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Die Sowjetische Nationalitätenpolitik der Gründerväter

Ideologie, Konzeption und Realpolitik des Selbstbestimmungsrechts der Völker

Titre: Die Sowjetische Nationalitätenpolitik der Gründerväter

Dossier / Travail de Séminaire , 2006 , 23 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Yvonne Troll (Auteur)

Histoire de l'Europe - Époque guerres mondiales
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Der Begriff des „Selbstbestimmungsrechts der Völker“ war in der bolschewistischen Rhetorik ein Schlüsselbegriff für die Nationalitätenpolitik und diente als das Aushängeschild für den Umgang mit ethnischen Gruppen. Die eindeutig positive Konnotation dieses Rechts auf Freiheit der Selbstbestimmung lässt sich hierbei nicht leugnen, jedoch beweist die historische Realität, dass die sie dem theoretischen Anspruch nicht standhalten konnte.
Das Recht auf Selbstbestimmung ist bei genauerem Hinsehen eine inhaltlich äußerst ungenaue, kontrovers zu interpretierende und demzufolge auf verschiedenste Arten praktisch umsetzbarere Losung. Entsprechend groß waren auch die Differenzen innerhalb des wortführenden Kreises der Bolschewiki, insbesondere in der Zeit zwischen der Oktoberrevolution 1917 und dem Entstehen der Sowjetunion im Dezember 1922. Obwohl das Schlagwort der Selbstbestimmung keineswegs neu war, sondern in früheren Abhandlungen zur nationalen Frage, die im übrigen von Marx selbst nur unzulänglich behandelt wurde und aufgrund dessen keine eindeutigen Richtlinien bezüglich ihrer Handhabung hinterließ, bereits eine erhebliche Rolle spielte, so wuchs doch seine Bedeutung durch die veränderte Situation nach der sozialistischen Revolution beträchtlich.
Das Reich war im Begriff zu zerfallen. Nationale Kräfte wurden frei, die den Willen der Völker, ihr eigener Herr zu werden verdeutlichten. Die Bolschewiki hatten erwartet, dass die sozialistischen Kräfte derart groß sein würden, dass sich nationalistische Tendenzen als bourgeoises Element gewissermaßen von selbst auflösen würden. Klassenkämpfe anstelle von ethnischen Interessen würden überwiegen und die verschiedenen Völker auf den Weg in Richtung Verschmelzung zur sozialistischen Weltgesellschaft bringen.
Dies war nicht der Fall. Die nicht-russischen Völker machten unmittelbar nach der Revolution von ihrem Recht auf Selbstbestimmung Gebrauch. Überall im ehemals gewaltigen russischen Reich gab es ernsthafte Separationstendenzen und die Bolschewiki sahen sich der schwierigen Aufgabe gegenüber, dies zu verhindern. Ein derart in seiner Macht und Größe zusammen-geschmolzenes Russisches Reich würde das Ende sämtlicher weltrevolutionärer Hoffnungen auf den Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus bedeuten. [...]

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorrevolutionäre Theorien zur Nationalen Frage

2.1 Stalins Nationsdefinition

2.2 Lenis frühe Konzeption des Selbstbestimmungsrechts

2.3 Am Vorabend der Revolution

3. Russland nach der Revolution

3.1 Die (theoretischen) Rechte der Völker Russlands

3.2 Der drohende Reichszerfall und die Gründung der RSFSR

3.3 Das notwendige Übel der Föderation

4. Die UdSSR

4.1 Auf dem Weg zur Sowjetunion

4.2 Die Gründung der UdSSR

4.3 Die Georgische Affäre

4.4 Die „Leninistische“ Nationalitätenpolitik der 20er Jahre

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Umsetzung der bolschewistischen Nationalitätenpolitik zwischen 1917 und den 1920er Jahren. Dabei wird analysiert, wie das theoretische Prinzip des Selbstbestimmungsrechts der Völker im Spannungsfeld zwischen ideologischem Anspruch und der Realpolitik zur Sicherung des sowjetischen Staates instrumentalisiert wurde.

  • Entwicklung des sowjetischen Nationsbegriffs durch Stalin und Lenin
  • Die Transformation des Selbstbestimmungsrechts von der Theorie zur Praxis
  • Der Prozess der Staatsbildung und die Rolle der Föderation
  • Die Auswirkungen der Nationalitätenpolitik („Korenisazija“)
  • Der Konflikt zwischen zentralistischer Macht und ethnischer Identität

Auszug aus dem Buch

3.3 Das notwendige Übel der Föderation

Für Lenin bedeutete dieses Zugeständnis einen extremen Gesinnungswandel. Er war über 20 Jahre davon überzeugt gewesen, dass ein föderativer Staatsaufbau im Sozialismus nicht in Frage kommen würde. Nach den stürmischen nachrevolutionären Ereignissen wurde ihm jedoch schnell bewusst, dass es keine andere Möglichkeit gab, dass Reich zu retten. Damit stand und fiel Lenins Hoffnung auf eine sozialistische Weltrevolution. Die Akzeptanz einer föderativen Lösung war eine pragmatische und taktische Reaktion auf die unerwartete Realität, mit der Lenin und die Bolschewiki sich konfrontiert sahen. Es sollte lediglich ein vorübergehender Zustand sein: „In der Regel ist die Föderation im Rahmen einer wirklich demokratischen Ordnung, um so mehr also angesichts der sowjetischen Organisation des Staatsaufbaus, nur ein Übergangsschritt zu einem wirklich demokratischen Sozialismus.“

