Die Entwicklung in fast allen technischen Bereichen unterliegt einem tief greifenden Wandel. Dieser ist sowohl marktwirtschaftlich als auch technisch bedingt. Technische Produkte werden immer komplexer und ihre Leistungsfähigkeit nimmt zu. Andererseits müssen Produkte qualitativ besser sein und preisgünstig angeboten werden. Trotzdem muss ein ausreichendes und wirtschaftliches Ergebnis erzielt werden. Zusätzlich zu diesem Kostendruck kommt durch die Verkürzung der Produktlebensdauer in vielen Produktbereichen die Beschleunigung der Innovationszyklen hinzu, weshalb die Produkte schon zu einem früheren Zeitpunkt verfügbar sein müssen, um nicht sofort wieder von den Ankündigungen der nächsten Innovationsstufe der Konkurrenzprodukte verdrängt zu werden.
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Abb. 1: Alter der Produkte
Quelle: Burghardt, M.: Projektmanagement: Leitfaden für die Planung, Überwachung und Steuerung von Entwicklungsprojekten, 6.Auflage, Berlin und München 2006, S. 13
Mit einer Untersuchung von Siemens untermalt Burghardt (2006) diese Situation: Im Durchschnitt sind 66% der Produkte nicht älter als fünf Jahre. In der Medizintechnik sind sogar 75% aller Produkte jünger als 5 Jahre und nur 3% älter als zehn Jahre. Er zieht den Umkehrschluss, dass in fünf Jahren derselbe Umsatz mit Produkten gemacht werden muss, von denen 66% noch nicht entwickelt oder noch nicht bekannt sind. Um die Effizienz in den Entwicklungsbereichen zu steigern und die Durchlaufszeiten in den Entwicklungsbereichen zu verkürzen, muss den genannten Herausforderungen mit einem verbesserten Planungs- und Steuerungsinstrumentarium begegnet werden. Besonders mit der Planung kann eine große Hebelwirkung auf den Innovationsprozess ausgeübt werden: 75% bis 85% der Produktlebenskosten werden während Produktplanung festgelegt, obwohl bei ihr nur 5 % bis 7% der Gesamtkosten anfallen. Um kostspielige Nacharbeiten in späteren Prozessphasen zu vermeiden, müssen klare Vorgaben während der Planung erarbeitet werden. Die deterministische Netzplantechnik ist ein solches Planungsinstrument und wird in Kapitel 3 vorgestellt. In Kapitel 1 wird auf die Besonderheiten von Innovationsprojekten und deren Ablaufplanung eingegangen. Anschließend werden in Kapital 2 von diesen Besonderheiten Anforderungen für geeignete Planungsmethoden abgeleitet. In Kapitel 4 wird überprüft, ob die deterministische Netzplantechnik diesen Anforderungen gerecht wird.
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Unterschiede zwischen Innovationsprojekten und sonstigen Projekten
2 Anforderungen an geeignete Planungsmethoden und -techniken
3 Die deterministischen Netzplantechnik
3.1 Vorgangspfeil-Netzplan (CPM)
3.2 Vorgangsknoten-Netzplan (MPM)
3.3 Ereignisknoten-Netzplan (PERT)
3.4 Netzplanstrukturierung
3.5 EDV-Gestützte Durchführung
4 Überprüfung, ob die deterministische Netzplantechnik den Planungsanforderungen von Innovationsprojekten gerecht wird
5 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eignung deterministischer Netzplantechniken für die Ablaufplanung in Innovationsvorhaben. Dabei wird analysiert, inwieweit diese klassischen Methoden die spezifischen Herausforderungen wie hohe Unsicherheit, iterative Abläufe und den Bedarf an kreativem Freiraum in Innovationsprojekten adressieren können.
- Charakteristika und Besonderheiten von Innovationsprojekten im Vergleich zu Routineaufgaben.
- Anforderungen an moderne Planungs- und Steuerungsinstrumente im Innovationsmanagement.
- Darstellung und Funktionsweise deterministischer Netzplantechniken (CPM, MPM, PERT).
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen notwendiger Projektstrukturierung und benötigter Kreativität.
- Kritische Evaluation der Anwendbarkeit deterministischer Planungswerkzeuge.
