Schon der Gedanke: “Du siehst England”, machte mich für Freude beben - Sophie von La Roches Bericht über eine Reise nach England


Hausarbeit, 2007
17 Seiten, Note: 1,9

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Biographisches zu Sophie von La Roche

3. Reisebericht

4. Die Reiseberichte Sophie von La Roches

5. Tagebuch einer Reise durch Holland und England
5.1. Ankunft in London
5.2. Kleidung der Frauen
5.3. Modetorheiten
5.4. St. James´s Park
5.5. Das Schicksal der Schwarzen
5.6. Sadler´s Wells
5.7. Cagliostro und George Gordon
5.8. Oxford Street
5.9. Schaufenster
5.10. Bank of England
5.11. Bedlam
5.12. Foundling Hospital
5.13. Nationalcharakter

6. Vergleich mit anderen Reiseberichten des 18. Jahrhunderts

7. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Sommer des Jahres 1786 reiste Sophie von La Roche nach England. Um ihren Reisebericht besser verstehen zu können, sollte ein wichtiges Zeitphänomen des 18. Jahrhundert näher beleuchtet werden. Die Anglophilie. Verstärkt begannen die Menschen in dieser Zeit Englisch zu lernen und auch englische Literatur stärker zu lesen und zu beurteilen. Bewundert wurden die „innere Geschlossenheit“[1] und die soziale Errungenschaften wie Findlingshäuser und psychiatrische Anstalten. Voltaire[2] hatte die Englandliebe in die Herzen der Deutschen eingepflanzt, so Michael Maurer[3]. Unter dem Vorbild Großbritanniens habe sich das Bürgertum von der adelig-geprägten Gesellschaft abgelöst, schreibt Maurer. Die Beziehung Sophie von La Roche zum britischen Königreich reichen schon länger zurück, bis zu einen Aufenthalt ihres Mannes Georg von La Roche bei seinem Vater Graf Stadion[4]. Unsere Dichterin lernt die englische Sprache vor allem über die Lektüre von Shakespeare, Swift und Richardson. „Schon in ihrem Erstlingsroman wird Fräulein von Sternheim als englisches Mädchen gelobt“[5] so Langner. Also auch in ihr Werk findet die Anglophilie Eingang. Die gesamte Szenerie verlegte die Dichterin nach England und schwärmte so von „ihrem“ Land[6]. Den Wert Freiheit betont Sophie von La Roche in ihrem Reisebericht als wichtigen sehr oft. Denn trotz ihres vergleichsweise toleranten Ehemannes fühlt sie sich trotzdem eingeengt von den strengen Vorschriften für eine Dame besseren Standes im 18. Jahrhundert. England galt als Nation von Philosophen und des Fortschritts, was natürlich die Industrielle Revolution noch vorantrieb. Auch der Patriotismus und große Nationalstolz der Engländer war ein Vorbild für die Deutschen. Offenbar hatten diese damit schon solche Probleme wie unsere heutige Gesellschaft. Die Beziehung noch enger machten auch die intensiven Handelsbeziehung mit Großbritannien.

