Volkshochschulen stehen bedingt durch den permanenten gesellschaftlichen Wandel vor der immerwährenden Aufgabe, den Erwartungen ihrer Kunden gerecht zu werden.
Die erhöhte Anzahl von Mitbewerbern auf dem WB-Markt und „neue Förderungsbedingungen, verschärfter Wirtschaftlichkeitsdruck“ kennzeichnen den organisatorischen Wandel an VHS. Um diesem Druck gerecht zu werden, aber auch um wirtschaftliche Effizienz staatlicher Förderung gegenüberzustellen, werden
Maßnahmen entwickelt, die eine effektivere Arbeit möglich machen.
Interne Kommunikationsschulungen von Mitarbeitern sind in der Wirtschaft längst erforscht und durch Erfolge gekennzeichnet. Es gilt Gesprächskultur, Bindung und Integration der Mitarbeiter durch künstlich und bewusst geschaffene Maßnahmen zu halten beziehungsweise zu entwickeln. Nur durch hochmotivierte, leistungsbereite und besonders gut informierte Mitarbeiter, die denen des Wettbewerbs überlegen sind, können Unternehmen auf dem Markt bestehen. Die in der Wirtschaft erfolgreich erprobten Strategien, zum Beispiel für interne Kommunikationsmodelle , können auch WB-Instituten wie der VHS in der komplizierten Phase der Neuorganisation helfen.
Die bloße Kopie solcher Modelle lässt sich jedoch nicht nahtlos an dieses weiterbildnerische Konzept der VHS, das dem Allgemeinwohl dient, anschließen.
Damit die wirtschaftliche Steuerung nicht die Qualität des Lehrens beeinträchtigt, ist es wichtig den sozialen Auftrag der VHS bei jedem Schritt zu beachten.
In der folgenden Arbeit wird zunächst aufgezeigt, dass sich die VHS als wirtschaftliches Unternehmen am WB-Markt etabliert hat und wie sich ihre Struktur und die damit verbundenen neuen Herausforderungen darstellen. Da der Ablauf des Programmes in
VHS vordergründig von PBL und KL geplant und durchgeführt wird
und diese Personen somit markante Schnittstellen in der VHS bilden, werden
deren Aufgabenfelder und Arbeitsbedingungen genauer beleuchtet.
Diese Darstellung macht deutlich, welcher weiteren Herausforderungen sich der PBL und die KL neben den pädagogischen Arbeitsfeldern stellen. Anschließend wird genauer auf die interne Kommunikation eingegangen, um unter anderem die Bedeutung der Kommunikation in sozialen Organisationen und die damit verbundenen Herausforderungen zu skizzieren. Außerdem werden die Ziele und die Gestaltungsmöglichkeiten interner Kommunikation beschrieben.[...]
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 VOLKSHOCHSCHULE
2.1 Wandel der Anforderungen an Volkshochschulen
2.2 Veränderte Berufsbilder durch die neue Wirtschaftlichkeit der Volkshochschulen
2.3 Umriss über die Personalstrukturen innerhalb der Volkshochschule
2.4 Probleme der personellen Strukturen der Volkshochschule
2.5 Das Berufsbild des Programmbereichsleiters
2.5.1 Die Ausbildung des Programmbereichsleiters
2.5.2 Über die Handlungsfelder des Programmbereichsleiters
2.6 Das Berufsbild des Kursleiters
2.6.1 Die Beschäftigungsverhältnisse von Kursleitern
2.6.2 Die Ausbildung der Kursleiter
2.6.3 Motive für die Arbeit der Kursleitenden
2.7 Zusammenfassende Darstellung der Arbeit von Programmbereichsleitern und Kursleitern
3 KOMMUNIKATION
3.1 Die Bedeutung der internen Kommunikation in Wirtschaftsbetrieben im Vergleich zu sozialen Organisationen
3.2 Herausforderungen der internen Kommunikation in Unternehmen am Beispiel der Arbeit des Programmbereichsleiters
3.3 Ziele der internen Kommunikation
