Seit einiger Zeit ist in unserer Gesellschaft von einer neuen Altersklasse die Rede: der „Generation 55plus“.
Die Erscheinungsform dieses Schlagworts ist nicht allein durch
Personen entsprechenden Alters sichtbar, sondern auch in der Produktwerbung, den Debatten über das Verbleiben älterer Arbeitnehmer am Rande der Verrentung, den Diskussionen über
die Rente selbst, der aktiven Beteiligung älterer Menschen in der Politik, im Altersstudium an Hochschulen und ist aus vielen Lebensbereichen nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken.
Auf den ersten Blick scheint es bei der Betrachtung dieser Tatsachen keine Probleme zu geben. Denkt man an diese Generation treten wohl bei jedem von uns bestimmte Bilder auf: Kinder des Wirtschaftswunders, 68er Generation, Studentenbewegung und Emanzipation der Frau. Doch was ist mit den Menschen, die sich in der beschriebenen Lebensphase befinden?
Nehmen diese die Zuschreibungen ebenso selbstverständlich an oder gibt es vielleicht Diskrepanzen in der Wahrnehmung Außenstehender und der Perspektive der Betroffenen?
Dies wirft außerdem die Frage auf, ob es überhaupt ein „außen“, also ein außerhalb dieser Lebensphase gibt oder ob jene älteren Menschen zu solch einer Generation stigmatisiert werden, der sie sich vielleicht gar nicht zugehörig fühlen. In diesem Zusammenhang gilt es auch, den Generationsbegriff sowie Altersbegriff zu definieren, da beide Begriffe starke Interdependenzen aufweisen. Ziel meiner Arbeit ist es, die engen Verflechtungen beider Begriffe in unserer Gesellschaft aufzuzeigen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begrifflichkeiten
2.1 Das Alter
2.2 Das Altern
2.3 Die Generation
2.4 Ein Kulturbegriff
3 Die Bedeutung des Altwerdens in unserer Kultur – Fremd- und Eigenwahrnehmung als Gegenüberstellung
4 Der Eintritt in das Rentenleben - ein bedeutsames Erlebnis
5 Hat das Altern Kultur? – Das Potential des Älterwerdens
6 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Konstruktion der sogenannten „Generation 55plus“ und die damit verbundenen gesellschaftlichen Zuschreibungen. Das primäre Ziel ist es, die engen Verflechtungen zwischen dem Alters- und Generationsbegriff aufzuzeigen, negative Stereotype zu hinterfragen und das Potenzial des Älterwerdens als kulturell gestaltbaren Prozess herauszuarbeiten.
- Kritische Analyse der Begriffe Alter, Altern und Generation.
- Gegenüberstellung von Fremd- und Eigenwahrnehmung bei älteren Menschen.
- Untersuchung des Übergangs in den Ruhestand als bedeutsamer Lebensabschnitt.
- Herausarbeitung des Potenzials des Alterns als aktive Kulturgestaltung.
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung des Altwerdens in unserer Kultur – Fremd- und Eigenwahrnehmung als Gegenüberstellung
Ähnlich problematisch wie mit dem Generationsbegriff verhält es sich mit der Sicht auf das Alter von Jüngeren. War der Generationsbegriff noch relativ wertfrei, so ändert sich dies bei der Fremdwahrnehmung auf das Alter deutlich. Unsere Kultur hat bestimmte Grundeinstellungen dem Alter gegenüber verinnerlicht, die sich in den Meinungen der Menschen wiederspiegeln. Hier ein paar Beispiele:
„Extreme Mode an 75-jährigen würde mich irritieren (...) halblange Hosen, gebogene Schuhe, grelle Farben usw.“ Hier wird deutlich, dass ein bestimmtes Rollenbild nicht verletzt werden darf, das man einer Älteren zuschreibt. Eine weitere Auffälligkeit ist außerdem, dass es sich um eine ältere Frau handelt. Diese darf sich nach Ansicht der jüngeren Betrachterin nicht mehr so hübsch machen, weil sie sonst den jüngeren Frauen ein Privileg entreißen würde. Auch das nächste Beispiel handelt von der Wichtigkeit der geltenden Normen und sozialen Rollenverteilung. So dürfe ein 57jähriger Mann nach Ansicht eines jüngeren Mannes nicht mehr in die Disco gehen. Sein Kommentar dazu:
„Ist jetzt die Disco auch für Omas und Opas freigegeben?“ Das soziale Geschlecht spielt eine wichtige Rolle, wie bereits angedeutet. Gesteht man einem älteren Mann gerne Falten zu, so sieht man dies bei Frauen gar nicht gern. Der Falte werden also abhängig vom Gender positive oder negative Behaftungen angedeutet. Beim Mann steht sie noch für Weisheit oder Lebenserfahrung, bei der Frau gilt sie als unschick oder Ausdruck von langanhaltender körperlich / seelischer Leidenserfahrung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der „Generation 55plus“ ein und benennt die Diskrepanz zwischen gesellschaftlichen Zuschreibungen und der Perspektive der Betroffenen als zentrales Forschungsproblem.
