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"Der EK denkt, der Vize lenkt, der Sprutz rennt" - Die 'Entlassungskandidaten-Bewegung' in der Nationalen Volksarmee

Titre: "Der EK denkt, der Vize lenkt, der Sprutz rennt" - Die 'Entlassungskandidaten-Bewegung' in der Nationalen Volksarmee

Dossier / Travail de Séminaire , 2008 , 29 Pages , Note: 2,7

Autor:in: Andrej Wackerow (Auteur)

Histoire de l'Allemagne - Après-guerre, La Guerre froide
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Résumé Extrait Résumé des informations

Die 'EK-Bewegung' ist wohl eine der ungewöhnlichsten und auch am weitesten verbreitete sozio-kulturelle Erscheinung innerhalb der modernen Armeen des 20. Jahrhunderts. Es finden sich zwar auch innerhalb der Armeen des Warschauer Paktes und denen der NATO-Staaten vergleichbare Strukturen unter den Wehrpflichtigen1, jedoch bildet die Ausprägung der 'EK-Bewegung' in der NVA durch die Vielzahl an Gegenständen und Bräuchen ein Spezifikum, wie es unter den Armeen des 19. und 20. Jahrhunderts einzigartig ist. Die Herausbildung von Sozialistischen Soldatenpersönlichkeiten in der NVA wurde durch die als sekundäre Anpassung bekannt gewordene hierarchische Struktur der 'EK-Bewegung' oft unterwandert und zum Teil auch konterkariert. [...] Zentrales Untersuchungsthema der Arbeit wird sein, welches die Gründe waren, die die Entstehung der informellen Hierarchie unter den Wehrdienstleistenden begünstigen und wie sich diese auf den militärischen Gesamtkontext auswirkte. Was waren die Rituale, deren sich die EKs bedienten? Warum war die Zeit das zentrale Instrument der Bewegung gewesen?

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zum Wesen und zur Geschichte der 'EK-Bewegung'

2.1 Wesen und Entstehung – die sechziger Jahre

2.2 Die Manifestierung der 'EK-Bewegung' – die siebziger und achtziger Jahre

2.3 Das Ende der 'EK-Bewegung:' 1989 – 1990

3 Rolle der 'EK-Bewegung' im militärischen Alltag

3.1 Bräuche, Gegenstände und Riten

3.2 Der Kult um die Zeit

3.3 Die drei Diensthalbjahre: Sprutz, Vitze, EK

4 Die 'EK-Bewegung' im Spiegel der Vorgesetzten und Offiziellen

4.1 Ambivalenz zwischen Entlassungskandidaten und Unteroffizieren

4.2 Prinzipien der Dienstverweigerung - Militärischer Ungehorsam der EK's

4.3 Die Reaktion der Institutionen - Militärjustiz

5 Zusammenfassung

6 Anhang

6.1 Dokumente und Bilder

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen, Ausprägungen und den soziokulturellen Kontext der sogenannten 'EK-Bewegung' (Entlassungskandidaten) innerhalb der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich informelle Hierarchien unter den Wehrpflichtigen trotz offizieller ideologischer Vorgaben entwickeln konnten und welche Auswirkungen diese Strukturen auf das militärische Leben sowie das Verhältnis zwischen Soldaten und Vorgesetzten hatten.

  • Ursprung und Entwicklung der informellen EK-Hierarchien
  • Sozio-kulturelle Bräuche, Rituale und Symbolik
  • Der "Kult um die Zeit" als Bewältigungsstrategie in totalen Institutionen
  • Machtverhältnisse und militärischer Ungehorsam
  • Reaktion der NVA-Führung und Militärjustiz auf die Bewegung

Auszug aus dem Buch

3.1 Bräuche, Gegenstände und Riten

Alle Gegenstände, die die 'EK-Bewegung' hervorbrachte und die oft und in mühevoller Kleinarbeit hergestellt wurden, befassten sich fast ausschließlich mit dem Thema Zeit, wobei „jede Hierarchiestufe [...] über ein Arsenal an charakteristischen Ritualen, Bräuchen, Erkennungszeichen, Redensarten und Symbolen [verfügte]22.“ Ein weiteres Charakteristikum der Gegenstände der 'EK-Bewegung' ist, dass sie alle sehr klein sind und in Handarbeit gefertigt wurden. Dies hing mit verschiedenen Aspekten zusammen. Zum einen sollten die Gegenstände ständig am Mann zu tragen sein, um bei Aufforderung durch einen anderen EK „Biet mal an“, „Kontrolle“23 präsent zu sein. Zum anderen waren die Gegenstände zum Teil gestohlen (Vizeklammer) oder deren Besitz war verboten (EK-Urkunde)24.

