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Fürstenenteignung - Geschichte, Ursachen und Folgen

Title: Fürstenenteignung - Geschichte, Ursachen und Folgen

Term Paper , 1992 , 26 Pages , Grade: Gut

Autor:in: Edith Cohrs (Author)

History of Germany - World War I, Weimar Republic
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Während der Novemberrevolution 1918 wurde die Republik von Weimar ausgerufen. In den nun folgenden goldenen 20’ern gab es mehrere Fälle, indem ein vergleichsweise unscheinbarer Anlass die innenpolitische Stabilität erschütterte. Einer dieser Fälle war die vermögensrechtliche Auseinandersetzung der Länder mit den früher regierenden Fürstenhäusern. Sie aktivierte den sozialen Sprengstoff, der sich seit Jahren angesammelt hatte. Während der Revolutionsära wurde das fürstliche Eigentum zwar beschlagnahmt. Es wurde jedoch nicht wie in Österreich, einfach enteignet. Gegen die Beschlagnahmung ihres Eigentums zogen Mitglieder der ehemals regierenden Fürstenhäuser und deren Nebenlinien immer häufiger vor Gericht. Dort siegten sie nach langen Verhandlungen regelmäßig. Diese Siege erlangten sie jedoch nicht nur wegen der formalen Rechtslage, sondern auch wegen der monarchistischen Einstellung der Richter. Ihre Rechtssprüche erregten in der Öffentlichkeit Entrüstung. Dem Fiskus gingen nämlich Vermögenswerte in Millionenhöhe verloren, während die Währungs- und Haushaltssanierung auf Kosten der breiteren sozialen Schichten ging.
Am 19. Januar 1926 brachten SPD und KPD gemeinsam im Reichstag einen Gesetzesentwurf ein, der die entschädigungslose Enteignung der Fürsten zugunsten der Erwerbslosen, der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen, der Sozial- und Kleinrentner, der bedürftigen Opfer der Inflation, der Landarbeiter, Kleinpächter und Kleinbauern verlangte. Dieses Gesetz der zur Fürstenenteignung sollte im Wege des Volksbegehrens verwirklicht werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriffe

1.1 Volksbegehren

1.2 Volksentscheid

2. Das Gesetzgebungsverfahren des Deutschen Reiches gem. Artikel (Art.) 57, 68 - 77, 165 IV Weimarer Reichsverfassung (WRV)

3. Gemeinsame rechtliche Grundlagen von Volksbegehren und Volksentscheid

3.1 Verfassungsrechtliche Grundlagen

a) Volksentscheid, Volksbegehren gemäß Art. 73 WRV

b) Volksentscheid im Falle des Einspruchs durch den Reichsrat gem. Art. 74 III WRV

c) Außerkraftsetzung eines Reichstagsbeschlusses durch Volksentscheid gem. Art. 75 WRV

d) Änderung der Verfassung gem. Art. 76 WRV

3.2 Gesetz über den Volksentscheid vom 27. Juni 1921 in der Fassung vom 31. Dezember 1923

3.3 Auszug aus der Verordnung über Reichswahlen und -abstimmungen (Reichsstimmordnung vom 14. März 1924) in der Fassung vom 14. Mai 1926; Abschnitt V: Sonderbestimmungen für Volksbegehren und Volksentscheid

4. Fürstenenteignung

4.1 Ursachen der Fürstenenteignung

4.2 historisch, rechtliche Gründe für die Fürstenenteignung

5. Das Volksbegehren "Enteignung der Fürstenvermögen" vom 04. - 17. März 1926

6. Der Reichsvolksentscheid über die Enteignung der Fürstenvermögen am 20. Juni 1926

7. politische und gesellschaftliche Auswirkungen der "Fürstenenteignung" auf die Weimarer Republik

7.1 öffentliche Meinung zur Fürstenenteignung

8. politische und gesellschaftliche Folgen der "Fürstenenteignung" für die Republik von Weimar

9. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen und verfassungsrechtlichen Kontext der Fürstenenteignungsdebatte in der Weimarer Republik, analysiert das Gesetzgebungsverfahren sowie den gescheiterten Volksentscheid von 1926 und beleuchtet die damit verbundenen politisch-gesellschaftlichen Auswirkungen auf die Stabilität der jungen Republik.