2.Biographisches zu Sophie von La Roche

Sophie von La Roche wurde am 6. Dezember 1730 als Sophie Gutermann von Gutershofen in Kaufbeuren geboren; sie war Tochter eines Arztes, verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Augsburg und in Biberach. 1746 erfolgte die Verlobung mit dem Arzt Gian Lodovico Bianconi[7]. Dieser förderte ihre Ausbildung in Klavier, Gesang und Italienisch. Er selbst unterrichtete sie in Kunstgeschichte und klassischem Altertum. Zur Heirat kam es jedoch nicht, da sich Sophies Vater dagegen stellte. „So bewirkt der vom Vater erzwungene Bruch mit Bianconi eine erneute Beschränkung der Bildungsmöglichkeiten“[8]. Im Jahre 1750 kam es zu einem großen emotionalen Einschnitt in Sophie von La Roches Leben: die Begegnung mit Christoph Martin Wieland. Sie wurden „Seelenfreunde“[9], Sophie beeinflusste Wielands Werk. Er schrieb: „Nichts ist wohl gewisser, als daß ich, wofern uns das Schicksal nicht im Jahre 1750 zusammengebracht hätte, kein Dichter geworden wäre“[10]. Durch die Bekanntschaft kam Sophie zum Schreiben, lernte, ihre Gefühle nieder zuschreiben. Doch auch die Verlobung mit Wieland zerbricht. Stattdessen ehelicht sie 1753 den Hofrat Georg Michael Frank La Roche. Er ist ihr ein liebender Ehemann, lässt ihr Zeit zu schreiben und nimmt sie auf viele seiner Reisen mit. Durch die Ehe mit ihm kam sie mit dem Adel in Berührung, vergaß jedoch nie ihre gut bürgerliche Abstammung und deren Ideale. Bis 1762 lebten die La Roches vor allem am Mainzer Hof, danach auf Gütern in Bönningheim und Warthausen. In diesen Jahren brachte Sophie acht Kinder zur Welt und kam ihren offiziellen Pflichten als gebildete Dame der Gesellschaft nach. 1771 ging ihr Mann als Geheimer Konferenzrat des Kurfürsten von Trier nach Ehrenbreitstein bei Koblenz. Dort führte sie einen literarischen Salon, zu dessen Gästen u. a. Johann Bernhard Basedow[11], Johann Jakob Wilhelm Heinse[12], Friedrich Heinrich Jacobi[13], Johann Kaspar Lavater[14] und Johann Wolfgang von Goethe zählten. Zu diesem Zeitpunkt war sie als Verfasserin des an Jean-Jacques Rousseau und Samuel Richardson orientierten empfindsam-didaktischen Briefromans „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“, der 1771, von Wieland herausgegeben, anonym erschien, bereits eine Berühmtheit.

Nach der Amtsenthebung ihres Gatten übersiedelte die Familie 1780 nach Speyer. Hier publizierte Sophie La Roche 1783/84 mit „Pomona. Für TeutschLands Töchter“ die erste von einer Frau herausgegebene, überregional verbreitete Frauenzeitschrift Deutschlands heraus. Sie erschien monatlich und verfolgte das aufgeklärt-empfindsame weibliche Erziehungsprogramm. In der Folge unternahm La Roche – auch hierin eine Pionierin – mehrere ausgedehnte Reisen, worüber sie umfangreiche Reisetagebücher publizierte; hierzu gehören „Tagebuch einer Reise durch die Schweitz“ (1787), „Journal einer Reise durch Frankreich“ (1787) sowie „Tagebuch einer Reise durch Holland und England“ (1788). Die letzten beiden Jahrzehnte ihres Lebens verbrachte La Roche in Offenbach am Main, wo sie am 18. Dezember 1807 verstarb. Zuvor hatte sie noch ihre Lebenserinnerungen „Melusinens Sommerabende“ (1806) publizieren können.

3. Reisebericht

Als Reisebericht oder Reisebeschreibung bezeichnet man die (literarische) Darstellung der Beobachtungen und Erlebnisse eines Reisenden. Solche Beschreibungen variieren sehr in Inhalt und Wert, je nach Zweck der jeweiligen Reise. Der Begriff „Reiseliteratur“ bzw. „Reisebericht“ in der Forschung wird als Oberbegriff[15] eingeführt, für Darstellungen “tatsächlicher oder fiktionaler Reisen“[16], definiert. Dabei handelt es sich nach Otto F. Best (1976), um literarische Werke, die „dem Thema Reise gewidmet sind“. Gero von Wilpert versteht unter Reiseliteratur daher "das gesamte dem Stoff nach von tatsächlichen oder fiktiven Reisen berichtende Schrifttum[17] ". Reisen in der Aufklärung. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bildeten sich die Bildungsreisen junger Adeliger heraus. Die so genannte Grand Tour[18] war zunächst nur den Reichen vorbehalten, erst in den 1780er Jahren setzte eine verstärkte Reisewelle ein, die auch das Bürgertum ins Ausland führte[19]. Klaus Laermann schreibt, dass der Reisebericht, ein Ausdruck den neuen Machtanspruches des Bürgertums sei[20], es erfuhr durch das Reisen einen neuen Freiraum. Reiseberichte schrieben die Reisenden, um andere an ihren Erfahrungen teilhaben zu Lassen. Die Daheimgebliebenen und Nichtreisende zeigten im 18. Jahrhundert ein derart starkes Interesse an Berichten über ferne Länder, so dass ein Erfolg der Veröffentlichungen garantiert war.

