Umgang mit Leib und Leben im alltäglichen Leben

Darstellung unterschiedlicher Fälle alltäglichen Umgangs mit dem Körper vom Mittelalter bis in die Moderne


Hausarbeit, 2008
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Überlegungen

3. Phänomene aus dem Lebensalltag verschiedener Epochen
3. 1. Mittelalterliche Rechtsauffassung und -sprechung
3. 2. Der dreißigjährige Krieg
3. 3. Säuglingssterblichkeit und Umgang mit Kindersterblichkeit im 19. Jahrhundert
3. 4. Das „Himmeln“
3. 5. Entwicklung ab dem 20. Jahrhundert

4. Fazit

Bibliographie

Umgang mit Leib und Leben im alltäglichen Leben

Darstellung unterschiedlicher Fälle alltäglichen Umgangs mit dem Körper

vom Mittelalter bis in die Moderne

1. Einleitung

Die Gebrüder Grimm schreiben dem Begriff Körper in ihrem Deutschen Wörterbuch in erster Linie die Bedeutung „Leichnam“ zu.[1] Diese altertümliche Verwendung des Begriffs ist mittlerweile nicht mehr aktuell, trifft aber einen interessanten Punkt. Der Körper wird erst durch den Menschen, der in ihm steckt lebendig. In der nachfolgenden Arbeit soll erörtert werden, wie sich der – nicht immer frei gewählte – Umgang mit Körper und Leben in verschiedenen Epochen darstellt und was für Anforderungen bestehende Verhältnisse den Menschen aufzwingen. Oftmals scheint es in dieser, nur auf den Körper und nicht auf den ganzen Menschen bezogenen Darstellung, als wären die Betroffenen nur ein Spielball der Umstände; als wären sie eben nur leblose Körper, denen Zumutungen aufgezwungen werden, die ein moderner Geist nicht verkraften würde. Oft stecken jedoch mehr in Informationen zwischen den Zeilen, als die vorliegende Arbeit tatsächlich abhandeln kann. Diese sind für eine ganzheitliche Betrachtung durchaus förderlich; es lohnt sich, ab und zu die Frage nach der Befindlichkeit der Personen in den folgenden Episoden zu stellen, um eine Vorstellung der Tatsächlichen Umstände zu bekommen.

Nähert sich man einer Darstellung, die über mehrere Jahrhunderte die Wahrnehmung des und den Umgang mit dem Körper abbilden soll, so stößt man schnell an Grenzen. Allgemeingültige Aussagen über die Einstellung „der Gesellschaft“ zu „ihrem Körper“ gibt es nicht. Ebenso wenig kann von einem theoretischen Konzept ausgegangen werden, das gleichsam als Überbau einen pauschalen Umgang oder eine universelle Wahrnehmung widerspiegelt. Nur wenn man die Makroebene verlässt, und sich Einzelheiten vornimmt bekommt man Einblick in einzelne Schicksale, in tatsächlich stattgefundene Begebenheiten, die es erlauben, sich dem Thema zu nähern. Aus diesem Grund sollen in dieser Arbeit einige Überlieferungen dargestellt werden, um sich in dem überaus komplexen Themenkomplex zu orientieren. Durch eine knappe Analyse soll eine Darstellung erreicht werden, die es ermöglicht, Geschichten exemplarisch zu betrachten um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie die Menschen in der jüngeren Geschichte – meist unfreiwillig – mit ihrem Körper (und dem von anderen) umgehen. Über diesen Umgang lassen sich Rückschlüsse auf die Bedeutung und die Wahrnehmung des Körpers ziehen.

2. Theoretische Überlegungen

Im Folgenden sollen einige Bereiche vorab in theoretischen Überlegungen angesprochen werden. Diese Überlegungen sind insofern von Bedeutung, als dass sie unweigerlich mit dem Zugang zum Thema, allgemeinen Problemen und mit der subjektiven Wahrnehmung des Körpers verbunden sind.

Bei der Frage nach der Annäherung an das Thema fallen verschiedene Aspekte ins Auge. Der erste scheint vergleichsweise banal. Er dreht sich um die Frage, ob der Mensch einen Körper hat, oder ob er ein Körper ist.[2] Diese relativ einfache Frage führt aber schnell ins Herz der Wahrnehmung von Körperlichkeit im Allgemeinen und weist den Weg zu einem Spannungsfeld zwischen „Haben“ und „Sein“. Das Sein eines Körpers ist unhintergehbarer Bestandteil der menschlichen Existenz; das Haben eines Körpers setzt einen reflektierten Umgang mit dem Inneren und der Außenwelt voraus.[3] Dies ermöglicht erst „einen reflexiven und instrumentellen Selbstbezug“.[4] Und erst aus diesem Selbstbezug können bewusste Körperkonzepte entstehen.

