Das Klima und die Sorge um die frische Luft im Mittelalter


Hausarbeit, 2007

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Klima des Mittelalters
2.1 Das mittelalterliche Klimaoptimum
2.2 Die kleine Eiszeit

3. Die Bedeutung der Luft im Mittelalter

4. Zusammenfassung

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Was für ein Wetter im Jahr 2006: Der Winter am Anfang des Jahres kann zumindest in den mittleren Regionen Europas eher als „Matschwinter“ bezeichnet werden, der Frühling wurde aufgrund mangelnder Erwärmung und der unvollkommenen Blütenpracht so gut wie kaum beachtet, anschließend breitet sich ein bis November anhaltender Sommer aus – bei dem allerdings im August die Stricksocken ausgepackt werden mussten – und dann der beginnende Winter zum Ende des Jahres, den die Meteorologen mit milden Frühlingstemperaturen vergleichen. Die Welt und das Wetter spielen verrückt. Doch kann man immer davon ausgehen, dass jedes Quartal seine eigene ganz besondere Jahreszeit bekommt? Müssen im Sommer immer 25°C - 30°C sein und die Mücken surren oder im Winter Frost und Schnee in jeder Region auftreten?

Um eine gewisse Regelmäßigkeit oder Unregelmäßigkeit des Wetters der vergangenen Jahrzehnte und Jahrhunderte zu überprüfen, müssen Geologen, Physiker und Meteorologen auf diverse Verfahren zurückgreifen. Mit Methoden wie dem Analysieren von Schlammschichtsedimenten von Ozeangründen und von Eisbohrkernen[1] aus der Antarktis und Grönland lässt sich das Klima über Jahrhunderte genau rekonstruieren. Forscher konnten somit nachweisen, dass es in den Jahren 800 bis 1300 wärmer war als heute, ein „mittelalterliches Wärmeoptimum“ trat ein. Ab dem 14. Jahrhundert fand nach Analyse von Eisbohrkernen eine Klimawende statt, die zur sogenannten „Kleinen Eiszeit“ führte. Diese Erkenntnisse dienen auch einem noch jungen Zweig der Geschichtsforschung: der Klimageschichte. Sie beschäftigt sich damit, wie die Gesellschaft zu Zeiten von Klimawenden lebte und was für Entwicklungen oder Veränderungen damit einhergingen. Zuzüglich zu den aktuellen Quellen der Geologen und Wetterkundler werden jedoch in der Geschichtswissenschaft noch Quellen wie Kirchenaufzeichnungen und Stadtchroniken zugezogen, die einen Einblick in den historischen Alltag und den Umgang mit Wetter geben.

Im Rahmen der Vorlesung „Deutsche Geschichte I (800-1945)“ werde ich in dieser Arbeit eine Darstellung des Klimawandels und dessen Folgen für die mittelalterliche Gesellschaft in Europa aufzeigen. Dabei werde ich mich sowohl auf schriftliche Quellen des Mittelalters – wie Chroniken oder Lebensberichte – beziehen, aber auch auf aktuelle Quellen wie Wetterdiagramme und Messungen. Hinzufügend werde ich noch Bilder und Bauwerke der Zeit als Quellenmaterial einbinden. Zunächst werde ich auf die Eigenschaften und Wirkung des mittelalterlichen Klimaoptimums, anschließend auf die der kleinen Eiszeit und ihren Unterschieden zum Wärmeoptimum eingehen. Im Anschluss daran werde ich zusätzlich die Bedeutung der Luft in der mittelalterlichen Gesellschaft analysieren.

2. Das Klima des Mittelalters

Das Mittelalter kann in zwei Klimaperioden eingeteilt werden. Zum einen in das mittelalterliche Klimaoptimum, eine eher warme Klimepoche, die in ganz Europa vorherrschte und bereits um 500 begann, und in die kleine Eiszeit, die ab dem 14. Jahrhundert bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts für kühlere Temperaturen in Europa sorgten. Als Ursachen für die Temperaturwechsel in den letzten 1000 Jahren können neben den anthropogenen Faktoren[2] noch weitere genannt werden. Zum einen werden Schwankungen in der Sonneneinstrahlung, zum anderen Vulkanausbrüche dafür verantwortlich gemacht.[3]

2.1 Das mittelalterliche Klimaoptimum

Das erste Jahrtausend begann weltweit mit einer warmen Klimazeit: dem mittelalterlichen Klimaoptimum. Das Temperaturmaximum dieser Periode lag in Europa um 1100[4], wobei die Temperaturen im Jahresdurchschnitt etwa 1°C – 4°C[5] über den heutigen lagen.

