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Der Squeeze out gem. §§ 327a ff. AktG - Ein Überblick unter besonderer Berücksichtigung der in der Rechtsprechung behandelten Zweifelsfragen

Titre: Der Squeeze out gem. §§ 327a ff. AktG - Ein Überblick unter besonderer Berücksichtigung der in der Rechtsprechung  behandelten Zweifelsfragen

Mémoire (de fin d'études) , 2009 , 74 Pages , Note: 2,0

Autor:in: Jonas Lehmann (Auteur)

Droit - Droit civil / Droit commercial, Droit des sociétés, Droit des cartels, Droit des affaires
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Vor dem Inkrafttreten der gesetzlichen Regelungen zum Squeeze out (§§ 327 a ff. AktG) am 01.01.2002 gab es im deutschen Aktienrecht keine Möglichkeit, einen unmittelbaren Zwangsausschluss von Minderheiten durchzuführen. Die bis dahin bestehenden Instrumente waren zu diesem Zweck nur sehr eingeschränkt geeignet und mit Änderungen der Gesellschaftsstruktur verbunden.

Die Einführung der §§ 327a ff. AktG erfolgte, um wesentliche Nachteile der bis dahin geltenden Rechtslage zu beseitigen: Erstens führt die Existenz von Minderheitsaktionären in einer AG zu einem beträchtlichen Formal- und Kostenaufwand. Zweitens besteht die Gefahr, dass Aktionäre ihre Rechtsposition missbräuchlich ausüben, etwa indem sie Anfechtungsklagen mit dem alleinigen Ziel erheben, die Gesellschaft dadurch zu finanziellen Zugeständnissen zu bewegen. Zudem fehlte es bis dahin an einem Gegenstück zur Regelung über Pflichtangebote gem. § 35 Abs. 2 WpÜG.

Der erste Abschnitt dieser Arbeit befasst sich mit der in der Rechtsprechung intensiv behandelten Frage, ob der Squeeze out verfassungsrechtlichen Vorgaben genügt. Anschließend werden in Abschnitt C. die gesetzlichen Voraussetzungen für die Durchführung des Squeeze out dargelegt. Zweifelsfragen treten dabei insbesondere bei der Zurechnungsregelung gem. § 327a Abs. 2 AktG i.V.m. § 16 Abs. 4 AktG und bei der sogenannten Wertpapierleihe auf. Abschnitt D. behandelt die Barabfindung, die Gewährleistungsverpflichtung gem. § 327b Abs. 3 AktG sowie die Prüfungspflicht gem. § 327c Abs. 2 S. 2 AktG. Unklarheiten bestehen hier in Bezug auf die Fragen, wie der barabfindungsberechtigte Personenkreis sowie die angemessene Höhe der Abfindung zu bestimmen sind und welche Anforderungen an die Prüfer und die Prüfung als solche bestehen.

Ein Schwerpunkt liegt auf den letzten beiden Abschnitten, die den Minderheitenschutz im Rahmen eines Squeeze out betreffen. Zunächst geht es in Abschnitt E. um den a-priori-Schutz, der vor der Beschlussfassung in erster Linie weitgehende Informationsrechte vorsieht. Der a-posteriori-Schutz ist hingegen durch prozessuale Überprüfungs- und Anfechtungsmöglichkeiten ausgestaltet (Abschnitt F.).

Das Ziel der Arbeit ist es, eingebunden in einen Überblick über die Funktionsweise des Squeeze out jeweils diejenigen Fragen eingehend zu untersuchen, die in der Rechtsprechung besonders relevant sind.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Verfassungsmäßigkeit des Squeeze out