3.3.1 Ökonomische Kommunikationsziele
3.3.2 Außerökonomische Kommunikationsziele
3.4 Gestaltungsmöglichkeiten der Kommunikation
3.4.1 Schriftliche Kommunikation
3.4.2 Mündliche Kommunikation
3.5 Der Kommunikationsauftrag des Programmbereichsleiters : Das Aufbauen und Pflegen von anspruchsvollen Beziehungen zu den Kursleitern
3.6 Genauere Betrachtung von Situationen zwischen Programmbereichsleiter und Kursleitern
3.6.1 Gewinnung neuer Kursleiter und dabei auftretende strukturelle Probleme aufgrund kommunikativer Differenzen
3.6.2 Einführungsgespräch und strukturelle Herausforderungen
3.6.3 Alltagssituationen zwischen Programmbereichsleiter und Kursleitern als tägliche kommunikative Herausforderung
3.6.4 Zu Planungskonferenzen und den darin aufkommenden Kommunikationsproblemen
3.6.5 Zu Wirkungskontrollen vom Programmbereichsleiter über die Arbeit der Kursleiter und dabei auftretenden Konflikten
3.6.6 Zusammenfassung: Kompakte Problemdarstellung der Kommunikation zwischen Programmbereichsleiter und Kursleiter
3.7 Fazit: Bewusste Kommunikation als anspruchsvolle Aufgabe der Programmbereichsleiter
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die kommunikativen Herausforderungen und heiklen Beziehungsstrukturen zwischen Programmbereichsleitern (PBL) und Kursleitern (KL) an Volkshochschulen vor dem Hintergrund eines zunehmenden wirtschaftlichen Anpassungsdrucks.
- Wandel der Anforderungen an Volkshochschulen und deren Folgen für die Personalstruktur.
- Berufsbilder und Rollenkonflikte von Programmbereichsleitern und Kursleitern.
- Die Bedeutung und Gestaltung interner Kommunikation in sozialen Bildungsorganisationen.
- Analyse typischer Konfliktsituationen in der Zusammenarbeit (z.B. Planungskonferenzen, Wirkungskontrollen).
- Entwicklung von Ansätzen für eine bewusste, strukturierte Kommunikation zur Beziehungsverbesserung.
Auszug aus dem Buch
3.6.1 Gewinnung neuer Kursleiter und dabei auftretende strukturelle Probleme aufgrund kommunikativer Differenzen
Als alles belastendes strukturelles Problem gilt die Finanzknappheit der VHS, unter der der PBL nur eine beschränkte Auswahl an KL generieren kann. Pädagogische Ziele geraten dabei in den Hintergrund und sind auch nicht immer hauptentscheidend bei einer KL-Wahl unter eingeschränkter „Personalpolitik“ durch den Träger der VHS. Begründet durch den hohen organisatorischen Aufwand ist es dem PBL nur eingeschränkt möglich unabhängige Kontaktgespräche zu führen. Häufig gelten diese gleichsam als Einführungsgespräch. So besteht ein Widerspruch in der Deutung, wenn ein PBL Kontakt zu KL aufnimmt. Für den KL bedeutet dies eher, dass er unmittelbar vor einem Auftrag steht, der PBL hingegen möchte bislang nur sein Netzwerk aktualisieren oder ausweiten und nur gegebenenfalls diesen KL auch engagieren.
Diese unterschiedlichen Erwartungen schon bei der ersten Kontaktaufnahme erfordern vom PBL ein Geschick, sich klar auszudrücken und dem KL keine falschen Aussichten zu schildern. Denn gehen KL und PBL mit ihren unterschiedlichen Erwartungen in das erste Gespräch, so kann es leicht zu einem unklaren Beginn der Arbeitsbeziehungen und somit zu heiklen Beziehungen kommen. Der KL wird in seinen Erwartungen an eine Anstellung enttäuscht und der PBL kann die Vorstellungen des PBL nicht gleich erfüllen. Es bedarf also einer klaren Kommunikation zwischen beiden, um Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen von Beginn an zu klären.
