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Mensch oder Bürger?

Rousseaus Erziehungs-Utopie unter den Aspekten Authentizität und Identität

Title: Mensch oder Bürger?

Term Paper , 2006 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Mike Schmidt (Author)

Pedagogy - History of Pedagogy
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Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) lebte in der Epoche der ‚Aufklärung’. Nach ihrem prominentesten Denker, Immanuel Kant, bezeichnet diese den „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit [sei] das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“
Was hier wie ein Punkt oder besser: ein Ausrufungszeichen am Ende eines Satzes steht, markiert zum einen tatsächlich den vorläufigen, vor allem theoretischen Höhepunkt eines bereits in der Renaissance des 15. Jahrhunderts begonnenen Prozesses. Zum anderen jedoch befand sich die praktische Umsetzung jenes als Aufklärung bezeichneten Ideals zu dieser Zeit gerade in ihren blutigen Anfängen. Der theoretische und die Praxis regelnde Rahmen hierfür wurde von der sich parallel etablierenden wissenschaftlichen Disziplin der Pädagogik gesteckt; die entsprechenden Handwerkzeuge nannten sich Erziehung und Bildung.
Mit seiner Erziehungs-Utopie "Emile oder Über die Erziehung" legte Rousseau gleichsam den Grundstein für diese Entwicklung, indem er die Kindheit erstmals als einen eigenständigen Lebensabschnitt (an)erkannte und sie zudem mit einer Bedeutung jenseits des bloßen Heranwachsens zur Arbeits- oder Regierungsfähigkeit versah: der Möglichkeit und Not-wendigkeit des ‚positiven’ Einwirkens durch einen Erzieher.
Die historischen Rahmenbedingungen spielten auch hierbei eine entscheidende Rolle... Als gesellschaftliche Organisationsform schien offenbar allein ein an die antike Polis angelehnter (National-)Staat vorstellbar; im Geiste der Aufklärung nun jedoch ein Staat mündiger Bürger. Da solche Bürger seinerzeit nicht existierten und in anbetracht der, laut Rous-seau: generell ‚entarteten’ Menschheit, war es nach dessen Ansicht zunächst einmal nötig, den Menschen gewissermaßen zu ‚renatuieren’, d.h. ihn in jener Lebensphase namens Kindheit naturgemäß zu erziehen...
Rousseaus Erziehungs-Konzept vorzustellen und die darin aufgeworfene Mensch-Bürger-Problematik zu beleuchten, soll das Anliegen dieser Arbeit sein. Zudem werde ich der aus dieser Problematik resultierenden Frage nach der menschlichen Identität nachgehen. Als Reibungsfläche werde ich hierbei Alfred Schäfers "Jean-Jacques Rousseau. Ein pädagogisches Portrait." aus dem Jahre 2002 hinzuziehen, in dem der Verfasser die Zwiespältigkeit des Rousseauschen Erziehungs-Konzepts anhand der darin (hypothetisch) angestrebten ‚Identität’ des natürlichen Menschen ‚mit sich selbst’ darstellt.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Begriffe & Grundlagen

III. Rousseaus Erziehungs-Utopie

IV. Vier Phasen

V. Überleitung

VI. Die Machtfrage, Teil 1

VII. Identität vs Authentizität

VIII. Die Machtfrage, Teil 2 – Eine Frage der Erziehungs-Berechtigung?

IX. Vorläufiges Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das pädagogische Konzept von Jean-Jacques Rousseau in seinem Werk "Emile oder Über die Erziehung" und beleuchtet die darin enthaltene "Mensch-Bürger-Problematik". Dabei wird analysiert, wie Rousseau versucht, eine natürliche menschliche Identität innerhalb einer bürgerlichen Gesellschaftsordnung zu bewahren, und kritisch hinterfragt, inwiefern dies ein paradoxes Machtverhältnis zwischen Erzieher und Zögling erzeugt.

  • Rousseaus Erziehungs-Utopie im historischen Kontext der Aufklärung
  • Die vier Phasen der kindlichen Entwicklung nach Rousseau
  • Das Spannungsfeld zwischen "Mensch" und "Bürger"
  • Kritik an der "negativen Erziehung" und dem Machtverhältnis
  • Unterscheidung und Zusammenhang von Identität und Authentizität

Auszug aus dem Buch

Die Machtfrage, Teil 1

Kern der Rousseauschen Utopie ist die Erziehung zum Menschen. Da die ‚Wissenschaft vom Menschen’ sich im 18. Jahrhundert erst zu konstituieren begann, waren Spekulationen über das Wesen oder die ‚Natur’ des Menschen seinerzeit zwangsläufig noch spekulativer als heute. Rousseaus Vorstellungen von menschlicher Natürlichkeit speisten sich demnach vermutlich vor allem aus Beobachtungen, geschichtlicher Reflexion, eigener Erfahrung und nicht zuletzt: eigenem Empfinden (in der aktuellen Gesellschaft zum Beispiel fühlte er sich nicht wohl). Somit waren sie zunächst also nicht viel mehr als das Gegenteil von dem, was Rousseau als unnatürlich bzw. entartet zu erkennen geglaubt, beurteilt, erfahren oder empfunden hat – sei dies die das Schicksal des Individuums bestimmende Stände Gesellschaft, das nicht minder die freie und individuelle Entwicklungsmöglichkeit seiner BürgerInnen verhindernde staatliche Organisations-Prinzip der Polis, die Macht herrschender Ansichten oder das Leiden unter unerfüllten Wünschen.