Einen weiteren Aspekt stellt die Alltagsfunktion des Körpers dar; die lebenserhaltende Funktion der Organe, wird in dieser Arbeit nicht angesprochen. „Der Körper ist das erste und natürlichste Instrument des Menschen“; er ist Instrument in zweierlei Hinsicht.[5] Zum Einen ein Instrument der Wahrnehmung und Sinnesempfindungen. Nur durch den Körper erhält der Verstand, der Geist oder die Vernunft Eindrücke über und Rückmeldung von seiner Außenwelt. Der Körper mit seinen fünf Sinnen übermittelt Wahrnehmungen der Außenwelt an den Menschen. Der Körper bildet das Bindeglied zwischen dem Inneren des Menschen und der externen Welt. Zum Anderen ermöglicht der Körper die aktive Beeinflussung der Außenwelt. Der Mensch kann seine Hände als Werkzeug gebrauchen und durch Worte und Gesten an seiner Umwelt partizipieren. Diese naheliegenden Betrachtungen zeigen die zweifelsfrei essentielle Bedeutung des Körpers. Diese geht weit über eine nur repräsentative Aufgabe hinaus, die heutzutage häufig mit dem Begriff Körper assoziiert wird. Somit werden Betrachtungen, die auf Äußerlichkeiten abzielen, in den Hintergrund verlagert; die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf den Umgang mit dem Körper, der meist eng mit dem Umgang mit dem Leben an sich verknüpft ist.

Eine weitere Frage, die oft aufgeworfen wird, ist ob der Körper nur ein Produkt äußerer Umstände ist oder ob es um subjektive Wahrnehmung und individuelles Empfinden geht. Die Gesellschaft zwingt dem Körper Regeln auf, indem sie beispielsweise Bauern und Arbeiter zwingt, körperlich hart zu arbeiten, um zu überleben. Der Bauer empfindet seinen Körper sicher individuell, der Umgang mit demselben wird ihm aber diktiert; er hat keine Wahl, wie er mit dem Körper umgeht. Auch wenn Maschinen die körperliche Arbeit erleichtern, so steigen doch die Erträge und die Maschinen müssen bedient werden. Das gleiche gilt für Arbeiter, von der Industrialisierung bis heute. Sicher haben mittlerweile Arbeitnehmergesetze und die Sozialgesetzgebung einiges an Bedingungen verbessert, aber die körperliche Belastung bleibt und zieht sich mit in den Alltag. Es ist den Menschen heute freigestellt, ob sie in ihrer Freizeit Sport machen oder sich vor den Fernseher legen, der größte Teil der Tageszeit ist meist aber bestimmt durch Regeln, die von Instanzen gegeben werden, auf die der Einzelne keinen Einfluss hat. So kann davon ausgegangen werden, dass der Umgang mit dem Körper – auch heute – nicht unerheblich von der Gesellschaft beeinflusst wird. Wie stark diese Beeinflussung in der Geschichte ist, wird in den nachfolgenden exemplarischen Geschichten besonders deutlich. In keiner der erwähnten Geschichten ist es den Menschen tatsächlich freigestellt, wie sie über ihren Körper oder ihr Leben verfügen. Gesellschaftliche Normen und Ordnungen determinieren die Verhaltensweisen. In der neueren Geschichte ist es ein Phänomen der individualisierten, westlichen Spätmoderne, dass Menschen die Möglichkeit haben – in einem gewissen Rahmen – frei über ihren Körper zu bestimmen. Auch Demokratisierung, die Modernisierung, die Verbesserung der Versorgung mit Gütern und der wachsende Reichtum haben sicherlich zu dieser Veränderung beigetragen. Eine ganz andere Art der Beeinflussung der Wahrnehmung und des Umgangs mit dem Körper – die mittels Medien durch Schönheits- und Körperideale auf die Menschen einwirkt – ist ein relativ neues Phänomen, das wegen seiner Komplexität an anderer Stelle erörtert werden muss.