  • Verfassungsrechtliche Instrumente der direkten Demokratie (Volksbegehren und Volksentscheid)
  • Das Gesetzgebungsverfahren in der Weimarer Reichsverfassung
  • Die Entschädigungslose Enteignung als politisches Instrument der SPD und KPD
  • Soziale Spannungen und die Rolle des Mittelstands in der Weimarer Republik
  • Politische Instrumentalisierung von Plebisziten

Auszug aus dem Buch

4.1 Ursachen der Fürstenenteignung

KPD und SPD wollen am 19. Januar 1926 die entschädigungslose Enteignung der Fürsten. Damit wird der ganze soziale Sprengstoff, der sich seit Jahren in der Weimarer Republik angesammelt hat, aktiviert.19)

Denn der Staat von Weimar ist Produkt von Kriegsniederlage und Revolution. In der Konsequenz des Kriegsausgangs wird Deutschland von den Siegermächten ein Friedensvertrag mit drückenden Bestimmungen auferlegt. Auf die Kriegsniederlage ist das deutsche Volk in keinerlei Weise vorbereitet20); ebensowenig auf den harten Frieden, der lt. Wilsons Vierzehn Punkte und der Lansing-Note vom 05. November 1918 diesen klar erkennen läßt. Zunächst besteht in Deutschland die Hoffnung, Präsident Wilson sei willens und in Lage, einen milden Frieden herbeizuführen. So kommt es, daß die im Mai 1919 schließlich bekanntgegebenen Friedensbedingungen auf das deutsche Volk eine ungeheure Schockwirkung haben und zugleich die Republik in weiten Kreisen der Bevölkerung diskreditieren. In der Zwischenzeit ist es den Kräften der politischen Rechten21) gelungen, die Kausalzusammenhänge hinsichtlich der deutschen Niederlage gründlich zu vernebeln. Die Dolchstoß-Legende soll die Legitimität der neuen politischen Ordnung systematisch untergraben und das Kaiserreich exkulpieren.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Instrumente der direkten Demokratie in der Weimarer Verfassung und ihre ambivalente Rolle in der ersten deutschen Republik.

1. Begriffe: Definition und Erläuterung der verfassungsrechtlichen Begriffe Volksbegehren und Volksentscheid.

2. Das Gesetzgebungsverfahren des Deutschen Reiches gem. Artikel (Art.) 57, 68 - 77, 165 IV Weimarer Reichsverfassung (WRV): Detaillierte Darstellung des ordentlichen Gesetzgebungsablaufs und der Beteiligung von Reichstag, Reichsrat und Reichspräsident.

3. Gemeinsame rechtliche Grundlagen von Volksbegehren und Volksentscheid: Analyse der verfassungsrechtlichen Grundlagen, der relevanten Gesetze und Verordnungen sowie des Zulassungsverfahrens.

4. Fürstenenteignung: Einordnung der Enteignungsdebatte in den historischen Kontext der Nachkriegszeit und Darstellung der politischen Forderungen.

5. Das Volksbegehren "Enteignung der Fürstenvermögen" vom 04. - 17. März 1926: Beschreibung des konkreten Gesetzentwurfs von SPD und KPD und der rechtlichen Rahmenbedingungen für das Volksbegehren.

6. Der Reichsvolksentscheid über die Enteignung der Fürstenvermögen am 20. Juni 1926: Darstellung des Ablaufs und Scheiterns des Volksentscheids aufgrund verfehlter Stimmenzahlen.

