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Widerstand und Alltagskultur im postkolonialen Staat

Title: Widerstand und Alltagskultur im postkolonialen Staat

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Alexandra Mörz (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Widerstand – wohl jeder denkt bei diesem Wort unmittelbar an bedeutende Symbolfiguren von Widerstandsbewegungen des vergangenen Jahrhunderts: Mahatma Gandhi in Indien, Nel-son Mandela in Südafrika, Martin Luther King und Malcolm X in den USA, Che Guevara in Kuba oder die Geschwister Scholl in Deutschland. Ihnen allen gelang es, in ihrer Position als charismatische Führer, die breite Masse der Unterdrückten zu vereinen, und so den Kampf gegen ungleiche Herrschaftsstrukturen und Machtverhältnisse aufzunehmen. Aufgrund ihrer Erfolge werden sie noch heute als Gallionsfiguren des Widerstands geachtet und verehrt.
Diese Arbeit beschäftigt sich ebenfalls mit Widerstand, die berühmten, soeben genannten Namen, werden dabei jedoch keine Rolle spielen. Dieser Aufsatz handelt von den tausenden namenlosen Helden des Alltags, die durch ihren täglichen, subtilen Widerstand einen großen Beitrag für den Wandel postkolonialer Machtstrukturen leisten, obwohl sie nur äußerst selten in kollektiven Bewegungen organisiert sind.
Ziel dieser Arbeit wird es sein, die „Kunst des Widerstandes“ (Scott 1990) in ihren vielfältigen Facetten zu verdeutlichen, stets mit der Frage im Hinterkopf, welchen Einfluss die besondere Situation des postkolonialen Staates auf die Form des Widerstandes hat.
Nach einer ausführlichen Annäherung an die theoretische Diskussion bezüglich Widerstand werde ich anhand von Foucaults Konzept der Gouvernementalität die Besonderheiten des alltäglichen Widerstandes an zwei Beispielen aus Indien und Australien verdeutlichen. In beide Betrachtungen wird auch stets die Imagination des Staates durch die subalterne Gesellschaft einfließen, da sich bestimmte Verhaltensweisen und Formen des Widerstands nur so erklären lassen. Abschließend werde ich in einer vergleichenden Analyse der Fallbeispiele auf eventuelle Ähnlichkeiten und Abweichungen im Verhalten eingehen.
Zunächst jedoch müssen wir uns einen Überblick über die theoretische Diskussion zum Thema Widerstand verschaffen, wobei ich auch auf Probleme der Konzepte zu sprechen kommen werde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Widerstand – theoretische Diskussion und Kritikpunkte

3. Widerstand und Gouvernementalität – Fallbeispiele aus Indien und Australien

3.1 Foucaults Theorie der Gouvernementalität

3.2 Fallbeispiel Indien: Formen des Widerstandes gegen das Integrated Child Development Services Programm

3.3 Fallbeispiel Australien: Formen des Widerstandes der Dhan-gadi Aborigines gegen den australischen Staat

3.4 Analyse der Fallbeispiele

4. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die subtilen, alltäglichen Formen des Widerstands subalterner Gruppen in postkolonialen Staaten und analysiert, wie diese Praktiken die Machtstrukturen von Regierungssystemen untergraben oder transformieren können.

  • Die theoretische Einordnung des Widerstandsbegriffs nach Scott und Foucault.
  • Die Anwendung von Foucaults Gouvernementalität auf staatliche Institutionen.
  • Fallstudien zum indischen „Integrated Child Development Services“-Programm.
  • Fallstudien zum Widerstand der australischen Dhan-gadi Aborigines gegen den Staat.
  • Die Bedeutung von Alltagskultur als Raum für politischen Widerstand.

Auszug aus dem Buch

2. Widerstand – theoretische Diskussion und Kritikpunkte

Dieses Kapitel widmet sich der theoretischen Diskussion des Konzeptes Widerstand. Dabei werden wir auf Fragen wie Was ist Widerstand? Wie lässt sich Widerstand untersuchen? Was sind die Ursachen von Widerstand? stoßen. Darüber hinaus werden wir uns auch Gedanken über die Personengruppe, die Widerstand leistet, machen müssen.

