Die "neuen Alten" oder die Generation 55plus. Konstruktionen von innen und außen


Hausarbeit, 2008

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begrifflichkeiten
2.1 Das Alter
2.2 Das Altern
2.3 Die Generation
2.4 Ein Kulturbegriff

3 Die Bedeutung des Altwerdens in unserer Kultur – Fremd- und Eigenwahr- nehmung als Gegenüberstellung

4 Der Eintritt in das Rentenleben - ein bedeutsames Erlebnis

5 Hat das Altern Kultur? – Das Potential des Älterwerdens

6 Zusammenfassung und Ausblick

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Seit einiger Zeit ist in unserer Gesellschaft von einer neuen Altersklasse die Rede: der „Generation 55plus“. Die Erscheinungsform dieses Schlagworts ist nicht allein durch Personen entsprechenden Alters sichtbar, sondern auch in der Produktwerbung, den Debatten über das Verbleiben älterer Arbeitnehmer am Rande der Verrentung, den Diskussionen über die Rente selbst, der aktiven Beteiligung älterer Menschen in der Politik, im Altersstudium an Hochschulen und ist aus vielen Lebensbereichen nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken.

Auf den ersten Blick scheint es bei der Betrachtung dieser Tatsachen keine Probleme zu geben. Denkt man an diese Generation treten wohl bei jedem von uns bestimmte Bilder auf: Kinder des Wirtschaftswunders, 68er Generation, Studentenbewegung und Emanzipation der Frau. Doch was ist mit den Menschen, die sich in der beschriebenen Lebensphase befinden? Nehmen diese die Zuschreibungen ebenso selbstverständlich an oder gibt es vielleicht Diskrepanzen in der Wahrnehmung Außenstehender und der Perspektive der Betroffenen?

Dies wirft außerdem die Frage auf, ob es überhaupt ein „außen“, also ein außerhalb dieser Lebensphase gibt oder ob jene älteren Menschen zu solch einer Generation stigmatisiert werden, der sie sich vielleicht gar nicht zugehörig fühlen. In diesem Zusammenhang gilt es auch, den Generationsbegriff sowie Altersbegriff zu definieren, da beide Begriffe starke Interdependenzen aufweisen. Ziel meiner Arbeit ist es, die engen Verflechtungen beider Begriffe in unserer Gesellschaft aufzuzeigen.

Die Literaturlage gestaltet sich aus kulturwissenschaftlicher Sicht als eher dürftig. Dies ist jedoch nachvollziehbar, führt man sich vor Augen, dass die sogenannte „vierte Generation“ erst seit kurzem existiert, sozusagen als Bindeglied zwischen mittlerem Erwachsenenalter und dem hohen Alter, das ja erst seit wenigen Jahrzehnten von einem Großteil der Bevölkerung erreicht wird.[1] Erstaunlicherweise hat das Fach die thematische Auseinandersetzung mit dem Alter ohnehin lange Zeit gescheut, obwohl Alterungsvorgänge jeden Menschen betreffen. Nur im Zusammenhang mit der Familienforschung wird es beispielsweise in der Einführungslektüre bei Wilhelm Brednich genannt.[2] Es scheint fast so zu sein, als nähme man an, das Alter hätte keine Kultur, sei also nicht der ethnologischen Forschung würdig. Diesem weitverbreiteten Vorurteil beizukommen, muss meiner Ansicht nach Aufgabe einer modernen interdisziplinären Forschung sein, der sich die Europäische Ethnologie nie widersetzt hat.

Meine Hausarbeit soll dazu beitragen, einige negative Sichtweisen aufzudecken und das Positive an dieser Lebensphase zu suchen. Im Hauptteil werde ich mich mit den Begrifflichkeiten, die im Zusammenhang mit meinem Thema stehen, auseinandersetzen und ihre Bedeutungen für die Konstruktionen von Zuschreibungen und

Selbstwahrnehmung aufzudecken versuchen. Hilfreich könnte für meine These, dass auch das Altern Kultur hat, ein stützender Kulturbegriff sein, den ich kurz erläutern werde. Im Schlussteil werde ich dann die wesentlichen Ergebnisse zusammenfassen und einen Ausblick auf die Zukunft des Alterns wagen.

