Potenzielle Einflussfaktoren auf die Höhe der Recovery Rate von Bankkrediten an KMU. Eine Umfrage in der Bankpraxis von Jens Grunert und Martin Weber

Analyse und Beurteilung


Seminararbeit, 2008
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Symbol- und Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Überblick über das Kredit-/Risikomanagement in Banken
2.1 Der Risikomanagementprozess – kurz dargestellt
2.2 Kreditrisikomanagement in Banken
2.2.1 Bankaufsichtsrechtliche Vorschriften
2.2.2 Das Kreditrisiko – Definition und Ermittlung
2.2.3 Die Recovery Rate – Definition und Berechnung

3 Ziel und Aufbau der empirischen Untersuchung
3.1 Ziel der Untersuchung
3.2 Datenbasis
3.3 Befragungstechnik

4 Darstellung der Umfrageergebnisse
4.1 Ergebnisse der direkten Abfrage
4.2 Ergebnisse der Conjoint-Analyse
4.3 Vergleich der Ergebnisse der verschiedenen Abfragemethoden

5 Zusammenfassung, kritische Würdigung und Ausblick
5.1 Aufbau und Methodik der Umfrage
5.1.1 Methodik der Datenerhebung
5.1.2 Aufbau des Umfragedesigns
5.1.3 Stichprobenauswahl
5.2 Relevanz der Ergebnisse für die Praxis
5.3 Weiterführende Forschungsarbeiten

Anhang

Literaturverzeichnis

Symbol- und Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Das Kreditrisikomanagement der Banken erlebt seit Ende der 1990'er Jahre eine deutliche Aufwertung im Vergleich zu anderen bankbetrieblichen Steuerungsfunktionen. Dies ist zum einen darauf zurückzuführen, dass mittlerweile derivative Finanzinstrumente (z.B. Kreditderivate) in Verbindung mit Portfolioansätzen für die Steuerung von Kreditrisiken eingesetzt werden. Zum anderen wurde die markt- und risikogerechte Bepreisung von Kreditengagements und somit auch die risikoadäquate Eigenkapitalunterlegung dieser Geschäfte durch den Basler Ausschuss für Bankenaufsicht weiterentwickelt. Ziel war es unter anderem, die Anwendung besserer Risikomanagementpraktiken durch den Bankensektor zu fördern und bankinterne Risikomessverfahren für die Eigenkapitalunterlegung anzuerkennen.[1]

Die im Zentrum des Kreditrisikomanagements stehenden statistischen Modelle zur Berechnung des Kreditrisikos konzentrierten sich in der Vergangenheit stark auf die Ermittlung der Ausfallwahrscheinlichkeit. Da mit dem Inkrafttreten von Basel II auch fortgeschrittene IRB-Ansätze für die Berechnung des Risikos eingesetzt werden können, ist neben der Ausfallwahrscheinlichkeit die Ermittlung der Recovery Rate aus dem Engagement in den Vordergrund getreten. Trotz der Aktualität des Themas gibt es in der wissenschaftlichen Diskussion bisher nur wenige Arbeiten, die sich mit dem Thema Recovery Rates von Bankkrediten beschäftigt haben.

Die dieser Arbeit zugrunde liegende Studie betrachtet potenzielle Einflussfaktoren auf die Höhe von Recovery Rates von Bankkrediten an KMU.

Ziel dieser Seminararbeit soll es sein, zunächst einen Überblick über das Kredit- und Risikomanagement in Banken zu geben, um die Studie in den bankbetrieblichen Gesamtkontext einordnen zu können. Im Anschluss daran werden in Kapitel 3 Ziel und Aufbau der Untersuchung dargestellt sowie im anschließenden vierten Teil die Umfrageergebnisse erläutert. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der kritischen Würdigung der Untersuchung sowie einem Ausblick auf weiterführende Literatur zu diesem Thema.

2 Überblick über das Kredit-/Risikomanagement in Banken

2.1 Der Risikomanagementprozess – kurz dargestellt

Die Banken nehmen als Finanzintermediäre in der Volkswirtschaft eine bedeutende Rolle ein, denn sie bringen private und gewerbliche Kapitalnehmer und -geber zusammen. In diesem Prozess führen sie nicht nur Kapitalangebot und -nachfrage zusammen sondern übernehmen darüber hinaus alle Risiken, die mit diesem Verteilungsprozess verbunden sind.