Als wichtigstes Zeugnis der noch abzusitzenden Zeit musste ein EK mit dem 200. Dienstag vor der Entlassung aus der NVA ein Bandmaß führen. Dies wurde in einer „feierlichen Zeremonie“ am 150. Dienstag angeschnitten. Dieses Ritual, welches meist mit sehr viel Alkohol begossen wurde, schloss Soldaten aller drei Diensthalbjahre ein, wobei jedem aufgrund seines Ranges in der internen EK-Hierarchie eine gesonderte Funktion zukam. Die Zeremonie, die nach Dienstschluss auf der Stube der Soldaten stattfand, begann damit, dass der Soldat des zweiten DHJ ein speziell präpariertes Kissen mit darauf liegender Schere heranführte. Der oder die EK's standen auf einem Hocker und hielten das ausgerollte Maßband, an dem am unteren Ende ein Stahlhelm befestigt war, bereit. Ein Wehrdienstleistender des ersten DHJ musste nun in lächerlicher Uniform25 (lange weiße Unterwäsche und Stahlhelm) vor dem Hocker knien, auf dem der EK mit ausgerolltem Bandmaß stand. Der Soldat des ersten DHJ begann nun mit dem Anschneiden des EK Maßbandes, wodurch der Stahlhelm mit lautem Krachen auf den Boden fiel und somit die letzten 150 Diensttage einläutete. Nach erfolgtem Anschnitt wurde „nun täglich nach Dienstschluß (17.00 Uhr) ein 'Tag' abgeschnitten26“.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einführung erläutert die Entstehung der informellen EK-Hierarchien als sekundäre Anpassung an die Bedingungen der NVA und definiert das Ziel der Untersuchung.

2 Zum Wesen und zur Geschichte der 'EK-Bewegung': Dieses Kapitel beschreibt die historischen Anfänge der Bewegung seit den 1960er Jahren, ihre Manifestierung in den 70er und 80er Jahren sowie ihren Niedergang infolge der politischen Umbrüche 1989/1990.

3 Rolle der 'EK-Bewegung' im militärischen Alltag: Hier werden die rituellen Aspekte, der symbolische Umgang mit Gegenständen sowie der zentrale Stellenwert des Zeitdrucks und die Unterteilung in Diensthalbjahre analysiert.

4 Die 'EK-Bewegung' im Spiegel der Vorgesetzten und Offiziellen: Das Kapitel untersucht das Spannungsfeld zwischen EKs und Unteroffizieren, die Prinzipien der Dienstverweigerung sowie die begrenzten Sanktionsmöglichkeiten der Militärjustiz.

5 Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass die 'EK-Bewegung' eine paradoxe Rolle spielte, indem sie trotz ihrer teilweise menschenunwürdigen Rituale zur informellen Selbstorganisation und Disziplin in der NVA beitrug.

6 Anhang: Der Anhang bietet ergänzende Dokumente, wie den Fahneneid und eine Übersicht der Bezeichnungen der Diensthalbjahre, sowie ein Verzeichnis verwendeter Quellen.

Schlüsselwörter

Nationale Volksarmee, NVA, EK-Bewegung, Entlassungskandidaten, Wehrpflicht, militärischer Alltag, totale Institution, sekundäre Anpassung, Soldatenkultur, Diensthalbjahr, Kasernierung, DDR, Rituale, Hierarchien, Soldatenpersönlichkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit analysiert die informelle Subkultur der "EK-Bewegung" unter Wehrpflichtigen der NVA und deren Entstehung, Struktur und Auswirkungen auf den militärischen Alltag in der DDR.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die informellen Machtstrukturen, die rituellen Handlungen der Soldaten, der Umgang mit der Dienstzeit und die ambivalenten Beziehungen zwischen Wehrpflichtigen und Vorgesetzten.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und warum sich innerhalb der NVA entgegen offizieller sozialistischer Ideale informelle Hierarchien bildeten und welche soziokulturellen Folgen diese für das Leben der Soldaten hatten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?

Die Autorin/der Autor stützt sich auf eine Analyse von Fachliteratur, zeitgenössischen Militärhandbüchern, Berichten des Ministeriums für Staatssicherheit sowie soziologischen Theorien über totale Institutionen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung der Bewegung, eine detaillierte Darstellung ihrer Rituale und Symbole sowie eine Untersuchung des Konfliktpotenzials zwischen den Soldaten und ihren Vorgesetzten.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie "totale Institution", "sekundäre Anpassung", "Entlassungskandidaten", "Diensthalbjahre" und "informelle Hierarchien" charakterisiert.

Was ist das sogenannte "Löffelschmeißen" in diesem Kontext?

Das Löffelschmeißen war ein ritueller Akt zum Ende des aktiven Wehrdienstes, bei dem mit einem Aluminiumlöffel Soldaten des ersten Diensthalbjahres diszipliniert wurden, bevor der Löffel schließlich als symbolischer Akt über den Zaun geworfen wurde.

Welche Rolle spielte der "Kult um die Zeit" für die Wehrpflichtigen?

Die Fixierung auf die noch verbleibenden Diensttage diente als psychologische Bewältigungsstrategie, um das Gefühl der "verlorenen Zeit" in der Kaserne durch Etappenziele und rituelles Zählen zu kompensieren.

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Résumé des informations

Titre
"Der EK denkt, der Vize lenkt, der Sprutz rennt" - Die 'Entlassungskandidaten-Bewegung' in der Nationalen Volksarmee
Université
University of Potsdam  (Historisches Institut)
Cours
Einführung in der Militärgeschichte der DDR
Note
2,7
Auteur
Andrej Wackerow (Auteur)
Année de publication
2008
Pages
29
N° de catalogue
V122634
ISBN (ebook)
9783640275687
Langue
allemand
mots-clé
Vize Sprutz Entlassungskandidaten-Bewegung Militärgeschichte Nationale Volksarmee NVA DDR EK Ek-Bewegung
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Andrej Wackerow (Auteur), 2008, "Der EK denkt, der Vize lenkt, der Sprutz rennt" - Die 'Entlassungskandidaten-Bewegung' in der Nationalen Volksarmee, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122634
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Extrait de  29  pages
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