In der betriebswirtschaftlichen Literatur als auch in der Praxis wird der Begriff der Kapitalflussrechnung sehr unterschiedlich definiert, zumal die deutsche Bezeichnung im Grunde irreführend ist. Eine bessere Bezeichnung könnte Finanzmittelfonds-Veränderungsrechnung sein, denn nicht der Zu- und Abfluss des Kapitals, sondern die Veränderung des Finanzmittelfonds steht bei dieser Rechnung im Mittelpunkt.
International bezeichnet man die Kapitalflussrechnung als cash flow statements (IAS 7) oder auch statement of cash flows (FAS 95). Statement kann als Rechnung, Darstellung oder auch Erklärung übersetzt werden. Demnach ist die KFR eine Darstellung von verschiedenen Cash-flows, die jeweils eine Ursachenrechnung darstellen und Aussagen darüber treffen, was die Veränderung des Finanzmittelfonds begründet hat.
Neben der Bilanz als Darstellung der Vermögenslage und der GuV als Darstellung der Ertragslage soll durch die Aufstellung einer KFR eine Beurteilung der Finanzlage möglich sein. Während sie im IFRS-Jahresabschluss bereits ein Pflichtbestandteil ist, beschränkt sich national die Verpflichtung gemäß § 297 Abs. 1 Satz 1 HGB lediglich auf Konzerne i.S.d. § 18 AktG sowie § 290 HGB. Da im HGB eine nähere Konkretisierung zu ihren Aufgaben, Inhalt und Gestaltung fehlt, übernimmt der DRS 2 des DRSC eine Leitlinienfunktion und füllt inhaltlich die Norm des § 297 Abs.1 Satz 1 HGB auf. Dieser Standard ist für alle Mutterunternehmen bindend, die nicht kapitalmarktorientiert sind und das Wahlrecht zur IFRS-Bilanzierung nicht in Anspruch nehmen, sowie für freiwillig erstellte KFR in Einzelabschlüssen.
Obwohl sich das DRS 2 eng an die IFRS anlehnt, soll diese Hausarbeit neben den Gemeinsamkeiten vor allem die Unterschiede zwischen dem nationalen und internationalen Standard darstellen. Eine kurze Erläuterung der Aufgaben und Anforderungen, die an die KFR gestellt werden, soll eine Einführung in die Problematik erleichtern. Den Schwerpunkt bildet der Vergleich des Aufbaus und der Darstellung der KFR zwischen DRS 2 und IAS 7 und darauf aufbauend, die Analyse der verschiedenen Cashflows. In der Schlussbetrachtung wird anhand von Vor- und Nachteilen der KFR, die bei der Bearbeitung des Themas aufgetretene Frage beantwortet: „Ist anhand der dargestellten Informationen in der KFR, eine richtige Beurteilung der Finanzlage eines Unternehmens überhaupt möglich?“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Charakteristika
2.1 Zweck und Aufgaben
2.2 Anforderungen an die Kapitalflussrechnung
2.2.1 Allgemeine Grundsätze
2.2.2 Besondere Grundsätze für die Erstellung von Kapitalflussrechnungen
3. Aufbau und Struktur
3.1 Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit/ betrieblichen Tätigkeit
3.2 Cashflow aus der Investitionstätigkeit
3.3 Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit
3.4 Abgrenzung des Finanzmittelfonds
4. Ermittlung und Darstellung
4.1 Einführung
4.2 Direkte Methode
4.3 Indirekte Methode
5. Analyse und Interpretation der Kapitalflussrechnung und der Cashflows
5.1 Kapitalflussrechnung
5.2 Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit
5.3 Cashflow aus der Investitionstätigkeit
5.4 Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit
6. Kritische Würdigung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Kapitalflussrechnung (KFR) als Instrument zur Beurteilung der Finanzlage eines Unternehmens zu untersuchen. Im Fokus steht dabei der Vergleich zwischen den nationalen Regelungen des DRS 2 und den internationalen Standards gemäß IAS 7, insbesondere hinsichtlich ihres Aufbaus, ihrer Struktur und ihrer Aussagekraft.
