Südafrika ist gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Sprachenvielfalt. Diese lässt sich in fünf Gruppen kategorisieren: zum ersten wären die Khoisan-Sprachen der afrikanischen Urbevölkerung zu nennen. Hinzu kommen die Bantusprachen, wie Tsonga und Venda, aber auch die Nguni- und Sotho-Sprachen. Xhosa, Zulu, Swati und Ndebele bilden eine Untergruppe der Nguni-Sprachen. Zu den Sotho-Sprachen zählen Southern Sotho, Norhern Sotho (Pedi) und Tswana. Die dritte und vierte Sprachgruppe stellen die Afrikaans- und Englisch-Sprecher dar. Auf die Rolle dieser imperialen Sprachen wird in der Arbeit noch ausführlich eingegangen werden. Als letzte Gruppe wären die indischen Sprachen, darunter Tamil, Hindi, Gujarati, Telegu und Urdu zu nennen. Weiterhin lassen sich Minoritäten- und Einwanderersprachen, sowie Mischsprachen nachweisen (Niedrig 2000:62). Auch die Sprachverteilung ist interessant: so wird Englisch und Afrikaans nach dem Zensus von 1996 von nur knapp 25 % als Hauptsprache gesprochen. 75 % der Bevölkerung sprechen eine afrikanische Sprache als Hauptsprache(Niedrig 2000:62) Es lässt sich bereits hier feststellen, dass es sich in Südafrika um einen sehr heterogenen Sprachraum handelt, wodurch es seit frühester Geschichte immer wieder zu Konflikten kam.
Ziel dieser Arbeit wird es nun sein, die Geschichte der Sprachpolitik Südafrikas in groben Zügen von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart nachzuvollziehen. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die sprachpolitischen Konflikte zwischen den niederländischen und den britischen Imperatoren gelegt werden. Darauf folgt ein Exkurs zur identitätsstiftenden Wirkung des Afrikaans, und dessen Rolle während der Apartheid. Zum Schluss soll noch auf die Rolle der Sprachen in dem seit 1994 demokratischen Südafrika eingegangen werden. Auch die Probleme, die durch die Institutionalisierung der Vielsprachigkeit entstanden sind, sollen in diesem Teilbereich angesprochen werden. Den Schluss bildet ein Ausblick auf die möglichen zukünftigen Sprachentwicklungen im Land der guten Hoffnung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte der Sprachpolitik Südafrikas
2.1 Kolonialzeit (1652-1948)
2.1.1 Niederländischer Imperialismus
2.1.2 Britischer Imperialismus
2.2 Afrikaans und Afrikaaner Nationalismus
2.3 Apartheid (1948-1994)
2.4 Republik Südafrika
2.4.1 Die Institutionalisierung der Vielsprachigkeit
2.4.2 Die Verwendung der elf Sprachen in der Praxis
2.4.2 Gefahr der Anglisierung?
3. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die gegenwärtigen Herausforderungen der Sprachpolitik in Südafrika von der Kolonialzeit bis in die demokratische Ära nach 1994, wobei insbesondere der Einfluss von Sprachkonflikten auf die nationale Identität und die Rolle von Englisch als lingua franca analysiert werden.
- Sprachpolitische Konflikte zwischen niederländischen und britischen Kolonialmächten.
- Die identitätsstiftende Funktion von Afrikaans und seine Rolle während der Apartheid.
- Die Auswirkungen der Bildungs- und Sprachpolitik der Apartheid-Ära auf die schwarze Bevölkerung.
- Die Institutionalisierung von elf offiziellen Sprachen im demokratischen Südafrika.
- Der Spannungsfeld zwischen der Förderung indigener Sprachen und der globalen Dominanz von Englisch.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Niederländischer Imperialismus
Im Jahre 1652 gründete Jan von Riebeeck im heutigen Kapstadt eine Versorgungsstation der Vereenigde Oost-Indische Compagnie, was zur Entstehung der Kapkolonie führte. Die südafrikanische Urbevölkerung, die Khoikhoi, wurden von den holländischen Siedlern vertrieben oder versklavt. Basierend auf der Annahme, dass die Khoi-Sprachen für Europäer nicht erlernbar seien, wurde die indigene Bevölkerung gezwungen, Holländisch zu lernen. Die Kenntnis der holländischen Sprache, sowie die christliche Taufe bildeten die Grundvoraussetzungen für die Entlassung aus der Sklaverei (Niedrig 2000:391).
