Interkulturelle Wirtschaftskommunikation


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

22 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Annäherung an den Begriff und die Aufgabenfelder der Interkulturellen Wirtschaftskommunikation
2.1. Die historische Entwicklung des Forschungsbereichs der Interkulturellen Wirtschaftskommunikation
2.2. Die Bedeutung interkultureller Kommunikation in der Wirtschaft

3. Besonderheiten der interkulturellen Kommunikation
3.1. Prägung durch die eigene Kultur
3.2. Einfluss der Kultur auf die Kommunikation
3.3. Hindernisse in der Kommunikation
3.3.1. Bedeutung des Raumes
3.3.2. Etablierte Denkmuster
3.3.3. Einfluss der Kontextabhängigkeit

4. Interkulturelle Unterschiede verbaler Kommunikation
4.1. Begrüßungs- und Abschiedsrituale
4.2. Höflichkeitsrituale
4.3. Distanzbedürfnisse
4.4. Sprechakt

5. Interkulturelle Unterschiede nonverbaler Kommunikation
5.1. Allgemeine Differenzen
5.2. Paraverbale Unterschiede
5.3. Kanäle nonverbaler Kommunikation
5.4. Konkrete Eigenheiten nonverbaler Kommunikation am Beispiel Japan

6. Fehler in der Interkulturellen Wirtschaftskommunikation

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seitdem es Menschen gibt, finden interkulturelle Begegnungen statt. Angefangen von den Sippen oder Rotten der Steinzeit, die beim Jagen oder Sammeln aufeinander stießen, bis hin zu modernen Begegnungsformen über Bildtelefon oder Internet, fand in jeder Zeit der Menschheit interkulturelle Kommunikation statt, die mehr oder weniger erfolgreich war bzw. ist. Allgemein kann unter interkultureller Kommunikation die Kommunikation zwischen Menschen verstanden werden, die aus verschiedenen Kulturen stammen und deshalb unterschiedliche Mentalitäten besitzen. Durch unterschiedliche Wertvorstellungen und Erfahrungen der Kommunikationspartner in ihren Kulturräumen kann es dazu kommen, dass gesendete Signale falsch interpretiert werden. Die daraus entstehenden Probleme in der Kommunikation werden als "Critical Incident" bezeichnet.[1] Missverständnisse in der Steinzeit wurden vermutlich durch das Recht des Stärkeren geklärt und hatten keine weiteren Konsequenzen. Heutzutage können Missverständnisse in einer interkulturellen Kommunikationssituation jedoch weitreichende Folgen haben, wenn man an die globalisierte Weltwirtschaft und internationalen Verflechtungen der Unternehmen denkt.

Gerade in den letzten ca. 100 Jahren hat sich durch die rasche Entwicklung von Verkehrs- und Telekommunikationsmitteln das Ausmaß von interkulturellen Begegnungen vervielfacht. Menschen können in wenigen Stunden mit dem Flugzeug in andere Länder reisen oder aber mit dem Telefon sekundenschnell mit transatlantischen Kommunikationspartnern interagieren. Der räumliche Abstand ist also in der heutigen Zeit kein Hindernis mehr für das Gelingen von Begegnungen. Trotzdem kommt es in der Interaktion mit den Kommunikationspartnern immer wieder zu Missverständnissen. Dies liegt vor allem an den kulturellen Sozialisationshintergründen der Kommunikationspartner. Jede Kultur besitzt ihre Eigenarten hinsichtlich der Sprache oder auch hinsichtlich verschiedener Gesten. Ein Beispiel wäre das Kopfschütteln, dass in der deutschen Kultur als Ablehnung, in der türkischen jedoch als Zustimmung interpretiert wird.

Um Störungen der Kommunikation zu vermeiden, ist es also für die Kommunikationspartner wichtig, die kulturtypischen Verhaltensweisen des Gesprächspartners zu kennen und zu verstehen. Während Kommunikationsprobleme für Urlaubsreisende im privaten Bereich nicht von existentieller Bedeutung sind und meist ohne weitreichende Konsequenzen verlaufen, ist ein erfolgreicher Verlauf interkultureller Kommunikation für die Wirtschaft angesichts der globalen Ausrichtung heutiger Unternehmen und die internationalen Verflechtungen der Betriebe von existenzieller Bedeutung. Durch zunehmenden Leistungsdruck und Konkurrenz gewinnt die internationale Wirtschaftskommunikation zunehmend an Bedeutung. In der nahen Vergangenheit der 50er und 60er Jahre wurden internationale Geschäftsbeziehungen vornehmlich über schriftliche Korrespondenz abgewickelt, dabei zählten vor allem die wirtschaftlichen Fakten.[2] Die erforderlichen interkulturellen Kommunikationskompetenzen sind bei dieser Art der Kommunikation sehr gering, da die objektiven Wirtschaftsfakten in schriftlicher Form mitgeteilt wurden. Durch internationale Vernetzungsprozesse und durch den enormen technischen Fortschritt änderte sich der Fremdsprachenbedarf seither jedoch kolossal. Vor allem die integrierten Kommunikationsnetze ließen den Schriftverkehr an Bedeutung verlieren und die Relevanz gesprochener Sprache nahm zu. Die Äußerungsfähigkeit aber auch sozialpersonale Aspekte von Kommunikationsbeziehungen gewannen angesichts der Zunahme von internationalen face-to-face Kontakten an Bedeutung.[3]

