„Wer wagt, durch das Reich der Träume zu schreiten, gelangt zur Wahrheit.“
Der Traum genoss besonders in der Romantik eine große Wertschätzung. Ernst Theodor Amadeus Hoffmann war einer der großen Traumverehrer der Romantik. Dementsprechend empfand er auch den Traum als einen Weg zu ewigen Wahrheiten...
Ebenso lenkt in Hoffmanns 1819 erschienenen Werk „Die Bergwerke zu Falun“ ein Traum den entscheidenden Umbruch im Leben des Helden Elis Fröbom ein, denn der Begriff „Traum“ bezeichnet nach Alt die ins Extrem gesteigerte Entfremdung von der Wirklichkeit, in der eigentlich Freundschaftlichkeit erwartet wird, einen aber doch die Lemuren der Nacht sehen lässt. ...
Dieses Spätwerk Hoffmanns ist geprägt von einer biedermeierlichen Philisterstimmung und von Träumen, welche die Triebmächte der Hauptfigur auf starke Art und Weise beherrschen. Träume sind, wie Engel schreibt, faszinierend, irritierend zugleich und die vielleicht anthropologisch elementarste aller Dualismus-Erfahrungen, ...
Ziel dieser Arbeit ist die Vorstellung der Konzeption der Traumtheorie von der Aufklärung bis zur Romantik, die Verarbeitung Hoffmanns der Traumtheorie und die Interpretation der Träume nach sexuellen Gesichtspunkten in den Bergwerken zu Falun.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Traumtheorie
2.1. Traumtheorie in der Aufklärung und Romantik
2.2. Traum und Traumtheorie in den Bergwerken zu Falun
2.2.1. Elis’ erster Traum
2.2.2. Elis’ zweiter Traum
3. Auf ein Wort zum Schluss
4. Literatur
4.1. Primärliteratur
4.2. Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Konzeption der Traumtheorie im Übergang von der Aufklärung zur Romantik und analysiert deren spezifische Verarbeitung in E.T.A. Hoffmanns Erzählung "Die Bergwerke zu Falun" unter besonderer Berücksichtigung sexueller Aspekte des Unbewussten.
- Entwicklung der Traumtheorie: Vom psychologischen Phänomen der Aufklärung zum romantischen Unbewussten.
- Die Rolle der Traumtheorie im Werk "Die Bergwerke zu Falun".
- Analyse der Träume des Protagonisten Elis Fröbom als Ausdruck unbewusster Triebe.
- Die Symbolik von Unterwelt (Königin) und Oberwelt (Ulla) als Ausdruck der psychischen Spaltung.
- Das Spannungsfeld zwischen bürgerlichem Lebenskonzept und dem "unterirdischen Eros".
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Elis’ erster Traum
Zahlreiche Träume in Hoffmanns Werk beschreiben Triebmächte, die den Menschen auf massive Weise beherrschen. Ebenfalls „Die Bergwerke zu Falun“ weisen eine primär sexuelle Struktur auf. Zu Beginn, also nach der Rückkehr in Göthaborg von der Ostindienfahrt, macht Elis eine Metamorphose durch: er muss die Nachricht vom Tod seiner Mutter verkraften, als Ersatzfigur wählt er sich eine Prostituierte, doch weist ihr Angebot ab, da er keine Lust kennt bzw. keine mehr hat. Dann erscheint der geheimnisvolle Bergmann Torbern und beschreibt ihm in den schillerndsten Farben die Schönheit der Bergwerke von Falun. Initiiert durch Torbern beginnt Elis’ Traum und der Eros in ihm wird erweckt. Ebenso wird durch das Begehren der Prostituierten eine unbewusste Lust in Elis angeregt, die jedoch gleichwohl mit Angst verbunden ist, da das Begehren auch etwas Verdrängtes, nicht Bewusstes, sondern Unbekanntes ist. Elis’ Traum ist demnach ein Angsttraum, in dem die triebhafte Seite der menschlichen Seele ihre bedrohlichen Züge offenbart, denn wo immer die phantastische Literatur der ausgehenden Romantik von Schreckträumen erzählt, bezeichnet sie einen namen- und begriffslosen Triebgrund, der als eine gleichsam naturhafte Macht im Inneren des Menschen zu hausen scheint.