Bei der Lektüre der Diskurse oder des Emile kann dieser Umstand m.E. nicht außer Acht gelassen werden; der Autor oder das Subjekt war zu dieser Zeit noch nicht hinter dem Text verschwunden, wie es einst in der spät- oder postmodernen Sprach- und Identitätstheorie heißen sollte. In eben jenem Lichte bzw. mit jenem Wissen geht Schäfer nun an die Kritik der utopischen Erziehungs-Empfehlungen Rousseaus.

Hauptkritikpunkt ist hierbei der offensichtliche Widerspruch zwischen der geforderten Bewahrung der Natürlichkeit des Individuums, der ‚Identität mit sich selbst’ mit dem Ideal der sozialen Unabhängigkeit und der „kaum zu überbietenden Machtposition“ des Erziehers. Laut Schäfer sei „Rousseaus Konzeption der ‚negativen’ Erziehung gar eine Konzeption totalitärer Erziehung“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in Rousseaus Leben und Werk im Kontext der Aufklärung sowie Definition der zentralen Mensch-Bürger-Problematik.

II. Begriffe & Grundlagen: Erläuterung der "Perfektibilität" des Menschen und der grundlegenden Diskrepanz zwischen natürlichem Dasein und gesellschaftlicher Rolle.

III. Rousseaus Erziehungs-Utopie: Beschreibung der idealen Erziehungssituation unter Einbezug der drei Instanzen Natur, Dinge und Menschen.

IV. Vier Phasen: Analyse der vier Entwicklungsstufen des Kindes und der jeweils angepassten, negativen pädagogischen Einwirkung durch den Erzieher.

V. Überleitung: Reflexion über den "Emile" als politische Streitschrift und Zusammenfassung des Ziels der Mündigkeit durch Anleitung zur Selbsttätigkeit.

VI. Die Machtfrage, Teil 1: Kritische Auseinandersetzung mit dem totalitären Potenzial von Rousseaus "negativer Erziehung" anhand der Position von Alfred Schäfer.

VII. Identität vs Authentizität: Differenzierung der Begriffe unter Rückgriff auf Stuart Halls Subjektkonzepte, um Rousseaus Anliegen präziser als Authentizität zu definieren.

VIII. Die Machtfrage, Teil 2 – Eine Frage der Erziehungs-Berechtigung?: Untersuchung der elterlichen Verantwortung und der Notwendigkeit pädagogischer Führung bei gleichzeitiger Achtung der kindlichen Entwicklung.

IX. Vorläufiges Fazit: Zusammenfassende Betrachtung über die Möglichkeit, authentische menschliche Existenz innerhalb gesellschaftlicher Strukturen zu bewahren.

Schlüsselwörter

Jean-Jacques Rousseau, Emile, Aufklärung, Erziehung, Perfektibilität, Mensch-Bürger-Problematik, Identität, Authentizität, negative Erziehung, Alfred Schäfer, Mündigkeit, Kindheit, Sozialisation, Machtverhältnis, Natürlichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Rousseaus Erziehungsmodell aus "Emile oder Über die Erziehung" und hinterfragt, wie das Ideal der "Natürlichkeit" mit der Integration des Menschen in eine bürgerliche Gesellschaft vereinbar ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die frühkindliche Entwicklung, das Konzept der Perfektibilität, das Machtgefälle in der Erziehung und die philosophische Unterscheidung zwischen Identität und Authentizität.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Rousseaus Anspruch der "natürlichen Erziehung" kritisch zu beleuchten und den Widerspruch zwischen der Forderung nach individueller Freiheit und der notwendigen pädagogischen Steuerung durch den Erzieher aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer hermeneutischen Textanalyse von Rousseaus Hauptwerk "Emile" sowie einer Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kritik von Alfred Schäfer.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der vier Entwicklungsphasen, die Analyse der totalitären Aspekte der "negativen Erziehung" und eine theoretische Klärung der Begriffe Identität und Authentizität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Rousseau, Erziehung, Mündigkeit, Mensch-Bürger-Problematik und das Verhältnis von Identität und Authentizität.

Was kritisiert Alfred Schäfer an Rousseaus Erziehungskonzept?

Schäfer kritisiert, dass Rousseaus "negative Erziehung" faktisch ein totalitäres Machtverhältnis darstellt, da der Erzieher die Sicht- und Handlungsweisen des Kindes lückenlos determiniert.

Inwiefern ist das Handeln der Erziehungsberechtigten laut Autor heute noch relevant?

Der Autor argumentiert, dass Eltern heute, wie bei Rousseau beschrieben, authentische Erfahrungen vermitteln müssen, um dem Kind zu helfen, eine eigene Urteilskraft in einer komplexen Welt zu entwickeln.

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Details

Title
Mensch oder Bürger?
Subtitle
Rousseaus Erziehungs-Utopie unter den Aspekten Authentizität und Identität
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Erziehungswissenschaften/Abteilung Historische Erziehungswissenschaft)
Course
Pädagogische Theorien im historischen Kontext des 18. Jahrhunderts
Grade
1,3
Author
Mike Schmidt (Author)
Publication Year
2006
Pages
20
Catalog Number
V122222
ISBN (eBook)
9783640270682
ISBN (Book)
9783640270842
Language
German
Tags
Jean-Jacques Rousseau Erziehungstheorie Identität Authentizität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mike Schmidt (Author), 2006, Mensch oder Bürger?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122222
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