Aufbruch, Umbruch, Einbruch - (Propaganda-)Medien während der französischen Revolution


Seminararbeit, 2007

12 Seiten, Note: 2,00


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Am Beginn der Revolution – Medien des Aufbruchs
1.1. Das Spitzelwesen, die Straße und die Stimme des Volkes
1.2 Die ‚stillen’ Medien- Karikaturen, Flugblätter und Schmähschriften
1.3 Der Sturm auf die Bastille als Symbol der Befreiung

2. Blütezeit der Revolution -Medien des Umbruchs
2.1 Die Mode der Revolution
2.2 Marseillaise & Marianne
2.3 Liberté, Égalité, Fraternité

3. Die Revolution frisst ihre Kinder - Medien des Einbruchs
3.1 Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit unter der Guillotine
3.2 La Liberté ou la Mort

4. Ausblick

Der historische Verlauf der Revolution -ein Überblick

Bibliographie

Einleitung

Wie schon der Titel besagt geht es bei dieser Arbeit um eine Bestandsaufnahme des Medieneinsatzes während, vor & nach der französischen Revolution. Dabei ist der Medienbegriff hier als relativer zu betrachten- unter Medien werden alle Dinge verstanden, die neben ihrer augenscheinlichen Funktion darüber hinaus noch etwas kommunizieren- wie z.B. patriotische Kleidung; aber auch die eigentlichen Medien, die eben der Kommunikation dienen: wie z.B. Bücher, Zeitungen, Flugblätter, Karikaturen, Lieder, ect. Ziel ist es auch, zu zeigen welche Medien wie & wofür zum Einsatz gebracht werden und inwiefern diese Propaganda die Revolution ankurbelt. Hier soll in Folge auch gezeigt werden, dass diese Revolution auch durch den Medieneinsatz funktioniert und durch zahlreiche Dokumente bis zur Gegenwart vor allem in ihrer medialen Symbolik präsent bleibt.

1. Am Beginn der Revolution – Medien des Aufbruchs

1.1. Das Spitzelwesen, die Straße und die Stimme des Volkes

Die Anfänge der Revolution waren gekennzeichnet durch das Spitzelwesen und die Aufzeichnung der Volksäußerungen. Das gesprochene Wort wurde penibel aufgezeichnet, bewertet und verfolgt. Freier Meinungsaustausch wurde zu einer gefährlichen Handlung und wurde auf eine noch nicht da gewesene Art und Weise registriert und dokumentiert: „Was das Volk sagt, lässt niemanden unberührt: „die Straße“ spielt eine aktive gesellschaftliche Rolle. Ob verleugnet oder abgelehnt, sie macht sich bemerkbar, ihr Stimmengewirr schwappt über“[1]. Dadurch, das die Aussagen des ‚einfachen Mannes’ immerhin so schwerwiegend waren, das sie wert waren aufgezeichnet zu werden (und auch mit Strafe verfolgt zu sein) kam es auch zu Entwicklung eines neuen Selbstbewusstseins unter den Bürgerschichten: Wenn das, was ich sage, wert ist aufgeschrieben zu werden, ja verfolgt zu werden; dann kann ich meine Meinung offen kund tun, den sie ist es wert, gehört zu werden.

1.2 Die ‚stillen’ Medien- Karikaturen, Flugblätter und Schmähschriften

Und zu sagen hatten die ausgehungerten unteren Schichten einiges -aufgrund des Staatsbankrotts und den immer strengeren Überwachungsmaßnahmen wurden die Unmutsäußerungen immer lauter- und fanden ein Ventil in Spottgedichten, Karikaturen und heimlichen Drucken von kritischen Schriften. Eine dieser frühen Karikaturen zeigt einen Angehörigen des 3. Standes, der auf seinem gebeugten Rücken einen Adeligen und einen Priester trägt „In Frankreich bürdete das Ancien Régime dem Dritten Stand immer schwerere Lasten auf. Reformversuche […] scheiterten an den Privilegien von Adel und Klerus.[2] Solche Karikaturen nahmen direkt Bezug auf die Situation des Volkes- und wurden auch von den zumeist nichtalphabetisierten Rezipienten verstanden; während die Schriften & Flugblätter (die sich vor allem an den Adel & die Kirche richteten) von der gebildeten Bürgerschicht verfasst & gelesen wurden.

