Die Arbeit geht der Frage nach, welche konkreten Auswirkungen der Ökonomisierung im Pflegebereich zu bemerken sind. Zunächst werden mögliche Perspektiven vorgestellt, die zur Verbesserung beziehungsweise Umstrukturierung der prekären Situation beitragen können. Dabei wird der Fokus auf das Pflegepersonal gelegt.
Zum einen wird in diesem Zusammenhang die Professionalisierung durch eine Akademisierung des Pflegeberufes an Hochschulen diskutiert und dessen Chancen zur Weiterentwicklung hervorgehoben. Zum anderen wird im Zusammenhang der Verbesserung der Arbeitsbedingungen ein Münchner Projekt namens ReduDok vorgestellt, welches zur Verringerung des teils unnötigen Dokumentationsaufwandes beitragen sollte und bereits in mehreren stationären Altenpflegeheimen erfolgreich umgesetzt wurde.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Auswirkungen marktwirtschaftlicher Prinzipien
2.1 Prekarisierung und atypische Beschäftigungsmodelle
2.2 Fachkräftemangel
2.3 Arbeitsbedingungen und Lohnentwicklungen
3 Umstrukturierungsmöglichkeiten
3.1 Akademisierung und Professionalisierung
3.2 Verbesserung der Arbeitsbedingungen
4 Schlussbemerkung
5 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen fortlaufender Ökonomisierungsprozesse auf den deutschen Pflegearbeitsmarkt und analysiert Strategien zur Entlastung des Personals sowie zur Attraktivitätssteigerung des Pflegeberufes.
- Wandel des Pflegearbeitsmarktes durch ökonomische Steuerungsmodelle
- Prekarisierung und atypische Beschäftigungsverhältnisse in der Pflege
- Herausforderungen durch demographischen Wandel und Fachkräftemangel
- Ansätze der Akademisierung und Professionalisierung des Berufsfeldes
- Optimierung von Dokumentationsprozessen (Projekt „ReduDok“)
Auszug aus dem Buch
2.1 Prekarisierung und atypische Beschäftigungsmodelle
Laut der Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit waren im Jahr 2013 46,3 % der Arbeitnehmer/innen im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege in einem Teilzeitarbeitsverhältnis angestellt. Im Berufszweig der Altenpfleger/innen arbeiteten gar 54,7 % auf Teilzeit.5 Daneben erhielten 2012 laut WSI-Lohnspiegel ca. ein Drittel der Altenpfleger/innen und ca. ein Viertel der Altenpflegehelfer/innen einen befristeten Arbeitsvertrag.6 Doch welche Ursachen haben diese überdurchschnittlich hohen Anteile atypischer Beschäftigungen? Es scheint hier einen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland zu geben. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigte, dass im Osten ein hoher Anteil der Beschäftigten unfreiwillig in Teilzeit arbeite. Dies liege daran, dass dort schlicht keine Vollzeitstellen angeboten werden. Im Westen dagegen werden vorwiegend die Kindererziehung und Familienzeit als Gründe angegeben. Es muss erwähnt werden, dass die Ursachen sowie die Folgen der atypischen Beschäftigung im Sektor der Berufe im Gesundheitswesen noch nicht hinreichend erforscht wurden.7 Teilzeit- und atypische Verträge stehen auch im Zusammenhang mit prekären Arbeitsverhältnissen, da diese oftmals für die Arbeitnehmer nicht als existenzsichernd anzusehen sind. Dabei könnte der enorm hohe Frauenanteil in Pflegeberufen eine Rolle spielen. Nach dem klassischen Bild der Rollenverteilung stellt der Ehemann als Hauptverdiener den Familienernährer dar, während die Ehefrau mit einer Teilzeitarbeit nur etwas hinzuverdient und sich hauptsächlich um die Kindererziehung und den Haushalt kümmert. Die Frau ist damit durch ihren Ehemann finanziell und sozial abgesichert.8 Diese konservative Rollenverteilung dürfte allerdings angesichts der Zunahme von Ehescheidungen und Alleinerziehenden nicht mehr zeitgemäß sein, sodass ein immer größerer Personenkreis auf das Gehalt eines Teilzeitarbeitsverhältnisses finanziell angewiesen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel des Pflegearbeitsmarktes durch die zunehmende Ökonomisierung von Gesundheitsdienstleistungen und skizziert die methodische Ausrichtung der Arbeit.
2 Auswirkungen marktwirtschaftlicher Prinzipien: Dieses Kapitel analysiert konsequent die Folgen ökonomischer Steuerung, insbesondere durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse, den akuten Fachkräftemangel sowie belastende Arbeits- und Lohnverhältnisse.
3 Umstrukturierungsmöglichkeiten: Hier werden Ansätze zur Problemlösung vorgestellt, wobei der Fokus primär auf der Akademisierung des Pflegeberufs und der Dokumentationsentlastung durch das Projekt „ReduDok“ liegt.
4 Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die wesentlichen Erkenntnisse und betont notwendige strukturelle Reformen zur Sicherung einer qualitativ hochwertigen Pflegeversorgung.
5 Literaturverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis der in der Arbeit zitierten wissenschaftlichen Quellen und Projektberichte.
Schlüsselwörter
Pflegearbeitsmarkt, Ökonomisierung, Prekarisierung, Fachkräftemangel, Akademisierung, Professionalisierung, Arbeitsbedingungen, Teilzeitbeschäftigung, Pflegewissenschaft, ReduDok, Pflegedokumentation, Gesundheitssektor, Demographischer Wandel, Pflegeversicherung, Lohnentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den negativen Auswirkungen ökonomischer Prinzipien auf den deutschen Pflegearbeitsmarkt und diskutiert Ansätze zur Verbesserung der Situation für Pflegekräfte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernaspekten gehören die Prekarisierung durch atypische Beschäftigung, der Fachkräftemangel, die Arbeitsbedingungen sowie die Möglichkeiten der Professionalisierung.
Was ist das Ziel der vorliegenden Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ökonomische Einflüsse die Pflegepraxis verändern, und Perspektiven zur Umstrukturierung und Entlastung des Personals zu evaluieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Studien und Projektberichten, wie beispielsweise dem Bericht zum Projekt „ReduDok“.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der durch Ökonomisierung bedingten Problemlagen im Bereich Personal und Entlohnung sowie in die Vorstellung von Lösungsansätzen durch Akademisierung und Prozessoptimierung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind die Begriffe Ökonomisierung, Akademisierung, Prekarisierung und Pflegequalität.
Welche Rolle spielt das Projekt „ReduDok“ in der Arbeit?
„ReduDok“ dient als Praxisbeispiel für eine erfolgreiche Umstrukturierung, bei der durch die Verringerung unnötiger Dokumentationspflichten eine Entlastung der Pflegekräfte erreicht wird.
Warum wird die Akademisierung der Pflege als notwendig erachtet?
Die Akademisierung soll zur Professionalisierung des Berufsfeldes beitragen, die Attraktivität der Branche steigern und eine eigenständige fachliche Identität innerhalb des Gesundheitswesens etablieren.
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- Anonym (Author), 2017, Ökonomisierung der Pflege. Auswirkungen und Möglichkeiten zur Umstrukturierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1225198