Die Entwicklung des barocken Sakralbaus in Mexiko


Hausarbeit, 2006

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse der Grundrissdarstellungen
2.1 Catedral Metropolitana, Mexiko Stadt, 1525 – 1813
2.1.1 Beschreibung der Grundrissdarstellung
2.1.2 Ikonographische Analyse
2.1.3 Interpretation und ikonologische Betrachtung
2.2 Iglesia de la Ensenañza, Mexiko Stadt, 1754 – 1795
2.2.1 Beschreibung der Grundrissdarstellung
2.2.2 Ikonographische Analyse
2.2.3 Interpretation und ikonologische Betrachtung

3. Vergleich der Grundrissdarstellungen

4. Schlusswort

5. Anhang
5.1 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zwischen 1500 und 1750 breitete sich während der spanischen Herrschaft der Barock in

Mexiko aus. In dieser Zeitspanne wurden viele Kirchen und Kathedralen als Zeichen der

Autorität der katholischen Kirche im ganzen Land errichtet.[1]

In dieser Arbeit werden zwei Sakralbauten, die ‚Catedral Metropolitana’ und die ‚Iglesia

de la Ensenañza’ anhand ihres Grundrisses beschrieben und interpretiert, und mit einander verglichen, um die Entwicklung des mexikanischen Barocks und seinen Ursprung zu analysieren.

2. Analyse der Grundrissdarstellungen

2.1 Catedral Metropolitana, Mexiko Stadt, 1525 – 1813

2.1.1 Beschreibung der Grundrissdarstellung

Die ‚Catedral Metropolitana` in Mexiko Stadt liegt direkt am Hauptplatz von Mexiko Stadt, dem so genannten Zócalo. Die baulichen Prozesse der Kathedrale waren lang, und schwierig. Der Beginn der Planung liegt bei 1525. 1576 fingen die Bauarbeiten an, die erst 1813 beendet wurden. Der Grundriss stammte vom Architekten Claudio de Arciniega. Die Erhöhung des Baus, sowie die Türme und das Frontalwerke wurden von verschiedenen anderen Architekten konzipiert und auch in verschiedenen Epochen errichtet.[2]

Die Kathedrale ist innen ca. 45m breit, die Innenlänge misst sie ca. 105m. Der Innenraum, sowie das außen ersichtliche Gebäude, weisen eine rechteckige Form auf, welches auf den Grundriss einer Basilika mit lateinischem Kreuz verweist. Der Zentralbau besteht aus insgesamt 5 Schiffen: einem Mittelschiff, welches höher ist als die anliegenden Schiffe, und zwei Seitenschiffen an denen jeweils ein weiteres Seitenschiff angrenzt, in dem die Kapellen untergebracht sind. Dem Langhaus folgen das Querschiff und der fünfschiffige Chor, dessen Mittelschiff in einer Apsis endet.

Die Eingänge der Kathedrale befinden sich im Süden. Jeder Eingang misst eine Breite von ca. 3m, wobei der mittlere Eingang um ca. 0,5m breiter ist. Am Mauerwerk der Fassade lässt sich durch zwei hervortretende mächtige Wandpfeiler, die auch die drei Eingänge voneinander trennen, die Breite des Mittel- und der Seitenschiffe nachvollziehen. So beträgt die Breite des Mittelschiffes ca.15m, die der angrenzenden Seitenschiffe jeweils ca. 9m. Die Breite der äußeren Seitenschiffe macht ca. 6m aus.

Die drei Eingänge, die mittig zu den Schiffen führen, sind jeweils an jeder Seite von zwei Säulen auf Sockeln umgeben, wobei die am Haupteingang größer ausfallen.

Eine Gliederung von Räumen erkennt man bei der Kathedrale nicht. Das Langhaus, das Querschiff und der Chor bilden eine rechteckige Einheit.

Im Kircheninneren ist eine gleichmäßige Ordnung zuerkennen. Mittelschiff und angrenzende Seitenschiffe werden im Abstand von ca. 9m von hohen Säulen getrennt. So folgen 8 Säulenpaare durchgängig vom Langhaus, dort stehen fünf Säulenpaare, bis zum Chor, in dem die restlichen drei Säulenpaare vorzufinden sind. Zwischen dem fünften und sechsten Säulenpaar ist das Querschiff angelegt, welches die Gleichmäßigkeit der Abstände unterbricht. Der Abstand beträgt hier ca.15m.