Binnen weniger Generationen entwickelte sich so das sogenannte Kapholländisch zur ersten allgemeinen Verkehrssprache der Kapkolonie, und verdrängte die indigenen Sprachen. Es kam weiterhin zur Herausbildung einer Diglossie zwischen einer höheren und einer niederen Varietät des Kapholländisch: Holländisch war die allgemein anerkannte Schriftsprache und Sprache der Kirchen, wohingegen Afrikaans, eine Varietät des Holländischen, vor allem von der nicht-weißen Bevölkerung gesprochen wurde, und abfällig als „kitchen language“ bezeichnet wurde (Webb 2000:21).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung kategorisiert die südafrikanische Sprachvielfalt und erläutert die Zielsetzung, die sprachpolitische Geschichte von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart zu beleuchten.
2. Geschichte der Sprachpolitik Südafrikas: Dieses Kapitel analysiert die Entwicklung der Sprachverhältnisse über verschiedene Epochen hinweg, von der Kolonialzeit über den Afrikaaner Nationalismus bis hin zur Apartheid und der neuen Republik.
2.1 Kolonialzeit (1652-1948): Die Kolonialzeit wird durch den Machtkampf zwischen dem Holländischen und dem Englischen sowie die Entstehung des Afrikaans charakterisiert.
2.1.1 Niederländischer Imperialismus: Beschreibt die Gründung der Kapkolonie und die erzwungene Einführung des Holländischen als Verkehrssprache bei gleichzeitiger Marginalisierung der Khoi-Sprachen.
2.1.2 Britischer Imperialismus: Untersucht die rigorose Anglisierungspolitik der Briten ab dem 19. Jahrhundert, die das Holländische in Verwaltung und Bildung verdrängte.
2.2 Afrikaans und Afrikaaner Nationalismus: Beleuchtet die Entwicklung des Afrikaans zu einem Symbol nationaler Identität und dessen politische Instrumentalisierung.
2.3 Apartheid (1948-1994): Analysiert, wie Sprache während der Apartheid als Mittel der sozialen Kontrolle, der ethnischen Segregation und der Retribalisierung missbraucht wurde.
2.4 Republik Südafrika: Beschreibt den Übergang zu einem demokratischen System und die Bemühungen um eine neue Sprachregelung.
2.4.1 Die Institutionalisierung der Vielsprachigkeit: Erläutert die verfassungsrechtliche Verankerung der elf offiziellen Sprachen und die daraus resultierenden praktischen Schwierigkeiten.
2.4.2 Die Verwendung der elf Sprachen in der Praxis: Diskutiert die Diskrepanz zwischen verfassungsrechtlichem Anspruch und soziokultureller Realität der Sprachnutzung.
2.4.2 Gefahr der Anglisierung?: Untersucht die Befürchtungen hinsichtlich einer weiteren Verbreitung des Englischen und die Rolle der Sprachpolitik im Kontext der Globalisierung.
3. Schlussbemerkungen: Fasst die sprachpolitische Entwicklung zusammen und reflektiert die zukünftige Rolle von Englisch als lingua franca gegenüber der Erhaltung der indigenen Sprachen.
Schlüsselwörter
Südafrika, Vielsprachigkeit, Sprachpolitik, Kolonialismus, Apartheid, Afrikaans, Englisch, Nationalismus, Bantusprachen, Sprachkonflikte, Identität, Bildungssektor, Institutionalisierung, Globalisierung, Lingua franca.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung der Sprachpolitik in Südafrika von der Ankunft der europäischen Kolonialmächte bis in das demokratische Südafrika nach dem Ende der Apartheid.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind der historische Sprachenstreit, die Rolle von Afrikaans als identitätsstiftendes Merkmal der Afrikaaner, die Instrumentalisierung von Sprache während der Apartheid und die aktuelle Herausforderung der Vielsprachigkeit im modernen Südafrika.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den historischen Prozess der Sprachpolitik nachzuvollziehen, um zu verstehen, warum bestimmte Sprachen heute einen privilegierten Status haben oder warum Englisch trotz der Vielfalt als lingua franca dominiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, die historische Dokumente, Verfassungsänderungen und soziolinguistische Studien zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Kolonialzeit, den Aufstieg des Afrikaaner Nationalismus, die repressive Sprachpolitik der Apartheid-Ära und die Probleme der Institutionalisierung von elf Amtssprachen nach 1994.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Vielsprachigkeit, Apartheid, Kolonialismus, Afrikaans, Englisch als lingua franca, Identitätsbildung und Sprachbarrieren.
Welche Rolle spielte Afrikaans während der Apartheid?
Afrikaans diente als Kriterium der ethnonationalen Abgrenzung der weißen Elite und wurde als Mittel der Unterdrückung und Dominanz über die schwarze Bevölkerung eingesetzt.
Warum wird heute Englisch als die "Sprache der Befreiung" bezeichnet?
Englisch wurde während des Kampfes gegen die Apartheid zur einenden Organisationssprache des ANC und gilt aufgrund seiner globalen Bedeutung als Medium für soziale und wirtschaftliche Aufstiegschancen.
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- Alexandra Mörz (Author), 2004, Vielsprachigkeit in Südafrika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122430