2 Begrifflichkeiten: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Termini Alter, Altern und Generation und diskutiert einen semiotischen Kulturbegriff nach Geertz als theoretischen Rahmen für die Arbeit.
3 Die Bedeutung des Altwerdens in unserer Kultur – Fremd- und Eigenwahrnehmung als Gegenüberstellung: Hier wird die Diskrepanz zwischen der externen Bewertung des Alterns durch Normvorstellungen und der individuellen Identitätsfindung der alternden Menschen analysiert.
4 Der Eintritt in das Rentenleben - ein bedeutsames Erlebnis: Das Kapitel betrachtet exemplarisch den Übergang in den Ruhestand als krisenhafte Übergangsphase, die sowohl Herausforderungen als auch Chancen für die Neuorientierung bietet.
5 Hat das Altern Kultur? – Das Potential des Älterwerdens: Der Autor argumentiert, dass Altern kein passiver Prozess ist, sondern durch aktive Kulturgestaltung und neue Lebensentwürfe ein individuelles Potenzial entfaltet.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass durch ein neues Aushandeln kultureller Werte eine alternsfreundlichere Gesellschaft geschaffen werden kann.
Schlüsselwörter
Generation 55plus, Altern, Alter, Identität, Fremdwahrnehmung, Eigenwahrnehmung, Kulturbegriff, Rentenleben, Lebensphase, Gerontologie, Stereotype, soziale Rollen, Interdisziplinarität, Kulturerneuerung, Altersstarrsinn
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der sozialen Konstruktion der „Generation 55plus“ und hinterfragt kritisch, wie unsere Gesellschaft das Älterwerden wahrnimmt und mit welchen Vorurteilen alternde Menschen konfrontiert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des Alters und des Alterns, die Analyse von Generationsbegriffen sowie die Bedeutung von Fremd- und Eigenwahrnehmung im Kontext des Älterwerdens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die engen Verflechtungen zwischen dem Altern und kulturellen Zuschreibungen aufzudecken, um ein positiveres und realistischeres Verständnis für die Lebensphase des späteren Erwachsenenalters zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin wählt einen kulturwissenschaftlichen Ansatz, der interdisziplinäre Erkenntnisse aus der Gerontologie, Soziologie und Ethnologie verknüpft, um die Konstruktion von Identität im Alter zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Analyse von gesellschaftlichen Stereotypen wie dem „Altersstarrsinn“, sowie eine Fallstudie zum Übergang in das Rentenleben als exemplarische Übergangsphase.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Wichtige Begriffe sind Generation 55plus, Identitätsfindung, Kulturerneuerung, gesellschaftliche Zuschreibungen und der prozessuale Charakter des Älterwerdens.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen biologischem Altern und kultureller Wahrnehmung?
Die Arbeit verdeutlicht, dass während die Biologie Abbauprozesse nahelegen kann, der Mensch durch kulturelle erlernbare Fähigkeiten einen Handlungsspielraum besitzt, der das Altern als Chance zur Kulturgestaltung begreifbar macht.
Warum spielt der Übergang in das Rentenleben eine so zentrale Rolle in der Arbeit?
Der Ruhestand dient als exemplarisches Beispiel für eine Übergangsphase, in der die Bedeutung der Arbeit als Strukturgeber wegfällt und die Betroffenen vor die Herausforderung gestellt werden, neue „Bedeutungsgewebe“ für ihr Leben zu knüpfen.
Welche Rolle spielt das Geschlecht bei der Wahrnehmung des Alterns?
Die Arbeit zeigt auf, dass für Männer und Frauen unterschiedliche Normen gelten; während Falten bei Männern teils als Weisheit gedeutet werden, gelten sie bei Frauen oft als unschick, was den Druck zur Kaschierung erhöht.
Was ist das Fazit der Autorin bezüglich der „Generation 55plus“?
Das Fazit lautet, dass „das Alter“ ein Konstrukt in den Köpfen der Jüngeren ist und eine alternsfreundlichere Umwelt nur durch das bewusste Hinterfragen dieser negativen Stereotype und ein neues Aushandeln kultureller Werte erreicht werden kann.
- Citar trabajo
- Karen Breiholz (Autor), 2008, Die "neuen Alten" oder die Generation 55plus. Konstruktionen von innen und außen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122697