Fugenelemente – wie -s- in dt. Volk-s-musik werden häufig mit Genitiv- und Pluralmarkern assoziiert. Die Verbindung mit Flexiven ist nicht verwunderlich, denn Fugenelemente stimmen in den meisten Fällen mit einem typischen Genitiv- oder Pluralflexiv des Deutschen überein. Ist aber die Volk-s-musik wirklich die 'Musik des Volkes'? Warum heißt sie dann nicht Volkes-musik? Die genannten Beispiele weisen auf zentrale Probleme in der Systematik der Fugenelemente hin: Die Assoziation mit Flexiven scheint in den Einzelsprachen häufig im ersten Augenblick sinnvoll zu sein, wird aber bei näherer Betrachtung des Systems schnell wieder zerschlagen. Warum heißt es z. B. im Deutschen König-s-hof, der sich genitivisch mit 'Hof des Königs' umschreiben lässt, aber auch Verbindung-s-glied, das weder genitivische Umschreibung mit 'Glied der Verbindung' zulässt (eher wird eine Präpositionalphrase wie 'Glied zur Verbindung' verlangt) noch einer Genitivform entspricht: *der Verbindungs. Warum heißt es außerdem Hand-O-tuch und nicht Händ-e-tuch, obwohl man es doch immer mit beiden Händen benutzt? Diese Beispiele genügen, um die zentralen Fragen der vorliegenden Arbeit zu illustrieren: Die Fugenelemente erscheinen auf den ersten Blick kaum systematisierbar. Dass Systematisierung zu einem gewissen Grade trotzdem erreicht werden kann, haben jedoch zahlreiche größere Arbeiten zum Deutschen erwiesen.
Die vorliegende Analyse versucht einen Einblick in die Problematik der –s-Fuge, die die Morphemgrenze zwischen zwei substantivischen Konstituenten bezeichnet, zu vermitteln und beschäftigt sich weiterhin mit der Frage, inwiefern dieses Fugenelement die vermuteten allgemeinen Funktionen der Fugenelemente –en, -ens, -n, -e, -er erfüllt und vor allem welche Regularitäten ihr Auftreten bewirken. Insbesondere sollen dabei Regelhaftigkeiten, die bisher gefunden wurden, solche, die möglich sein könnten, aber noch nicht genügend belegt sind, wie aber auch noch unerklärte Sonderfälle oder Ausnahmen, aufgezeigt werden.
Der erste Teil befasst sich zunächst mit der Klärung des theoretischen Hintergrundes. Dabei werden die Begriffe Determinativkomposita und Fuge erläutert. Daher wird nach einer kurzen Beschreibung der allgemeinen Funktionen der Fugenelementen ausführlich auf die Frage eingegangen, durch welche Funktions- und Beschreibungsebenen sich die –s-Fuge charakterisieren lässt. Dazu werden die verschiedenen grundlegenden Merkmale der Verbindungselemente an der –s-Fuge überprüft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1. Definition – Determinativkompositum
2.2. Definition – Fugenelement
3. Zur Analyse der Frage: Inwiefern die –s-Fuge in Determinativkomposita die Standardannahmen zur Funktion der Fugenelemente erfüllt
4. Zusammenfassung der Ergebnisse zur Funktionen der –s-Fuge
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die systematisierbare Funktion der s-Fuge in deutschen Determinativkomposita und hinterfragt, inwiefern sie den gängigen linguistischen Standardannahmen für Fugenelemente entspricht.