Auszug aus dem Buch
3.1 Vorgangspfeil-Netzplan (CPM)
Mit einem Vorgangspfeil-Netzplan werden Vorgänge beschrieben und als Pfeile in dem Netz dargestellt. Die CPM (Critical Path Method) ist ein Vorgangspfeil-Netzplan. Die Knoten fungieren als Ereignisse, denen bei der Projektdurchführung eine besondere Bedeutung zukommt. Jeder Pfeil wird von zwei Knoten eingegrenzt. Die Abhängigkeiten zwischen den Vorgangspfeilen werden nicht gesondert ausgewiesen, da Ende und Anfang eines Pfeils unmittelbar aufeinander folgen. Bei CPM wird vorausgesetzt, dass die Vorgänge lückenlos aufeinander folgen, weshalb die Anordnungsbeziehungen immer Anfangs-Ende-Beziehungen sind. Die Benennungen der Vorgänge werden oberhalb der Pfeile eingetragen und die als Kreise dargestellten Knoten werden durchnummeriert, so dass jeder Vorgang eindeutig durch das Nummernpaar der beiden begrenzenden Knoten identifizierbar ist. In den Knotenkreisen stehen die Frühest- und Spätesttermine für die Vorgänge, die sich durch eine Vorwärts- und Rückwärtsrechnung ergeben.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den wachsenden Druck auf Innovationszyklen und verdeutlicht die Notwendigkeit verbesserter Planungs- und Steuerungsinstrumente in technischen Entwicklungsbereichen.
1 Unterschiede zwischen Innovationsprojekten und sonstigen Projekten: Hier werden die spezifischen Merkmale von Innovationsprojekten, wie hohe Unsicherheit und die Notwendigkeit für iterative Prozesse, von klassischen Routineprojekten abgegrenzt.
2 Anforderungen an geeignete Planungsmethoden und -techniken: In diesem Abschnitt werden aus den Besonderheiten von Innovationsprojekten konkrete Anforderungskriterien für Planungsinstrumente abgeleitet.
3 Die deterministischen Netzplantechnik: Es erfolgt eine detaillierte methodische Vorstellung der Verfahren CPM, MPM und PERT sowie die Möglichkeiten der Strukturierung und EDV-Unterstützung.
4 Überprüfung, ob die deterministische Netzplantechnik den Planungsanforderungen von Innovationsprojekten gerecht wird: Dieses Kapitel bewertet kritisch, inwieweit die zuvor vorgestellten Netzplantechniken den komplexen Anforderungen der Innovationsplanung tatsächlich genügen.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz, die das Potenzial der Netzplantechnik als Werkzeug hervorhebt, sofern sie durch geeignete Strukturen und Software flankiert wird.
Schlüsselwörter
Netzplantechnik, Innovationsprojektmanagement, Ablaufplanung, CPM, MPM, PERT, Projektsteuerung, Innovationszyklus, Prozessplanung, Ressourceneffizienz, Terminplanung, Strukturierung, Fuzzy Front End, Meilensteinplanung, Projektplanung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anwendung und Eignung von klassischen, deterministischen Netzplantechniken für die Ablaufplanung in Innovationsvorhaben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind das Projektmanagement in der Produktentwicklung, die Analyse von Planungsanforderungen unter Unsicherheit und die methodische Beschreibung von Netzplanverfahren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu prüfen, ob deterministische Netzplantechniken die speziellen Anforderungen von Innovationsprojekten erfüllen können oder wo ihre Grenzen liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Literaturanalyse zur theoretischen Herleitung von Anforderungen sowie eine kritische Evaluation der Netzplantechnik im Kontext spezifischer Innovationsmerkmale.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Innovationsbesonderheiten, die Herleitung von Planungsanforderungen und die detaillierte Vorstellung der Netzplanverfahren CPM, MPM und PERT.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Netzplantechnik, Innovationsmanagement, Ablaufplanung und Projektstrukturierung definiert.
Warum sind Innovationsprojekte schwerer zu planen als Routinevorhaben?
Innovationsprojekte sind durch ein "Fuzzy Front End", eine geringere Informationsbasis, hohe Unsicherheit und den Bedarf an kreativen, oft iterativen Zyklen gekennzeichnet, was eine starre Planung erschwert.
Was unterscheidet den CPM- vom MPM-Ansatz?
Während beim CPM-Verfahren Vorgänge als Pfeile zwischen Ereignisknoten dargestellt werden, fungieren beim MPM-Verfahren Vorgänge selbst als Knoten, was die Modellierung oft flexibler macht.
Welche Rolle spielen Scheinvorgänge in einem Netzplan?
Scheinvorgänge werden primär in Vorgangspfeil-Netzplänen genutzt, um logische Abhängigkeiten korrekt abzubilden, die nicht direkt durch reale Aktivitäten darstellbar wären.
Wie lautet das Fazit zur Anwendbarkeit der Technik?
Die Netzplantechnik ist kein Allheilmittel, bleibt aber ein wertvolles Werkzeug, sofern sie durch Meilensteine und IT-Unterstützung sinnvoll in einen Rahmen zwischen Struktur und kreativem Freiraum eingebettet wird.
- Quote paper
- Andre Duffe (Author), 2009, Innovationsprojektmanagement und -controlling, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122961