Ein Teil des bankbetrieblichen Wertschöpfungsprozesses besteht also im Risikomanagement, der laut Reichling wie folgt definiert ist: „Risikomanagement stellt nun die bewusste Auseinandersetzung mit dem Eingehen von Risiken in denjenigen Bereichen dar, in denen ein Unternehmen Chancen realisieren kann, und dem Reduzieren von Risiken in denjenigen Bereichen, in denen das Risiko den erwarteten Nutzen aus den zusätzlichen Ertragsaussichten übersteigt.“[2]

Das Risikomanagement orientiert sich idealerweise an den Unternehmenszielen und versucht die bestehenden Einzelrisiken der Unternehmung zu identifizieren und durch geeignete Abläufe handhabbar zu machen. Das Risikomanagement ist als Kreislauf zu verstehen[3], der sich aus den Bestandteilen Risikoidentifikation, Risikomessung /- bewertung, Risikosteuerung und Risikokontrolle zusammen setzt.[4] Anhand dieser Definition ist das Risikomanagement auf jegliche Art von Unternehmen anzuwenden. Die Unterscheidung und Ausgestaltung des Risikomanagementprozesses zwischen den verschiedenen Wirtschaftsbranchen findet in der Identifikation und Priorisierung der Risiken statt. Kreditinstitute sind vor Allem finanzwirtschaftlichen Risiken ausgesetzt. Dieses sind Marktrisiken, Kreditrisiken, Operationelle Risiken und Sonstige Risiken.

Die Untersuchung von Grunert und Weber – und somit auch diese Arbeit – befasst sich mit einem Teilaspekt der ausschließlich dem Bereich der Kreditrisiken zuzuordnen ist.

2.2 Kreditrisikomanagement in Banken

2.2.1 Bankaufsichtsrechtliche Vorschriften

Das Kreditrisikomanagement der Banken ist aus der Notwendigkeit der Steuerung des Kreditgeschäftes und der darin beinhalteten Chancen und Risiken entstanden. Es fügt sich neben dem Management der anderen finanzwirtschaftlichen Risiken in den übergeordneten Risikomanagementprozess ein. Die Vorgabe für ein Management der Kreditrisiken ist nicht nur ein intrinsisches Motiv der Banken, sondern wird ebenfalls vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Die für die Beaufsichtigung der Banken in kreditpolitischer Hinsicht relevanten Vorgaben finden sich zum einen im KWG als auch in den Verlautbarungen des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht wider. Dieser hat mit dem 2. Basler Akkord die Eigenkapitalunterlegung für finanzwirtschaftliche Risiken, u.a. auch für Kreditrisiken, in den letzten Jahren modernisiert. Nach einer Übergangs- und Testphase sind die Regelungen nunmehr seit 2007 für alle KI in Deutschland im Rahmen der 7. KWG-Novelle[5] gesetzlich bindend. Mit dem Inkrafttreten des 2. Baseler Akkords können die KI je nach Detaillierungsgrad ihres Kredit- und Risikomanagements entscheiden, welche Methode[6] sie zur Berechnung der Eigenkapitalunterlegung ihres Aktivgeschäfts anwenden. Die Verwendung fortgeschrittener Berechnungsansätze zur Ermittlung der Risiko-Aktiva „belohnt“ der Gesetzgeber mit der Einsparung von Eigenkapital. Es besteht also in den Banken die Tendenz, rechnerisch anspruchsvolle Methoden – gemäß Basel II den erweiterten IRB-Ansatz – zu entwickeln, für die allerdings aussagekräftige Daten zur Verfügung stehen müssen.

2.2.2 Das Kreditrisiko – Definition und Ermittlung

Für das Kreditrisiko gibt es in der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur mehr als eine Definition. Nachfolgend sollen drei Definitionsbeispiele genannt werden, die das Kreditrisiko in seiner Bedeutung bestimmen. Das Gabler Bank Lexikon in seiner aktuellen 13. Auflage spricht vom Kreditrisiko als dem „Risiko, das in der Gefahr des teilweisen oder vollständigen Ausfalls vertraglich vereinbarter Zins- und Tilgungsleistungen besteht, die ein Kreditnehmer zu erbringen hat.“[7]

Schiller und Tytko unterteilen Kreditrisiken in originäre und derivative Risiken. Originäre Kreditrisiken setzen sich aus dem Bonitäts-, dem Liquiditäts-, dem Sicherungs- und dem Länderrisiko zusammen.[8] Diese Art der Definition beschreibt die Tatsache, dass „bei einem Kreditgeschäft der Schuldner den vereinbarten Kreditvertrag nicht vertragsgerecht erfüllt.“[9] Die Inhalte des zu betrachtenden Artikels von Grunert und Weber sind dem originären Kreditrisiko zuzuordnen. Ergänzend sei noch das derivative oder auch passiv bezeichnete Kreditrisiko näher dargestellt, welches nach Schiller und Tytko aus dem Zinsänderungs-, dem Inflations-, dem Währungs- und dem Konsortialrisiko besteht.[10]

Schierenbeck et. al. geben geben ihrer Definition vom Kreditrisiko noch eine quantitative Note, indem das „Kreditrisiko, das eine mögliche Verlustüberraschung umschreibt,“ nur den unerwarteten Verlust bezeichnet, „der über den bereits in der Standard-Risikokosten-Rechnung antizipierten Verlust hinausgeht.“[11] Dieser Definition folgend weist das Kreditrisiko drei Besonderheiten auf, die nachfolgend kurz genannt werden sollen.