Aufgehängt wurden die Flugblätter und Karikaturen meist an den Kirchentüren, die quasi als ‚schwarzes Brett’ für alle möglichen Anschläge fungierten. Hier gab es auch die Möglichkeit sich Texte von Lesekundigen vortragen zu lassen oder sich über das Tagesgeschehen auszutauschen. Auffällig für die Phase vor dem Ausbruch der Revolution sind die eher ‚stillen’ Medien; die gesprochene & gezeichnete Botschaft; die gegebenenfalls auch schnell versteckt oder vernichtet werden konnte. Daneben fand natürlich ein reger Ideenaustausch an den öffentlichen Plätzen statt; die nicht so leicht überwacht werden konnten wie geschlossene Räume (Gasthäuser, ect.).

1.3 Der Sturm auf die Bastille als Symbol der Befreiung

Auch die mehr oder minder stille Kritik wird immer lauter- es kommt zur Bildung einer Nationalversammlung; bei der jedoch die von der wirtschaftlichen & politischen Krise am schlimmsten Betroffenen (le peuple) ausgeschlossen sind. Die Stimme, die man ihnen nicht geben will; nimmt sich das Volk 1789 durch den Sturm auf die Bastille. Tatsächlich befanden sich in der Bastille zu diesem Zeitpunkt kaum Gefangene, deren Befreiung sich gelohnt hätte. Auch waren die Bewacher (33 Schweizer & 70 Invalide) bereit sich zu ergeben; wurden aber von der wütenden Menge gelyncht. Strategisch brachte der Sturm auf die Bastille so gut wie nichts; wohl aber in seiner medialen Symbolik: Die Bastille als Symbol der Unterdrückung durch den Adel war ‚besiegt’ worden, als Andenken an dieses Ereignis nahmen viele der Pariser Einwohner Ziegel des Gebäudes als Trophäe der Befreiung mit sich oder verkauften Ziegel an ihre Mitbürger; sodass ein regelrechter Handel um das Baumaterial entstand. Bis Heute ist dieser 14. Juli als französischer Nationalfeiertag das Symbol des Revolutionsbeginns; obwohl viele andere Ereignisse zum eigentlichen Sturz des Regimes führten.

2. Blütezeit der Revolution -Medien des Umbruchs

2.1 Die Mode der Revolution

Nach dem Sturm auf die Bastille setzte eine regelrechte revolutionäre Symbolflut ein:

Was an die alte Ordnung erinnerte, wurde nun beseitigt oder zerstört. Die Revolution erkor sich eine Fülle eigener, der Antike, klassischen Tradition oder dem Freimaurertum entlehnte Symbole.[3]

So wurde etwa die Phrygische Mütze, ein antikes Symbol der Sklavenbefreiung, zu Nationaltracht der Bürger. Auch die Kokarde, ein dreifärbiges, zu einem Kreis zusammengezogenes Band wurde bald zu einem der wichtigsten Symbole für die Revolutionäre. Die Farben Blau, Rot und Weiß standen für Gerechtigkeit, Mut und Reinheit. Doch die Farbzusammenstellung ergab sich eigentlich aus einem anderen Kontext: Weiß als die Farbe der Monarchie; Rot & Blau als die Farben von Paris. Die revolutionären Kleidungssymbole waren bezeichnenderweise klein und auch für arme Bürger leicht fabrizierbar; da sie nur wenig Stoff zur Herstellung benötigten. Dadurch, das z.B. eine Kokarde für jeden leicht herzustellen war; verbreitete sich diese ‚Tracht’ auch schnell über das ganze Land; wohingegen ein vollständiges Kostüm wohl kaum so viel Anklang gefunden hätte (schon allein wegen der Materialkosten).