Folgendermaßen scheint die sinnliche Wahrnehmung in seinem Traum ins Groteske entstellt. So segelt er anfangs „auf dem spiegelblanken Meer“, doch dann erkannte er, „dass das, was er für das Meer gehalten, eine feste durchsichtige funkelnde Masse war“. Dieses Bild unterstreicht den sexuellen Befund, denn das Wasser erigiert geradezu zu festem Kristall. Weitere Bilder im Traum, um nur einige zu nennen, die in das Erektions- bzw. Phallusschema passen, sind folgende: in ihm „regte“ sich alles, „wie kräuselnde Wogen erhoben sich aus dem Boden wunderbare Blumen und Pflanzen von blinkendem Metall“ und „wenn die Jungfrauen lächelten, ging ein Wohllaut durch das weite Gewölbe, und höher und freudiger schossen die Metallblüten empor“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Wertschätzung des Traumes in der Romantik ein und stellt die zentrale Bedeutung der Traumdeutung für die literarische Interpretation sowie die Forschungsfrage der Arbeit vor.
2. Die Traumtheorie: Dieses Kapitel erläutert den erkenntnistheoretischen Wandel der Traumauffassung von der Aufklärung hin zur Romantik und analysiert die Rolle des Unbewussten anhand des dualistischen Nervenschemas nach Johann Christian Reil.
2.1. Traumtheorie in der Aufklärung und Romantik: Hier wird der Kontrast zwischen der aufklärerischen Rationalisierung und der romantischen Vorstellung des Traumes als Kontaktpunkt zum Unbewussten detailliert herausgearbeitet.
2.2. Traum und Traumtheorie in den Bergwerken zu Falun: Dieser Abschnitt überträgt die theoretischen Grundlagen auf E.T.A. Hoffmanns Werk und interpretiert die Erzählung als Auseinandersetzung mit Triebmächten.
2.2.1. Elis’ erster Traum: Die Analyse zeigt, wie der erste Traum den Eros des Helden weckt und eine erste Konfrontation mit dem Unbewussten sowie eine Verdrängung der Realität einleitet.
2.2.2. Elis’ zweiter Traum: Dieser Teil behandelt die Rückkehr des Helden in die Traumwelt nach dem Scheitern der bürgerlichen Lebensplanung und den finalen Verfall in den Wahnsinn.
3. Auf ein Wort zum Schluss: Das Fazit stellt fest, dass die romantische Traumtheorie Hoffmann einen idealen poetischen Rahmen bot, um das Schicksal des Protagonisten und dessen Zerbrechen an der Realität darzustellen.
4. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
E.T.A. Hoffmann, Die Bergwerke zu Falun, Romantik, Traumtheorie, Unbewusstes, Eros, Traumdeutung, Aufklärung, Phantastik, Nervensystem, Elis Fröbom, Literaturwissenschaft, Triebpsychologie, Wahnsinn, Symbolik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie E.T.A. Hoffmann in seinem Werk "Die Bergwerke zu Falun" die zeitgenössischen Traumtheorien der Romantik nutzt, um die psychischen Konflikte und den Untergang des Protagonisten Elis Fröbom darzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Traumtheorie zwischen Aufklärung und Romantik, der Symbolik von Träumen in der Literatur und der Analyse von Triebstrukturen im Unbewussten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Konzeption der Traumtheorie im historischen Kontext darzustellen und aufzuzeigen, wie diese zur Interpretation von Elis’ Träumen unter sexuellen Gesichtspunkten in Hoffmanns Erzählung beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Konzepte der Romantik (u.a. Naturphilosophie, Traumtheorien) auf den Primärtext anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der romantischen Traumauffassung und die detaillierte textimmanente Analyse der beiden Träume des Helden Elis Fröbom.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Traumtheorie, Unbewusstes, Romantik, Eros, Symbolik und die spezifische Deutung von Hoffmanns "Bergwerken zu Falun".
Wie deutet die Autorin das Erscheinen der Königin im Traum?
Die Königin wird als Projektion des unterirdischen Eros und als Personifizierung der unbewussten Triebmächte interpretiert, die für den Helden sowohl Anziehung als auch zerstörerische Gefahr bedeutet.
Welche Rolle spielt das Bergwerk in der Erzählung?
Das Bergwerk fungiert als Symbol für das psychische Innere des Protagonisten, in das er flieht, um sich dem bürgerlichen Leben zu entziehen und seinem erotischen Verlangen nachzugehen.
Warum endet die Erzählung für Elis im Wahnsinn?
Die Autorin argumentiert, dass der Konflikt zwischen der bewussten Welt (Ulla/Bürgertum) und dem unbewussten Eros für Elis nicht lösbar ist, was ihn schließlich in die völlige Preisgabe seines Ichs und damit in den Wahnsinn treibt.
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- Katharina Ströhl (Author), 2008, Traumtheorie in E.T.A. Hoffmanns "Bergwerken zu Falun", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122978