Zu Beginn dieser Arbeit beschäftige ich mich mit den Institutionen Schule und Jugendhilfe
als Sozialisationsinstanzen für die Kinder und Jugendlichen. Hierbei werden
Unterschiede und gegenseitige Ergänzungsmöglichkeiten aufgezeigt.
Anschließend betrachte ich die Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch um daran
aufzuzeigen, wo Schule und Jugendhilfe Defizite aufweisen und wo Gemeinsamkeiten
zu sehen sind, an denen sie in der Lebensweltorientierung anknüpfen können.
Daraufhin werden die verschiedenen Kooperationsformen von Schule und Jugendhilfe
exemplarisch angesprochen. Dabei wird aufgezeigt, dass das später aufgeführte
Handlungsfeld Schulsozialarbeit nicht die einzige Kooperationsform ist.
Im Anschluss an die Kooperationsformen werden die Grenzen der Kooperation zwischen
Schule und Jugendhilfe geprüft und näher betrachtet.
Im Hauptteil beschäftige ich mich mit der Thematik der Schulsozialarbeit. Zuerst wird
eine definitorische Annäherung unternommen. Um dafür ein besseres Verständnis zu
erlangen, untersuche ich zuerst die historischen Wurzeln der Schulsozialarbeit. Anhand
der Ziele wird aufgezeigt, was Schulsozialarbeit mit ihrem Wirken erreichen
möchte. Im Anschluss daran werden die Methoden erklärt, mit welchen sie diese Ziele
erreichen möchte. Das führt zu einem Verständnis, wie die Arbeit in ihrer konkreten
Umsetzung aussieht.
Die organisatorischen und strukturellen Ansätze werden mit den Punkten der Träger-
und Kooperationsform abgedeckt. Darin wird erläutert, welche unterschiedlichen Formen
existieren.
Anschließend betrachte ich die rechtlichen Grundlagen der Schulsozialarbeit, vor
allem die Paragraphen § 11 SGB VIII, § 13 SGB VIII und § 81 SGB VIII. Diese versuchen einen rechtlichen Rahmen zur Schulsozialarbeit zu bieten. Dabei wird aufgezeigt,
wie verbindlich dieser ist und wie er tatsächlich umgesetzt wird.
Danach wird beleuchtet, an wen sich Schulsozialarbeit richtet, wer ihre Zielgruppe ist
und inwiefern diese das Angebot aufnimmt.
Abschließend ziehe ich eine Schlussbetrachtung von der Funktionalität von Schulsozialarbeit,
was sie bewirkt und wo Änderungsbedarf besteht.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Jugendhilfe und Schule: Zwei getrennte Institutionen
1.1 Funktion der Schule
1.2 Funktion der Jugendhilfe
2. Lebensweltorientierung und Schule
3. Kooperation Jugendhilfe und Schule
4. Grenzen der Kooperation
5. Schulsozialarbeit
5.1 Historische Entwicklung der Schulsozialarbeit
5.2 Ziele der Schulsozialarbeit
5.3 Methoden der Schulsozialarbeit
5.4 Trägermodelle der Schulsozialarbeit
5.4.1 Örtliche Schulträger bzw. Einzelschule
5.4.2 Öffentliche Träger der Jugendhilfe
5.4.3 Freie Träger der Jugendhilfe
5.5 Kooperationsmodelle der Schulsozialarbeit
5.6 Rechtliche Grundlagen der Schulsozialarbeit
5.6.1 § 81 SGB VIII
5.6.2 § 11 SGB VIII
5.6.3 § 13 SGB VIII
5.7 Zielgruppen der Schulsozialarbeit
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das komplexe Verhältnis sowie die Kooperationsmöglichkeiten zwischen den Sozialisationsinstanzen Schule und Jugendhilfe am spezifischen Beispiel der Schulsozialarbeit zu untersuchen und rechtliche sowie strukturelle Rahmenbedingungen zu analysieren.
- Grundlagen der Institutionen Schule und Jugendhilfe
- Konzept der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch
- Formen und Grenzen der Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe
- Historische Entwicklung und Ziele der Schulsozialarbeit
- Trägermodelle und rechtliche Rahmenbedingungen der Schulsozialarbeit
Auszug aus dem Buch
5.1 Historische Entwicklung der Schulsozialarbeit
Schulsozialarbeit ist Gegenstand vieler Diskussionen. Doch wie schon festzustellen war, ist dieser Begriff definitorisch und inhaltlich schwer zu fassen.
Ihren Ursprung findet sie rückblickend auf die School Social Work in Amerika, aus deren wörtlichen Übersetzung sie ihren Namen erhält (vgl. Speck 2007, S.9). Die Verwendung von dem Begriff Schulsozialarbeit hat sich über die Jahre hinweg verändert.
Die Bildungsreformdebatte in den 70- iger Jahren, die die äußeren Strukturen verändern wollte, nahm vermehrt die Schule und Jugendhilfe in den Blick. Ein wichtiges Moment der Bildungsreform war „Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Schichten zu mobilisieren, um herkunftsbedingte Benachteiligungen im Schulsystem zu überwinden und Bildungsreserven besser ausschöpfen zu können“ (Olk et al. 2005, S.15).