2.2 Marseillaise & Marianne

Jede Revolution bringt ihre Bilder und ihre Kunst hervor, die Französische vor allem in den Bereichen der Malerei & Musik. Dass jenes Lied, welches später die Nationalhymne wurde, eigentlich als Kriegslied für die Rheinarmee komponiert wurde, sagt einiges über das Gewaltpotential der Revolutionäre aus „L'étendard sanglant est levé […] Aux armes, citoyens! […]S'ils tombent, nos jeunes héros, La terre en produit de nouveaux […]“[4] heißt es in den Strophen des Marschliedes. Komponiert wurde das Stück von Claude-Joseph Rouget de Lisle im April 1792, anlässlich der Kriegserklärung an Österreich. Ihren eigentlichen Namen erhielt die Marseillaise aber erst im Juli des Selben Jahres, als Truppen aus Marseille durch Paris zogen & eben dieses Lied sangen. Warum ausgerechnet dieses Lied zu Nationalhymne wird, erklärt sich vor allem durch zwei Faktoren 1.) Die Notwendigkeit sich im Krieg als junge Nation und Republik zu behaupten; um weiter in Integrität bestehen zu können 2.)Die Einigung als Nation im inneren gegen einen gemeinsamen Feind- den Adel & den Klerus sowie die feindlichen Europäischen Mächte. Und die rhythmische Form und einfache Melodie trugen natürlich dazu bei, dass auch weniger begnadete Sänger schnell mit einstimmen konnten – zumindest beim Refrain.

Da die Nation nun eine Hymne hatte, benötigte sie auch ein Symbol. Am Beginn der Revolution wurden die Gleichheit & Freiheit als allegorische Frauengestalten abgebildet; später fügten sich beide Abbildungen in einer Frauengestalt zusammen: die Marianne, welche die Attribute der Gleichheit (Waage & Richtscheit) und Freiheit (Lanze und Bonnet Rouge) vereinte. Ihren Namen erhielt die Dame durch den Spott des Auslands:

[...]


[1] Farge, Arlette: Lauffeuer in Paris. Die Stimme des Volkes im 18. Jahrhundert. Aus dem Franz. von Grete Osterwald. -Stuttgart:Klett-Cotta, 1993. S. 21.

[2] Delamarre, Claude: Die Große Bertelsmann Enzyklopädie des Wissens: Aufklärung und Revolution. Von den großen Ideen bis zur ersten Revolution. –Gütersloh: Bertelsmann-Lexikon-Verl., 1993. S.87.

[3] Delamarre, Claude: Die Große Bertelsmann Enzyklopädie des Wissens: Aufklärung und Revolution. Von den großen Ideen bis zur ersten Revolution. –Gütersloh: Bertelsmann-Lexikon-Verl., 1993. S.95

[4] http://hymne-national.ifrance.com/; Stand 30. –Stand: August 2007, 22:00

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Aufbruch, Umbruch, Einbruch - (Propaganda-)Medien während der französischen Revolution
Hochschule
Universität Wien  (Romanistik Wien)
Veranstaltung
PS
Note
2,00
Autor
Jahr
2007
Seiten
12
Katalognummer
V122081
ISBN (eBook)
9783640265954
ISBN (Buch)
9783640265985
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aufbruch, Umbruch, Einbruch, Revolution
Arbeit zitieren
Sara Claire Kerschbaumer (Autor:in), 2007, Aufbruch, Umbruch, Einbruch - (Propaganda-)Medien während der französischen Revolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122081

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Blick ins Buch
Titel: Aufbruch, Umbruch, Einbruch - (Propaganda-)Medien während der französischen Revolution



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden