Was können disponierende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren bei einer Bulimie nervosa sein? Und wie kann mit Hilfe der vertikalen und horizontalen Verhaltensanalyse ein geeigneter Behandlungsplan erarbeitet werden?
Im Rahmen dieser Hausarbeit wird eine horizontale und vertikale Verhaltensanalyse mit einem fiktiven Fall einer jungen Frau, die an Bulimia nervosa leidet durchgeführt. Vorab wird auf die theoretischen Grundlagen hinsichtlich der Klassifizierung, der Ätiologie und der Prävalenzen der Bulimia nervosa eingegangen. Es wird außerdem auf die möglichen Grüne, weshalb vor allem junge Frauen daran erkranken, eingegangen.
Im dritten Kapitel werden die biographische Anamnese des fiktiven Falls sowie die Makro- sowie die Mikroanalyse nach dem SORC-Modell detailliert ausgeführt. Dabei wird auch erläutert, was die Verhaltensanalyse überhaupt ist und wie die klassische und operante Konditionierung sowie das Modelllernen im Fall von Frau A. zur Disposition und zum Auslösen der Bulimia nervosa geführt haben. Der Methodenteil wird mit der Fallkonzeptualisierung, die auch die Therapieplanung beinhaltet, abgeschlossen.
In der Diskussion werden diese Erkenntnisse reflektiert und Empfehlungen zu präventiven Maßnahmen, die junge Frauen aber auch Männer vor Bulimia nervosa schützen können, genannt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Hinführung zur Thematik und Forschungsfrage
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Bulimia nervosa
2.1 Klassifizierung und Symptomatik
2.2 Ätiologie
2.3 Prävalenzen
3. Verhaltensanalyse
3.1 Problemanalyse auf der Makroebene
3.1.1 Biografie
3.1.2 Biografische Lernerfahrungen
3.1.3 Überdauernde kognitive Schemata
3.1.4 Überdauernde physiologische Merkmale
3.2 Problemanalyse auf der Mikroebene
3.2.1 Beschreibung des Problemverhaltens
3.2.2 Funktionales Bedingungsmodell (SORC-Modell)
3.3 Fallkonzeptualisierung und Therapieplanung
4. Diskussion
4.1 Präventionsempfehlung
4.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Störungsbild der Bulimia nervosa bei jungen Frauen und nutzt ein fiktives Fallbeispiel, um mittels horizontaler und vertikaler Verhaltensanalyse die Entstehungsbedingungen und Aufrechterhaltungsprozesse der Erkrankung fundiert zu erläutern und therapeutische Strategien abzuleiten.
- Grundlagen der Klassifizierung und Ätiologie der Bulimia nervosa
- Anwendung des SORC-Modells zur detaillierten Verhaltensanalyse
- Biografische und systemische Einflussfaktoren bei Essstörungen
- Therapeutische Interventionsplanung und Prognoseeinschätzung
- Präventionsstrategien und gesellschaftliche Aufklärungsarbeit
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Biografie
Frau A. ist 25 Jahre alt, alleinstehend und angestellt als Projektassistentin. Derzeit wohnt sie wieder bei ihren Eltern. Sie hat drei jüngere Geschwister (zwei Schwestern und ein Bruder). Schon sehr früh musste sie Verantwortung übernehmen, da ihre Eltern sehr viel arbeiteten und immer im Stress waren. Der Vater ist selbstständig und die Mutter war Teilzeit arbeiten, machte den Haushalt und kümmerte sich um die Kinder. Die Eltern stritten sich oft und die emotionale Bindung zu den Kindern kam zu kurz. Der Vater kommentierte oft negativ, wenn die Mutter mal eine Pause machte. Die Mutter war dadurch ständig gestresst, da sie alles richtig machen wollte. Sie zog den Vater wiederum oftmals aufgrund seines Übergewichtes auf. Allgemein wurde in der Familie häufig gegenseitig das Essverhalten oder die Essensmenge kommentiert.
Frau A. lernte dadurch, dass Anerkennung und Zuneigung mit „schlank sein“ und „viel arbeiten“ verbunden ist. Da ihre Mutter so gestresst war, wollte sie nicht auch noch eine Last für die Mutter sein und steckte deshalb ihre Bedürfnisse zurück.