Von einem freiwilligen Zusammenschluss der Völker, wie er in vorrevolutionärer Propaganda stets angepriesen wurde, konnte allerdings während des Bürgerkriegs nichts zu sehen sein. Die Sowjetisierung der abtrünnigen Nationen wurde im Verlaufe des Bürgerkrieges mit Waffengewalt vorangetrieben. Die Rote Armee tat hier alles, um die Leere schönklingender sowjetischer Propaganda deutlich werden zu lassen. Trotzdem wurde weiterhin am Recht auf Lostrennung festgehalten. So sagte Stalin 1920: „Natürlich haben die Randgebiete Russlands, die Nationen und Volksstämme, die diese Randgebiete bevölkern, ebenso wie alle anderen Nationen, das unveräußerliche Recht auf Lostrennung von Russland.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den theoretischen Widerspruch zwischen dem bolschewistischen Versprechen nationaler Selbstbestimmung und der historischen Notwendigkeit, das zerfallende Russische Reich zu erhalten.

2. Vorrevolutionäre Theorien zur Nationalen Frage: Dieses Kapitel analysiert Stalins Nationsdefinition sowie Lenins frühe Konzepte, die das Nationale primär dem Ziel der sozialistischen Revolution unterordneten.

3. Russland nach der Revolution: Es wird die Deklaration der Rechte der Völker Russlands thematisiert, die als taktisches Mittel diente, während gleichzeitig der drohende Zerfall des Reiches zur Einführung föderaler Strukturen zwang.

4. Die UdSSR: Dieser Teil behandelt den administrativen Aufbau der Sowjetunion, die Rolle interner Konflikte wie der Georgischen Affäre und die Umsetzung der „korenisazija“-Politik.

5. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Nationalitätenpolitik primär als Instrument zur Festigung bolschewistischer Macht fungierte und das menschliche Bedürfnis nach Identität langfristig nicht unterdrücken konnte.

Schlüsselwörter

Sowjetunion, Nationalitätenpolitik, Selbstbestimmungsrecht, Lenin, Stalin, Bolschewiki, Föderation, Korenisazija, Nationalismus, Identität, Sozialismus, Russisches Reich, Ethnische Gruppen, Territorialpolitik, Klassenkampf.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Nationalitätenpolitik der bolschewistischen Führung während der frühen Sowjetära und wie diese den Umgang mit verschiedenen ethnischen Gruppen im ehemaligen Zarenreich gestaltete.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören das theoretische Selbstbestimmungsrecht, die Entstehung der sowjetischen Föderation, die ideologischen Unterschiede zwischen Lenin und Stalin sowie die praktische Umsetzung der „Korenisazija“.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Bolschewiki das Prinzip der nationalen Selbstbestimmung als politisches Instrument nutzten, um ein zerfallendes Vielvölkerreich zu einem sozialistischen Einheitsstaat zusammenzuführen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Untersuchung, die auf der Auswertung primär- und sekundärsprachlicher Quellen sowie theoretischer Schriften der sowjetischen Führung basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die vorrevolutionäre Theoriebildung, die Herausforderungen nach der Machtübernahme, den staatsrechtlichen Aufbau der UdSSR und die soziokulturelle Praxis der Indigenisierung in den 1920er Jahren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere: Sowjetunion, Nationalitätenpolitik, Selbstbestimmungsrecht, Lenin, Stalin, Korenisazija, Föderalismus und nationale Identität.

Wie unterschieden sich Lenin und Stalin in ihrer Herangehensweise?

Während Lenin für eine behutsamere Sowjetisierung und eine föderative Fassade eintrat, um Unterstützung zu gewinnen, bevorzugte Stalin eine zentralistischere Vorgehensweise und grenzte Autonomierechte für Minderheiten enger ein.

Was genau bedeutet der Begriff „Korenisazija“?

Korenisazija bedeutet „Verwurzelung“ oder Indigenisierung. Es war ein politisches Programm, das durch die Förderung lokaler Sprachen und Eliten das sowjetische System als heimisch und volksnah präsentieren sollte, um nationalen Separatismus zu schwächen.

Welche Rolle spielte die „Georgische Affäre“ in der Arbeit?

Die Georgische Affäre dient als Fallbeispiel für die internen Parteikonflikte und verdeutlicht den Machtkampf zwischen Lenin und Stalin bezüglich der zentralistischen Ausrichtung gegenüber den Teilrepubliken.

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Résumé des informations

Titre
Die Sowjetische Nationalitätenpolitik der Gründerväter
Sous-titre
Ideologie, Konzeption und Realpolitik des Selbstbestimmungsrechts der Völker
Université
University of Freiburg  (Historisches Seminar)
Cours
HS: Die Sowjetunion der 1920er: Satire und Wirklichkeit
Note
1,0
Auteur
Yvonne Troll (Auteur)
Année de publication
2006
Pages
23
N° de catalogue
V122931
ISBN (ebook)
9783640285310
ISBN (Livre)
9783640309627
Langue
allemand
mots-clé
Sowjetische Nationalitätenpolitik Gründerväter Sowjetunion Satire Wirklichkeit
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Yvonne Troll (Auteur), 2006, Die Sowjetische Nationalitätenpolitik der Gründerväter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122931
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Extrait de  23  pages
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