7. politische und gesellschaftliche Auswirkungen der "Fürstenenteignung" auf die Weimarer Republik: Untersuchung der gesellschaftlichen Folgen, insbesondere der Auswirkungen auf den Mittelstand und die öffentliche Stimmung.

8. politische und gesellschaftliche Folgen der "Fürstenenteignung" für die Republik von Weimar: Analyse der langfristigen Auswirkungen auf die politische Landschaft und die Stärkung nationalistischer Tendenzen.

9. Zusammenfassung: Resümee über die Fehlbarkeit der Plebiszite als Instrument und die tiefe politische Spaltung der Republik.

Schlüsselwörter

Weimarer Republik, Fürstenenteignung, Volksbegehren, Volksentscheid, Weimarer Reichsverfassung, Direkte Demokratie, SPD, KPD, Dolchstoß-Legende, Politische Radikalisierung, Sozialer Sprengstoff, Reichstag, Reichspräsident, Eigentumsschutz, Verfassungsgeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die Debatte um die entschädigungslose Enteignung der ehemaligen deutschen Fürstenhäuser während der Weimarer Republik, insbesondere den Gesetzentwurf der SPD und KPD sowie den daraus resultierenden gescheiterten Volksentscheid von 1926.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die plebiszitären Elemente der Weimarer Verfassung, die verfassungsrechtlichen Abläufe des Gesetzgebungsverfahrens sowie die sozio-ökonomischen und politischen Auswirkungen dieser Debatte auf die Stabilität der ersten deutschen Republik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Gründe für die Initiative zur Enteignung aufzuzeigen, den rechtlichen Gang des Verfahrens zu dokumentieren und zu analysieren, warum dieses Instrument in der Realität der Weimarer Republik zu einer weiteren politischen Spaltung anstatt zu einer demokratischen Stärkung führte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Analyse verfassungsrechtlicher Texte (WRV), zeitgenössischer Verordnungen und einer Auswertung historischer Literatur, um den Zusammenhang zwischen verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen und der politischen Realität herzustellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der verfassungsrechtlichen Grundlagen für Volksentscheide, eine detaillierte Analyse der Ursachen der Fürstenenteignung, den Ablauf des Volksbegehrens und des Volksentscheids von 1926 sowie die Auswertung der gesellschaftlichen und politischen Folgen für die Weimarer Republik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Weimarer Reichsverfassung, Volksbegehren, Fürstenenteignung, politische Polarisierung und das Krisengefühl der Zwischenkriegszeit.

Warum scheiterte das Volksbegehren zur Enteignung letztlich?

Das Volksbegehren scheiterte beim Volksentscheid am 20. Juni 1926, da die erforderliche Mindestanzahl an Stimmen (die Mehrheit der Stimmberechtigten) nicht erreicht wurde; es wurden nur etwa 15 statt der notwendigen 20 Millionen Stimmen abgegeben.

In welchem Maße beeinflusste das soziale Klima der 1920er Jahre die Enteignungsdebatte?

Das soziale Klima, geprägt durch die Folgen von Kriegsniederlage, Inflation und Massenarbeitslosigkeit, fungierte als "sozialer Sprengstoff". Die Enteignungsdebatte wurde von politischen Akteuren genutzt, um auf die soziale Not breiter Schichten zu reagieren und gleichzeitig fundamentale Gegensätze in der Gesellschaft zu mobilisieren.

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Details

Title
Fürstenenteignung - Geschichte, Ursachen und Folgen
College
Federal University of Applied Administrative Sciences  (Fachbereich allgemeine und innere Verwaltung)
Grade
Gut
Author
Edith Cohrs (Author)
Publication Year
1992
Pages
26
Catalog Number
V12216
ISBN (eBook)
9783638181549
ISBN (Book)
9783638680882
Language
German
Tags
Fürstenenteignung Geschichte Ursachen Folgen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Edith Cohrs (Author), 1992, Fürstenenteignung - Geschichte, Ursachen und Folgen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12216
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