2 Begrifflichkeiten

2.1 Das Alter

Das Alter beschreibt den momentan erreichten Zustand der vorangeschrittenen Lebenszeit,[3] die sich in den Alterserscheinungen bemerkbar macht. Es bezieht sich meist auf die älteren Menschen. Wichtig ist dabei eine Ausdifferenzierung in den körperlichen und geistigen Zustand sowie die kulturell determinierte Konstruktion des Alters. Die Wissenschaft, die sich mit den Phänomenen rund um das Alter beschäftigt, es beschreibt, analysiert und seine Modifikationen darstellt, ist die Gerontologie. Das Bild auf das Alter hat sich stets in historisch bedingter Abhängigkeit der Zeit gewandelt und ist daher bezeichnend für die einzelnen kulturellen Epochen. Galt der alte Mensch lange Zeit als Sinnbild für Last und Unzufriedenheit,[4] so wird diese Betrachtung langsam brüchig und kollidiert mit den Anschauungen der „neuen Alten“. Um die negativen Zuschreibungen nicht weiter zu decken, werde ich im Folgenden nicht von den Alten, sondern von den alternden Menschen sprechen.

2.2 Das Altern

Im Gegensatz zum Alter ist das Altern kein festgesetzter Zustand, sondern der prozessuale Verlauf des Älterwerdens. Ziel der Gerontologie ist es unter anderem, die Einflussfaktoren zu klären, die Alterungsvorgänge zur Folge haben.[5] Hierbei ist Interdisziplinarität gefragt, um alle Aspekte der Einflussnahme zu identifizieren. Im folgenden benenne ich kurz die einzelnen Teildisziplinen. Innerhalb der biologischen Wissenschaften werden zwei Paradigmen unterschieden, die beide den Vorgang des Alterns erklären wollen. Erstens die These des Nachlassen der Reproduktivität eines Menschens, die Altern zur Folge haben soll. Zweitens die Annahme, dass ein biologisches System im Laufe der Zeit an körperlicher Funktionalität verliert und dadurch die Sterbewahrscheinlichkeit zunimmt. Die zweite These soll implizieren, dass Alternsprozesse Phänomene der Degeneration, des Rückgangs sind. Aus diesen Erklärungen heraus hat es sich die biologische Wissenschaft zur Zielsetzung gemacht, jene Abbauprozesse des Körpers in ihrem Fortschreiten aufzuhalten oder zu beseitigen.

Altern wird in den Naturwissenschaften also auf physiologische Vorgänge reduziert, wobei der Verlust dieser Funktionen im Vordergrund steht.[6] Es wundert daher kaum, dass eine Gesellschaft, die hohen Wert auf ein Funktionieren des Einzelnen legt, bestrebt ist, den Menschen innerhalb dieser Funktionalität lange zu erhalten.

Einen weitaus differenzierteren Standpunkt auf die Alterungsprozesse vertreten die Geistes-, Sozial- und Verhaltenswissenschaftler nach Meinung des Autorenpaares Baltes.

[...]


[1] Vgl. Baltes & Baltes 1992, S.2.

[2] Vgl. Bimmer 2001, S.323. 3

[3] Vgl. Wulf, S.43.

[4] Vgl. Borscheid 1992, S.35. 4

[5] Vgl. Baltes & Baltes 1992, S.2-3.

[6] Vgl. Baltes & Baltes 1992, S.9-10.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die "neuen Alten" oder die Generation 55plus. Konstruktionen von innen und außen
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V122697
ISBN (eBook)
9783640266104
ISBN (Buch)
9783640468034
Dateigröße
387 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alten, Generation, Konstruktionen, Alter, 55, Kulturbegriff, Altersforschung, Ruhestand, Freizeit, Rente, Rentner, Frührentner, Altersstudenten, neue Alte, Kosmetik, Verjüngung, Alterung, ewige Jugend, Jungbrunnen, Schönheit, Falten
Arbeit zitieren
Karen Breiholz (Autor), 2008, Die "neuen Alten" oder die Generation 55plus. Konstruktionen von innen und außen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122697

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