Die Säulen werden durch Scheitbögen und Gurtbögen miteinander verbunden. Auch verbinden sie sich durch Gurtbögen über den anliegenden Seitenschiffen mit den äußeren Seitenschiffen, in denen die Kapellen untergebracht sind. Die Gurtbögen gehen in Pilaster, die auf der Höhe jeder Säule an den Mauerzungen der äußeren Seitenschiffe, welche durch die Abtrennung der Kapellen durch Mauerwerk entstehen, über.

Durch die Verbindung der Säulen durch Scheit- und Gurtbögen ergeben sich jeweils im Mittelschiff und in den angrenzenden Seitenschiffen 9 Joche. Die Joche in den Seitenschiffen sind rechteckig.

Die Kapellen werden nicht nur von Mauern untereinander getrennt, sondern auch durch Scheitbögen von den anliegenden Seitenschiffen. Diese sind an Mauerzungen befestigt und ergeben dadurch einen Durchgang von jedem Joch des Seitenschiffs in die einzelne Kappelle.

Jeweils die erste Kapelle des äußeren Seitenschiffs ist im Gegensatz zu den Folgenden genauso groß wie ein Joch der Seitenschiffe, und es ist ein Turm auf ihr Angebracht, also handelt es sich bei der Kathedrale um eine Zweiturmfassade.

Das Querschiff, welches zwischen dem fünften und sechsten Pfeilerpaar angesetzt ist, erstreckt sich über die fünf Schiffe der Kirche und geht nicht überdiese hinaus. Wie schon erwähnt, ist hier der Abstand zwischen den Säulen im Mittelschiff größer, nämlich ca. 15m. Dies gilt auch für die Seitenschiffe und die äußeren Seitenschiffe. In den äußeren Seitenschiffen, wo sonst die Kapellen angebracht sind, zeigt das Querschiff im Mauerwerk Eingänge vom Westen und Osten. Da wo Mittelschiff und Querschiff aufeinander treffen entsteht eine echte Vierung, dessen gleichlange Seiten ca. 15m betragen. Auf den vier Bögen der Vierung ist eine riesige Kuppel mit offenem Scheitelring angebracht.

Nach dem Querhaus folgt der fünfschiffige Chor, dessen Mittelschiff in eine halb-achteckige, ca. 15m lange Apsis übergeht. Die angrenzenden Seitenschiffe enden in zwei Kapellen, dessen Mauern durch die jeweils nach außen hin angrenzende, letzte Kapelle der äußeren Seitenschiffe und durch die Mauern der Apsis, die sich nur auf den Zugang vom Mittelschiff beschränkt, formieren. Die letzte Kapelle der Kapellenanreihung ist nur durch die ihm vorangehende Kapelle betretbar.

„La nave central es la más alta que las procesionales y estás, a su vez, más altas que las capillas.”[3] (Übersetzung: Kathrin Gabur)

Die unterschiedlichen Höhen der Schiffe ermöglichen verschiedene Weisen der Beleuchtung, somit hat jedes einzelne Schiff seine eigene Beleuchtung:

Über dem Mittelschiff befindet sich ein Tonnengewölbe, an dem abgestimmt an den Jochverlauf auf jeder Seite Lichtgaden angebracht sind. Die angrenzenden Seitenschiffe haben ihre eigene Überdachung: Über jedem Joch befindet sich eine Kuppel und ihre Wänden bestehen aus Lichtgaden. In den einzelnen Kapellen sind mittig ins äußere Mauerwerk Fenster eingezeichnet, so dass diese sich selbst beleuchten, da sie durch Trennwände und Gurtbögen dunkel gehalten werden. Beim Betrachten der Kirche von Außen erkennt man, dass die Fenster der einzelnen Schiffsüberdachungen regelmäßig übereinander angebracht und zum Abstand der Joche abgestimmt sind.

Das Querhaus hat an seinen Armen dieselbe Höhe wie das Mittelschiff und ein Fenster in jeder seiner vier Gaden.

Da es sich bei der ‚Catedral Metropolitana’ um eine Basilika mit Querschiff und Kuppel handelt, kann man von ihr auch als eine Kreuzkuppelkirche sprechen.