2. Annäherung an den Begriff und die Aufgabenfelder der Interkulturellen Wirtschaftskommunikation

Der Terminus „Interkulturelle Wirtschaftskommunikation“ hat sich erst seit Ende der 80er Jahre entwickelt. Seither hat sich der Forschungsgegenstand Interkulturelle Wirtschaftskommunikation jedoch etabliert und wurde als Studiengang zugelassen. Die Aufgabenbereiche der jungen Wissenschaft sind breit gefächert, die Hochschule Magdeburg-Stendal beschreibt die Studienziele des Studiengangs folgendermaßen: „Das Studium bereitet die Studierenden [...] auf eine berufliche Tätigkeit als Beraterinnen und Berater in Fragen interkultureller Kommunikation [...] vor [...].“[4] Um die Ziele interkultureller Kommunikationskompetenz zu erreichen, werden als Studienschwerpunkte u.a. die Vermittlung von Kenntnissen der Sprachwissenschaft und Kommunikationstheorien genannt. Darüber hinaus wird allerdings auch die Theorie und Praxis des interkulturellen Handelns als expliziter Studieninhalt vorgeschrieben,[5] was über klassische Kompetenzen der schriftlichen bzw. mündlichen interkulturellen Kommunikationskompetenz weit hinausgeht. Interkulturelles Handeln bzw. interkulturelle Kompetenz muss vielmehr in Zusammenhang mit anderen Handlungskompetenzen wie individuellen, sozialen, fachlichen und strategischen Teilkompetenzen gesehen werden. Um adäquat interkulturell handeln zu können, sind viele individuelle Fähigkeiten und Fertigkeiten notwendig (siehe Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Handlungskompetenz in interkulturellen Zusammenhängen[6]

Im Folgenden möchte ich die geschichtliche Entwicklung des Forschungsbereiches Interkulturelle Wirtschaftskommunikation kurz umreißen, um dann die Fachwissenschaft im Verhältnis zu Nachbarwissenschaften zu betrachten und ihre Bedeutung in wirtschaftlichen Zusammenhängen zu beleuchten.

2.1. Die historische Entwicklung des Forschungsbereichs der Interkulturellen Wirtschaftskommunikation

Als Vorläufer des Gegenstandsbereichs der interkulturellen Kommunikation nennt Jürgen Bolten die „wirtschaftssprachlich-nationenwissenschaftliche Forschung“ der 20er und 30er Jahre in Deutschland.[7] In der damaligen Zeit begann die Internationalisierung von Handelsbeziehungen, woraus sich der Forschungsbereich der Wirtschaftslinguistik entwickelte. Die implizite Grundannahme war, dass die zunehmende Internationalisierung der Handelsbeziehungen ein Verständnis für die Psyche des Fremden erfordere.[8]

An einigen Universitäten wurden Lehrstühle für eine wirtschaftssprachlich-nationenwissenschaftliche Ausbildung eingerichtet, jedoch erwies sich der Forschungsbereich als eine Randdisziplin. Durch den sich etablierenden Nationalsozialismus wurde die kurze Tradition der Wirtschaftslinguistik schließlich beendet.[9]

Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand zunächst wenig Interesse, die Forschungstradition aufzugreifen, weil zunächst nur ein eingeschränkter internationaler Interaktionsdruck herrschte. Die Geschäftsbeziehungen wurden größtenteils über die schriftliche Korrespondenz abgewickelt. Erst in den 70er und 80er Jahren sorgten zunehmende internationale Vernetzungsprozesse und integrierte Kommunikationsnetze dafür, dass interkulturelle Kommunikation über den Schriftverkehr hinaus bedeutsam wurde und face-to-face-Kontakte zur Regel wurden. Kommunikation wurde zunehmend als Interaktionsbegriff verstanden, der sowohl Inhalts- als auch Beziehungsaspekte beinhaltete. Durch die Erweiterung des Begriffs begann eine multidisziplinäre Annäherung an den Forschungsbereich der interkulturellen Kommunikation. Die Forschungsbemühungen unter dem „Dach“ der Interkulturellen Wirtschaftskommunikation werden mittlerweile in fächerübergreifender interdisziplinärer Kooperation von Kommunikations- und Wirtschaftswissenschaft vorangetrieben. Aber auch benachbarte Disziplinen haben ihren Anteil an der Forschung. Durch den Wandel von der Industrie- zur Kommunikationsgesellschaft und durch die Erweiterung des Kommunikationsbegriffs sind auch die Fachkommunikationsforschung, Geschichts-, Religions- und Sozialwissenschaft aber auch Psychologie und Kulturanthropologie wichtige Bestandteile der Interkulturellen Kommunikationsforschung.[10]

2.2. Die Bedeutung interkultureller Kommunikation in der Wirtschaft

Gerade in der Wirtschaft hat die interkulturelle Kommunikation eine sehr große Bedeutung gewonnen. Die Globalisierung der Marktwirtschaft mit internationalen Vernetzungen der Betriebe macht interkulturelle Begegnungen zum Alltagsgeschäft. Eine erfolgreiche Verständigung der Kommunikationspartner setzt voraus, dass die Gesprächspartner ein Wissen über kulturelle Hintergründe und Wertvorstellungen des Gegenübers besitzen. Ist ein solches Wissen nicht vorhanden, kann es zu Problemen in der Kommunikation kommen. Die Folge sind Critical Incidents und im schlimmsten Fall ein großer finanzieller Schaden für die beteiligten Betriebe.

Heutzutage ist das Informationsbedürfnis der Unternehmen nicht mehr rein ökonomisch (Kaufkraft, Pro-Kopf-Einkommen, Wirtschaftswachstum,...), vielmehr werden die quantitativen Daten durch qualitative ergänzt. Die Bestimmung der Verbrauchsgewohnheiten und der Verhandlungsstile durch die Kultur macht eine interkulturelle Marktforschung notwendig. Dabei geht es vorrangig um das Verstehen von Lebenszusammenhängen in den verschiedenen Kulturen.[11] Dies ist wichtig, weil die kulturellen Wertesysteme und Wertvorstellungen sich nachhaltig auf Verbrauch und Konsum auswirken.[12] Jede Kultur hat unterschiedliche Vorlieben und Gewohnheiten. So ist es bei Produkteinführungen wichtig, auf Farbgewohnheiten, Symbole oder auch Markennamen zu achten. Der Markenname „Pajero“ führt z.B. zu einem sexistischen Missverständnis im spanischen Sprachbereich, die Whiskymarke „Irish Mist“ hat sich in Deutschland als unverkäuflich erwiesen.

Durch die fortlaufende Globalisierung der Weltwirtschaft ist es für die Unternehmen immer wichtiger geworden, übergreifende kulturelle Parameter zu erkennen. Um eine Kommunikationssituation erfolgreich gestalten zu können, ist ein gutes kulturelles Klima sehr wichtig. In der interkulturellen Kommunikation hat sich heute die Kommunikation in englischer Sprache etabliert. Auch das Internet hat einen großen Stellenwert eingenommen. Trotzdem sind persönliche Treffen von Geschäftspartnern z.B. auf Messen unverzichtbar.[13] Dabei ist es nicht nur wichtig, verbal kommunizieren zu können, sondern auch die nonverbale Kommunikation zu beachten.

[...]


[1] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Interkulturelle_Kommunikation (Stand: 10.07.2006)

[2] vgl. BOLTEN, J. 2003, S.176

[3] vgl. ebd.

[4] s.: http://www.hs-magdeburg.de/studium/moegl/stgiwk.html (Stand 01.06.2006)

[5] vgl. BOLTEN, J. 2003, S.176

[6] s. BOLTEN, J. 2001, S. 108

[7] vgl. BOLTEN, J. 2003, S.175

[8] vgl. HENKE, A.-M. 1989, S. 16

[9] vgl. BOLTEN, J. 2003, S.176

[10] ebd. S. 176ff

[11] vgl. MEISSNER, G. 1999, S. 355

[12] ebd. S. 359

[13] ebd. S. 355

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Wirtschaftskommunikation
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Interkulturelle Kommunikation
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V122488
ISBN (eBook)
9783640278626
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interkulturelle, Wirtschaftskommunikation, Interkulturelle, Kommunikation
Arbeit zitieren
David Zinnecker (Autor), 2006, Interkulturelle Wirtschaftskommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122488

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