Problemstellung
Die Wahlbeteiligung in der BRD ist seit den letzten Jahren gesunken. Dies zeichnet sich nicht
nur bei den Landtags- und Kommunalwahlen ab, sondern auch bei Bundestagswahlen. Das
Phänomen der Nichtwähler beschäftigt jedoch nicht lediglich die Medien, sondern hat auch
seit längerem Eingang die politikwissenschaftlichen Debatten gefunden. Vor diesem Hintergrund
soll in dieser Arbeit eine Untersuchung des Nichtwählerphänomens vorgenommen
werden.
Fragestellung
Die Fragestellung dieser Arbeitet lautet: Welche Determinanten können Wahlabstinenz erklären?
Ebenfalls soll in dieser Arbeit die Legitimität von Wahlabstinenz anhand der Beschäftigung
mit dem Thema nach Wahlpflicht untersucht werden. Zur Beantwortung dieser Fragestellung
ist die nun folgende Vorgehensweise vorgesehen.
Vorgehensweise
Zur Beantwortung dieser Fragen werden zunächst in Kapitel zwei Theorien des Wählerverhaltens
beschrieben. Kapitel drei dieser Arbeit, welches gleichzeitig den Hauptteil darstellt ,
analysiert das Phänomen der Nichtwähler anhand verschiedener Themen wie der Frage nach
der Motivation für Wahlabstinenz und Wahlbeteiligung, der Existenz verschiedener Nichtwählertypen
sowie Fragen nach Macht und Legitimität von Wahlabstinenz. Im Fazit wird die
Fragestellung abschließend beantwortet und die politischen Implikationen werden beschrieben.
Die Arbeit hat nicht das Ziel einer umfassenden empirisch basierten Untersuchung von
Nichtwählern, da ein solches Vorhaben den Rahmen der Arbeit deutlich sprengen würde. Datengrundlage
für diese Arbeit sind die Daten von Kleinhenz (1995), Daten aus dem kumulierten
ALLBUS 1980-2004, dem ALLBUS 2006 und Daten aus dem Aufsatz von Schoen und
Falter (2003). Der Datenfokus liegt damit primär auf generelles Wahlverhalten sowie auf dem
Wählerverhalten bei Bundestagswahlen. Eine differenzierte Nichtwähleranalyse auf Kommunal-,
Landes- und Bundesebene würde ebenfalls den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1.0 EINLEITUNG
2.0 THEORIEN DES WÄHLERVERHALTENS
2.1 ÜBERSICHT ÜBER DIE VERSCHIEDENEN ANSÄTZE
2.1.1 MIKROSOZIOLOGISCHER ANSATZ
2.1.2 MAKROSOZIOLOGISCHER ANSATZ
2.1.3 INDIVIDUAL- UND SOZIALPSYCHOLOGISCHE ANSÄTZE
2.1.4 DAS MODELL DES RATIONALEN WÄHLERS
3.0 DAS PHÄNOMEN DER NICHTWÄHLER
3.1 DETERMINANTEN KONVENTIONELLER PARTIZIPATION
3.2 ERKLÄRUNGEN FÜR DIE SINKENDEN WAHLBETEILIGUNG
3.2.1 SINKENDE WAHLNORM – STEIGENDES NICHTWÄHLERBEKENNTNIS
3.2.2 CROSS-PRESSURE-GROUPS
3.2.3 REALIGNMENT/DEALIGNMENT
3.2.4 WEITERE FAKTOREN
3.3 TYPEN VON NICHTWÄHLERN UND ELEKTORATSSTRUKTUR
3.3 LEGITIMITÄT VON NICHTWÄHLERN – WAHLPFLICHT?
3.4 MACHTPOTENZIAL VON NICHTWÄHLERN
4.0 FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Nichtwähler in der Bundesrepublik Deutschland, um die zugrunde liegenden Determinanten der Wahlabstinenz zu identifizieren und die Legitimität des Fernbleibens von Wahlen unter Berücksichtigung der Frage nach einer möglichen Wahlpflicht kritisch zu beleuchten.