In den 1970er Jahren war die Schulsozialarbeit eng an die Schule angegliedert. Ihre Aufgabe beinhaltete zu diesem Zeitpunkt „schichtspezifische Benachteiligungen abbauen, emanzipatorische Ziele verfolgen, personale und soziale Bildungsprozesse fördern und zur konstruktiven Konfliktlösung beizutragen“ (Speck 2005, S. 100). Die Grundaufgabe der Schulsozialarbeit war der Abbau von Benachteiligungen der Schüler. Sie verfolgte dort einen defizitären Ansatz. Sie betrachtete folglich die Schwächen der Schüler und setzte nicht an deren Stärken an. Die Schulsozialarbeit forderte aber eine Schule, die sich an „(...) den Sozialisationsprozessen der Kinder und Jugendlichen orientierte und das Prinzip der gleichen Bildungschancen unabhängig von sozialer Herkunft oder Geschlecht (Chancengleichheit) umsetzte“ (Streblow 2005, S. 21). Die Problematik bestand darin, dass Schule und Jugendhilfe getrennt voneinander arbeiteten. Wobei es förderlich wäre, dass beide am gleichen Strang zögen. Im Zuge der Entwicklung der Ganztagsschulen fungierte die Schulsozialarbeit immer mehr als Lückenfüller für den außerunterrichtlichen Bereich und übernahm eine Art Betreuungsfunktion (vgl. ebd.). Sie füllte die Nische aus, für die Lehrer keine Zeit hatten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Überforderung der Schule durch den Schulalltag und führt in die Rolle der Schulsozialarbeit als Ergänzung und Kooperationspartner ein.
1. Jugendhilfe und Schule: Zwei getrennte Institutionen: Dieses Kapitel stellt die unterschiedlichen Funktionen und Sozialisationsaufträge von Schule und Jugendhilfe gegenüber.
2. Lebensweltorientierung und Schule: Hier wird das Konzept nach Hans Thiersch als Brücke zwischen den Institutionen sowie zur besseren Anbindung an die Lebenswirklichkeit der Schüler vorgestellt.
3. Kooperation Jugendhilfe und Schule: Es werden verschiedene Formen der Zusammenarbeit skizziert und die Notwendigkeit eines Informationsflusses sowie gemeinsamer Zielsetzungen betont.
4. Grenzen der Kooperation: Dieses Kapitel analysiert strukturelle Probleme, rechtliche Hürden und Machtverhältnisse, die eine gelingende Kooperation erschweren.
5. Schulsozialarbeit: Der Hauptteil erläutert umfassend die Definition, Geschichte, Ziele, Methoden, Träger- und Kooperationsmodelle sowie die rechtlichen Grundlagen der Schulsozialarbeit.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert die wesentlichen Erkenntnisse und diskutiert den zukünftigen Stellenwert der Schulsozialarbeit als fest etabliertes Feld der Sozialen Arbeit.
Schlüsselwörter
Schulsozialarbeit, Jugendhilfe, Kooperation, Lebensweltorientierung, Schule, Sozialisation, SGB VIII, Trägermodelle, Bildungsreform, Schulerfolg, Sozialpädagogik, Prävention, Konfliktlösung, Institution, Schulalltag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Zusammenwirken der beiden Institutionen Schule und Jugendhilfe und beleuchtet deren Kooperationspotenziale sowie Hindernisse am konkreten Beispiel der Schulsozialarbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen der Institutionen, das Konzept der Lebensweltorientierung, historische Entwicklungen, Trägerstrukturen sowie die rechtliche Verankerung der Schulsozialarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schulsozialarbeit als Schnittstelle fungieren kann, um die Defizite des Schulsystems durch eine ganzheitliche Lebensweltorientierung der Jugendhilfe auszugleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und eine theoretische Reflexion der Konzepte und rechtlichen Rahmenbedingungen der Schulsozialarbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich intensiv der Begriffsbestimmung, der historischen Entwicklung, den Zielen, Methoden sowie den organisatorischen Trägermodellen und rechtlichen Grundlagen der Schulsozialarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Schulsozialarbeit, Kooperation, Jugendhilfe, Schule, Lebensweltorientierung und die entsprechenden rechtlichen Grundlagen im SGB VIII.
Warum wird Schulsozialarbeit oft als "Lückenfüller" wahrgenommen?
Historisch gesehen wurde Schulsozialarbeit teilweise als reine Betreuungsfunktion im außerunterrichtlichen Bereich betrachtet, um den Zeitmangel des Lehrpersonals auszugleichen, anstatt als eigenständiges pädagogisches Angebot.
Welche Bedeutung haben die im Text genannten Paragraphen des SGB VIII?
Die Paragraphen § 11, § 13 und § 81 SGB VIII dienen als rechtliche Anknüpfungspunkte, bieten jedoch laut Autorin oft nur eine geringe Verbindlichkeit für die konkrete Ausgestaltung der Kooperation in der Praxis.
- Citation du texte
- Caro Kaufmann (Auteur), 2008, Die Kooperation von Jugendhilfe und Schule am Beispiel der Schulsozialarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122817