„Oft werden Reisen nur mit dem Ziel unternommen, ein Buch darüber zu verfassen. [...] Für den aufgeklärten Reisenden steht die Verbindung mit Bildungselementen im Vordergrund...[...] Die Schilderung naturgeschichtlicher und geographischer Zustände sowie wissenschaftlicher Errungenschaften ist häufig bestimmend. Neben Theatern, Museen bilden Zeughäuser, Naturalienkabinette, teilweise aber auch Fabriken das Besuchsprogramm.“[21]

Für den aufgeklärten Reisenden, in unserem Fall die Reisende, steht die Bildung auf ihren Reisen im Blickpunkt. Sie besuchte Orte von geschichtlicher, geographischer oder naturwissenschaftlicher Bedeutung. Zu einem ausgewogenen Reiseprogramm gehören natürlich auch Theater- und Kaffeehausbesuche.

Gebildete Reisende beschreiben nicht nur, sie gehen weiter, sie werten und kommentieren das Gesehene. Die in der Kleinstaaterei im Deutschland des 18. Jahrhunderts so wichtigen Standesunterschiede verlieren auf Reisen ihre Bedeutung[22]. Die Reisen der Aufklärer unterscheiden sich in einem Punkt von der üblichen Kavaliersreise: die Reisenden hatten sich ein großes Maß an Vorwissen über die Länder angelesen.

[...]


[1] Margrit Langner: Sophie von La Roche- die empfindsame Realistin, Heidelberg 1995. Seite 221.

[2] Voltaire, eigentlich François Marie Arouet, (1694-1778), französischer Schriftsteller und Philosoph. Er war einer der führenden Vertreter der Aufklärung.

[3] Michael Maurer: Aufklärung und Anglophilie in Deutschland, Göttingen 1987.

[4] Stadion, Johann Philipp Graf von (1763-1824), österreichischer Staatsmann.

[5] Langner. (siehe Anm.) Seite 222.

[6] Barbara Becker-Cantarino: Sophie von La Roche. Tagebuch einer Reise durch HolLand und England. WarbenKarben 1997, Seite 9.

[7] Ebenda. Seite 10.

[8] Ebenda. Seite 10.

[9] Langner. (siehe Anm.), Seite 10.

[10] Sophie von La Roche an Leonhard Meister. Offenbach 4.10.1787.

[11] Basedow, Johann Bernhard (1724-1790), deutscher Bildungsreformer und führender Vertreter der Pädagogik der Aufklärung.

[12] Heinse, Johann Jakob Wilhelm, eigentlich Johann Jakob Wilhelm Heinze bzw. Heintze, (1746-1803), Schriftsteller.

[13] Jacobi, Friedrich Heinrich (1743-1819), Schriftsteller und Philosoph. Er war eine der zentralen Gestalten des Sturm und Drang.

[14] Lavater, Johann Kaspar (1741-1801), schweizerischer Pfarrer und Schriftsteller.

[15] Art. Reisebericht. In: Brunner/ Moritz(Hg.) . Literaturwissenschaftliches Lexikon : Grundbegriffe der Germanistik, Berlin 2006

[16] ebenda

[17] Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8., verb. und erweit. Auflage, Stuttgart 2001

[18] Die Grand Tour (auch: „Cavalierstour“, „Kavalierreise“ u.a.), eine zunächst vor allem in England verbreitete Institution, war die Bezeichnung für eine obligatorische Reise der Söhne des Adels, später auch des gehobenen Bürgertums durch Mitteleuropa, besonders nach Italien. In weiterem Sinne wurden auch Bildungsreisen erwachsener Angehöriger der genannten Stände so genannt.

[19] Langner. (siehe Anm.), Seite 162.

[20] Klaus Laermann: Raumerfahrung und Erfahrungsraum. Einige Überlegungen zu Reiseberichten aus Deutschland vom Ende des 18.Jahrhunderts. In: Reise und Utopie. Zur Literatur der Spätaufklärung. Hg. Hans Joachim Piechotta, Frankfurt am Main 1976.

[21] Langner (siehe Anm.), Seite 163.

[22] Ebenda. Seite 164.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Schon der Gedanke: “Du siehst England”, machte mich für Freude beben - Sophie von La Roches Bericht über eine Reise nach England
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,9
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V122268
ISBN (eBook)
9783640274291
ISBN (Buch)
9783640274314
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schon, Gedanke, England”, Freude, Sophie, Roches, Bericht, Reise, England
Arbeit zitieren
Julia Grubitzch (Autor), 2007, Schon der Gedanke: “Du siehst England”, machte mich für Freude beben - Sophie von La Roches Bericht über eine Reise nach England, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122268

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