Konflikte sind immer Probleme, die es zu lösen gilt. Warum es aber zu Konflikten kommt und warum bestimmte Gruppen oder Organisationen eingreifen oder nicht ist häufig eine Frage, die nicht nur mit einer einzigen Erklärung beantwortet werden kann. Es gibt dabei unterschiedliche Thesen, welche die Ursachen für den Konflikt und die Teilnahme mit gewaltbereiten Eingriffen versuchen zu erklären und zu rechtfertigen. [...] Im Folgenden sollen daher am Beispiel des Kosovokonflikts zwei verschiedene Voraussetzungen für die Intervention der NATO beleuchtet werden. Um erklären zu können warum es zum Krieg kam, soll zunächst im nachfolgenden Abschnitt die Situation des Kosovo vor dem Krieg erläutert werden. [...]
Im zweiten Teil wird kurz der Kosovokonflikt geschildert, da dies für die Analyse wichtige Informationen enthält.
Im dritten Teil werden die Theorien des Globalismus und des Konstruktivismus erläutert, welche die Grundlage für die anschließende Erklärung des Konfliktes sind. [...] Sowohl die konkrete Fragestellung als auch die zentralen Hypothesen sollen allerdings erst im vierten Abschnitt erläutert werden, da sie sich direkt auf die Theorien beziehen. Allgemein kann man dennoch die empirische Fragestellung nennen. Es ist zu klären, wie der Globalismus beziehungsweise der Konstruktivismus die Tatsache rechtfertigen, warum die NATO im Konflikt eingeschritten ist, obwohl es sie selbst direkt nicht betrifft.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1 Das Kosovo
1.1 Ökonomische Situation des Kosovo
1.2 Ethnische Vielfalt im Kosovo
2 Theorien der Internationalen Beziehungen
2.1 Theorie des Globalismus
2.2 Theorie des Konstruktivismus
3 Der Kosovo-Konflikt
3.1 Internationale Positionen in Bezug auf den Kosovo-Konflikt
3.1.1 NATO
3.1.2 BRD
3.1.3 Großbritannien
3.1.4 Russland
4 Analyse des Kosovokonflikts
4.1 Erklärung des Konfliktes aus Sicht des Globalismus
4.2 Erklärung des Konfliktes aus Sicht des Konstruktivismus
4.3 Direkter Vergleich der Anwendung beider Theorien
5 Ende des Konflikts
5.1 Ökonomische Situation heute
5.2 Ethnische Situation heute
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht den Kosovokonflikt und die Gründe für die militärische Intervention der NATO, wobei sie die Ereignisse durch die theoretischen Linsen des Globalismus und des Konstruktivismus analysiert, um wirtschaftliche Interessen gegenüber ethnisch-sozialen Motiven abzuwägen.
- Analyse des Kosovokonflikts vor dem Hintergrund unterschiedlicher Theorieansätze
- Untersuchung der ökonomischen Interessen (Globalismus) vs. ethnonationalistischer Faktoren (Konstruktivismus)
- Bewertung der Rollen von NATO, USA, Deutschland, Großbritannien und Russland
- Diskussion der Rechtfertigungsgrundlagen für militärische Interventionen
- Betrachtung der ökonomischen und ethnischen Situation im Kosovo nach dem Konflikt
Auszug aus dem Buch
4.1 Erklärung des Konfliktes aus Sicht des Globalismus
Der Grund für den Angriff im Kosovo war das Ziel der weltumspannenden kapitalistischen Wirtschaft. Dies ist die zentrale Hypothese aus der Sicht des Globalismus, die es nun zu diskutieren gilt. Dabei kann man zunächst folgende Vorhersagen treffen: Für die NATO und dabei vor allem für die USA war es als Zentrum nötig wirtschaftlich zu handeln, um die Position innerhalb des Zentrums zu sichern. Des Weiteren erreichten die USA durch ihr Engagement im Kosovokonflikt einen besseren beziehungsweise sichereren Zugang zu den Rohstoffvorkommen Öl und Gas. Schließlich erleidet der Kosovo durch das Einschreiten der USA und der NATO einen Nachteil, weil er in eine Abhängigkeit gebracht wird.
Im Folgenden werden diese Voraussagen auf ihre Plausibilität getestet und der Beweis für die Richtigkeit der Voraussagen angetreten.
