„To write about the Monophysites […] demands a greater knowledge of philosophy and Christian doctrine than a historian can usually claim.“ Mit diesen Worten beschrieb der Kirchenhistoriker und Archäologe William Hugh Clifford Frend (1916-2005) den Umgang mit dem Thema „Monophysitismus“ und schaffte gleichzeitig das wohl wichtigste Werk über diese Bewegung. Wie Frend schon betont, ist es eher komplex, sich diesem Stoff zu widmen, da die Religionsrichtung sogar manchen Historikern heute nahezu unbekannt ist. Doch vom vierten bis zum sechsten Jahrhundert prägte sie das Geschehen im östlichen Mittelmeerraum wesentlich, was zur Folge hatte, dass sich sowohl die Kaiser damals, wie auch die Althistoriker heute, mit dieser Glaubensrichtung auseinandersetzen mussten bzw. müssen. Weitere Autoren neben Frend, die sich mit diesem Thema beschäftigen und vorliegende Arbeit wesentlich beeinflussen, sind Patrick T. R. Gray einerseits, der sich mit „The defense of Chalcedon in the East“ befasste, andererseits Michail Grazianskij, der mit seiner Dissertation über „[d]ie Politik Kaiser Justinians I. gegenüber den Monophysiten“ einen wertvollen, sowie aktuellen Beitrag für die Behandlung des sechsten Jahrhunderts bietet. Auch in Kirchengeschichten und Gesamtdarstellungen lassen sich bezüglich des Monophysitismus wichtige Informationen finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung zum Thema: Forschungsstand und Quellenlage
2. Monophysitismus im sechsten Jahrhundert
2.1 Der Monophysitismus
2.1.1 Entstehung
2.1.2 Entwicklungen bis zum sechsten Jahrhundert
2.2 Der Kaiser Justin (518-527)
2.2.1 Ende des akakianischen Schismas
2.2.2 Die theopaschitische Formel
2.2.3 Edikt de haereticis
2.3 Der Kaiser Justinian (527-565)
2.3.1 Kompromiss-Versuche in der ersten Phase bis 536
2.3.1.1 Das Edikt von 533
2.3.1.2 Die Synode von 536
2.3.2 Der Kaiser und die Theologie bis 553
2.3.2.1 Das Edikt von 544
2.3.2.2 Das Edikt von 551
2.3.2.3 Das Konzil von 553
2.3.3 Entstehung einer monophysitischen Orthodoxie ab 553
2.4 Der Kaiser Justin II. (565-578)
2.4.1 Verfolgungen unter Papst Johannes
2.4.2 Die Religionsgespräche von 566/67
2.4.3 Das Edikt von 571
2.5 Weitere Entwicklungen
3. Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die religiöse Entwicklung des Monophysitismus im sechsten Jahrhundert mit einem spezifischen Fokus auf die kaiserliche Religionspolitik. Die zentrale Forschungsfrage analysiert, inwiefern die Kaiser Justin I., Justinian und Justin II. durch ihre Maßnahmen aktiv in innerkirchliche Belange eingriffen, um eine einheitliche Reichskirche zu erzwingen, und ob man hierbei von einem Caesaropapismus sprechen kann.
- Die Entstehung und theologische Ausprägung des Monophysitismus.
- Die Rolle der Kaiser als Akteure in christologischen Dogmenstreitigkeiten.
- Die kirchenpolitischen Kompromissversuche und die Durchsetzung der Orthodoxie.
- Die Auswirkungen der kaiserlichen Gesetzgebung auf die Kirchenspaltung und das Verhältnis zum Papsttum.
- Das Fortleben und die Verfolgung des Monophysitismus in den östlichen Reichsteilen.
Auszug aus dem Buch
2.8.2 Der Kaiser und die Theologie bis 553
Wie bereits erwähnt, ging es Justinian in der Folgezeit bis 553, nachdem er erkannt hatte, dass er durch die theopaschitische Formel keine Einigung erreichen kann, hauptsächlich um eine Theologie, die den Unterschied zwischen Orthodoxie und Monophysitismus aufheben sollte. Nachdem er zuerst versucht hatte, den zerstrittenen Parteien eine Einheitsformel „aufzudrücken“, griff der Kaiser also nun noch direkter in theologische Belange ein.
„Insofern dokumentiert das Schrifttum Justinians seit den 40er Jahren einen deutlichen Wandel vom Kirchenpolitiker mit starken theologischen Interessen hin zum Theologen, der seine überragende politische Stellung kompromisslos zur Durchsetzung seiner eigenen Standpunkte ausnutzt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung zum Thema: Forschungsstand und Quellenlage: Dieser Abschnitt erläutert die wissenschaftliche Bedeutung des Themas und stellt die für die Arbeit zentralen Forschungsliteraturen sowie die quellentechnische Basis, bestehend aus Briefen, Edikten und spätantiken Kirchengeschichten, vor.
2. Monophysitismus im sechsten Jahrhundert: Hier wird der historische und theologische Rahmen abgesteckt, indem die Entstehung der monophysitischen Lehre und ihre Entwicklung bis in das sechste Jahrhundert nachgezeichnet werden.