2.1.2 Ikonographische Analyse

1519 landete Hernan Cortés als Gesandter der spanischen Krone an der Ostküste von Mexiko und machte sich dann auf zur Metropole der Azteken ‚Tenochtitlan’, das heutige Mexiko Stadt. Im August 1521 konnte er die Stadt nach dem zweiten Versuch einnehmen. Die siegreichen Spanier zerstörten jede sichtbar Erinnerung an die alte Kultur und erbauten dort, wo die großen Tempel standen, ihre Kirchen. Die herrschenden präcolumbischen Kulturen und ihre Religionen wurden ausgelöscht und durch den katholischen Glauben ersetzt.[4]

Der Grundriss der Kathedrale von Mexiko entstand in einer Zeit, in der Mexiko, unter der Herrschaft der Spanier, zum ‚Neuen Spanien’ wurde. Zu dieser Zeit weilte in Spanien der Barock, der in der Architektur den Typ der Kreuzkuppelkirche schon von Italien imitiert und in ihre Kolonie eingeführt.[5]

2.1.3 Interpretation und ikonologische Betrachtung

Die ‚Catedral Metropolitana` bildet auf Grund ihrer Größe und Lage ein Monument im Stadtbild. Als Besucher fühlt man sich schon beim Betreten der Basilika einer größeren Macht übergeben. Das Langhaus, sowie das Querhaus bilden insgesamt eine Länge von ca. 69m. Der Besucher muss diese Stecke hinter sich legen, um dann den Chor mit der Apsis zu erreichen. Die einheitliche und geordnete Struktur der Basilika bietet dem Besucher die Möglichkeit zur Orientierung in diesem großen Halle. Die gleichmäßig gesetzten Säulen und die dadurch entstehenden Gänge, sowie die unterschiedlichen Höhen der Schiffe formen und definieren das große Langhaus, so dass es übersichtlicher wirkt, trotz seiner Größe. Durch die Gurt- und Scheitbögen und die dadurch entstehenden Joche erhält der Raum mehr Halt und Struktur. Natürlich bewirken die Stellung der Säulen und die Gangstruktur eine Bewegung nach Norden hin, und dienen somit als Wegweiser zum Querschiff und zum anschließenden Chor. Der Offenheit des Raumes bei Mittel- und angrenzenden Seitenschiffen, stehen die Kapellen gegenüber. Sie bilden den Kontrast zum Großen ‚Gemeinderaum’, dadurch, dass sie durch Mauerwerk eingegrenzt sind und nur durch die Seitenschiffe begehbar sind. Allerdings ist ihr Innenraum leicht durch die großen Eingänge einsehbar. Hier kann der Besucher in einem kleinen Raum alleine beten und besinnen. Sie bieten Schutz und zugleich Nähe zu den Heiligen, für den die Kapelle errichtet wurde. Auch wenn den Kapellen durch ihre Funktion und Konstruktion eine andere Stellung in diesem Langhaus einnehmen, so sind sie trotzdem Teil der geordneten Einheit im Raum.

Die Größe und der Kompaktheit des Raumes erfordert auch eine angemessene Beleuchtung. Jedes Schiff hat seine eigene Beleuchtung, die den Raum freundlicher und unbedrohlich wirken lässt. Durch die Größe der Basilika trägt sie viel Mauer- und Dachwerk, welches beleuchtet werden muss, damit der Raum nicht zu massig erscheint. Ohne die Fenster in den Kapellen würden diese wie Verliese wirken.

[...]


[1] Vgl. Saber Ver, Lo contemporaneo del Arte 38 1998 (wie Anm. 3), S. 9ff

[2] Vargaslugo, Elisa (Hrsg.) : México Barroco, México D.F., 1993, S. 131

[3] Vgl. Vargaslugo 1993 (wie Anm. 5), S. 131

„Das Mittelschiff ist höher als die angrenzenden Seitenschiffe, die wiederum höher sind als die daneben liegenden Kapellen.“

[4] Friedrichs, Hanns Joachim (Hrsg): Weltgechichte – Eine Chronik, München [u.a.], 1988, S.209

[5] Hager, Werner : „Barock Architektur”, in: Kunst der Welt, Baden-Baden, 3. überarb. Aufl. 1980 (Orginalausgabe 1968), S. 6

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des barocken Sakralbaus in Mexiko
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Einführung in die Kunstgeschichte: Architektur
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V122952
ISBN (eBook)
9783640286775
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Sakralbaus, Mexiko, Einführung, Kunstgeschichte, Architektur
Arbeit zitieren
Kathrin Gabur (Autor), 2006, Die Entwicklung des barocken Sakralbaus in Mexiko, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122952

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