Durch die Beteiligung der USA im Kosovokonflikt waren ausschließlich ökonomische Ziele im Fokus. Dabei wurde die NATO zur Erreichung der amerikanischen Ziele instrumentalisiert. Zunächst soll noch kurz auf die Zustände im ehemaligen Jugoslawien vor dem Eingreifen der NATO eingegangen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert die Fragestellung zur Rechtfertigung der NATO-Intervention im Kosovo und legt den methodischen Rahmen fest, der auf der Anwendung von Globalismus und Konstruktivismus basiert.
1 Das Kosovo: Dieses Kapitel skizziert die geographischen, ökonomischen und ethnischen Rahmenbedingungen des Kosovo vor Ausbruch des Konflikts.
2 Theorien der Internationalen Beziehungen: Es werden die theoretischen Konzepte des Globalismus (Weltsystemtheorie, Dependenztheorie) und des Konstruktivismus vorgestellt.
3 Der Kosovo-Konflikt: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über die Entwicklung des Konflikts und analysiert die verschiedenen nationalen Positionen der beteiligten Akteure.
4 Analyse des Kosovokonflikts: Hier werden die beiden Theorien auf den Konflikt angewandt, um zu prüfen, ob wirtschaftliche oder ethnische Gründe das NATO-Eingreifen maßgeblich bestimmt haben.
5 Ende des Konflikts: Das abschließende Kapitel beleuchtet die ökonomische und ethnische Lage im Kosovo nach dem Krieg und zieht Bilanz über die Folgen des Konflikts.
Schlüsselwörter
Kosovo-Konflikt, NATO, Globalismus, Konstruktivismus, Internationale Beziehungen, Kapitalismus, Ethnien, Interventionsrecht, Rohstoffvorkommen, Weltsystemtheorie, USA, Serbien, Außenpolitik, Wirtschaft, Machtpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Ursachen für die militärische Intervention der NATO im Kosovo-Konflikt aus der Perspektive zweier unterschiedlicher politikwissenschaftlicher Theorien.
Welche zwei Theorien werden für die Analyse herangezogen?
Es werden der Globalismus (mit Fokus auf ökonomische Abhängigkeiten und Kapitalakkumulation) sowie der Konstruktivismus (mit Fokus auf soziale Identitäten, Normen und Werte) verwendet.
Was ist das zentrale Forschungsziel?
Das Ziel ist es zu klären, ob der NATO-Einsatz eher durch ökonomische Interessen des "Zentrums" oder durch ethnonationalistische Gründe und humanitäre Erwägungen motiviert war.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung genutzt?
Die Autoren nutzen eine theoriegeleitete Analyse, bei der die Handlungen der Akteure (insbesondere der USA und der NATO) auf Basis der globalistischen und konstruktivistischen Argumentationsmuster bewertet werden.
Welche Themen werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den internationalen Positionen der beteiligten Mächte, der theoretischen Herleitung der Analysekriterien und der detaillierten Anwendung dieser Theorien auf den Kosovokonflikt.
Welche Akteure werden in der Analyse besonders beleuchtet?
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Rolle der USA als führende Kraft der NATO, sowie den Positionen von Deutschland, Großbritannien und Russland im Verlauf des Konflikts.
Wie bewertet der Globalismus die Rolle der Rohstoffvorkommen?
Aus globalistischer Sicht wird der Kosovo als strategisch wichtiger Ort gesehen, um den Zugriff auf Energieressourcen (Öl/Gas) im kaspischen Raum zu sichern und die US-Vormachtstellung auszubauen.
Welche Bedeutung misst der Konstruktivismus den ethnischen Spannungen bei?
Der Konstruktivismus sieht im Konflikt primär eine Auseinandersetzung zwischen sozialen Gruppen und Identitäten, die historisch gewachsen sind und durch nationale Identitätskonstruktionen auf dem Balkan befeuert wurden.
Wie unterscheidet sich die Bewertung der NATO-Intervention durch die Theorien?
Während der Globalismus die NATO als Machtinstrument zur Durchsetzung ökonomischer Interessen einstuft, sieht der Konstruktivismus in ihr eine Organisation, die durch das Streben nach Normdurchsetzung und humanitärer Hilfe handelt.
- Quote paper
- D. Jäger (Author), S. Heineck (Author), K. Seitz (Author), B. Pektas (Author), 2008, Der Kosovo-Konflikt aus der Sicht der Theorie des Globalismus und des Konstruktivismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122454