2.1 Der Monophysitismus: Dieses Kapitel definiert die Grundlagen des monophysitischen Glaubens und betrachtet die Ursprünge der Auseinandersetzung um die Natur Christi sowie zentrale Protagonisten wie Kyrill von Alexandria.
2.2 Der Kaiser Justin (518-527): Der Fokus liegt auf der Regierungszeit Justins, der durch die Beendigung des akakianischen Schismas und erste kirchenpolitische Weichenstellungen den Übergang zur orthodoxen Linie einleitete.
2.3 Der Kaiser Justinian (527-565): Dieser umfangreiche Teil behandelt die komplexe Religionspolitik Justinians, der durch verschiedene Edikte, Synoden und Konzilien versuchte, die dogmatischen Differenzen zwischen Monophysiten und Chalkedonensern durch kaiserliche Autorität zu überbrücken.
2.4 Der Kaiser Justin II. (565-578): Die Analyse der Regierungszeit Justins II. zeigt auf, wie der Kaiser versuchte, die religiöse Einheit durch eine Kombination aus gemäßigter Haltung gegenüber Verbannten und rigidem Zwang durch Edikte (Programma) zu erreichen.
2.5 Weitere Entwicklungen: Ein abschließender Überblick beleuchtet die Ereignisse unter Tiberius sowie das langfristige Entstehen spezifischer Sonderkirchen wie der jakobitischen und koptischen Kirche.
3. Zusammenfassung der Ergebnisse: Das Fazit stellt fest, dass die Kaiser des sechsten Jahrhunderts ihre Rolle maßgeblich als Intervention in religiöse Belange definierten, womit die Charakterisierung ihres Handelns als Caesaropapismus gerechtfertigt ist.
Schlüsselwörter
Monophysitismus, Justinian I., Religionspolitik, Kaiser, Chalkedonense, Theopaschitische Formel, Caesaropapismus, Drei Kapitel, Akakianisches Schisma, Orthodoxie, Kirchengeschichte, Natur Christi, Justin I., Justin II., Theologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Religionspolitik der oströmischen Kaiser im sechsten Jahrhundert und ihrem Umgang mit dem Monophysitismus, einer Glaubensrichtung, die die Natur Christi anders interpretierte als das Konzil von Chalkedon.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die dogmatischen Auseinandersetzungen um die Natur Christi, die Versuche der Kaiser, kirchliche Einheit durch Gesetzgebung zu erzwingen, und die damit einhergehende Einmischung des Staates in kirchliche Angelegenheiten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, das Eingreifen der Kaiser Justin I., Justinian und Justin II. in die Theologie darzustellen und zu bewerten, ob man in diesem Zusammenhang von einem Caesaropapismus sprechen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse historischer Quellen wie Edikte, Briefe und Berichte zeitgenössischer Kirchenhistoriker sowie auf die Auswertung einschlägiger wissenschaftlicher Fachliteratur zur spätantiken Kirchengeschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch nach den Kaisern. Er analysiert die Kompromissversuche Justinians, die Synoden, die Verurteilung der "Drei Kapitel", die Konzilien sowie den Umgang unter Justin II. und die daraus resultierenden kirchlichen Folgen.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Besonders prägend sind Begriffe wie Monophysitismus, Chalkedonense, kaiserliche Intervention, dogmatische Formeln und die spezifische kirchenpolitische Rolle des byzantinischen Kaisers.
Wie beeinflusste Kaiser Justinian das Konzil von 553?
Justinian griff aktiv in den Ablauf ein, indem er dem Konzil geheime Briefe des Papstes Vigilius vorlegte und die inhaltliche Agenda der Verurteilung der Drei Kapitel maßgeblich bestimmte, um seine eigene theologische Position durchzusetzen.
Was war der Inhalt des Edikts von 571 unter Justin II.?
Mit seinem "Programma" versuchte Justin II., die Streitigkeiten um die Natur Christi zu beenden, indem er ein offizielles Glaubensbekenntnis vorgab und dessen Annahme von den Klerikern durch Zwang einforderte.
Warum konnte keine dauerhafte Einigung zwischen Kaiser und Monophysiten erzielt werden?
Trotz zahlreicher Edikte und theologischer Bemühungen stießen die kaiserlichen Vorgaben bei den Monophysiten auf Widerstand, da diese an ihren eigenen theologischen Traditionen festhielten und die kaiserlichen Kompromisse als unzureichend oder theologisch inkorrekt empfanden.
Welche Rolle spielt die "theopaschitische Formel" für die Politik Justinians?
Die Formel "einer aus der Trinität, der gelitten hat" diente Justinian als zentrales Instrument, um eine Brücke zwischen der monophysitischen Auffassung und der chalkedonensischen Orthodoxie zu schlagen und so die angestrebte Reichseinheit zu fördern.
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- Andrea Surner (Author), 2007, Monophysitismus im 6. Jahrhundert - Die Religionspolitik der Kaiser, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122089