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Die Entwicklung der Piraterie in der Ägäis zwischen Archaik und Hellenismus

Aus etymologisch-semasiologischer, völkerkundlicher und sozialer Perspektive

Title: Die Entwicklung der Piraterie in der Ägäis zwischen Archaik und Hellenismus

Bachelor Thesis , 2016 , 34 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Petra Rodloff (Author)

World History - Early and Ancient History
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Die sich entwickelnden Typen von Piraterie herauszuarbeiten, ist das Bestreben der Arbeit. Aus diesem Grund werde ich nach der Klärung der Bedeutung der literarisch genutzten griechischen Piraterie-Begriffe das zweite Kapitel der Entwicklung der ägäischen Piraterie vom Seevölkersturm bis zum Hellenismus widmen. Im daran anschließenden dritten Teil gehe ich in Hinblick auf die völkerkundliche und soziale Dimension der ägäischen Piraterie der Frage nach, warum in der antiken Historiographie ausschließlich die ägäischen Randvölker der Piraterie bezichtigt werden, nicht jedoch die Angehörigen des zivilen Griechenlands, für dessen kulturell führende Poleis die Anti-Piraterie-Kampagnen für Selbstbild und Legitimierung ihrer See-Herrschaft wichtiger sind als die Sache selbst. Eine Begründung für diese Haltung ist in der aktiven Beteiligung der zivilisatorisch fortschrittlichen Poleis beziehungsweise Angehöriger der führenden Bürgerschicht an dieser zu ersehen. Im Fazit erwarte ich nachzuweisen, dass griechische, aus den höheren Schichten stammende Söhne der Poleis Piraterie aufgrund einer beibehaltenen archaischen Kriegermentalität betrieben haben.

Aus Sicht des Aristokraten Platon scheint die Frage, wer die Welt beherrscht, müßig: Mit dem Gleichnis der um einem Teich sitzenden Frösche sind die von aristokratischen Familien politisch dominierten griechischen Städte als Zentren der Zivilisation gemeint. Vom Land aus beherrschen sie das Meer, nutzen es für ihre Zwecke, ohne jedoch selbst ein Teil davon zu sein. Platon betont in seiner Allegorie den räuberischen Landanteil der Lurche, die das Wasser für ihre Bedürfnisse nutzen und sich von ihrem trockenen Standort am Rande des Teiches aus darüber als Herrscher gebärden; dabei beachtet er nicht den verletzlicheren Wasseranteil dieser Tiere, welcher bei Amphibien aller Art der entscheidende ist: Im Wasser pflanzen sie sich fort, verbringen ihr Larvenstadium als Kaulquappen ausschließlich unter der Wasseroberfläche. Noch den erwachsenen Tieren ist das Wasser eine Notwendigkeit des Überlebens: Ohne dieses trocknen sie, schutzlos der Sonne ausgesetzt, aus. Daher ist die Frosch-Metapher – mag sie noch so lyrisch sein – als propagandistisches Eigen-Bildnis des klassisch-platonischen Griechentums zu bewerten und nicht als allgemein gültige Tatsächlichkeit.

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Wer sind die Frösche des Teiches?

1. Piraten – Ein komplexes Wortfeld aus etymologisch-semasiologischer Sicht

2. Die Entwicklung der Piraterie im ägäischen Raum

2.1. Beginnende Eisenzeit – Erste Hinweise auf Piraterie im östlichen Mittelmeerraum

2.2. Archaik – Im Spannungsfeld von Handel und Krieg

2.3. Klassik – Von Skyros über den Delisch-Attischen Seebund zu Philipp II. von Makedonien

2.3.1. Die (Wieder-)Entdeckung eines Heros auf der Pirateninsel

2.3.2. Der Delisch-Attische Seebund als Vereinigung politisierter Piraten

2.4. Hellenismus – Von Gebundenheit über Selbstbegrenzung zur Freiheit

2.4.1. Antikes Freibeutertum

2.4.2. Selbstbegrenzung durch asylia-Vergabe

2.4.3. Freiheit

2.5. Zusammenfassung: Entwicklung der antiken Piraterie in der Ägäis

3. Die völkerkundliche und soziale Dimension der ägäischen Piraterie(n)

3.1. Plädoyer im Sinne der angeklagten Völker

3.2. Der ursprüngliche soziale Stand der antiken Piraten

3.3. Zusammenfassung: ethnos, Stand und „raid mentality“

Fazit: Die Frösche im Teich

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Piraterie in der Ägäis zwischen Archaik und Hellenismus, um nachzuweisen, dass dieses Phänomen nicht als von außen kommende Bedrohung, sondern als fester Bestandteil der griechischen Gesellschaftsstruktur anzusehen ist, die eng mit einer archaischen Kriegermentalität verknüpft bleibt.

  • Etymologische und semasiologische Analyse der antiken Piraterie-Begriffe.
  • Die Rolle der Piraterie als politisches Instrument in der Klassik und im Hellenismus.
  • Untersuchung der "raid mentality" als kulturelles und soziales Charakteristikum.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der antiken Historiographie und deren Stigmatisierung von Randvölkern.
  • Die sozioökonomische Herkunft der Akteure und deren sozialer Aufstieg durch Piraterie.

Auszug aus dem Buch

Einleitung: Wer sind die Frösche des Teiches?