- Phonologische und prosodische Eigenschaften der s-Fuge
- Abgrenzung der s-Fuge von paradigmatischen und unparadigmatischen Funktionen
- Untersuchung der s-Fuge als Genitivmarker oder Pluralmarker
- Rolle der s-Fuge bei der Hierarchisierung komplexer Komposita
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung:
Fugenelemente – wie -s- in dt. Volk-s-musik werden häufig mit Genitiv- und Pluralmarkern assoziiert. Die Verbindung mit Flexiven ist nicht verwunderlich, denn Fugenelemente stimmen in den meisten Fällen mit einem typischen Genitiv- oder Pluralflexiv des Deutschen überein. Ist aber die Volk-s-musik wirklich die 'Musik des Volkes'? Warum heißt sie dann nicht Volkes-musik? Die genannten Beispiele weisen auf zentrale Probleme in der Systematik der Fugenelemente hin: Die Assoziation mit Flexiven scheint in den Einzelsprachen häufig im ersten Augenblick sinnvoll zu sein, wird aber bei näherer Betrachtung des Systems schnell wieder zerschlagen. Warum heißt es z. B. im Deutschen König-s-hof, der sich genitivisch mit 'Hof des Königs' umschreiben lässt, aber auch Verbindung-s-glied, das weder genitivische Umschreibung mit 'Glied der Verbindung' zulässt (eher wird eine Präpositionalphrase wie 'Glied zur Verbindung' verlangt) noch einer Genitivform entspricht: *der Verbindungs. Warum heißt es außerdem Hand-O-tuch und nicht Händ-e-tuch, obwohl man es doch immer mit beiden Händen benutzt? Diese Beispiele genügen, um die zentralen Fragen der vorliegenden Arbeit zu illustrieren: Die Fugenelemente erscheinen auf den ersten Blick kaum systematisierbar. Dass Systematisierung zu einem gewissen Grade trotzdem erreicht werden kann, haben jedoch zahlreiche größere Arbeiten zum Deutschen erwiesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Systematisierung von Fugenelementen ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Funktion der s-Fuge.
2. Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden linguistischen Begriffe wie Determinativkompositum und Fugenelement als Basis für die weitere Analyse.
3. Zur Analyse der Frage: Inwiefern die –s-Fuge in Determinativkomposita die Standardannahmen zur Funktion der Fugenelemente erfüllt: Der Hauptteil prüft die s-Fuge anhand verschiedener linguistischer Hypothesen, wie etwa prosodischer, artikulatorischer oder morphosyntaktischer Funktionen.
4. Zusammenfassung der Ergebnisse zur Funktionen der –s-Fuge: Das Fazit stellt fest, dass die s-Fuge vielen Standardannahmen widerspricht und als "echtestes" Fugenelement eine eigenständige Rolle in der deutschen Wortbildung einnimmt.
Schlüsselwörter
s-Fuge, Determinativkompositum, Fugenelement, Wortbildung, Sprachwissenschaft, Linguistik, Genitivmarker, Pluralmarker, Kompositionsfuge, Morphologie, Phonologie, Wortart, Unparadigmische Fuge, Nominalsuffixe, Komplexität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung der sogenannten s-Fuge in deutschen Determinativkomposita und ihrer systematischen Einordnung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die morphologische Struktur von Komposita, die Funktion von Fugenelementen sowie die diachrone und synchrone Entwicklung der s-Fuge.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, inwiefern die s-Fuge in Determinativkomposita die Merkmale und Standardannahmen einer typischen Kompositionsfuge erfüllt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analysierende Methode verwendet, die auf theoretischen Modellen der Wortbildungslehre basiert und diese anhand von zahlreichen Sprachbeispielen überprüft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sechs spezifische Annahmen zur Funktion von Fugenelementen (z.B. prosodische, artikulatorische, syntaktische Funktion) auf die s-Fuge angewendet und kritisch hinterfragt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind s-Fuge, Fugenelement, Determinativkompositum, morphologische Komplexität und Wortbildung.
Was unterscheidet die s-Fuge von anderen Fugenelementen?
Die s-Fuge ist ein nicht-silbisches Fugenelement, das oft unparadigmisch auftritt und sich somit von silbischen Fugenelementen unterscheidet, die oft mit Genitiv- oder Pluralflexion korrelieren.
Warum wird die Annahme eines Genitivmarkers für die s-Fuge in der Arbeit kritisiert?
Die Arbeit kritisiert diese Annahme, da sie weder eine notwendige noch eine hinreichende Bedingung darstellt; es gibt viele Fälle ohne s-Fuge trotz Genitivverhältnis und umgekehrt.
- Citation du texte
- MA Elmira Nedelcheva (Auteur), 2008, Inwiefern erfüllt die s-Fuge in Determinativkomposita die Merkmale/Kriterien einer Kompositionsfuge?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122976