- Grundlagen und Charakteristika der Kapitalflussrechnung
- Strukturierung der Cashflows (operativ, Investition, Finanzierung)
- Gegenüberstellung von direkter und indirekter Ermittlungsmethode
- Methoden zur Analyse und Interpretation von Cashflow-Daten
- Kritische Würdigung der Aussagefähigkeit beider Rechnungslegungsstandards
Auszug aus dem Buch
4.3 Indirekte Methode
Bei der indirekten Methode wird mithilfe einer Überleitungsrechnung das Periodenergebnis durch Rückrechnung korrigiert. Sie zeigt vornehmlich Korrekturposten, mit denen Vorgänge wegen fehlender Zahlungswirksamkeit rückgängig gemacht werden sowie erfolgsneutrale, aber zahlungswirksame Bestandsveränderungen des Netto-Umlaufvermögens (z.B. Barkauf von Vorräten). Zudem werden zahlungswirksame Geschäftsvorfälle umgebucht, die zum Investitions- oder Finanzierungsbereich zugeordnet werden müssen.
Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen DRS 2.29 und IAS 7.20 sollen durch Tabelle 6, in aufbereiteter Form, dargestellt werden. Für die Gliederung des Investitions- und Finanzierungsbereichs wird auf Tabelle 10 im Anhang verwiesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Kapitalflussrechnung, ihrer Definitionsproblematik und der Relevanz im Vergleich zwischen nationalem (DRS 2) und internationalem (IAS 7) Standard.
2. Charakteristika: Erläuterung der Zwecke, Aufgaben und allgemeinen Anforderungen an die Erstellung einer Kapitalflussrechnung sowie der zugrunde liegenden Prinzipien.
3. Aufbau und Struktur: Detaillierte Darstellung der drei Cashflow-Bereiche (laufende Geschäftstätigkeit, Investitionstätigkeit, Finanzierungstätigkeit) sowie der Definition des Finanzmittelfonds.
4. Ermittlung und Darstellung: Untersuchung der verschiedenen Ermittlungsmethoden (direkt und indirekt) sowie der entsprechenden Darstellungsvorgaben nach DRS 2 und IAS 7.
5. Analyse und Interpretation der Kapitalflussrechnung und der Cashflows: Beschreibung der methodischen Möglichkeiten zur Auswertung der KFR und der einzelnen Cashflow-Komponenten zur Beurteilung der Unternehmensfinanzlage.
6. Kritische Würdigung: Kritische Reflexion der Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Ermittlungsmethoden und eine Bewertung der Aussagekraft der KFR für den Adressaten.
Schlüsselwörter
Kapitalflussrechnung, Cashflow, Finanzmittelfonds, DRS 2, IAS 7, laufende Geschäftstätigkeit, Investitionstätigkeit, Finanzierungstätigkeit, direkte Methode, indirekte Methode, Jahresabschlussanalyse, Liquidität, Außenfinanzierung, Innenfinanzierungsspielraum, Rechnungslegungsstandards.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit behandelt die Kapitalflussrechnung als wichtiges Instrument der Jahresabschlussanalyse und vergleicht dabei die spezifischen Anforderungen und Strukturen nach DRS 2 (HGB) und IAS 7 (IFRS).
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Zentral sind die Charakteristika der KFR, die Gliederung der Cashflows in drei Bereiche, der Vergleich der Ermittlungsmethoden sowie die kritische Analyse der Aussagekraft für externe Adressaten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen nationalen und internationalen Standards aufzuzeigen und zu klären, inwieweit eine verlässliche Beurteilung der Finanzlage eines Unternehmens mittels KFR möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Standardanalyse, bei der die theoretischen Grundlagen des DRS 2 und IAS 7 gegenübergestellt und methodisch anhand von Tabellen und Gliederungsschemata veranschaulicht werden.
Welche Schwerpunkte liegen im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Struktur der Cashflows, die technische Abgrenzung des Finanzmittelfonds sowie die methodische Gegenüberstellung von direkter und indirekter Ermittlung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Cashflow-Analyse, Kapitalflussrechnung, Rechnungslegungsstandards und Liquiditätsbeurteilung charakterisiert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Methode so bedeutend?
Da die direkte Methode zahlungsstromorientiert ist und somit mehr Transparenz bietet, während die indirekte Methode aus dem Periodenergebnis abgeleitet wird und in der Praxis dominiert, ist die Frage der Aussagekraft für den Analysten essenziell.
Warum wird die indirekte Methode in der Praxis kritisiert?
Die Kritik basiert darauf, dass durch die indirekte Ermittlung die konkreten Quellen der Mittelzuflüsse und die Ursachen der Abflüsse verschleiert werden können, was die Nachvollziehbarkeit mindert.
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- Alexander Ulm (Autor), 2008, Kapitalflussrechnung: Aufbau/Struktur/Aussage nach HGB/IFRS, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122274