Nach Betrachtung der folgenden Episoden wird deutlich, dass in dieser Arbeit nicht über bewusste und gesteuerte Körperkonzepte gesprochen werden kann, da diese einen reflektierten Umgang mit dem Körper und Freiheit der Verfügung über selbigen voraussetzen. Personsein – und damit selbstbestimmtes Bewusstsein – ist nach Descartes nur durch die Einheit von Leib und Seele möglich.[6] Dies ist eine Erfahrungsperspektive, die vielen Menschen in den unten angeführten Beispielen verwehrt bleibt, da der Umgang mit dem eigenen Leben und Körper überwiegend von den bestehenden Verhältnissen vorgeschrieben wird. Da diese oft durch einen harten Alltag, Hunger und Armut und durch das Hauptziel, zu überleben, bestimmt sind, kann davon ausgegangen werden, dass der Körper in erster Linie nicht nach ästhetischen Gesichtspunkten beurteilt wurde, sondern nach seiner Funktion. Dieses Konzept findet sich in nahezu allen Abschnitten der vorliegenden Arbeit. In der Hochkultur lassen sich theoretische Konzepte finden, die unter Anderem auf eine ästhetische Ausrichtung abzielen. Ein Beispiel dafür bildet der in der Mitte des 15. Jahrhunderts geborene Leonardo da Vinci, der sich in seiner Malerei mit der Genese des idealen Körperbildes beschäftigt.[7] Diese utopischen Konzepte stehen aber außerhalb eines vorwiegend vorherrschenden Alltags und müssen daher an anderer Stelle untersucht werden.

Diese theoretischen Überlegungen sollen – so kurz sie auch abgehandelt wurden – als Basis für die nachfolgenden Betrachtungen dienen. Die Untersuchung einer Wahrnehmung des Körpers erweist sich als weitläufig und so sollen einzelne Punkte nur soweit skizziert werden, dass sie für einen Überblick ausreichen.

3. Phänomene aus dem Lebensalltag verschiedener Epochen

In den folgenden Abschnitten sollen – wie eingangs erwähnt – einige überlieferte Darstellungen und Gebräuchlichkeiten aus dem öffentlichen Leben und der alltäglichen Lebenspraxis von Menschen in verschiedenen Epochen wiedergegeben werden. Diese Vorgehensweise hat zum Ziel einen Einblick in das Thema zu geben, welcher durch exemplarische Betrachtung einzelner Beispiele erreicht werden soll. Dieser Weg ist praktisch, weil er nicht von der makroperspektivischen Sicht abhängig ist, die von einer universellen Körperwahrnehmung „des Volkes“ handelt. Die Betrachtung soll einen momenthaften Einblick in den Alltag von Menschen aus verschiedenen Zeiten geben und so Einsichten in deren – in einem speziellen Umfeld und zur Zeit der Betrachtung praktizierten und gelebten – Umgang mit dem Körper ermöglichen.

[...]


[1] Grimm, J., Grimm, W., „Deutsches Wörterbuch“, hrsg. v. Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier, < http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GK11437&mode=linking> (12. 08. 2008), Bd. 11, Sp. 1834.

[2] Vgl. Tanner, J., „Wie machen Menschen Erfahrungen? – Zur Historizität und Semiotik des Körpers“, in: Bielefelder Graduiertenkolleg Sozialgeschichte (Hrsg.), Körper macht Geschichte – Geschichte macht Körper – Körpergeschichte als Sozialgeschichte, Bielefeld, Gütersloh 1999, S.16f.

[3] Ebd.

[4] Ebd. S. 16.

[5] Ebd. S. 17.

[6] Frischmann, B., Mohr, G., „Leib und Person bei Descartes und Fichte“, in: Schürmann, V. (Hrsg.), Menschliche Körper in Bewegung – Philosophische Modelle und Konzepte in der Sportwissenschaft, Frankfurt/ Main 2001, S. 154 – 177, hier S. 165.

[7] Vgl. Vahland, K., „Der Kunstmensch als Maß der Dinge. Zu Leonardo da Vincis Utopie des idealen Körpers“, in: Hasselmann, K., Schmidt, S., Zumbusch, C., Utopische Körper – Visionen künftiger Körper in Geschichte, Kunst und Gesellschaft, München 2004, S. 29 – 40.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Umgang mit Leib und Leben im alltäglichen Leben
Untertitel
Darstellung unterschiedlicher Fälle alltäglichen Umgangs mit dem Körper vom Mittelalter bis in die Moderne
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Institut für Volkskunde und Europäische Ethnologie)
Veranstaltung
Kulturspezifische Konzeptionen von Körper, Sexualität und Geschlecht
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V122757
ISBN (eBook)
9783640276813
ISBN (Buch)
9783640277667
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Umgang, Leib, Leben, Kulturspezifische, Konzeptionen, Körper, Sexualität, Geschlecht
Arbeit zitieren
Christoph Mayr (Autor), 2008, Umgang mit Leib und Leben im alltäglichen Leben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122757

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