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Versuch einer vielstimmigen, theoretischen Annäherung an den unbestimmten Begriff „Unterschichtenfernsehen“

Título: Versuch einer vielstimmigen, theoretischen Annäherung an den unbestimmten Begriff „Unterschichtenfernsehen“

Trabajo Escrito , 2006 , 29 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Magister Artium Philipp Blum (Autor)

Sociología - Medios, arte, música
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Die Gesellschaftlichkeit einer kulturellen Praxis - gerade im Umgang mit Medien und deren Gebrauch - ist längstens nicht mehr zu bestreiten. Während die manipulativen, bisweilen sicher auch schädlichen Konsequenzen allzu exzessiv gestalteten TV-Genusses ebenso wie die medienimmanenten Inszenierungsstrategien und dramaturgischen Verfahren einer steten wissenschaftlichen Analyse ausgesetzt sind, findet sich über die Zuschreibung sozialer Stellung und Herkunft an spezifische kulturelle Vorlieben wenig Fundiertes. Tatsächlich wurden und werden solche Zuschreibungen - nicht zuletzt publizistisch, mehr oder weniger reflektiert - vorgenommen. Zum signifikanten Präzedenzfall solcher Einschreibungen des Sozialen in kulturelle Praxen ist das Wort „Unterschichtenfernsehen“ geworden. Ungeachtet eines ersten Gebrauchs dieses Wortes im Satire Magazin Titanic 1 , geht der Begriff vornehmlich auf das Buch Generation Reform 2 von Paul Nolte zurück. Popularisiert wurde der Begriff durch Harald Schmidt in seiner TV-Show, als dieser seinen ehemaligen Arbeitgeber Sat. 1 als Unterschichtenfernsehen bezeichnete. Eine Reaktion Thomas Tumas im Spiegel sei hier, aufgrund ihrer polemisierenden Zuspitzung vorangestellt: Ein Gespenst steht rum in Deutschland.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unterschichtenfernsehen? – Positionsbestimmungen eines Begriffs

2.1. TV-Abfall als Referenzgröße des Unterschichtenfernsehens

3. Die Macht des Geschmacks – Unterschichtenfernsehen im Kontext Bourdieus

3.1 Das Unterschichtenfernsehen als Ausdruck der Benennungsmacht nach Bourdieu

3.2 Klasse und Milieu – Die Einschreibung des Sozialen nach Bourdieu und Schulze

3.3 Erste Zwischenbetrachtung – Unterschichtenfernsehen und Gesellschaft

4. NO CULTURAL DOPES – Unterschichtenfernsehen und Cultural Studies

4.1 Der populäre Text: Widerstand und Ideologie – John Fiske

4.1.1 Die Macht des Diskurses – Foucaults Einfluss auf Fiske

4.1.2 Die populäre Ökonomie – Widerstand vs. Ideologie

4.1.3 Lesarten des Populären – polyseme Kulturindustrie

4.2 Fernsehen in den Cultural Studies

4.3 Zweite Zwischenbetrachtung – Unterschichtenfernsehen im Gebrauch

5. Auch nur ein Wort – Unterschichtenfernsehen semiotisch

5.1 Zeichen über Zeichen – Umberto Ecco

5.2 Auch nur ein Zeichen – Dekonstruktion nach Derrida

5.3 Dritte Zwischenbetrachtung – Unterschichtenfernsehen als Konstruktion

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den populärkulturellen Begriff des „Unterschichtenfernsehens“ nicht als Analyse konkreter TV-Formate, sondern als soziokulturelle Zuschreibung. Ziel ist es, durch die theoretischen Ansätze von Pierre Bourdieu, John Fiske, Michel Foucault und semiotische Theorien aufzudecken, wie dieser Begriff zur Distinktion und zur Konstruktion sozialer Identitäten im Spannungsfeld von Macht, Ideologie und kultureller Praxis verwendet wird.

  • Theoretische Verortung des Begriffs „Unterschichtenfernsehen“
  • Machtverhältnisse und Distinktionsmechanismen nach Bourdieu
  • Kulturelle Widerstandspotenziale innerhalb der Cultural Studies
  • Die Rolle von Ideologie und Bedeutungskonstruktion bei Fiske
  • Dekonstruktion des Begriffs als semiotisches Konstrukt

Auszug aus dem Buch

3.1 Das Unterschichtenfernsehen als Ausdruck der Benennungsmacht nach Bourdieu

Macht, auf dem Feld der kulturellen Produktion, ist an die Befugnisse derer gebunden, die durch ihren Anteil an den Kapitalien zur Legitimierung von Kulturgut als Kunst und zur Abwertung von Kulturgut als Kitsch oder Folklore berechtigt sind. Bourdieu sieht in dieser Legitimierung die Durchsetzung von Klasseninteressen. An die Stelle des Klassenkampfs ist jedoch ein symbolischer Kampf getreten:

Die performative Wirksamkeit des Diskurses über die Soziale Welt begründende Autorität, die symbolische Kraft der auf Durchsetzung von Prinzipien der Vision und Division von Welt zielenden Visionen und Prävisionen, stellt ein percipi dar, ein Bekannt- und Anerkanntsein (nobilis), mittels dessen sich ein percipere aufzwingen läßt [sic!]. Es sind die aus dem Blickwinkel der herrschenden Wahrnehmungskategorien eine veränderte Sicht herbeiführen könnten. Wären es nicht, mit Ausnahme weniger, dieselben, die am wenigsten dazu geneigt sind.