Durch die wärmeren Temperaturen waren die Sommer länger und die landwirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten wesentlich größer. Die kürzeren und wärmeren Winter führten zu häufigeren Niederschlägen, die eine größere Fruchtbarkeit des Bodens mit sich brachten. Das Landschaftsbild Europas sah zudem anders als heute aus. In Grönland war es dem Namen entsprechend grün, so dass es bereits ab dem 9. Jahrhundert durch Wikinger besiedelt wurde. Zudem wurde dort, sowie in England und in Schottland Wein angebaut. Da das Packeis weiter nördlich zog und auch weniger Gletscher vorhanden waren, wuchsen sogar in dem heute eisigen Island Eichen und Wälder. Auf den nordeuropäischen Inseln und in Norwegen wurde Getreide wie Gerste und Weizen angebaut und es entwickelte sich Schafzucht.[6] Auch in Deutschland gestaltete sich die Landschaft und die Landwirtschaft anders als im 20. Jahrhundert. Die Anbaugrenzen für Getreide reichten z.B. in den deutschen Mittelgebirgen um 200m höher als gegenwärtig.[7] Mit der anhaltenden „Klimablüte“ wuchs das mittelalterliche Lebensniveau in allen Bereichen des Lebens und der Gesellschaft. So erlebte das Deutschland ab dem 11. Jahrhundert kulturell viele Höhepunkte: Das deutsche Reich dehnte sich weiter aus und auch die Bevölkerungsdichte stieg stetig an. Durch diese Entwicklung nahm nicht nur der Anteil an Wäldern ab, sondern es kam zu einer Erweiterung von Acker- und Weideland.[8] Durch die stetige Verbesserung der landwirtschaftlichen Bedingungen wurde zudem die Versorgung der Stadtbevölkerung, aber auch der Ausbau von Handel und Gewerbe gefördert. Betrachtet man diesbezüglich die Errichtung von Zünften, die einen zirkulierten Wettbewerb ermöglichen sollten, aber auch der Hanse, stellt man fest, dass zu dieser Zeit neben dem landwirtschaftlichen Aufstieg auch ein mittelalterlicher Gewerbeboom entstand. Als Ausdruck dieses Wohlstandes sehe ich beispielsweise die Entwicklung von neuen Städten mit prachtvollen Stadthäusern und Kirchen. Eine vielfältige Architektur erwuchs, der es an Reichtum und Kreativität nicht fehlte.[9] Aber auch die steigenden Handelsbeziehungen zu anderen Ländern und die Vereinigung in Gewerbezusammenschlüsse zeigen eine Absicherung der errungenen Stellung.

[...]


[1] Man kann Gletschereis sozusagen als Klimaarchiv betrachten. Eis enthält Informationen zu Tauwetter- und Vereisungsperioden, wodurch die klimatischen Bedingungen eines jeden Jahres bestimmt werden können. Zum genauen Verfahren vgl. Schubert, Ernst: Alltag im Mittelalter, Darmstadt 2002, S.22.

[2] Darunter können Siedlung, Landnutzung, Verkehr und Industrie gezählt werden.

[3] Vgl. dazu Kasang, Dieter: Die letzten 1000 Jahre. http://lbs.hh.schule.de/welcome.phtml?unten=/klima/klimawandel/klimageschichte/geschichte2.html

(Abrufdatum: 14.12.2006). So wird beispielsweise der vulkanische Anteil an den Klimawechseln zwischen 1400 und 1850 auf ca. 45% geschätzt.

[4] Hier unterscheiden sich die Angaben des Maximums zwischen dem Jahr 1000, wofür Ernst Schubert steht, und 1200, was durch Dieter Kasang vertreten wird. Vgl. Schubert, Mittelalter, S. 21. Vgl. auch Kasang, 1000 Jahre.

[5] Hierzu unterscheiden sich die Angaben stark. Von nur 1°C – 2°C gehen W.D. Blümel aus, von einem Unterschied von 2°C – 4°C kann man bei www.zum.de/Faecher/Materialien/beck/13/bs13-73.htm vorfinden. Vgl. Blümel, Wolf – Dieter: 20000 Jahre Klimawandel und Kulturgeschichte – von der Eiszeit in die Gegenwart. ORT und JAHR, S.

[6] Vgl. www.zum.de/Faecher/Materialien/beck/13/bs13-73.htm (Abrufdatum: 14.12.2006).

[7] Vgl. Blümel, W.-D., S. 22.

[8] Vgl. hierzu Abb. 18 bei Blümel, W.-D., S.22.

[9] Hier zu nennen wären der Kölner Dom, der Ulmer Münster, oder auch Handelsstädte wie Lübeck und Tallinn.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Klima und die Sorge um die frische Luft im Mittelalter
Hochschule
Jyväskylän Yliopisto  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Deutsche Geschichte I (800 – 1945)
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V122990
ISBN (eBook)
9783640279685
ISBN (Buch)
9783640283378
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Klima, Sorge, Luft, Mittelalter, Deutsche, Geschichte
Arbeit zitieren
Jessica Aniol (Autor:in), 2007, Das Klima und die Sorge um die frische Luft im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122990

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