In Bezug auf die Forschung zur Religionspolitik des Kaisers Decius ist eine Tendenz vom Allgemeinen zum Detaillierten ersichtlich. Angefangen von Abhandlungen über Christenverfolgungen allgemein , fortgeführt über Forschungen hinsichtlich der Christenverfolgungen im 3. Jahrhundert , setzte wohl Reinhard Selinger mit seiner Dissertation über „Die Religionspolitik des Kaisers Decius“ 1994 neue Maßstäbe. In folgender Arbeit ließ es sich daher auch nicht vermeiden, sich stark an dieses Werk anzulehnen – bewusst wurde auch hier die Formulierung „Die Verfolgung unter Kaiser Decius“ vermieden. Es stellt sich hierbei nämlich die Frage, ob die so genannte „Verfolgung“ wirklich als solche gedacht war und sich direkt gegen die christliche Bevölkerung richtete, oder ob die Opfer- und Märtyrerzahlen einerseits und die Zahlen der Abgefallenen (lapsi) andererseits, die in dieser Zeit anstiegen, „nur“ infolge einer Eskalation eines reichsweiten Opferbefehls zu sehen sind. Dieser Frage soll im Folgenden unter der Berücksichtigung der Person des Decius und der zeitlichen Abläufe innerhalb seiner Regierungszeit nachgegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung zum Thema: Quellenlage und Forschungsstand
2. Die Religionspolitik des Kaisers Decius
2.1 Zur Person des Kaisers Decius
2.1.1 politische Einstellung
2.1.2 religiöse Einstellung
2.2 Überblick über die Maßnahmen unter Kaiser Decius
2.2.1 zeitliche Abfolge der Ereignisse
2.2.2 die Auswirkung der Ereignisse – gegen Christen gerichtet?
2.3 Motivationen für Decius, Christen zu verfolgen
2.3.1 Massen
2.3.2 Hass gegen seinen Vorgänger
2.3.3 Kompromisslosigkeit der Christen
2.4 Folgen der decianischen Religionspolitik für die Kirche
3. Zusammenfassung der Ergebnisse
4. Literatur- und Quellenverzeichnis
4.1 verwendete Literatur
4.2 verwendete Quellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Religionspolitik des Kaisers Decius, mit dem primären Ziel zu klären, ob das unter seiner Herrschaft erlassene Opferedikt als eine gezielte Christenverfolgung zu werten ist oder ob es sich um eine Eskalation aufgrund eines allgemeinen Loyalitätsbefehls handelte.
- Historische Analyse der Person des Kaisers Decius und seiner Regierungsziele.
- Untersuchung der zeitlichen Abläufe und der Umsetzung des Opferedikts.
- Analyse der Beweggründe und der Rolle der Bevölkerung bei der Umsetzung der kaiserlichen Maßnahmen.
- Bewertung der Folgen für die christliche Kirche und das Phänomen der Kompromisslosigkeit.
Auszug aus dem Buch
2.3.3 Kompromisslosigkeit der Christen
„Unmittelbar vor der Kampagne des Decius schrieb ein führender christlicher Denker wie Origines, daß Christus (also auch seine Anhänger) stärker sei als der Kaiser“47. Hier wird deutlich, dass das Christentum im 3. Jahrhundert bereits ein starkes Selbstbewusstsein erlangt hatte. Die Problematik die sich immer weiter entwickelt, besteht darin, dass der römische Staat toleranter gegenüber der Religion der Christen war, als die Christen gegenüber dem Staat. Bereits Trajan (98-117) ordnete an, dass den Christen nach einem Anklägerprozess verziehen werden soll, wenn sie durch einen formalen Kultakt ihrer Gottheit abschwören. Doch die Christen waren nicht bereit, diesen Kompromiss einzugehen – viele starben lieber den Märtyrertod, anstatt anlässlich bestimmter heidnischer Feste den Kultakt zu vollziehen.
Decius kann also mit seinem Opferbefehl, der durch den römischen Beamtenapparat kontrolliert werden sollte, eine Möglichkeit gesucht haben, die Christen zum Opfer für die heidnischen Götter bzw. auch für ihn zum Loyalitätsbeweis zu zwingen. Aber „[e]ine Verständigung [zwischen Kirche und Staat] war schon darum ausgeschlossen, weil der eine Gegner nur eine ideologische Auseinandersetzung zuließ, der andere lediglich eine politisch-juristische“48. Und so kam es dann auch zu einer Eskalation infolge des Edikts, die von Decius mit Sicherheit so nicht beabsichtigt war.
