Diese Arbeit nimmt die Spezifika des industrialisierten, also durch die Wandlungesprozesse der Industrialisierung veränderten Menschen in den Blick. Aufbauend auf einer grundlegenden Klärung der Begriffe Industrialisierung und Arbeitsteilung werden die auf diesen Phänomenen aufbauenden kulturellen Wandlungsprozesse aus volkskundlicher Sicht anhand der drei volkskundlichen Dimensionen -Zeit, Raum und soziale Gruppe- analysiert und handhabbar gemacht.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Die Begriffe Industrialisierung und Arbeitsteilung
a. Industrialisierung
b. Arbeitsteilung
c. Konsequenzen der Arbeitsteilung
3.) Die Industrialisierung in den drei volkskundlichen Dimensionen
a. Zeit
b. Raum
c. Soziale Gruppe
4.) Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung des sogenannten "industrialisierten Menschen" und analysiert die weitreichenden gesellschaftlichen und kulturellen Wandlungsprozesse, die durch die Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert ausgelöst wurden. Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit diese historischen Prozesse bis heute prägende Normen, Verhaltensweisen und soziokulturelle Konflikte beeinflussen.
- Die begriffliche Definition von Industrialisierung und Arbeitsteilung
- Die Analyse der zeitlichen Gestaltung und Wahrnehmung im Fabrikzeitalter
- Untersuchung der räumlichen Desintegration und der neuen Architektur der Kontrolle
- Die soziale Differenzierung und der Wandel der menschlichen Identität durch Entfremdung
- Das Fortbestehen dieser historischen Strukturmuster in der heutigen postindustriellen Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
c. Konsequenzen der Arbeitsteilung
Nicht nur der Produktionsablauf selbst veränderte sich radikal, sondern auch der Stellenwert, den der Mensch hierin einnahm, war einem grundlegenden Wandel unterworfen. Der politische Philosoph und Theoretiker Karl Marx (1818-1883) bezeichnete diesen Wandel als „Entfremdung“: Infolge der innerbetrieblichen Arbeitsteilung käme es gewissermaßen zu einem Entfremdungsprozess, der sich auf verschiedenen Ebenen abspiele. Jede dieser Ebenen beschreibt eine in der Arbeitsteilung begründete Art und Weise, wie dem Arbeiter ein Teil seiner Identität abhanden kommt.
Zunächst spiegele sich der Entfremdungsvorgang im Verhältnis des Arbeiters zu dem von ihm hergestellten Produkt wider. Der Fabrikarbeiter hatte im Gegensatz zu seinem als selbständiger Handwerker arbeitenden Kollegen weder Eigentum an den Werkzeugen (oder allgemeiner gesagt Produktionsmitteln) noch an den hergestellten Gütern. Demgemäß sah Marx die erste Entfremdungsstufe im Verhältnis des Arbeiters zu dem von ihm hergestellten Produkt gegeben. Die Möglichkeit, sich mit diesem zu identifizieren bzw. sich darüber zu definieren, war dem Arbeiter genommen.
Des weiteren entfremde sich der Arbeiter Marx zufolge von seiner Tätigkeit. Nicht mehr die Herstellung selbst, sondern das Ausführen einer Tätigkeit im Rahmen der Gesamtherstellung wurde zur Einkommensgrundlage des Arbeiters. Nicht mehr die Herstellung von etwas, sondern der bloße Lebensunterhalt rückte in den Mittelpunkt der Tätigkeit, die somit schon im 19. Jahrhundert zu so etwas wie einem „Job“ wurde. Wiederum war dem Arbeiter ein Identität stiftendes Moment genommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Einleitung bettet die Fragestellung in den Kontext des sozialen und kulturellen Wandels ein und erläutert die methodische Zielsetzung, die Ursprünge heutiger Normen in der Industrialisierung zu finden.
2.) Die Begriffe Industrialisierung und Arbeitsteilung: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe definiert, die Entstehung der arbeitsteiligen Produktion in Manufakturen skizziert und die daraus resultierende marxistische Theorie der Entfremdung auf verschiedenen Ebenen erörtert.
3.) Die Industrialisierung in den drei volkskundlichen Dimensionen: Die Untersuchung beleuchtet, wie Zeit, Raum und soziale Gruppen durch den Industrialisierungsprozess umgeformt wurden und welche Auswirkungen diese Veränderungen auf das alltägliche Leben und die Wahrnehmung der Arbeiter hatten.
4.) Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die gemeinsamen Strukturmerkmale (Abstraktion, Anonymisierung, Desintegration) zusammen und diskutiert die Relevanz dieser Befunde für die heutige postindustrielle Gesellschaft sowie die Rolle der Volkskunde.
Schlüsselwörter
Industrialisierung, Arbeitsteilung, Entfremdung, Fabrik, Zeitgestaltung, Raumwahrnehmung, Sozialer Wandel, Volkskunde, Marktproduktion, Rationalisierung, Identitätsverlust, Postindustrielle Gesellschaft, Konsumverhalten, Fabrikordnung, Synchronisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den historischen Wandel des Menschen durch die Einflüsse der Industrialisierung und dessen Auswirkungen auf gesellschaftliche Strukturen und kulturelle Verhaltensweisen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind der Begriff der Industrialisierung, die Auswirkungen der Arbeitsteilung, die Veränderung der Zeit- und Raumwahrnehmung sowie die Verschiebung sozialer Identitäten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu untersuchen, ob die Epoche der Industrialisierung ursächlich für heutige gesellschaftliche Normen ist und ob das Verständnis dieser Ursachen bei der Lösung aktueller soziokultureller Konflikte helfen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse, ergänzt durch die Auseinandersetzung mit historischen Quellen wie Fabrikordnungen und soziologischen Erklärungsansätzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung von Industrialisierung und Arbeitsteilung sowie die Analyse der volkskundlichen Dimensionen Zeit, Raum und soziale Gruppe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Industrialisierung, Entfremdung, Arbeitsteilung, Fabrikordnung und sozialer Wandel charakterisiert.
Inwiefern hat die "Fabrikordnung" das Leben der Arbeiter beeinflusst?
Die Fabrikordnung ersetzte individuelle Absprachen durch eine rigide, fremdbestimmte Zeitstruktur, die bei Unpünktlichkeit mit Sanktionen drohte und den Menschen zum "Diener der Maschine" machte.
Warum wird heute von einer "postindustriellen Gesellschaft" gesprochen?
Der Autor argumentiert so, weil die technologische Entwicklung vorangeschritten ist und klassische Branchen wie Bergbau ihre dominante Position verloren haben, während die damals entstandenen Strukturmuster (wie Anonymisierung und Desintegration) weiterhin den Alltag prägen.
- Citation du texte
- Matthias Bunzel (Auteur), 2003, Zur Entstehung des industrialisierten Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12249