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Inverse Ethnographie: Europa aus der Sicht von Fremden

Titre: Inverse Ethnographie: Europa aus der Sicht von Fremden

Dossier / Travail de Séminaire , 2007 , 18 Pages

Autor:in: Yvonne Troll (Auteur)

Ethnologie / Anthropologie Culturelle
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Résumé Extrait Résumé des informations

[...] Um dem Anspruch der interdisziplinären philosophischen und ethnologischen Betrachtung
der Entwicklung von der klassischen Ethnographie der „Neuen Welt“ aus europäischer Sicht,
hin zu einer inversen Ethnographie über Europa gerecht zu werden, müssen zunächst die
philosophischen Grundlagen dargelegt werden. Da der Beschreibung fremder Kulturen, also
dem Entstehen der Ethnographie, immer die Begegnung von Menschen mit unterschiedlichem
kulturellen Hintergrund vorausgeht, dient als Grundlage für die philosophische Analyse der
Text „Die Spur des Anderen“ des französisch-jüdischen Philosophen Emmanuel Lévinas, in
dem das absolut Andere das Wesentliche in der Begegnung mit dem Fremden ist, aus dem
sich eine bestimmte Handlungsethik ableitet. Bei Bernhard Waldenfels taucht ein ähnlicher
Begriff auf, der des radikal Fremden, auf den ebenfalls eingegangen wird.
Im Vordergrund steht die Frage, inwiefern es ein allgemein menschliches Phänomen ist, das
Fremde in der Begegnung und in der Beschreibung auf eigene Kategorien zurückzuführen, zu
vergleichen und zu bewerten. Anhand der historischen und aktuellen Beispiele soll kritisch
erörtert werden, ob Lévinas’ Ethik im Umgang mit dem Fremden in der Realität umsetzbar
ist, oder ob es nicht vielmehr einer utopischen Forderung entspricht, Fremdes absolut fremd
zu belassen und keine Bezugspunkte, ob positiver oder negativer Art, im eigenen Kontext zu
suchen. Besonders in der heutigen Funktion der Ethnographie als beschreibende und
theoretisch einbettende Darstellung von Kulturen, stellt sich mehr denn je die Frage, ob der Ethnologe als Wissenschaftler frei sein muss, von jeglicher Parallelziehung zum ihm
vertrauten Kontext, ob dies möglich und wünschenswert wäre, und was sich daraus für
Kompetenzen und Aufgaben ableiten.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Philosophische Grundlagen zur kritischen Auseinandersetzung mit inverser Ethnographie

2.1 Die Ethik Lévinas’ in der Begegnung mit dem Fremden

2.2 Das „Radikal Fremde“ bei Waldenfels

3. Die Anfänge der Ethnographie

3.1 Kolonialismus – Kritische Betrachtung der Entstehungsweise ethnographischer Berichte

4. Imaginäre Ethnographie

4.1 Die „Perserbriefe“ von Montesquieu

4.2 Zur Funktionalisierung des fremden Blicks

5. Reiseberichte außereuropäischer Besucher im 19. Jahrhundert

5.1 Das „Schauspiel Europa“

5.2 Beispiel Ham Mukasa aus Uganda

5.3 Beispiele Selim bin Abakabari und Amur bin Nasur aus Sansibar

6. Inverse Ethnographie im 20. Jahrhundert

6.1 Afrikanische Europabilder nach der kolonialen Unabhängigkeit

6.2 Die Krise der Ethnologie

6.3 Spezieller Blick auf die Deutschland Ethnographie

6.3.1 Geschichtliche Hintergründe ethnographischer Berichte über Deutschland

6.3.2 Tendenzen der internationalen Deutschland Ethnographie der Gegenwart

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die philosophischen Grundlagen der Ethnographie, mit einem besonderen Fokus auf den Übergang von einer kolonialen, einseitigen Perspektive hin zu einer „inversen Ethnographie“, die Europa aus der Sicht außereuropäischer Akteure betrachtet.

  • Philosophische Konzepte der Fremdbegegnung (Lévinas, Waldenfels)
  • Kritische Analyse des kolonialen Blicks und Machtstrukturen in ethnographischen Berichten
  • Die Rolle imaginärer Ethnographien und früher außereuropäischer Reiseberichte
  • Afrikanische Europabilder im 20. Jahrhundert als Ausdruck von Identität und Widerstand
  • Internationale Deutschland-Ethnographie und die Reflexion über kulturelle Wahrnehmung

Auszug aus dem Buch

3.1 Kolonialismus – Kritische Betrachtung der Entstehungsweise ethnographischer Berichte

Zunächst möchte ich mit einem Zitat von Stephen Greenblatt ein Phänomen einführen, das als erstes den Raum der Fremdbegegnung füllt und das noch vor dem Einsetzen eines Prozesses der Abgrenzung zum Anderen steht: das der Verwunderung.

„Stephen Greenblatt zeigte, dass die Verwunderung die zentrale Figur in den ersten Begegnungen mit der neuen Welt war, das entscheidende emotionale und geistige Erlebnis angesichts radikaler Verschiedenheit. Die Verwunderung scheint eine Kategorie zu sein, die sich gegen jede Eindämmung und ideologische Vereinnahmung sperrt und doch einen unabweisbaren Zwang ausübt. Sie findet statt in einem Augenblick des Fehlens von Bedeutungen und geht einher mit dem Auseinanderbrechen eines kontextorientierten Verstehens“ (Behrend 1998: 323).

