Der Fokus dieser Arbeit liegt auf Interaktionsritualen in direkter Kommunikation (nach Goffman 1967/2013) und wird angewandt auf das Phänomen der Jugendlichen, denen der Übergang von der Schule in den Ausbildungsmarkt nicht gelingt. Es wird hier davon ausgegangen, dass den Jugendlichen die gesellschaftlich erwarteten und geforderten Interaktionsrituale nicht geläufig sind, sie also nur über eine mangelnde Sozialkompetenz verfügen, was den Zugang in ein Ausbildungsverhältnis verhindert und zur Einmündung in den berufsschulischen Übergangssektor führt.
In Kapitel zwei wird die inhaltlich leitende Theorie der Interaktionsrituale vorgestellt. Das Werk Erving Goffmans mit den Schwerpunkten Interaktionsordnung und -ritualen sowie direkte Kommunikationssituationen wird theoretisch eingeordnet und die für die Interaktionsrituale relevanten Werke und Aspekte werden dargestellt, mit denen er versucht, die Strukturen, Mechanismen und Regeln von interaktionalem Verhalten zu erfassen. Das Phänomen Interaktionskompetenz als Herausforderung für Jugendliche im Übergang Schule-Arbeitsmarkt unter Berücksichtigung von Sozialisation und Individuation wird in Kapitel drei beschrieben und mit Goffmans theoretischem Ansatz verknüpft. In Kapitel vier erfolgt ein kritisches Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Theorie: „Interaktionsrituale“ von Erving Goffman
2.1 Wissenschaftstheoretische und -historische Verortung
2.2 Goffmans Vorgehensweise und Werk – ein fokussierter Überblick
2.3 Interaktionsrituale – über Verhalten in direkter Kommunikation
2.4 Im Fokus: Imagepflege sowie Ehrerbietung und Benehmen
3 Das Phänomen: misslungener Übergang Schule-Arbeitsmarkt
3.1 Misslingender Übergang Jugendlicher in den Arbeitsmarkt
3.2 Interaktionskompetenz als Sozialkompetenz
3.3 Im Fokus: Techniken der Imagepflege / Ehrerbietung und Benehmen
4 Kritisches Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Herausforderungen Jugendlicher beim Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt unter der Hypothese, dass mangelnde Kenntnisse in gesellschaftlich erwarteten Interaktionsritualen den Zugang zu Ausbildungsverhältnissen erschweren und in den berufsschulischen Übergangssektor führen.
- Analyse der Interaktionsrituale und der Interaktionsordnung nach Erving Goffman.
- Untersuchung der Bedeutung von „Techniken der Imagepflege“ sowie „Ehrerbietung und Benehmen“ in sozialen Situationen.
- Verknüpfung soziologischer Theorie mit dem pädagogischen Phänomen des „Mismatch“ am Übergang Schule-Arbeitsmarkt.
- Diskussion der Notwendigkeit schulischer Sozialisation zur Vermittlung notwendiger kommunikativer Kompetenzen.
Auszug aus dem Buch
2.4 Im Fokus: Imagepflege sowie Ehrerbietung und Benehmen
In Goffmans Essay Techniken der Imagepflege wird Image als positiver sozialer Wert definiert, „ein in Termini sozial anerkannter Eigenschaften umschriebenes Selbstbild“ (1967/2013, S. 10). Er beschreibt Individuen als einerseits strategisch Handelnde, die ihr Image wahren wollen, andererseits als Subjekte, die gesellschaftlich normierten Ritualen unterworfen sind (ebd.) – „Image“ dient dabei als Verbindung dieser beiden Aspekte. Dabei verfügt eine Person über ein „stimmiges“ Image, wenn die gezeigte Verhaltensstrategie konsistent auf alle Interagierenden wirkt und durch diese bestätigt wird (ebd., S. 11) und so „Vertrauen und Sicherheit“ gebildet werden (ebd., S. 13). Das „eigene geheiligte Image“ (ebd., S. 39) gilt es in Interaktionen zu etablieren, dabei ist dieses immer nur „eine Anleihe von der Gesellschaft“ und das Individuum muss sich dementsprechend „würdig“ benehmen (ebd., S. 15). Das Ziel menschlichen Interaktionshandelns ist Aufbau, Wahrung sowie gegenseitige Anerkennung des sozialen Images. Interaktionsrituale sind komplexe und vielfältige „Verkehrsregeln sozialer Interaktion“ (ebd., S. 17), die durch ihre rituellen, symbolhaften Handlungen die gegenseitige Achtung ausdrücken (ebd., S. 25) und damit ein Mittel für Individuen sind, „selbstregulierend an sozialen Begegnungen“ teilnehmen zu können (ebd., S. 52).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Fokus auf Interaktionsrituale im Kontext des Übergangs von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt und Skizzierung des theoretischen Ansatzes von Erving Goffman.