I. Eingriff in das grundrechtlich geschützte Aktieneigentum

II. Verfassungsrechtliche Rechtfertigung

III. Verhältnismäßigkeit des Grundrechtseingriffs

IV. Ergebnis

C. Voraussetzungen für das Verlangen des Hauptaktionärs gem. § 327a Abs. 1 S. 1 AktG

I. Rechtsform der Gesellschaft

II. Beteiligung des Hauptaktionärs

1. Rechtsform des Hauptaktionärs

2. Eigentümerstellung des Hauptaktionärs

3. Zurechnung gem. § 327a Abs. 2 AktG i.V.m. § 16 Abs. 4 AktG

4. Maßgeblicher Zeitpunkt und Dauerhaftigkeit der Beteiligung

III. Formelle Voraussetzungen

D. Die Barabfindung, ihre Gewährleistung und Prüfung

I. Barabfindung

1. Verpflichteter

2. Berechtigte

3. Höhe

a) Ermittlung der angemessenen Höhe

b) Relevanter Bewertungszeitraum

II. Gewährleistung durch Kreditinstitut

1. Umfang

2. Ausgestaltungsmöglichkeiten

III. Prüfungspflicht

1. Prüferauswahl

2. Prüfungsumfang

3. Parallelprüfung

E. A-priori-Minderheitenschutz durch Informationsrechte und Beschlussfassung

I. Übertragungsbericht

1. Berichtsverpflichteter

2. Umfang der Berichtspflicht

II. Auslage von Unterlagen

III. Erläuterungen und Auskunftsrechte in der Hauptversammlung

IV. Hauptversammlungsbeschluss

1. Erforderliche Mehrheit

2. Kein Stimm- und Sonderbeschlussrecht der Vorzugsaktionäre

F. A-posteriori-Minderheitenschutz, insbesondere Rechtsschutzmöglichkeiten

I. Handelsregistereintragung, Negativerklärung und Registersperre

II. Nichtigkeitsklage

III. Anfechtungsklage

1. Anfechtungsbefugnis

2. Denkbare Anfechtungsgründe

a) Inhaltliche Mängel

aa) Erfordernis der sachlichen Rechtfertigung

bb) Verstöße gegen Einzelnormen

b) Verfahrensmängel

aa) Verfahrensmängel im Zusammenhang mit der Hauptversammlung

bb) Abfindungswertbezogene Informationsmängel

IV. Unbedenklichkeitsverfahren

1. Einleitung des Verfahrens

2. Voraussetzungen eines Unbedenklichkeitsbeschlusses

a) Unzulässigkeit der Klage

b) Offensichtliche Unbegründetheit der Klage

c) Interessenabwägung

V. Wirkungen der Handelsregistereintragung und ihrer Bekanntmachung

1. Übergang der Aktien auf den Hauptaktionär

2. Beginn der Verzinsung gem. § 327b Abs. 2, 1. Hs. AktG

VI. Spruchverfahren

G. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit bietet einen umfassenden Überblick über den aktienrechtlichen Squeeze-out (§§ 327a ff. AktG) in Deutschland, mit besonderem Fokus auf die in der Rechtsprechung intensiv behandelten Zweifelsfragen bei der Durchführung, dem Minderheitenschutz und den prozessualen Rechtsschutzmöglichkeiten.

  • Verfassungsrechtliche Zulässigkeit und Grenzen des Zwangsausschlusses.
  • Materiell- und formellrechtliche Voraussetzungen für das Squeeze-out-Verlangen.
  • Bemessung und Prüfung der angemessenen Barabfindung für Minderheitsaktionäre.
  • Strukturen des A-priori- und A-posteriori-Minderheitenschutzes (Informationsrechte vs. Anfechtungs- und Spruchverfahren).

Auszug aus dem Buch

I. Eingriff in das grundrechtlich geschützte Aktieneigentum

Die Rechtsposition aller Aktieneigentümer ist ungeachtet ihrer Beteiligungshöhe durch Art. 14 Abs. 1 S. 1 GG geschützt. Dieser Schutz umfasst einerseits die vermögensrechtliche Komponente des Aktieneigentums wie z.B. Dividendenansprüche. Andererseits sind auch die durch die Aktien vermittelten Verwaltungsbefugnisse vom Schutzbereich des Art. 14 Abs. 1 S. 1 GG umfasst. Durch den Squeeze out verlieren die Minderheitsaktionäre unfreiwillig ihr Aktieneigentum. Dieser Rechtsverlust ist demnach als Eingriff in den Schutzbereich des Art. 14 Abs. 1 S. 1 GG zu qualifizieren.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Die Arbeit erläutert die Beweggründe für die Einführung des Squeeze-out im deutschen Aktienrecht zur Effizienzsteigerung und zur Beseitigung von Missbrauchspotenzial bei Minderheitsaktionären.

B. Verfassungsmäßigkeit des Squeeze out: Es wird dargelegt, dass der Zwangsausschluss verfassungsrechtlich als Inhalts- und Schrankenbestimmung des Eigentums (Art. 14 GG) zulässig ist, sofern eine angemessene wirtschaftliche Entschädigung erfolgt.

C. Voraussetzungen für das Verlangen des Hauptaktionärs gem. § 327a Abs. 1 S. 1 AktG: Das Kapitel analysiert die Anforderungen an die Rechtsform, die notwendige 95%-Beteiligung sowie die Problematik der Zurechnung von Anteilen und den maßgeblichen Zeitpunkt.