Im Zentrum dieser Arbeit stehen Subalterne, also zum Beispiel Bauern und Indigenen im postkolonialen Staat. Wir dürfen also keine formalen, politischen Aktivitäten in Form von organisierten Widerstandsbewegungen erwarten. Diese sind vor allem der Mittelklasse und dem Bildungsbürgertum vorbehalten (Scott 1985:xv). Aufgrund einer meist fehlenden kollektiven Organisation der Subalternen wird ihnen schnell auch eine Unfähigkeit zum politischen Widerstand unterstellt. Wie wir jedoch sehen werden, sind die alltäglichen, subtilen Formen des Widerstands, wie zum Beispiel das Stehlen von Essen, Sabotage oder Falschaussagen, auf Dauer sehr effektiv und bedeutsam (Scott 1985:xvi). „...likewise it was the unarticulated, unorganized protest and resistance which the employers and the state found most difficult to detect or suppress.” (Onselen zit nach Cohen 1980:11). Diese Arten des subtilen Widerstands, auf die ich im Folgenden noch genauer zu sprechen kommen werde, bedürfen nur wenig Koordination, machen von informellen Netzwerken Gebrauch und stellen eine Form der individuellen Selbsthilfe dar, die eine direkte Konfrontation mit den Autoritäten des Staates vermeidet (Scott 1985:xvi), und gleichzeitig seine Prämissen untergräbt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Fokus auf alltäglichen, subtilen Widerstand gegenüber den klassischen Symbolfiguren und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Einfluss der Gouvernementalität auf diese Widerstandsformen vor.

2. Widerstand – theoretische Diskussion und Kritikpunkte: Das Kapitel diskutiert das Konzept des Widerstands anhand von Theoretikern wie James C. Scott und Michel Foucault und grenzt „richtigen“, organisierten Widerstand von subtilen, alltäglichen Alltagspraktiken ab.

3. Widerstand und Gouvernementalität – Fallbeispiele aus Indien und Australien: Dieser Abschnitt verbindet Foucaults Gouvernementalität mit konkreten Fallbeispielen in Indien und Australien, um zu zeigen, wie staatliche Disziplinierung neue Widerstandsformen provoziert.

4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass subtiler Widerstand zwar oft keine unmittelbaren Systemstürze bewirkt, aber langfristig Machtstrukturen reformiert und zur Identitätsbewahrung subalterner Gruppen beiträgt.

Schlüsselwörter

Widerstand, Postkolonialismus, Gouvernementalität, Subalterne, Alltagskultur, Machtstrukturen, Indien, Australien, Dhan-gadi, Identität, Widerstandspraktiken, Staat, Institutionen, Disziplinierung, Hidden Transcripts.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von subtilen und alltäglichen Widerstandsformen subalterner Gruppen in postkolonialen Kontexten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die theoretische Auseinandersetzung mit Widerstand, das Konzept der Gouvernementalität sowie die Untersuchung von Machtverhältnissen zwischen staatlichen Institutionen und lokalen Bevölkerungsgruppen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die „Kunst des Widerstandes“ in ihren vielfältigen Facetten zu verdeutlichen und aufzuzeigen, welchen Einfluss die postkoloniale Staatsstruktur auf die Ausgestaltung dieses Widerstands hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine qualitative Analyse durchgeführt, die theoretische Ansätze von Foucault und Scott mit empirischen Fallbeispielen aus Indien und Australien verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung sowie zwei detaillierte Fallstudien zu staatlichen Entwicklungsprogrammen in Indien und zur Kolonialisierung der australischen Aborigines.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe umfassen Widerstand, Gouvernementalität, Postkolonialer Staat, Alltagspraxis und subalterne Identität.

Wie unterscheidet sich der Widerstand in Indien von dem in Australien?

In Indien richtet sich der Widerstand primär gegen staatliche Hierarchien und Institutionen, während in Australien der Widerstand stärker aus der andauernden, direkten Konfrontation mit den ehemaligen Kolonialherren erwächst.

Welche Rolle spielt die „Gouvernementalität“ bei den untersuchten Fallbeispielen?

Gouvernementalität dient als Analyseinstrument, um zu zeigen, wie staatliche Überwachung und Sorge um das „Wohlergehen“ der Bevölkerung den Raum für kreative, oft verdeckte Widerstandspraktiken schafft.

Können alltägliche Praktiken wie das Wiegen von Kindern Widerstand sein?

Ja, sofern diese Praktiken als staatlicher Kontrollmechanismus wahrgenommen werden, führt die Verweigerung oder Umdeutung – etwa durch die Berufung auf kulturelle Ängste – zur Untergrabung der staatlichen Autorität.

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Details

Title
Widerstand und Alltagskultur im postkolonialen Staat
College
LMU Munich  (Institut für Völkerkunde und Afrikanistik)
Course
Postkolonialer Staat und Lokalkultur
Grade
1,0
Author
Alexandra Mörz (Author)
Publication Year
2004
Pages
21
Catalog Number
V122428
ISBN (eBook)
9783640276608
ISBN (Book)
9783640282548
Language
German
Tags
Widerstand Alltagskultur Kultur Postkolonialismus Postkolonialer Staat Gouvernementalität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexandra Mörz (Author), 2004, Widerstand und Alltagskultur im postkolonialen Staat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122428
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