2 Die Theorie: „Interaktionsrituale“ von Erving Goffman: Wissenschaftstheoretische Einordnung und detaillierte Darstellung der zentralen Konzepte Goffmans, insbesondere der Interaktionsordnung, der Imagepflege sowie von Ehrerbietung und Benehmen.
3 Das Phänomen: misslungener Übergang Schule-Arbeitsmarkt: Anwendung der theoretischen Konzepte auf die Problematik des Ausbildungsmarktes, unter besonderer Berücksichtigung fehlender Sozialkompetenz und deren Folgen für Jugendliche.
4 Kritisches Fazit: Reflexion über die Anwendbarkeit der Goffman’schen Theorie auf das Phänomen sowie Plädoyer für eine stärkere schulische Förderung ritueller Kompetenzen bei Jugendlichen.
Schlüsselwörter
Interaktionsrituale, Erving Goffman, Sozialkompetenz, Übergang Schule-Arbeitsmarkt, Imagepflege, Ehrerbietung, Benehmen, Interaktionsordnung, Sozialisation, Identitätsbildung, Symbolischer Interaktionismus, Ethnomethodologie, Ausbildungssuche, Jugendliche, Soziale Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, warum Jugendlichen der Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt misslingen kann, wenn ihnen das Wissen über gesellschaftlich erforderliche Interaktionsrituale fehlt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Theorie der Interaktionsrituale nach Erving Goffman sowie die soziologische Betrachtung des Übergangssystems zwischen Schule und Erwerbsleben.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Goffmans theoretische Konzepte zur Interaktionsordnung auf das reale Phänomen des "Mismatch" bei der Ausbildungssuche anzuwenden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse und Verknüpfung grundlegender Werke der soziologischen Interaktionstheorie mit aktuellen bildungspolitischen Daten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Konzepte von Goffman und eine anschließende Übertragung dieser Konzepte auf die spezifische Situation von Jugendlichen im Übergangssektor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Interaktionsrituale, Imagepflege, Sozialkompetenz und Übergang Schule-Arbeitsmarkt definiert.
Wie definiert Goffman laut der Arbeit das "Image"?
Image wird als positiver sozialer Wert beziehungsweise als ein in Termini sozial anerkannter Eigenschaften umschriebenes Selbstbild bezeichnet, das in der Interaktion etabliert und bestätigt werden muss.
Warum spielt das Verhalten in Vorstellungsgesprächen eine so große Rolle?
Da Vorstellungsgespräche asymmetrische Situationen sind, werden dort die Beherrschung ritueller Verhaltensweisen und "gutes Benehmen" als Indikatoren für die Passung und Zuverlässigkeit der Bewerber gewertet.
Welche Bedeutung haben "Ausgleichshandlungen" bei Interaktionsstörungen?
Ausgleichshandlungen dienen nach Goffman dazu, das durch eine Normverletzung oder Imagebedrohung gestörte rituelle Gleichgewicht in einer Interaktion wiederherzustellen.
Welchen Einfluss hat die Schule laut Fazit auf die Interaktionskompetenz?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Schule eine wichtige Funktion innehat, um milieuspezifische Wissenslücken bezüglich gesellschaftlich erforderlicher Interaktionsrituale auszugleichen und Jugendlichen so bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
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- Annette Andresen (Autor), 2021, Interaktionskompetenz als Herausforderung für Jugendliche im Übergang Schule-Beruf, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1225448