Sie brachte sich viel selbst bei, schrieb stets gute Noten, und passte auf ihre Geschwister auf. Für gute Leistungen erfuhr Frau A. ein verbales Lob und etwas Geld von den Großeltern. Nach der Anerkennung ihres Vaters strebte sie ihr Leben lang, bis sie dann irgendwann im Jugendalter anfing diese Anerkennung in Männern zu suchen. Das Ende ihrer ersten Beziehung war für sie schwer zu verkraften, da ihr erster Freund schon kurze Zeit später eine neue „schlanke“ Freundin hatte. Frau A. begann sich immer noch mehr mit ihrem Körper zu beschäftigen. Sie festigte den Glaubenssatz „Ich bin nicht gut genug.“ In der Schulzeit und während dem Studium verstärkte sie den Fokus auf das Äußere immer mehr. Frau A. fing an ihren Wert ausnahmslos an ihrem Gewicht und ihrem Idealbild auszumachen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik von Essstörungen bei jungen Frauen ein und stellt die Forschungsfrage sowie den methodischen Aufbau der Arbeit vor.
2. Bulimia nervosa: Hier werden die theoretischen Grundlagen, die klinische Symptomatik, Ätiologie sowie aktuelle Prävalenzdaten der Bulimia nervosa dargelegt.
3. Verhaltensanalyse: Das methodische Herzstück der Arbeit, in dem eine vertikale und horizontale Verhaltensanalyse am fiktiven Beispiel einer Patientin durchgeführt und eine Fallkonzeptualisierung inklusive Therapieplan erstellt wird.
4. Diskussion: Abschließende Reflexion der angewandten Analysemethoden sowie Ableitung konkreter Präventionsempfehlungen und ein Ausblick auf zukünftige Handlungsfelder.
Schlüsselwörter
Bulimia nervosa, Essstörungen, Verhaltensanalyse, SORC-Modell, Fallkonzeptualisierung, Essattacken, Erbrechen, Körperbild, Prävention, Psychotherapie, Kognitive Schemata, Operante Konditionierung, Klassische Konditionierung, Emotionale Regulation, junge Frauen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Störungsbild der Bulimia nervosa, insbesondere bei jungen Frauen, und beleuchtet die Hintergründe der Entstehung und Aufrechterhaltung mittels einer verhaltensanalytischen Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die diagnostische Klassifikation, die psychologischen Ursachen (Ätiologie), die Anwendung des SORC-Modells in der Verhaltenstherapie sowie Strategien zur Prävention.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Komplexität der Bulimia nervosa anhand eines fiktiven Falls zu veranschaulichen und aufzuzeigen, wie mittels systematischer Verhaltensanalyse ein individueller Behandlungsplan erstellt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der horizontalen (Mikro-) und vertikalen (Makro-) Verhaltensanalyse basierend auf kognitiv-lerntheoretischen Grundlagen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Problemanalyse der Lebensgeschichte (Biografie), der Lerngeschichte der Patientin sowie der funktionalen Analyse von Essanfällen und kompensatorischem Verhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Neben Bulimia nervosa sind Begriffe wie Verhaltensanalyse, SORC-Modell, Fallkonzeptualisierung und Emotionsregulation für das Verständnis der Arbeit essenziell.
Wie unterscheidet sich die Makro- von der Mikroebene bei der Fallanalyse?
Die Makroebene betrachtet die übergeordneten Lebensbedingungen, Biografien und Schemata (vertikale Analyse), während die Mikroebene das konkrete Verhalten in spezifischen Situationen analysiert (horizontale Analyse).
Welche Rolle spielen die "auslösenden Faktoren" im Fall von Frau A.?
Sie dienen als Trigger für Essanfälle, wobei im Fall von Frau A. insbesondere Stress, Gefühle der Unzulänglichkeit und soziale Vergleiche eine maßgebliche Rolle spielen.
- Arbeit zitieren
- Isabel Bauhofer (Autor:in), 2022, Bulimia nervosa bei jungen Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1220676