1. In der Regel sind die Wahrscheinlichkeiten für Kreditverluste deutlich rechtsschief verteilt.
2. Aufgrund von vielfältigen Interdependenzen zwischen dem erwarteten und unerwarteten Verlust sind beide immer bei der Messung des Kreditrisikos zu berücksichtigen, obwohl der erwartete Verlust durch die Berechnung der Standard-Risikokosten bereits abgedeckt wurde.
3. Das Kreditrisiko eines Kreditportfolios lässt sich in eine analog der Kapitalmarkttheorie in eine systematische und unsystematische Komponente zerlegen. Das systematische Risiko, welches nicht diversifiziert werden kann, wird z.B. durch makroökonomische Einflüsse geprägt.[12]

Aus der Betrachtung der oben genannten Definitionen geht hervor, dass das Kreditrisiko im Vergleich zum Markt(preis)risiko schlechter zu ermitteln ist. Dies liegt zum einen an den aufwendiger zu gestaltenden statistischen Rechenmodellen, mit denen man das Kreditrisiko ermitteln kann und zum anderen an der Erhebung der für die Berechnung relevanten Daten. Diese Informationen basieren in der Regel auf bankinternen Aufzeichnungshistorien. Die Verfügbarkeit dieser Daten über Drittanbieter ist in der Regel nur erschwert bis gar nicht möglich.

Um Kreditrisiken berechnen zu können gibt es derzeit zwei etablierte Herangehensweisen. Zum einen werden optionspreistheoretische Ansätze und zum anderen, das ist die in der Praxis weiter verbreitete Methode, Ratingansätze verwendet.[13] Nachfolgend soll die Berechnung des Kreditrisikos in groben Zügen dargestellt werden.

Das Kreditrisiko bzw. genauer gesagt der erwartete Verlust (EL), den eine Bank aus einem Kreditengagement erleiden kann, wird im Wesentlichen durch drei Faktoren beeinflusst: durch die Ausfallwahrscheinlichkeit (PD), die erwartete Höhe der Forderung zum Zeitpunkt des Ausfalls (EaD) und der Verlustquote (LGD) bei Ausfall.

Der erwartete Verlust der Bank berechnet sich wie folgt:

[...]


[1] Vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht 2004, S. 2.

[2] Reichling, P. 2003, S. 26.

[3] Vgl. Anhang 1.

[4] Vgl. Reichling, P. 2003, S. 27.

[5] 7. KWG-Novelle mit überarbeiteter Groß- und Millionenkreditverordnung (GroMiKV), sowie neuer Liquiditäts- (LiqV) und Solvabilitätsverordnung (SolvV).

[6] gem. BASEL II gibt es den Standard-Ansatz, den vereinfachten IRB-Ansatz und den erweiterten IRB-Ansatz zur Berechnung der Eigenkapitalunterlegung von Kreditrisiken.

[7] Krumnow, J.; Gramlich, L.; Lange, T. A.; Dewner, T. M. 2002, S. 844.

[8] Vgl. Schiller, B.; Tytko, D. 2001, S. 5.

[9] Schiller, B.; Tytko, D. 2001, S. 5.

[10] Vgl. Schiller, B.; Tytko, D. 2001, S. 6.

[11] Schierenbeck, H.; Lister, M.; Kirmße, St. 2008, S.154.

[12] Schierenbeck, H.; Lister, M.; Kirmße St. 2008, S.156-157.

[13] Vgl. Reichling, P. 2003, S. 36.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Potenzielle Einflussfaktoren auf die Höhe der Recovery Rate von Bankkrediten an KMU. Eine Umfrage in der Bankpraxis von Jens Grunert und Martin Weber
Untertitel
Analyse und Beurteilung
Hochschule
Wissenschaftliche Hochschule Lahr  (Finanzen / Banken / Controlling)
Veranstaltung
Risikomanagement
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V123124
ISBN (eBook)
9783640286867
ISBN (Buch)
9783640287024
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Recovery Rate, RR, LGD, Kreditrisiko, Kreditausfall, Einflussfaktoren Recovery Rate
Arbeit zitieren
Sören Schramm (Autor), 2008, Potenzielle Einflussfaktoren auf die Höhe der Recovery Rate von Bankkrediten an KMU. Eine Umfrage in der Bankpraxis von Jens Grunert und Martin Weber, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123124

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