D. Die Barabfindung, ihre Gewährleistung und Prüfung: Dieses Kapitel widmet sich der Bestimmung der angemessenen Abfindungshöhe, der Sicherung durch Kreditinstitute sowie den Anforderungen an den gerichtlich bestellten Prüfer.

E. A-priori-Minderheitenschutz durch Informationsrechte und Beschlussfassung: Der Fokus liegt hier auf den Informationsrechten wie dem Übertragungsbericht und der Auslage von Unterlagen vor der Hauptversammlung.

F. A-posteriori-Minderheitenschutz, insbesondere Rechtsschutzmöglichkeiten: Hier werden die prozessualen Möglichkeiten wie Nichtigkeits- und Anfechtungsklagen, das Unbedenklichkeitsverfahren und das Spruchverfahren zur Überprüfung der Abfindung detailliert untersucht.

G. Zusammenfassung: Die Schlussbetrachtung fasst die wesentlichen Erkenntnisse zur Auslegung der Zweifelsfragen durch Gesetz und Rechtsprechung zusammen.

Schlüsselwörter

Squeeze-out, Aktiengesetz, Aktieneigentum, Minderheitenschutz, Barabfindung, Hauptaktionär, Verfassungsrecht, Anfechtungsklage, Spruchverfahren, Unternehmensrecht, Aktien, Kapitalmehrheit, Unbedenklichkeitsverfahren, Informationsrechte, Rechtsmissbrauch.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit behandelt das Instrument des Squeeze-out gem. §§ 327a ff. AktG und analysiert dabei insbesondere die in der Rechtsprechung kontrovers diskutierten Zweifelsfragen.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert auf die Verfassungsmäßigkeit, die materiellen Voraussetzungen des Ausschlusses, die Bestimmung und Prüfung der Barabfindung sowie die Rechtsschutzmöglichkeiten für Minderheitsaktionäre.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine fundierte wissenschaftliche Untersuchung der in der Praxis relevantesten Fragen zum Squeeze-out, um den Anwendern bei der Umsetzung dieser Strukturmaßnahme Rechtssicherheit zu bieten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die klassische juristische Auslegungsmethode, bestehend aus Wortlautanalyse, systematischer Auslegung, historischer Auslegung und teleologischer Auslegung unter Einbeziehung aktueller obergerichtlicher Rechtsprechung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Prüfung der verfassungsrechtlichen Rechtfertigung, die detaillierte Analyse der Voraussetzungen für den Hauptaktionär, die Ausgestaltung der Barabfindung und die umfassende Darstellung der Minderheitenschutzmechanismen (vor und nach Beschlussfassung).

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Squeeze-out, Barabfindung, Minderheitenschutz, Anfechtungsklage, Hauptaktionär und die entsprechende aktienrechtliche Auslegung der §§ 327a ff. AktG.

Wie ist die 95%-Beteiligungsschwelle bei Zurechnungstatbeständen zu verstehen?

Die Arbeit erklärt, dass eine Zurechnung von Anteilen Dritter, von denen der Hauptaktionär abhängig ist, zur Erreichung der 95%-Schwelle ausreicht, wobei keine 100%-ige Beteiligung an diesem Dritten erforderlich ist.

Sind parallele Prüfungen bei der Abfindung zulässig?

Ja, die Arbeit gelangt zum Ergebnis, dass parallele Prüfungen (durch den gerichtlich bestellten Prüfer und den vom Hauptaktionär beauftragten Prüfer) mit dem Gesetz und dem Schutzzweck für die Minderheit vereinbar sind.

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Résumé des informations

Titre
Der Squeeze out gem. §§ 327a ff. AktG - Ein Überblick unter besonderer Berücksichtigung der in der Rechtsprechung behandelten Zweifelsfragen
Université
University of Siegen
Note
2,0
Auteur
Jonas Lehmann (Auteur)
Année de publication
2009
Pages
74
N° de catalogue
V122096
ISBN (ebook)
9783640268917
Langue
allemand
mots-clé
Squeeze Out Minderheiten Aktiengesetz Rechtsprechung Aktienrecht Anfechtungsklage Spruchverfahren Landgericht Frankfurt Verschmelzung Ausgliederung § 327a AktG Hauptversammlungsbeschluss Hauptaktionär Barabfindung Nichtigkeitsklage Handelsregister Unbedenklichkeitsbeschluss Funktion
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Jonas Lehmann (Auteur), 2009, Der Squeeze out gem. §§ 327a ff. AktG - Ein Überblick unter besonderer Berücksichtigung der in der Rechtsprechung behandelten Zweifelsfragen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122096
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