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Korrumpierte Idyllen in Flauberts "L'Education Sentimentale"

Title: Korrumpierte Idyllen in Flauberts "L'Education Sentimentale"

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 26 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Simone Linde (Author)

French Studies - Literature
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Obwohl Flaubert das Etikett Realist ablehnte, zählt er zu den bedeutendsten Schriftstellern des bürgerlichen Realismus im Frankreich des 19. Jahrhunderts. Ebenso wie Stendhal und Balzac wollte er im Roman die Geschichte seiner Generation schreiben: „Je veux faire l’histoire morale des hommes de ma génération; sentimentale serait plus vrai.“
Dieses gross angelegte Projekt muss man im Zusammenhang mit der Entwicklung im 19. Jahrhundert sehen. Im Jahrhundert der Revolutionen wendete sich die Betrachtung auf die historische Wirklichkeit der sich verändernden Gesellschaft, die durch zunehmende Kommerzialisierung und Kapitalisierung aller Lebensbereiche gekennzeichnet war. Die Literatur versuchte dem gerecht zu werden, indem sie persönliche Lebensgeschichten im aktuellen Bezug auf die sozialen, politischen und ökonomischen Bedingungen darstellte. Den Vertretern des realistischen Romans war dabei eine antibürgerliche Haltung gemeinsam, die die Korruption der Gesellschaft offenlegte und die Frage nach der Rolle des Individuums stellte, dass nur noch scheitern kann.
Die realistischen Romane haben Paris als Zentrum der modernen Gesellschaft gemeinsam. In Flauberts L’Education Sentimentale ist Paris für die Hauptfigur Frédéric Moreau die Fläche für die Projektion seiner romantischen Sehnsüchte und gesellschaftlichen Ambitionen. Im klassischen Gegensatz zur Verderbtheit der Stadt steht die Landidylle, in die Frédéric mehrfach flieht und dort auch bis zu einem gewissen Grad seine Sehnsüchte erfüllt findet.
Diese Arbeit möchte zeigen, wie in der L’Education Sentimentale das Motiv der Idylle als Sinnmodel und narratologischer Subtext evoziert wird, um jedoch durch Korruption und Banalisierung als falsches Ideal entlarvt zu werden. Der Topos der Idylle als zeitloser Raum eines vorzivilisatorischen Naturzustands ruft Konzepte wie spielerische Ereignislosigkeit und regressive Nostalgie auf, die Frédéric in trauter Zweisamkeit mit verschiedenen Frauen erfährt. Jedoch dringt in die Landidyllen in der Education Sentimentale die Leidenschaft und die politische Gewalt in kongruenter Form ein. Genauso wie die Stadt sind die Idyllen von Anfang an mit zunehmender Korruption und Brutalität durchzogen und bieten keineswegs Schutz vor der kapitalistischen Gesellschaft.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. korrumpierte Idyllen

2.1 naive Idylle in Nogent (Louise Roque)

2.2 romantische Idylle in Auteuil (Mme Arnoux)

2.3 mythische Idylle in Fontainebleau (Rosanette)

3. Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Motiv der Idylle in Gustave Flauberts Roman "L’Education sentimentale" und analysiert, wie dieses als narratologischer Subtext eingesetzt wird, um durch Korruption und Banalisierung als falsches Ideal entlarvt zu werden.

  • Analyse von drei zentralen Idyllen (Nogent, Auteuil, Fontainebleau) als komplementäres "Triptychon".
  • Untersuchung der Bedeutung von Landschaftswahrnehmung und Vermittlerfiguren für den Protagonisten Frédéric Moreau.
  • Darstellung der Dialektik zwischen romantischen Sehnsuchtskonzepten und gesellschaftlicher Realität.
  • Dekonstruktion des Idyllen-Motivs durch den Einfluss von désir, politischer Gewalt und ökonomischer Korruption.

Auszug aus dem Buch

2.1 naive Idylle in Nogent (Louise Roque)

Die Idylle in Nogent mit Louise Roque steht unter dem Vorzeichen kindlicher Naivität. Das erste, was das Wiedersehen der Straßen seiner Heimatstadt in Frédéric auslöst, sind „vieux souvenirs“. Diese Erinnerungen implizieren sowohl Frédérics eigene Kindheit und die Freundschaft mit Deslauriers, die durch romantische Träumereien gekennzeichnet war, als auch seine Freundschaft mit dem Kind Louise Roque, die er jetzt als junge Frau wieder sehen wird.

Betrachtet man die Art und Weise, wie die Idylle in den den Kontext der Narration eingebunden ist, wird allerdings von vorne herein der Topos der Idylle als Ausdruck von Sehnsucht nach Liebe und Naturverbundenheit unterwandert. Fréderic entschließt sich keineswegs selbst, nach Nogent zu fahren, sondern wird von Deslauriers dazu überredet, der ihn in seiner Abwesenheit bei Mme Arnoux betrügt. Auch ist der Motivationsgrund schlicht und einfach die Geldnot Frédérics. Die Idylle als abgegrenzte Welt außerhalb der Gesellschaft wird in Frage gestellt durch M. Roques geschäftliche Verbindungen mit M. Dambreuse, der als Vertreter des Finanzbürgertums paradigmatisch für die kapitalisierte Gesellschaft steht. Folglich ist die Idylle vorbelastet durch Verbindungen und Handlungen, die in der Vergangenheit ihren Ursprung haben.

So sind auch das Gesprächsthema zwischen Frédéric und Louise ihre gemeinsamen Erinnerungen, während sie in M. Roques Garten spazieren gehen. Dieser Garten ist unmittelbar mit Frédérics Wahrnehmung von Louise verbunden. Er wird schon zu Beginn des Romans aufgerufen als locus amoenus, in dem das Kind Louise in scheinbarer Abgeschiedenheit von der Welt lebt und im Einklang mit der Natur eine sorglos-spielerische, selbstgenügsame Existenz führt:

„Elle vivait seule, dans son jardin, se balancait à l’escarpolette, courait après les papillons, puis tout à coup s’arrêtait à contempler les cétoines s’abattant sur les rosiers. C’étaient ces habitudes, sans doute, qui donnaient à sa figure une expression à la fois de hardiesse et de rêverie.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung verortet Flauberts Werk im Kontext des bürgerlichen Realismus und führt das Konzept der "Korrumpierung der Idyllen" als Untersuchungsschwerpunkt ein.

2. korrumpierte Idyllen: Dieses Kapitel analysiert drei spezifische idyllische Episoden im Roman hinsichtlich ihrer Verstrickung in soziale, ökonomische und historische Korruptionsmechanismen.

2.1 naive Idylle in Nogent (Louise Roque): Die Idylle mit Louise Roque wird als von kindlicher Naivität geprägt dargestellt, jedoch durch finanzielle Motive und die Verstrickung des Vaters in die kapitalistische Gesellschaft ironisiert.

2.2 romantische Idylle in Auteuil (Mme Arnoux): Die Auteuil-Idylle fokussiert auf die idealisierte, romantische Liebe zu Mme Arnoux, die jedoch durch Besitzdenken und das Eindringen des bürgerlichen Lebens sowie der politischen Unruhen degradiert wird.

2.3 mythische Idylle in Fontainebleau (Rosanette): Die Idylle mit Rosanette wird durch eine mythische Überblendung von Natur und Historie bestimmt, die jedoch das Scheitern der Flucht vor der Realität und den Einfluss der Revolution verdeutlicht.

3. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, wie das Idyllen-Motiv als Sinnmodell durch die repetitive Natur von Misstrauen, Lüge und gesellschaftlichem Zerfall vollständig negiert wird.

Schlüsselwörter

Flaubert, L’Education sentimentale, Idylle, Realismus, Korruption, Frédéric Moreau, Désir, Landschaftswahrnehmung, Fetischisierung, Gesellschaftskritik, Literaturanalyse, romantisches Ideal, politische Unruhen, Subtext, Scheitern.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das literarische Motiv der Idylle in Flauberts "L’Education sentimentale" und zeigt auf, wie der Autor dieses Motiv systematisch als "falsches Ideal" entlarvt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Analyse konzentriert sich auf das Zusammenspiel von romantischen Sehnsuchtsbildern, der Wahrnehmung der städtischen versus ländlichen Landschaft und den Einflüssen gesellschaftlicher Korruption.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die drei Idyllen des Romans als zusammenhängendes "Triptychon" nachzuweisen, das den fortschreitenden Prozess der Desillusionierung des Protagonisten Frédéric Moreau darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung nutzt eine narratologische Analyse, insbesondere unter Einbeziehung von Diskurs- und Motivanalysen sowie der Theorie der Landschaftswahrnehmung im realistischen Roman.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die drei Idyllen (Nogent, Auteuil, Fontainebleau) einzeln untersucht, wobei jeweils die spezifische Vermittlerrolle der Frau (Louise, Mme Arnoux, Rosanette) im Zentrum steht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Flaubert, Idylle, Realismus, Désir, Fetischisierung und gesellschaftlicher Zerfall.

Wie korrumpieren die äußeren Umstände die Idylle in Fontainebleau?

In Fontainebleau wird die idyllische Ruhe durch den Einbruch der historischen Realität der Revolution unterwandert, wodurch der Fluchtort als Illusion entlarvt wird.

Welche Rolle spielt die "Vermittlerfigur" der Frau?

Die Frauenfiguren fungieren für den Protagonisten als Filter für seine Wahrnehmung; Frédéric projiziert seine romantischen Ideale auf sie, woran er jedoch durch den Kontrast zur Realität regelmäßig scheitert.

Excerpt out of 26 pages  - scroll top

Details

Title
Korrumpierte Idyllen in Flauberts "L'Education Sentimentale"
College
University of Hamburg  (Romanistisches Seminar - Franz. Abteilung)
Course
Flaubert
Grade
sehr gut
Author
Simone Linde (Author)
Publication Year
2003
Pages
26
Catalog Number
V12285
ISBN (eBook)
9783638182096
ISBN (Book)
9783638774666
Language
German
Tags
Roman Realismus Idylle Natur Romantik Bürgertum Geschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Simone Linde (Author), 2003, Korrumpierte Idyllen in Flauberts "L'Education Sentimentale", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12285
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