Demzufolge entfaltet sich Macht vom Subjekt aus und ist in unterschiedlicher Intensität auf andere Subjekte wirksam. Die herrschende Klasse legt also den performativ wirksamen Diskurs – mittels symbolischer Durchsetzung – fest. Bourdieu unterscheidet zwei Ebenen der Macht, eine Materielle und eine Symbolische.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, indem sie die gesellschaftliche Relevanz der Zuschreibung „Unterschichtenfernsehen“ skizziert und den Fokus der Arbeit auf die Analyse dieser Zuschreibung legt.

2. Unterschichtenfernsehen? – Positionsbestimmungen eines Begriffs: Dieses Kapitel kritisiert die mangelnde Definition des Begriffs und beleuchtet die oft mit Fernsehverachtung einhergehende Rhetorik sowie den Ansatz, „TV-Abfall“ als Referenzgröße zu verwenden.

3. Die Macht des Geschmacks – Unterschichtenfernsehen im Kontext Bourdieus: Es werden Bourdieus Theorien zu Geschmack, Kapitalformen und Distinktion erläutert, um den Begriff als Herrschaftsinstrument zur symbolischen Abgrenzung der Klassen zu entlarven.

4. NO CULTURAL DOPES – Unterschichtenfernsehen und Cultural Studies: Unter Rückgriff auf John Fiske wird untersucht, ob der Konsum solcher Formate nur als ideologische Fremdsteuerung oder auch als widerständige Praxis verstanden werden kann.

5. Auch nur ein Wort – Unterschichtenfernsehen semiotisch: Mithilfe von Barthes, Ecco und Derrida wird der Begriff dekonstruiert, um zu zeigen, dass er kein reales Phänomen beschreibt, sondern ein künstliches, durch den Diskurs geschaffenes Zeichen ist.

6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Begriff „Unterschichtenfernsehen“ für die Wissenschaft ungeeignet ist, da er die Heterogenität der Kultur in unzulässiger Weise auf eine soziale Topographie reduziert.

Schlüsselwörter

Unterschichtenfernsehen, Pierre Bourdieu, John Fiske, Cultural Studies, Distinktion, Macht, Ideologie, Semiotik, Geschmack, Habitus, Kulturindustrie, Konstruktivismus, Dekonstruktion, Medienkritik, Populärkultur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch den populären und akademischen Begriff des „Unterschichtenfernsehens“ und hinterfragt dessen Funktion als Mittel der sozialen Zuschreibung.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Macht des Geschmacks, die Mechanismen der kulturellen Distinktion, das Verhältnis von Produzenten und Rezipienten in der Populärkultur sowie die semiotische Konstruiertheit von Begriffen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzudecken, dass „Unterschichtenfernsehen“ kein klar definierbares Objekt ist, sondern ein Konstrukt, das Machtverhältnisse zementiert und soziale Abgrenzung dient.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine theoretische Analyse, indem er soziologische Konzepte (Bourdieu, Schulze) und kulturtheoretische Ansätze (Cultural Studies, Fiske) mit semiotischen Dekonstruktionsmethoden (Barthes, Ecco, Derrida) kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine bourdieusche Analyse der Benennungsmacht, eine Untersuchung der Rezeptionsweisen durch die Cultural Studies und eine abschließende semiotische Analyse, die den Begriff als bloße Projektionsfläche entlarvt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen gehören Distinktion, Habitus, Ideologie, semiotische Macht, kulturelle Hegemonie und das Konstrukt des Unterschichtenfernsehens.

Wie bewertet der Autor den Begriff „Unterschichtenfernsehen“ für die Wissenschaft?

Der Autor stuft den Begriff als wissenschaftlich ungeeignet ein, da er referenzlos bleibt und den Rezipienten entweder als Opfer oder als bloßen Kampfgenossen in ideologischen Kämpfen darstellt, anstatt deren tatsächlichen Mediengebrauch zu erfassen.

Welche Bedeutung hat das Beispiel von Jean-Luc Godard im letzten Kapitel?

Godards Film dient dazu, die Künstlichkeit und Konstruktivität des Bildes zu illustrieren und zu verdeutlichen, dass das Bild (und somit auch das Fernsehformat) keine Abbildung der Realität ist, sondern eine Schöpfung des Geistes.

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Detalles

Título
Versuch einer vielstimmigen, theoretischen Annäherung an den unbestimmten Begriff „Unterschichtenfernsehen“
Universidad
University of Marburg  (Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft)
Curso
Cultural Studies
Calificación
1,0
Autor
Magister Artium Philipp Blum (Autor)
Año de publicación
2006
Páginas
29
No. de catálogo
V122652
ISBN (Ebook)
9783640322107
Idioma
Alemán
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Magister Artium Philipp Blum (Autor), 2006, Versuch einer vielstimmigen, theoretischen Annäherung an den unbestimmten Begriff „Unterschichtenfernsehen“, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122652
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