- Theoretische Grundlagen des Wählerverhaltens
- Determinanten der konventionellen politischen Partizipation
- Erklärungsansätze für die sinkende Wahlbeteiligung (u.a. Wahlnorm, Dealignment)
- Typisierung der Nichtwählerschaft und ihre soziale Struktur
- Machtpotenzial von Nichtwählern und die Frage der demokratischen Legitimität
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Sinkende Wahlnorm – steigendes Nichtwählerbekenntnis
Die Wahlnorm war in der westdeutschen Bevölkerung in den 1960er und 1970er Jahren fast vollständig internalisiert. Kleinhenz konnte jedoch seit den 1980er Jahren eine Aufweichung der Wahlpflicht nachweisen (Kleinhenz 1995: 126f.). Kleinhenz zeigt anhand einer Reihe von Untersuchungen das nachlassen der Wahlnorm im Zeitraum 1987 – 1993. Betrug 1987 der Anteil derer die Wählen als staatsbürgerliche Pflicht sahen 1987 noch 80%, so waren es 1993 nur noch 71%. Frühere Untersuchungen von Radtke (1972, hier nach Kleinhenz 1995: 126) nennen für das Jahr 1961 und 1965 einen Wahlnormanteil von je 93%. (Kleinhenz 1995: 126.) Neuere Daten die eine weitere Abnahme der Wahlpflicht aufzeigen, finden sich in den ALLBUS Umfragen. Die kumulierten Ergebnisse der Jahre 1980 – 2004 zeigen bei der Frage nach der Wahlabsicht ein zunehmendes Bekenntnis zur Nichtwahl. Da bekanntermaßen Absichtserklärungen unter dem tatsächlichen Anteil der Nichtwähler liegen, lässt sich jedoch auch anhand dieser Zahlen die sinkende Wahlnorm zeigen. Befragte gehen immer offener mit der Tatsache um, dass sie nicht wählen gehen. Lag der Anteil derer die auf die „Sonntagsfrage“ mit „Würde nicht wählen“ antworteten 1994 noch 8,4% (West) und 12,2% (Ost), so stieg der Anteil 2000 auf 11,4% (West) und 19,3% (Ost). Beim ALLBUS 2004 lag der Anteil dann bei 16% (West) und 26,1% (Ost) (ALLBUS 2005: 42). Die nachstehende Grafik aus dem Politbarometer zeigt auch in den Jahren 2004-2007 eine Nichtwählerabsicht um 13% (West und Ost) sowie einen unentschlossenen Anteil von 14%.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 EINLEITUNG: Das Kapitel führt in die Problematik der sinkenden Wahlbeteiligung in der BRD ein und definiert die Forschungsfrage sowie die methodische Vorgehensweise.
2.0 THEORIEN DES WÄHLERVERHALTENS: Es erfolgt eine theoretische Einordnung durch die Vorstellung mikro- und makrosoziologischer sowie individualpsychologischer Ansätze und des rationalen Wählermodells.
3.0 DAS PHÄNOMEN DER NICHTWÄHLER: Dieser Hauptteil analysiert Determinanten der Partizipation, Erklärungen für die sinkende Wahlbeteiligung, differenzierte Nichtwählertypen, Legitimationsfragen und das machtpolitische Potenzial.
4.0 FAZIT: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, bewertet die rechtliche Situation bezüglich einer Wahlpflicht und reflektiert den Forschungsstand zum Thema.
Schlüsselwörter
Nichtwähler, Wahlbeteiligung, Wahlabstinenz, Wahlnorm, Wahlpflicht, Partizipation, Rational-Choice, Dealignment, Realignment, Politische Bildung, Demokratie, Bundestagswahl, Politische Teilhabe, Wählerverhalten, Cross-Pressure-Groups
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Nichtwähler in der Bundesrepublik Deutschland, die Ursachen für die sinkende Wahlbeteiligung und die demokratische Bedeutung dieser Entwicklung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Theorien des Wählerverhaltens, soziologische Erklärungsansätze für Wahlabstinenz sowie die rechtliche und machtpolitische Rolle von Nichtwählern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit zielt darauf ab zu ergründen, welche Determinanten die Wahlabstinenz erklären können und ob die Nichtwahl als legitimer Akt innerhalb des demokratischen Systems betrachtet werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung sowie der Analyse empirischer Datenquellen wie dem ALLBUS, Politbarometer-Daten und politikwissenschaftlicher Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen für sinkende Wahlbeteiligung, klassifiziert verschiedene Nichtwählertypen und prüft kritisch, ob aus rechtlicher Sicht eine Wahlpflicht abgeleitet werden kann.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Wahlabstinenz, Nichtwähler, Wahlbeteiligung, Wahlnorm, Dealignment und politische Partizipation.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Typen von Nichtwählern?
Die Arbeit verwendet eine Klassifizierung nach Kleinhenz, die verschiedene Gruppen identifiziert, wie etwa die "saturierte Mittelschicht" oder "enttäuschte Arbeiterschaft", basierend auf sozio-demographischen und politischen Merkmalen.
Wie bewertet der Autor die Idee einer staatlichen Wahlpflicht?
Der Autor kommt nach einer Analyse des Grundgesetzes zu dem Schluss, dass aktuell keine direkte juristische Wahlpflicht existiert, diskutiert jedoch die theoretische Denkbarkeit einer Verpflichtung in Analogie zur Wehrpflicht.
Welchen Einfluss haben Nichtwähler auf das Wahlergebnis laut der Arbeit?
Die Analyse zeigt, dass selbst kleine Gruppen von Wechslern zwischen Teilnahme und Nichtteilnahme ausreichen können, um die parteipolitischen Kräfteverhältnisse bei Bundestagswahlen signifikant zu beeinflussen.
- Citar trabajo
- B.A. Sassan Gholiagha (Autor), 2007, Nichtwähler in der BRD , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122588