Die Christen waren nicht gezwungen, ihren Gott aufzugeben, sondern die anderen Götter ebenso zu respektieren und ein Opfer darzubringen, „eine bloße Geste genügte – und sie erhielten ihren Opferausweis, waren frei.“49 Doch weil dieses Opfer zu groß war, wählten viele nach dem Vorbild des Bischofs Fabian, den Tod – und wurden somit zu weiteren Vorbildern für andere Christen. Mit dieser Masse von Christen, die das Martyrium wählten, kann Decius nicht gerechnet haben, der Kaiser und „the officials wanted lapsing, not martyrdoms“50. Für Decius war es wichtig, einen Treuebeweis der Reichsbevölkerung, inklusive der Christen, zu sehen; ihre beständige Kompromisslosigkeit kann seinen Wunsch nach einem Loyalitätsbeweis verstärkt haben – aber im Endeffekt war es auch diese Kompromisslosigkeit der Christen, die aus einem Loyalitätsbeweis eine „Verfolgung“ werden ließen, da sie die einzigen waren, die dem Opferedikt nicht Folge leisten wollten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung zum Thema: Quellenlage und Forschungsstand: Erläutert die Problematik der Quellenlage, insbesondere die Einseitigkeit christlicher Schriften, und stellt die aktuelle Forschungstendenz sowie die Bedeutung des Werks von Reinhard Selinger dar.
2. Die Religionspolitik des Kaisers Decius: Analysiert die politische und religiöse Einstellung des Kaisers sowie die faktischen Maßnahmen und Opferbestätigungen seiner Regierungszeit.
3. Zusammenfassung der Ergebnisse: Resümiert, dass das Edikt des Kaisers primär auf staatliche Legitimation abzielte und die Christenverfolgung als eine vom Kaiser nicht intendierte Eskalation durch den Widerstand der Christen zu bewerten ist.
4. Literatur- und Quellenverzeichnis: Listet die für die Untersuchung herangezogene Fachliteratur sowie die verwendeten antiken und modernen Quellen auf.
Schlüsselwörter
Kaiser Decius, Religionspolitik, Christenverfolgung, Opferedikt, Opferbescheinigungen, Libelli, Lapsi, 3. Jahrhundert, Römisches Reich, Loyalitätsbeweis, Kaiserkult, Märtyrertod, Historische Quellenanalyse, Antike, Staatsreligion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Religionspolitik des Kaisers Decius und die Hintergründe der unter seiner Herrschaft stattfindenden Christenverfolgung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Person des Kaisers Decius, die Analyse antiker Opferedikte, das Verhältnis von Christentum und römischem Staat sowie die Motivationen hinter der Christenverfolgung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist zu klären, ob Decius explizit eine Christenverfolgung geplant hat oder ob diese als eine Eskalation infolge eines allgemeinen Opferbefehls zur Stärkung der kaiserlichen Legitimation zu verstehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Es erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der Quellenlage, inklusive der Analyse zeitgenössischer christlicher Berichte und archäologischer Funde wie der Papyrus-Libelli.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Personenanalyse des Kaisers, eine chronologische Aufarbeitung der Maßnahmen, die Untersuchung von Motivationen wie Massenstimmung und Vorgängerhass sowie die Folgen für die Kirche.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Opferedikt“, „Decius“, „Christenverfolgung“, „Loyalitätsbeweis“ und „Libelli“ charakterisiert.
Warum spielt die Person des Kaisers Decius eine entscheidende Rolle für das Verständnis seiner Politik?
Die Arbeit zeigt auf, dass Decius als „Soldatenkaiser“ stark an altrömischen Werten festhielt, um die Stabilität des Reiches zu festigen, was direkt in seinen Wunsch nach einem allgemeinen Loyalitätsbeweis mündete.
Welche besondere Bedeutung haben die Libelli für die Forschung?
Die Libelli belegen, dass das Opferedikt für die gesamte Bevölkerung galt, da auch Nicht-Christen wie eine Heidenpriesterin diese Dokumente vorlegen mussten, was die These einer rein gezielten Christenverfolgung infrage stellt.
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- Andrea Surner (Autor), 2005, Die Religionspolitik des Kaisers Decius, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122090