergebnisse durch die Lehrkräfte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, auf Basis von Lehrerinterviews aufzuzeigen, ob und wie Lehrkräfte Vergleichsarbeiten und deren Rückmeldungen zur Qualitätsentwicklung ihres Unterrichts nutzen können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine explorative Interviewstudie durchgeführt, wobei die gewonnenen Daten qualitativ mittels der Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Rahmen über Leistungsmessung sowie einen empirischen Teil, der die Ergebnisse der Lehrerbefragung zur Durchführung, Praktikabilität und Verständlichkeit der Tests darlegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Leistungsmessung, Vergleichsarbeiten, Schulentwicklung, Unterrichtsqualität, Bildungsstandards und externe Evaluation charakterisiert.
Welches Problem identifizieren die Lehrkräfte bezüglich der Terminierung?
Die Lehrkräfte kritisieren, dass Vergleichsarbeiten oft sehr spät am Schuljahresende stattfinden, was eine sinnvolle Auseinandersetzung mit den Ergebnissen und die Umsetzung von Fördermaßnahmen für das laufende Schuljahr erschwert.
Wie bewerten die befragten Lehrkräfte die Verständlichkeit der Rückmeldungen?
Die meisten befragten Lehrkräfte halten die Rückmeldungen für verständlich, bemängeln jedoch die fehlende Zeit zur vertieften Analyse sowie die teilweise als unverständlich empfundene Darstellung statistischer Kennzahlen.
Welchen Einfluss hat der Notenschlüssel der Vergleichsarbeiten?
Viele Lehrkräfte empfinden den vorgegebenen Notenschlüssel der Vergleichsarbeiten als abweichend von ihren eigenen Standards, was zu Frustration und der Einschätzung führt, die Ergebnisse seien „verfälscht“.
- Citation du texte
- Anna Nuss (Auteur), 2008, Vergleichsarbeiten - Bedingungen empirischer Schulentwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121989