Ein weiteres Problem erschließt sich aus der institutionsbezogenen Vergangenheit des PBL. So wurde er sehr lange nur als organisatorische Kraft verstanden, die nun schließlich auch für die Ausgestaltung des Programmes, die Personalrekrutierung und zusätzlich auch für die Netzwerkbildung in dem Programmbereich zuständig ist. Einige KL können nun in der Position des PBL noch keine für Personalentscheidungen zuständige Person sehen und möchten nähere Fragen nicht beantworten. Klare Aussagen des PBL sind deshalb nötig, um dem KL Ziele des Gespräches mitzuteilen, um Missverständnisse zu vermeiden und um heikle Beziehungen zu Beginn des Kontaktes gar nicht erst entstehen zu lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Arbeit thematisiert den organisatorischen Wandel an Volkshochschulen und unterstreicht die Notwendigkeit verbesserter interner Kommunikation für die Zusammenarbeit von Programmbereichsleitern und Kursleitern.
2 VOLKSHOCHSCHULE: Dieses Kapitel analysiert das Berufsbild der Beteiligten, die Auswirkungen wirtschaftlicher Anforderungen und die resultierenden Spannungsfelder innerhalb der Personalstruktur von Volkshochschulen.
3 KOMMUNIKATION: Der Hauptteil untersucht theoretische Grundlagen der internen Kommunikation, spezifische Kommunikationsziele sowie konkrete Gesprächssituationen und Konfliktherde, die die Zusammenarbeit zwischen PBL und KL belasten.
Schlüsselwörter
Volkshochschule, Programmbereichsleiter, Kursleiter, interne Kommunikation, Bildungsmanagement, Mitarbeiterzufriedenheit, Personalstruktur, Berufsbild, Gesprächskultur, Konfliktmanagement, Organisationswandel, Weiterbildung, Führungskompetenz, Arbeitsbeziehung, Planungsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit befasst sich mit der professionellen Zusammenarbeit zwischen Programmbereichsleitern und Kursleitern an Volkshochschulen unter dem Einfluss gestiegener wirtschaftlicher Anforderungen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Berufsbilder, den strukturellen Problemen der Volkshochschule, der Bedeutung von interner Kommunikation sowie der Untersuchung konkreter, häufig konfliktreicher Interaktionssituationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die "heiklen Beziehungen" zwischen Programmbereichsleitern und Kursleitern zu identifizieren und aufzuzeigen, wie durch eine bewusste und klare interne Kommunikation die Zusammenarbeit und das Betriebsklima verbessert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die bestehende Erkenntnisse zur Organisationsstruktur und internen Kommunikation von Volkshochschulen mit Modellen aus der Wirtschaftswissenschaft verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung der Berufsprofile, die Analyse von Kommunikationszielen und eine fallorientierte Untersuchung von Arbeitssituationen, wie etwa Planungskonferenzen und Einführungsgespräche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Volkshochschule, Programmbereichsleiter, Kursleiter, interne Kommunikation, Organisationswandel und Mitarbeiterführung.
Warum wird die Beziehung zwischen PBL und KL als "heikel" bezeichnet?
Aufgrund der unklaren Rollenverteilung, der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Kursleiter und des ständigen Zeitdrucks bei gleichzeitig komplexen, oft nicht formalisierten Kommunikationswegen entstehen häufig Missverständnisse, die das Arbeitsverhältnis belasten.
Welche Rolle spielt der sogenannte "Seismograph" in der Arbeit?
Der Programmbereichsleiter fungiert als "Seismograph" der Region, um gesellschaftliche Trends und Bedürfnisse frühzeitig zu erkennen und in das Kursprogramm zu integrieren.
- Citation du texte
- Katja Möwe (Auteur), 2009, Heikle Beziehungen - Kommunikation in der Volkshochschule zwischen ProgrammbereichsleiterInnen und KursleiterInnen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123125