Die Verwunderung ist ein grundmenschliches Phänomen angesichts von Neuem, Fremdem, das ich nicht in meinen Erfahrungskontext einordnen kann. Die Verwunderung an sich ist eine Erscheinung, die nach Lévinas keineswegs verwerflich wäre, da sie das Fremde, das in seiner absoluten Andersheit ohnehin absolut abwesend, also grundsätzlich nicht mit eigenen Kategorien fassbar ist, lediglich wahrnimmt, es aber nicht berührt, nicht bewertet oder aneignet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Skizziert den Wandel der Ethnographie von einer rein europäischen Disziplin hin zur inversen Betrachtung Europas durch Nicht-Europäer.

2. Philosophische Grundlagen zur kritischen Auseinandersetzung mit inverser Ethnographie: Legt anhand von Lévinas und Waldenfels dar, wie die Begegnung mit dem Fremden ethisch reflektiert werden kann und warum Aneignung problematisch ist.

3. Die Anfänge der Ethnographie: Beleuchtet den kolonialen Kontext, in dem ethnographische Berichte als Machtwerkzeuge zur Abgrenzung und Herrschaftssicherung entstanden.

4. Imaginäre Ethnographie: Analysiert fiktive Reiseberichte wie die „Perserbriefe“, die als Medium für europäische Selbstkritik dienten.

5. Reiseberichte außereuropäischer Besucher im 19. Jahrhundert: Untersucht reale Berichte von Afrikanern in Europa und zeigt deren Abhängigkeit von europäischen Erwartungshaltungen auf.

6. Inverse Ethnographie im 20. Jahrhundert: Diskutiert die Veränderung des Blicks auf Europa durch postkoloniale Literatur und die methodische Krise der Ethnologie.

7. Fazit: Führt die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer respektvollen, nicht-wertenden Wahrnehmung des Fremden zur Entschärfung globaler Konflikte.

Schlüsselwörter

Inverse Ethnographie, Fremdbegegnung, Kolonialismus, Emmanuel Lévinas, Bernhard Waldenfels, Imaginäre Ethnographie, Perserbriefe, Europabild, Postkolonialismus, Kulturkritik, Identität, Alterität, Deutschland-Ethnographie, Ethnologie, Machtstrukturen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert, wie sich der Blick auf Europa im Laufe der Geschichte durch außereuropäische Beobachter verändert hat und wie Ethnographie von einer kolonialen Einseitigkeit zu einer inversen, reflektierten Disziplin gewandelt ist.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die philosophischen Grundlagen der Fremdbegegnung, der koloniale Machtmissbrauch in Berichten, fiktive und reale Reiseberichte sowie die moderne ethnographische Forschung zu Deutschland.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwiefern die moderne Ethnographie die Gefahr der Aneignung und Vereinnahmung des Fremden vermeiden kann und welche Tendenzen in der Europa-Ethnographie des 20. Jahrhunderts historisch-politisch bedingt sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der philosophische Analysen (Lévinas, Waldenfels) mit der kulturwissenschaftlichen Untersuchung ethnographischer Texte und Literatur verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich chronologisch und thematisch: Von den Anfängen im Kolonialismus über die imaginäre Ethnographie des 18. Jahrhunderts und reale Reiseberichte des 19. Jahrhunderts bis hin zu zeitgenössischen afrikanischen Europabildern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?

Zentrale Begriffe sind Inverse Ethnographie, Fremdbegegnung, Postkolonialismus, Alterität und die kritische Auseinandersetzung mit eurozentrischen Machtstrukturen in der Wissensproduktion.

Welche Rolle spielt die „Verwunderung“ in der frühen Ethnographie?

Die Verwunderung fungiert laut Stephen Greenblatt als erste emotionale Reaktion auf Radikalität, die vor der eigentlichen ideologischen Vereinnahmung steht, aber oft in einen souveränen, kolonialen Blick umschlägt.

Wie unterscheidet sich der Blick eines Flavien Ndonko von US-amerikanischen Ethnographien über Deutschland?

Ndonko verzichtet auf eine historisierende Erklärung der deutschen Gesellschaft (etwa durch die NS-Vergangenheit) und analysiert Deutschland stattdessen als typische Überflussgesellschaft, die Individualisierung durch exzessive Tierliebe kompensiert.

Warum wird das „getrennte Zahlen“ in Restaurants von Informantinnen thematisiert?

Es dient als Beispiel für den permanenten Abgleich mit dem eigenen kulturellen Kontext, bei dem das Fremde je nach Perspektive als Ausdruck von Gerechtigkeitssinn oder als geizige, unhöfliche Eigenschaft bewertet wird.

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Résumé des informations

Titre
Inverse Ethnographie: Europa aus der Sicht von Fremden
Université
University of Freiburg  (Institut für Völkerkunde)
Cours
HS: Die Figur des Fremden und der Prozess des Übersetzens
Auteur
Yvonne Troll (Auteur)
Année de publication
2007
Pages
18
N° de catalogue
V122939
ISBN (ebook)
9783640274581
Langue
allemand
mots-clé
Inverse Ethnographie Europa Sicht Fremden Figur Fremden Prozess
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Yvonne Troll (Auteur), 2007, Inverse Ethnographie: Europa aus der Sicht von Fremden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122939
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Extrait de  18  pages
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