Diese Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, die ästhetische Dimension des Inzests in "La escuálida familia" zu erklären. DieThese ist, dass hier Geschichte als Familiengeschichte erzählt wird. Der Inzest steht als Chiffre für die gesellschaftliche Gewalterfahrung während der Militärdiktatur. Diese Behauptung werde ich anhand einer Analyse der verschiedenen Inzestmotive und durch den Diskurs des Vaterschafts- und Familienbegriffes im Theaterstück beweisen.
Im ersten Teil werde ich auf den Ursprung von Inzest, Tabu und schließlich dem Inzesttabu eingehen. Dann werde ich die kulturelle Bedeutung des Inzesttabus für die menschliche Gesellschaft anhand der Thesen Claude Lévi-Strauss’ erklären. Im zweiten Teil meiner Arbeit werde ich mich mit der ästhetischen Darstellung der Inzestthematik im Theaterstück beschäftigen, indem ich zunächst die von Lola Arias gewählten Motive aufzeigen und erklären werde. Danach werde ich die Darstellung des Inzests als Chiffre für gesellschaftliche Gewalterfahrungen in Argentinien während der Militärdiktatur diskutieren und dabei auf den Diskurs des Vaterschafts- und Familienbegriffs eingehen und zum Abschluss die Bedeutung des Inzestmotivs für die Darstellung gesellschaftlicher Gewalt diskutieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Kulturelle Bedeutung des Inzesttabus in der menschlichen Gesellschaft
2.1.1 Definition zu Inzest, Tabu und Inzesttabu
2.1.2 Charakter und Bedeutung des Inzesttabus nach Claude Lévi-Strauss
2.2 Ästhetische Darstellung des Inzests in La escuálida familia
2.2.1 Das Inzestmotiv der Verdunkelung der Welt
2.2.2 Das Inzestmotiv der utopischen Landschaft
2.2.3 Sprechende Namen der Charaktere
2.2.4 Mythisierung des Inzests
2.3 Inzest als Chiffre für gesellschaftliche Gewalterfahrung im Theaterstück
2.3.1 Diskurs des Vaterschaftsbegriffs
2.3.2 Diskurs des Familienbegriffs
3 Fazit
4 Schluss
5 Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ästhetische Dimension des Inzestmotivs in Lola Arias' Theaterstück "La escuálida familia" und analysiert, inwiefern dieses als Chiffre für die gesellschaftlichen Gewalterfahrungen während der argentinischen Militärdiktatur fungiert.
- Kulturelle Grundlagen des Inzesttabus nach Claude Lévi-Strauss
- Ästhetische Inszenierung von Isolation und Entmenschlichung
- Bedeutung mythischer Referenzen zur Legitimation von Gewalt
- Analyse des Vaterschafts- und Familienbegriffs als staatliche Metaphern
- Politischer Subtext der Inzestthematik in der argentinischen Literatur
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Das Inzestmotiv der Verdunkelung der Welt
Die inzestuöse Erfahrung gehört auf die Nachtseite des Lebens, was oft durch das Motiv der Verdunkelung der Welt, wie zum Beispiel einer Sonnen- oder Mondfinsternis, ausgedrückt wird. Die escuálida familia lebt seit Monaten in der Dunkelheit, da die Sonne nicht mehr scheint. Diese Verdunkelung der Welt wird ganz am Anfang des Theaterstückes in einem Gespräch zwischen Vater und Mutter erwähnt.
Madre: Acá tampoco vemos el sol: desde hace meses vivimos en la noche. Padre: Sí, es de noche, siempre de noche. ¿Quién necesita el día? El sol es vulgar. (Arias 2000: 15)
Warum die Sonne nicht mehr aufgeht, wird nicht gesagt. Es kann bedeuten, dass der Inzest die Welt derart ins Wanken bringt, dass die Gestirne, in diesem Fall die Sonne, aus ihrer Bahn geraten. Sie kann ihre Funktion, den Wechsel von Nacht zu Tag, nicht mehr erfüllen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Faszination und Tabuisierung des Inzestthemas sowie Darlegung der Zielsetzung, den Inzest als literarische Chiffre für politische Gewalt zu analysieren.
2. Hauptteil: Detaillierte Untersuchung der kulturellen Inzesttabus, der ästhetischen Gestaltung des Theaterstücks durch Motive wie Dunkelheit und Landschaft, sowie der Diskursanalyse von Vaterschaft und Familie als Spiegel politischer Despotie.
3 Fazit: Kritische Reflexion über die Eignung der Inzestthematik zur Darstellung gesellschaftlicher Gewalt und Ablehnung einer einfachen Lösung innerhalb des untersuchten literarischen Werks.
4 Schluss: Ausblick auf weiterführende Analysemöglichkeiten, wie den Vergleich mit anderen zeitgenössischen Texten oder die Anwendung psychoanalytischer Ansätze.
5 Literatur: Auflistung der verwendeten Primärtexte, Forschungsliteratur, Nachschlagewerke und Filme.
Schlüsselwörter
Lola Arias, La escuálida familia, Inzest, Inzesttabu, Claude Lévi-Strauss, Argentinien, Militärdiktatur, Vaterschaft, Patriarchat, Gewalt, Gewalterfahrung, Familie, Mythos, Literaturwissenschaft, politische Chiffre
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Theaterstück "La escuálida familia" von Lola Arias und untersucht, wie die Darstellung von Inzest innerhalb einer Familie als metaphorische Chiffre für die gesellschaftlichen Gewalterfahrungen unter der argentinischen Militärdiktatur dient.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den soziokulturellen Grundlagen des Inzesttabus, der ästhetischen Motivik im Stück (wie Dunkelheit und utopische Landschaften) sowie der politisch-symbolischen Bedeutung von Vaterschaft und Familie.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu klären, warum und wie die Autorin die Inzestthematik als ästhetisches Mittel wählt, um das kollektive Trauma und die Gewaltherrschaft der argentinischen Diktatur aufzuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Analyse stützt sich auf eine Kombination aus strukturalistischer Anthropologie (nach Lévi-Strauss), literaturwissenschaftlicher Motivforschung und diskursanalytischen Ansätzen, um literarische Texte mit politischen Kontexten zu verknüpfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Inzesttabus, eine Analyse der ästhetischen Motive im Theaterstück (Namen, Mythen, Landschaft) und eine kritische Diskussion der Vaterschafts- und Familienbegriffe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Inzest, Machtmissbrauch, Patriarchat, Argentinien, Militärdiktatur, Familiengeschichte und symbolische Chiffre.
Welche Funktion haben die im Stück erzählten Mythen?
Die Mythen (wie Sodom und Gomorra oder Abraham) dienen dem Vater als Strategie, den Inzest als notwendiges Mittel zur Gründung einer neuen Gesellschaft nach einer vermeintlichen Zerstörung der Welt zu legitimieren.
Warum wählt die Autorin ausgerechnet den Inzest als Symbol?
Der Inzest eignet sich als besonders drastisches Symbol für Machtmissbrauch und die Zerstörung des Vertrauensverhältnisses, da er die grundlegendste Einheit der Gesellschaft – die Familie – korrumpiert und moralisch verfallen lässt.
- Citar trabajo
- Eva-Maria Dewald (Autor), 2003, Die ästhetische Darstellung des Inzests und dessen Bedeutung in Lola Arias’ Theaterstück "La escuálida familia", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122824