Aus Sicht des Aristokraten Platon scheint die Frage, wer die Welt beherrscht, müßig: Mit dem Gleichnis der um einem Teich sitzenden Frösche sind die von aristokratischen Familien politisch dominierten griechischen Städte als Zentren der Zivilisation gemeint. Vom Land aus beherrschen sie das Meer, nutzen es für ihre Zwecke, ohne jedoch selbst ein Teil davon zu sein. Platon betont in seiner Allegorie den räuberischen Landanteil der Lurche, die das Wasser für ihre Bedürfnisse nutzen und sich von ihrem trockenen Standort am Rande des Teiches aus darüber als Herrscher gebärden; dabei beachtet er nicht den verletzlicheren Wasseranteil dieser Tiere, welcher bei Amphibien aller Art der entscheidende ist: Im Wasser pflanzen sie sich fort, verbringen ihr Larvenstadium als Kaulquappen ausschließlich unter der Wasseroberfläche. Noch den erwachsenen Tieren ist das Wasser eine Notwendigkeit des Überlebens: Ohne dieses trocknen sie, schutzlos der Sonne ausgesetzt, aus.

Daher ist die Frosch-Metapher – mag sie noch so lyrisch sein – als propagandistisches Eigen-Bildnis des klassisch-platonischen Griechentums zu bewerten, und nicht als allgemein gültige Tatsächlichkeit. Obwohl die Angehörigen der griechischen Poleis auf dem Wasser Handel treiben und Kriege führen, sind sie auf diesem ihnen fremden Element einander und anderen Teilhabern ausgeliefert. Ihre einzige Sicherheit ist ihr Fahrzeug, das sie über der Wasseroberfläche hält; unterhalb dieser sind sie als Menschen nicht lebensfähig. Sie sind daher hier keineswegs als Herrscher anzusehen, sondern als von zwei unberechenbaren Elementen, dem Wasser und der Luft, Beherrschte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Piraten – Ein komplexes Wortfeld aus etymologisch-semasiologischer Sicht: Definitorische Klärung der altgriechischen und englischen Begriffe, um das Phänomen des antiken Seeraubs präziser fassen zu können.

2. Die Entwicklung der Piraterie im ägäischen Raum: Chronologische Analyse der Piraterie von den Anfängen in der Eisenzeit über die Klassik bis hin zum Hellenismus, wobei die Einbindung der Piraten in militärische Strukturen hervorgehoben wird.

3. Die völkerkundliche und soziale Dimension der ägäischen Piraterie(n): Untersuchung der sozialen Herkunft der Akteure und der stigmatisierenden Wahrnehmung von Randvölkern in der antiken Historiographie.

Fazit: Die Frösche im Teich: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse unter Rückgriff auf die Metaphorik Platons, wobei Piraterie als Ausdruck einer fortdauernden archaischen Mentalität innerhalb der griechischen Gesellschaft gedeutet wird.

Schlüsselwörter

Antike Piraterie, Ägäis, Archaik, Hellenismus, raid mentality, etymologisch-semasiologische Definition, soziale Herkunft, Platon, Theseus, Delisch-Attischer Seebund, Kriegermentalität, Historiographie, Seeraub, Poleis, asylia.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Bachelorarbeit analysiert die Entwicklung der Piraterie im antiken Griechenland, von der Archaik bis in den Hellenismus, und hinterfragt dabei das Selbstbild griechischer Poleis gegenüber dem Phänomen des Seeraubs.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Sprachgeschichte von Piraterie-Begriffen, die politische Instrumentalisierung von Piraten, die Rolle der sozialen Herkunft der Akteure sowie die Völkerkundliche Stigmatisierung von Randvölkern.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist der Nachweis, dass die antike Piraterie kein singuläres Randphänomen, sondern eng mit der archaischen Kriegermentalität der sozialen Oberschicht der griechischen Städte verknüpft ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen diachronen Ansatz, verbindet linguistische Analysen mit historischer Quellenkritik und integriert modernere Theorien wie die "raid mentality" nach Gabrielsen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Begriffswelt, eine historische Entwicklungsdarstellung von der Bronzezeit bis zum Hellenismus sowie eine sozioökonomische Analyse der Akteure und deren Motivationen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Piraterie, Ägäis, raid mentality, griechische Poleis, historische Entwicklung und die soziale Schichtung der Seeräuber.

Wie bewertet die Autorin die Rolle der Stadt Lefkandi?

Lefkandi wird als Beispiel für eine Phase der Blüte genutzt, in der die Piraterie als wesentliche Einnahmequelle diente, was sich insbesondere in der Gestaltung der Heroen-Gräber widerspiegelt.

Welche Funktion hat die asylia-Vergabe im Hellenismus?

Sie diente als selbstbeschränkende Politik der Ätolier, um das delphische Heiligtum als Ort panhellenischer Begegnungen zu sichern und Handelsschiffe vor Überfällen zu schützen.

Warum wird die Bezeichnung als Pirat in der Forschung oft kritisch hinterfragt?

Weil antike Historiographen den Begriff "Pirat" oft gezielt nutzten, um politische Gegner zu delegitimieren, während sie eigenes piratisches Verhalten in städtischen Strukturen kaschierten.

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Details

Title
Die Entwicklung der Piraterie in der Ägäis zwischen Archaik und Hellenismus
Subtitle
Aus etymologisch-semasiologischer, völkerkundlicher und sozialer Perspektive
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Grade
1,0
Author
Petra Rodloff (Author)
Publication Year
2016
Pages
34
Catalog Number
V1222946
ISBN (PDF)
9783346648198
ISBN (Book)
9783346648204
Language
German
Tags
Piraterie Griechenland Archaik Hellenismus Klassik Piraten Pirat Polis Ägäis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Petra Rodloff (Author), 2016, Die Entwicklung der Piraterie in der Ägäis zwischen Archaik und Hellenismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1222946
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